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Full text of "Vierte Continuation der Ausführlichen Nachricht von den saltzburgischen Emigranten, die sich in America niedergelassen haben. : Worin enthalten sind: I. Das Tage-Register der beyden Prediger zu EbenEzer in Georgien vom. I. Iul. 1737. bis auf den 31. Mart. 1739. II. Gedachter Prediger, wie auch einiger Saltzburger und andere Briefe, vom Jahr 1739. III. Ein Extract aus Georg Sanftlebens kleinem Reise-Diario, als derselbe zu Ende des Ianuarii 1739. mit etlichen Colonisten wieder nach Georgien gegangen. IV. Ein Verzeichniss aller Personen, die theils den 19. May 1739. in EbenEzer gelebet, theils von Anno 1734. bis dahin gestorben."

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N Worin enthalten ſind: i 5 

I. Das Tage⸗Regiſter der beyden Prediger zu Eben zer in 
GSGeorgien vom 1. Iul. 1737. bis auf den Zr. Mart. 1739. 
II. Gedachter Prediger, wie auch einiger Saltzburger und 

anderer Briefe, vom Jahr 739. Se 

III. Ein Extract aus Georg Sanftlebens kleinem Reiſe⸗Dia⸗ 

rio, als derſelbe zu Ende des Ianuarii 1739. mit etlichen 
Coloniſten wieder nach Georgien gegangen. 
IV. Ein Verzeichniß aller Perſonen, die theils den 19. May 
1739. in Eben Ezer gelebet, theils von Anno 1734. bis da ⸗ 


hin geſtorben. | | 
| hin ge Nebſt | 


einer Vorrede 
15 herausgegeben 5 M 
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Samuel Urlſperger, ö 
a Des Evangeliſchen Minikterii der Stadt Augſpurg Seniore und Paſtore Mm 
5 18 der Hauptkirche zu St. Annen. | 


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3 NLE, in Verlegung des Waͤyſenhauſes, M DCC RXXX. 


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Vorrede. 


welcher Mittags den 28. Jan. in dieſem laufenden Fahr mit 


noch ſechs andern Coloniſten von hier abgereiſet, und den 
27. Jun. alt. Cal. auch Vormittags mit feinen Reiſe⸗Ge⸗ 
hf geſund und wohl in Eben&zer angelanget, iſt das 
dritte Stuͤck in dieſer Aten Continuation. Der chriſfliche 
Leſer wird ſich aus der Vorrede zu der dritten erinnern, - 
wie wir daſſlbſt gemeldet, daß man nunmehro den Brie⸗ 
fen aus Georgien täglich entgegen ſehe, und de sch 
fe, mit einer guten Nachricht von ihrer daſelbſt gluͤcklich g 
ſchehenen Ankunft erfreuer zu werden. Solche Briefe 
ſind den 16. Nov. angelangt, und haben vieler Hertzen, 
die darauf gewartet, mit Troſt und Freude erfülſet, daß 
der getreue Ott auf der gantzen Reiſe mit Diefen ment 
gen Coloniſten geweſen, das Hertz des Scheff⸗Capitains, 
ſo fie fuͤhrete, ſehr zu ihnen gelencket, ſie aus mancher 
Gefahr und mißlichen Umſtaͤnden errettet, und ſie zu m⸗ 
men an Ort und Stelle, dahin ſie kommen ſolten, mit Va⸗ 
ters⸗Haͤnden gebracht hat. Welch ein Frohlocken dieſe 
Ankunft unter den Inwohnern Eben Ezers, die man bil⸗ 
lig nebſt andern wenigen die Stillen des Landes in der 
neuen Colonie Georgien nennen mag, erwecket habe, 
wird zu ſeiner Zeit aus der Herren Prediger Diario vom 


Monat Jun. und Jul. dieſes Jahrs zu erſehen ſeyn. In⸗ 


fonderheit hat es die Herren Prediger und andere chriſtuche 
Hertzen der Gemeine vergnuͤget, daß Sanftleben fein 
Wort redlich gehalten, und aus groſſer Liebe zu dieſer neu⸗ 

en Pftantz Stadt, auch aus Danckbarkeit gegen die Her, 
ren Prediger für das, was Gott durch Sie an ſeiner See ⸗ 
le gearbeitet hat, ohnerachtet fo vieler neuen Beſchwer⸗ 

lichkeiten, die er vor ſich ſahe, und der anderwaͤrls ihm zu 

ſeinem guten Unter kommen gethanen olterten, doch wie. 
der zuruck gekehret iſt. Woben wir zu melden nicht ver⸗ 
geilen ſollen, daß wir von dieſer Leute Ankunft viel fruher 


Vorrede“ 


wür der echo worden ſeyn, wenn n flenid nicht einige einige 
Wochen in Sonden vor ihrer Einſchiffung hätten ſtille liegen 
muͤſſen, und wofern ſich hernach eher ein Schiff gefunden 
hätte, mit dem es aus Georgien Briefe zu ſenden möglih 
gewesen wäre. Wie denn auch dahero die Herten Predi⸗ 
ger denen, m mit welchen ſie correſponditen, mehrmalen 
ſchon geschrieben, daß die Urſach der ſpaͤten Ankunft ihrer 
Briefe und Diarii ſey, entweder daß öfters eine lange 
zeit gar keine Schiffe abgehen, mit welchen ſie ihre Brief 
. ten fortbringen koͤnnten, oder daß dieſelbe einen grof⸗ 
fer gen | 1 z nehmen, ehe ſie nach England kommen. Zu⸗ 


nden, theils von allen und teden Perſonen, ſo alten 
al Ei unge 0 Nec den Toren May dieſes Jahrs in Eben⸗ 

bey Leben geweſen 5 ſolchen, die von 1734. 
dis dahin daſelbſt . — . — —— 


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Ver 1 6 ein ron e dee der te unanſehnli ⸗ 
N rt digen Welz Augen, deſto herrlicher in 
ot Augen fh: und Berk, de tie fer er in der Stille 

unter ſichwurtzelt, ohne ein groſſes Geruͤuſche zu machen, 

dDeſte mehr ausbreiten und uber ich wachſen wird, alſo, 
daß wir noch ietzo dieſer Gemeine zu gut bis in die neue 
Weft hinein nach und zurufen dürfen, wie wir, als der 
=>, MEER vor rn Geena beg eng 
5 93 nna 


neigte Leſer auch eine accurate Verzeich? 


geſchehe; wie denn die brieflihe Aufmunter 


Vorrede. 

Anna 1733. am Feyertage Simonis und. Zuda fin 
ihnen zu Troft, allen feinen damaligen aber auch zufü 
tigen Feinden, oder wer ſich ſonſten an ſie, ihnen zu ſcha⸗ 
den, machen, und flean Seele und Leib zu beleidigen fur 
chen wuͤrde, zur Warnung oͤffentlich ſagten: Ver⸗ 
we 38 denn es iſt ein Segen darinnen. 
Jeſ. 05, 8. g E 6 * 8 
So viel Do e e ee 
Gibt der HERR Leben und Geſundheit, ſo ſoll unter 
feinem Beyſtand auf die künftige Oſter Meſſe die ste, ſo die 
neun uͤbrige Monate des 1738. Jahrs in ſich halten wird, 
folgen, und ſolcher die inzwiſchen einlaufende Briefe wie ⸗ 


derum beygedruckt werden, in der gaͤntzlichen e 
ven 


daß mehrern mitfernerer Edirung derſelben ein Gefa 


von vielen Orten noch immer an mich auesaebenc ntinui⸗ 
ren, und erſt vor wenig Tagen ein erfahrner Theologus 

unſerer Kirche an mich unter dem sten Nov. schreiber; | 
„Mir ſelbſt iſt das Eben Ezeriſche Schreiben, ſo die Gemei⸗ 

„ne daſelbſt an Ew. „ geſchrieben, zu lefen gar ange ⸗ 
„nehm, und zur Fuͤrbitte fuͤr Lehrer und Zuhoͤrer da⸗ 
„ſelbſt erwecklich geweſen, und bin ich für die freundliche 
„Communication ſehr verbunden. Die 2te Continua- 
„tion habe jüngſthin mit groſſer Bewegung geleſen, und 
„wünfchte ich, daß viele Prediger in Europa dur: das 


„Exempel der treuen Arbeiter in Ebenckzer und ihre löbe 


„lich führende curam animarum ſpecialem erweckt wer⸗ 
„den möchten, in ihre Fußſtapfen zu treten, unſere Ge ⸗ 
„meinen aber in ſo gute Wege und Ordnungen ſo willig, 
„als jene, ſich einfuͤhren lieſſen. Die Herausgabe die⸗ 


„ſer Continuation, und zwar in ſolcher Geſtalt und Art, 


„halte für ſehr nuͤtzich. Gott lege vielen Segen darauf! 


„Mit, Uberfendung der; Arndiſchen. Paßions⸗ Puschen 
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Grande Edirung von einer Hochgraͤflichen 
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altzbi er in America ng etl⸗ 


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- „folder zur m n Glaubens ⸗ tärckung, wie dem 
a eben fel- en! rof. Francken und andern in gleichen 
— mſtand en auf; eee ee Inzwi⸗ 

chen gratulirxe ich Ew. +». von Bergen, wie zu dieſer, 
„al auch zu denen übrigen erfahrnen Proben der treue⸗ 
„sten Vorſorge unſers himmlischen Vaters, und ver⸗ 


wWharre in der Hemeinſbaft unſers 1 Jesu 


7 9 Bug 
Br, Diesem e genoch bey, was ein chr er mitleidi⸗ 


ſtder Armen deſorget wird) 


edarıı ber mit Ihnen a 


er und Fin Ausbreitung des Reiches Heilt wohlge⸗ 


ter Medicus unter dem 10. Nov. ann. curr. an mich 
ſchrifelich gelangen ließ. „Ew. ⸗⸗wertheſte Zeilen find 
„mir dieſes mal doppelt angenehm geweſen, da ſeit 4. 
„Wochen die alhier entlehnte geſe 15 Ebenezeriſche 
„Nachrichten mein kaͤgliches Silk waren, daß mir da⸗ 


whero ſolche zuzulegen wünſche, und zugleich die zte und 


N Continuation mit Verlangen erwarte, wofuͤr ſaͤmt⸗ 


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Vorrede. 


‚lichen beygeſchloſſenes uͤberſende, und den Über 
„von erſuche, der Armen⸗Caſſe in Ebene zer zu Fr 


fein 
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„wahren Seelſorger ſich auch (ui e e gebeſſert ha⸗ 


»verurſachet, müſſe zu GOttes Ehre und der Frommen 


„Freude noch ferner ſtegen en. 
Der HERR ſey geprieſen, der in der Naͤhe und 


Ferne noch immer ſolche erwecket, welche ſich dieſer lieben 


und wohlriechenden Gemeine, (die uͤbrigens in dieſem ent · 
legenſten Lande wie ein einſamer Vogel auf dem Dach iſt,) 
mit Rath und That annehmen, und theils ſelbſt ihr 
Scherflein zum Bau des Reiches Gottes in ſolchem Lan⸗ 
de einſenden, theils andere ein gleiches zu thun liebreich 
ermuntern. Wie denn erſt dieſer Tagen von zweyen 
Hochgraͤflichen Hoͤfen die wiederholte Nachricht erhalten, 
daß für die lieben Eben Ezerer von Zeit zu Zeit einige ar 

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da uns zw ir nichts ‚übrig en wir find. 

dreht mit dem Oeconon o, feiner, Frauen und 
edlichen Seelen üͤberſc a 5 Freuden. 


13 und Erwachſene find mit. Kleidern t t 
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Vorrede. 


ie Frucht im Felde, auch fuss Wayſenhaus, ſiehet ſehe 
Br oͤnz daher wir uns ſchon ohne ſonderliche Ausgaben 
„eine Zeitlang behelfen werden. Wer weiß, woher 
vuns der weiſe und gute GO d mittler Weile et 
„was zuwirft ,, 1 9 75 ut GOTT? + 
Zeit und bey nahe an eben d e e, da H 
pt Worte i in der neuen We t 


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berchich 1 0 . Mane ann. immer weiter 
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ſtaͤndig ret. imm ir 7 | 
Legale bed auß A 95 5 Un | 
fondere Ehen des Fön hen Vaters 10 10 5 9 
machet, daß ich, der ich vor ih, 05 ern ver a 
für Eben Ezer zu beten, und olches Volck zu li 9750 5 
dem zwiſchen England und Spanien A 00 
ge ruhig ſchlafe. Dann dies label 1 st 
geleget it, bender kene Kal ERKU „Hauen 8 
8 Ani Han 2 1 A. 
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fiber fortaßpracht werden koͤnne. Allein, da Die Veßirg rg 
Wechſel oder Alignation ihnen von bet an rene / To ift. desw 
nichts widriges zu befuͤrchten. 


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Vorrede. 


„ Schloffeyer 2) daß der 


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5 en a neuen Welt etablirten de 
5 — at Be ebenfalls fuͤr ſie zu beten, daß ſie ſich 
J 80 . und, wenn ſie 


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in die neue ſchicket! 


i Welt Maite zur 2 SER 5 
ommen, die Ara 


2 3 artig, daß, die zu uns ge 


fe iii! Jo werden in Anſehung diefer und 
. werde 5 die letzten, und die letzten die erſten. 
| * * am Ende dieſer apa zu melden, And 


5 Wahrheit: daß ſolcher Name 1 u 
aud ewige Wahrh ſolcher ) Beach 


be 8 bauer; De ern 


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ſſen werden doch alle Gönner. und 


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4 R pe zu erlangen, nun uns ʒu kraͤftiger 
An eſſelbigen ermuntern! So gehts im 


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Vorrede. 5 — 
aus dieſer neuen Fortſetzung klaͤrlich zu erſehen, wie unge. 
gründet diejenige Nachrichten, und ne des Schwei, 
gers, deſſen Schreiben in den mir eben zuge 


H. E. Vinar. 7 1090. des zten Bandes angefuͤhret, aber 
gleich darauf von einem andern mit Recht widerleget wird, 
in Betreff Georgiens ſeyn. Man will von ſeinem Gemuͤ⸗ 
the nicht uriheilen, mit welchem und in was fuͤr einer Ab⸗ 
ſicht, ſo Gott zu uͤberlaſſen, der Schweitzer es geſchrie⸗ 
ben; in dem aber, was er von Eben Ezer einflieffen laſſen, 
wird er von den hier eingedruckten Original Schreiben of⸗ 
fentlich refutirt: wie man denn in dieſe Nachrichten bis⸗ 
hero nichts gebracht, auch hinfuͤro mit Willen und Wiſ⸗ 


fen nichts darein bringen wird, als was man mit ohnfehlba⸗ 


rem ſichern Grund der Wahrheit, obgleich nicht allezeit 


nach eines ieden Geſchmack, (dann dieſer iſt gar zu ſehr, 
chrichtigen kan. 


ſonderlich heut zu Tag, unterſchieden) benachrichtigen kan. 
Übrigens iſt man erbötig, einem ieden, der dis und je⸗ 
nes an dieſen edirten Nachrichten auszuſetzen haben moͤ 

te, und mich darüber ſchriftlich zu befragen belieben wol⸗ 


te, geziemende Antwort zu ertheilen, oder auch, wann 
hier oder 


eines und das andere ohne ſchriftliche Anfrag 
da gegen dieſe Nachrichten gelegenheitlich gedrucket wurde, 
in denen kuͤnftigen Vorreden zu den neuen ene Gen 


terung zu geben. Hiemit ſeye der chriſtliche Leſer GOt⸗ 


tes Gnade treulich empfohlen. Augſpurg den . Der. 


1739. n 


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Samuel Urlſperger 
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8 85 Erſies Stuck: 
Er been Prediger, Herrn Boll, 
und Herrn Gronau, | 


8 Hage. Regiſter 
vom 1. ar 1737. bis 31.9 Mart. 1738. 
jahr eh SE AVLIV S 


. 1. Hl. Die Leute werden haͤufig kranck 2 und für eng 1737. 
het man den heftigen Fiebern theils mit Aderlaſſen an 
guten Tagen, theils mit guten Artzneyen zu begegnen. 
Einige nehmen keine Artzneyen, ſondern hoffen ſo 
) geſund zu werden. Purisburgiſche Leute erzehlen, daß 
a daſelbſt diejenigen, die Artzneyen gebraucht haben, 
8 > Ahle aber, die nichts genommen, geſund worden ſind. 
Als ich das letzte mal in Purisburg war, wurde mir erzehlet, daß 
ei lige Schieß Pulver „ ir. Alaun in Fieber gebraucht und davon 
geſund worden. Die Hitze iſt einige Zeit her fo groß, als wir fie 
& kaum vorm Jahre gehabt haben. Wegen des lange ausgebliebe⸗ 
8 nen Regens ſtehts um die Frucht im Felde nicht gut. 
Den ꝛten. Wegen der allzugroſſen Hitze wird ietzt nur Vor⸗ 
| ehe See gehalten. Es find der Kinder wenige in der Schu⸗ 
le, und welche noch geſund find, werden bey den krancken Eltern 
2 ar Anverwandten gebraucht. Wir haben einen Mann und 5 
Americ. IV. Sort SH Tl 3 Weib | 


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Bra: 


Anno 1737. 
Iul. 


Diarium. er 
Weib angenommen, die den Krancken in der Gemeine, welche fich 
ſelbſt nicht helfen koͤnnen, in der Aufwartung an die Hand gehen ſol⸗ 
len, N ihnen aus der Armen und Krancken⸗Buͤchſe etwas ge⸗ 

ahlet wird. Eu 
ib Den 3ten. Ich habe ſeit der letztern Reiſe nach und von Sa⸗ 
vannah das dreytaͤgige Fieber, welches ohne Kaͤlte, aber in heftiger 
Hitze beſtehet, gehabt; und ob ich wol gemeynet, dieſen Tag den 
Gottesdienſt mit zu halten, auch ſchon in der Verſammlung war, 
ſo ließ es die Heftigkeit des Fiebers doch nicht zu, das Wort des 
HEren zu verkuͤndigen. Inzwiſchen hatte ſich mein lieber College 


ſchon in etwas auf eine Predigt über das Evangelium Luc. 6, 36. 


fegg. praͤpariret, die er denn auch gehalten. Ich hatte mich wol 
ſehr gefreuet, heute uͤber gedachten Text mir und der Gemeine zum 
Heyl nach goͤttlichem Willen vorzuſtellen: Das Hertz des Vaters 
und ſeiner Kinder. Die wenigſten Leute koͤnnen wegen des Fiebers 
in die Kirche kommen. So viel als es die faſt unertraͤgliche Son⸗ 
nen⸗Hitze zulaͤßt, beſuchet mein lieber College die vielen Krancken, 
und wuͤnſchte er wol hertzlich, zu allen an iedem Tage zu kommen, 
weil die redlichen Seelen unter uns ein groß Verlangen darnach be⸗ 
zeigen, es auch im Geiſtlichen und Leiblichen viel Nutzen hat. Der 
liebe GOtt hat es vorm Jahre ſo weislich eingerichtet, daß wir doch 
nicht beyde auf einmal Franck worden, ſondern einer doch immer 
einiges Vermoͤgen gehabt, Öffentlich und priuatim die Gemeine zu 
an Er wird auch dismal nach ſeiner Barmhertzigkeit mit n 
handeln. 945 ee 
Den aten. Auf meiner neulichen Reiſe von Savannah nach 
Haus, wurde mir in Purisburg erzehlet, daß der Schuhmacher A. 
ſich in Rum vollgetruncken, und in ſolchem Zuſtande mit Reden und 
Schreyen aͤrgerlich geweſen ſey. Es waren noch drey aus der Ge⸗ 
meine bey ihm, die zuſammen Proviſion von Savannah holen ſolten, 
aber nichts brachten. Der Schuhmacher ging darauf zum Tiſch des 
HeErrn, weil ich von dieſem groben Vergehen nichts wuſte, auch 
ihm was beſſers zutrauete, da er ſchon einmal wegen feines Vollſau⸗ 
fens auf der Reiſe die Kirchen⸗Diſciplin erfahren hatte. Nach dem 
Gebrauch des Heil. Abendmahls reiſete er uͤber Purisburg zu feiner 
Tochter, die er von einem Englaͤnder, dem ſie wegen Bezahlung 105 
* 


auf ſeine Zuruckkunſt, da ich ihn denn vorgenommen, und von der 


hung ſeines Worts gebracht, hat mich auch wohl verſichert, daß ihr 


a Diariut „ 075 


5 . 5 5 — ———— —DmU ä4 
bes Paflage- Geldes auf etliche Jahr verkauft iſt, gern los machen Anno 1737. 
"u 


wolte. So bald ich von ſeinem Vollſauffen, dabey er das heilige 
Abendmahl dismal eben fo ſchaͤndlich, als vor der neulichen Kirchen 
Diſciplin gemißbrauchet hat, Nachricht bekam, wartete ich nur 


Gemeine bis auf reelle Probe einer wahren Vuſſe ausgeſchloſſen haͤt⸗ 
te. Heute aber empfange die unvermuthete und betruͤbte Nachricht, 
daß er in Purisburg ins Waſſer gefallen und ertruncken ſey. Und 
alſo hat ihn der heilige und gerechte GOT, der ſich nicht ſpotten 
laßt, von der untern und obern Kirche eher excludiret, ehe es von 
uns, ſeinen unwuͤrdigſten Knechten, geſchehen koͤnnen. An dieſem 
Manna hat GOTT eine groſſe Barmhertzigkeit gethan. Er iſt oh⸗ 
ne Erkenntniß aufgewachſen, iſt als Soldat in Daͤniſchen Dienſten 
gedweſen, nur um auf gut heydniſch fein Fortun in America zu ſuchen, 
nach Caroline gekommen, wo er nebſt ſeiner gantzen ſtarcken Fami⸗ 
ie wegen des Paflage - Geldes verkauft worden. Weil aber ſein 
Herr ſiehet, daß er dieſen alten Mann mit feinen kleinen Kindern 
nicht wohl gebrauchen Fan, fo dimittiret er ihn unter der Condition, 
daß er ihn in etlichen Jahren bezahlen, und ihm die aͤlteſte Tochter, 
um ihres eigenen Paſſage. Geldes willen, in ſeinen Dienſten behalten 
laſſen ſolte. Darüber koͤmmt er nach Savannah, und endlich mit 
dem zten Transport, der eben daſelbſt ankommen war, nach Eben⸗ 
Ezer, ob ſich wol dieſer Mann mit ſeiner Familie, nach der neuen 8 
Stadt Friederiea zu gehen, bey Herrn Cauſton anheiſchig gemacht 
hatte. Sein Weib nahm Gottes Wort zu ihrem Heyl an, und 
hat mit ihren Kindern Gott gedancket, daß er fie und ihren Mann 
aus dem unordentlichen Leben zu der reichen und lautern Verkündi⸗ 


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Mann anfange ein wenig nachzudencken, vielleicht laſſe er ſich 9% 
winnen. Aber daß alte Sünder felten bekehret werden, und daß, 
wenn ſich GO an den Menſchen durch Erweiſung ſeiner Gute 
und Wohlthaten nicht verherrlichen und Ehre einlegen kan, er es 
zuletzt durch feine Gerichte thue, wie a dee e und an dem 
Wolcke Iſrael zu ſehen, das wird durch dieſes Exempel bekräftiget. 
Der Mann hat mit dem Boote, welches Rauner und Riedelſperger 
nach der neuen Fortrelſe über Savannah Town herauf rudern hel⸗ 


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2076 Diarium | | 
Anno 1737. fen, nach Haufe reifen wollen, und iſt neulichen Freytag im fpäten 
Iul. ” Abend, da er vom Lande ins Boot ſteigen wollen, hinein gefallen. 
Vid. 1 1. Iul. So wol der Patron des Boots, als Rauner und ein 
Engliſcher Knecht, verſicherten mich, daß es menſchlicher Weiſe 
beym hellen Monden⸗Schein faſt nicht moͤglich geweſen, hier ſein 
Leben einzubuͤſſen; ich ſagte ihnen aber, daß goͤttliche Gerichte es 
wohl möglich machen koͤnten, und gab dabey eine noͤthige Eemah⸗ 
nung. Ohnerachtet nun diß ein ſolcher ſchrecklicher Fall war, ſo 
wurde ich doch durch ein beſonder Exempel an dieſem Tage bekraͤf⸗ 
tiget, daß durch Gerichte, leider! wenige, wenige bekehret und 
beſſer werden, wo fie dem Evangelio unſers HErrn JEſu CHriſti 
nicht gehorſam werden wollen. Die Furcht und Schrecken uͤber 
die Suͤnde iſt mehr was in die Sinne fallendes und vorbeyrauſchen⸗ 
des, als daß es zur rechten Hertzens⸗Demuͤthigung über den erkan⸗ 
ten Greuel der Suͤnden kommen folte: e ee 
Den sten. Ich hatte den K. bey mir, welcher gleich dem 
Schuſter A. ſich in Rum uͤbernommen haben ſolte, er verſicherte mich 
aber unter Thraͤnen fo, wie er ſichs an jenem Gerichts ⸗Tage zu ver» 
antworten getraue, daß ihm dergleichen nicht bewuſt, ſondern ſein 
Unvermoͤgen zum Rudern, daraus man ſolches hätte ſchlieſſen mis _ 
gen, ſey von einer Leibes⸗Schwachheit entſtanden, welche ihn ſchon 
vor Purisburg befallen habe. Inzwiſchen, da er von dem Volle 
faufen des A. gewuſt, und es fo mit anfehen koͤnnen, daß er gleich 
darauf das Heil. Abendmahl gemißbrauchet, und es doch nicht an⸗ 
gezeiget hat, daß man ihn zum Heyl ſeiner Seelen von dieſer heiligen 
Mahlzeit abgehalten hätte, fo ſagte ich ihm und dem H. der auch 
um folchen Greuel gewuſt, daß ſie hohe Urſach hatten, von Hertzen 
Buſſe zu thun, wo die Sünden des A., deren fie ſich durch ihr 
Stillſchweigen theilhaftig gemacht hatten, ihnen nicht auf ihre Rech⸗ 
nung ſolten geſchrieben bleiben. Der Spruch Jac. 5, 19. 20. wur⸗ 
de hiebey vorgeleſen und eingeſchaͤrft. Es find ſeit geſtern die Eng⸗ 
laͤnder an unſerm Orte, welche einige Provifion ins neue Fort über 
Savannah⸗Town hinauf rudern ſolten. Sie haben ſich aus allem 
Vermoͤgen bemuͤhet, einige Leute aus unſerer Gemeine zu gewinnen, 
daß ſie mit ihnen hinauf reiſeten. Weil ich aber meinen Conſens 
nicht dazu geben konte, ſo iſts zuruͤck gegangen, ob wol - ” 
ur 


‚einem Englifcpen zu dieſem Boote gehörigen. Knechte der de Ba⸗ 
dens wegen ins Waßeer geſprunge n, und von einem groſſen Croco⸗ 
dil ergri 4 


Sefc) n in unſern Hof kam, und um Mittel zur Heilung bat. Es 
Heute iſt mein Fieber zeitig abgegangen, daß ich auch daher 


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us Butjenters kund, daß er fich bemüße, für unsere Hemel. 
ne Bekten und alte Kleider aufgubringen, und gebe von derſelben Her⸗ 
ſchickung freundliche und gewwiſſe Berſicherung. 2) Sagte ihnen 
auch etwas von dem bereitwilligen Erbieten des Herrn D. Gerdes in 
Londen, unſerer Gemeine ins kuͤnftige auf moͤgliche Weiſe zu dienen. 
Hierauf zeigte ich die Urſachen an, warum ich ihnen die gedachte 
Puncte vorgeleget hätte, nemlich daraus die hertzliche Vorſorge 
Gdttes fir unſere Gemeine zu erkennen. Er hätte bisher folche 
augenſcheinliche Proben ſeiner Vorſorge in ſo vielen Wohlthaten 
Pireniaftn und mache uns auch ſchon aufs Fünftige zu neuen Wohl⸗ 
thaten gewiſſe Hoffnung. Daher ſey es ja wol ein ſchlecht Zeichen, 
daß einige gantz unbeſonnen ſich auf eine Zeitlang von der Gemeine 
dennen, und duch menſchüche Wehe und Meynungen den Pr 
fungen und Mangel entgehen wolten. Von ſolchen koͤnne man es 
unmoglich glauben, daß fie bloß um des Evangelü willen aus ih⸗ 
vom Baterlande ausgegangen weren. Wenn dieses wäre, würden 
ſie beym Evangelio Fuß halten bis aufs aͤuſſerſte. Ich wuͤſte von ei⸗ 
nigen, die auch ſchon in die Ruhe des HEAMT? eingegangen find, 
daß fie mir erzehlet, wie fie im Salsburgiſchen in den Bergen und 
Holen zum Singen, Beten und Leſen zuſammen kommen waͤren, wert 
fi es nur oft ſo gut hatten haben Mare 17 ſich aber viele unter 


uns 


7272 VESE | 
Anno 1737. uns ſo begierig und ernſtlich nicht bewieſen, muͤſte es wol an ſol⸗ 
Iul. 


chem redlichen Sinne bey ihnen fehlen. Ich muͤſte es ihnen aber auch 
ſagen, daß ich diejenigen, Die ſich durch ihr eigen Geſuch und Wegreiſe 
von unſerer Gemeine ausſchlieſſen, auch bey Empfang der kuͤnftigen 


leiblichen Wohlthaten als ausgeſchloſſene anſehen, und ihnen nichts 


geben würde, wie auch bey der letzten Leinwand geſchehen ſey, wor⸗ 


in ich hoffentlich der Wohlthaͤter Approbation finden wuͤrde. Die 


fen Punct möchten fie ja den übrigen, die wegen Leibes ⸗Schwachheit 


nicht gegenwaͤrtig waͤren, treulich wiederſagen. Das iſt ein Haupt⸗ 


Fehler unter uns, wie auch unter den meiſten Chriſten, daß ſie in der 
Noth und Mangel der ſchon erfahrnen Huͤlfe und Vorſorge Got⸗ 
tes, wie auch ſeiner gewiſſen fernern Zuſage vergeſſen. Und wie 
Moſes und andere Knechte des HErrn ihre Zuhoͤrer deſſen immer er⸗ 
innern, und der Wohlthaten des lieben GOttes nicht zu vergeſſen 
ermahnet haben, ſo finden wir das auch zu thun hoͤchſt noͤthig. Sir. 


2. Sehet an die Exempel der Alten, und mercket ſie ꝛ . 


Den 6ten. Es kam ein Weib zu mir, und bat mich in ihrem 
und einer krancken Witwen Namen, ich moͤchte, wenn ich an die 
Wohlthaͤter in Teutſchland ſchriebe, auch ihrentwegen für die em⸗ 
pfangene Wohlthaten, ſonderlich die Leinwand, Danck abſtatten. 
Sie ſagte weiter, daß ſie von dem Inhalt der geſtrigen Betſtunde 
mit dem krancken Weibe viel geredet hatte. 

Zeithero haben ſich zwar täglich Donner- Wetter hören laſſen, 
ſie ſind aber gar bald und zwar ohne Regen abgegangen. Dieſen 
Nachmittag ſchenckte GOTT einen feinen eindringenden Regen, 
der, wenn er anhalten ſolte, unſerm ſchmachtenden Erdreich ſehr 
wohl thun wuͤrde. Das Korn bluͤhet, und wenn um dieſe Zeit der 


Den 7ten. Ich ſetze die Feder mehrmal an, an unſere Freun⸗ 
de und Wohlthaͤter in England und Teutſchland zu ſchreiben, werde 
aber darin gar ſehr geſtoͤhrt, indem unter den vielen Krancken einer 
dis, der andere jenes verlanget, und es alſo viele auſſerordentliche 


7 


Regen ausbleibt, ſoll es klein und wenig Kolben oder Aehren geben. 


Geſchaͤffte gibt. Inzwiſchen ſind einige Briefe ſchon geſchrieben, die 


vornehmſten Darunter aber ſollen geſchrieben werden, fo bald man 
nur vernimmt, wie Herr Cauſton die neu empfangene Ordre exequi⸗ 
ren wird. Der liebe GOTT faͤngt an mir wieder mehrere 185 

8 | e 


3 Dies BERN 


te zu geben: Das Fieber hat in feiner erſten Heftigkeit ſehr n 
Ein frommer Saltburger ſprach nach dem Paroxyfmo des Jie; 
bers, das bey ihm ſehr heftig iſt, bey mir ein, ſich einiges Raths zu 
bedienen. Er erzehlte mir, wie er ſich bey feinen gantz ungemeinen 
Kopf ⸗Schmertzen der Schmertzen des HErrn JE Su, die unend⸗ 

lich geöffer für aller Menſchen Sünden geivefen, erinnere, und kom⸗ 
me ihm das daß er ſeine Liebe und fein Leiden 
bar ſey. Es liege ihm das Selig⸗ 


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J ſchickt, der Mehl und Butter, vielleicht and Fleiſch, bringen folk. 


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ach» Anno 1737. 
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Anno 
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Ver 


2080 Diarium. 


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173). Den gten. G. der dem Herrn Hof⸗Prediger Ziegenhagen 


wohl bekant iſt, als welcher unter dem zten Transport zu uns kam, 
iſt ſeit einem Jahr ein Soldat in Friederica geweſen, und wird nun 
wol gar da bleiben, indem er ſich nicht nur feine Sachen ſchicken laſ⸗ 
ſen, ſondern auch dort geheurathet hat. Es wird ihm von guten Leu⸗ 
ten in Savannah ſehr verdacht, daß er unſern Ort, gute Selegenhei 
zur Erbauung und gute Exempel verläßt. Wenn er doch in Sa⸗ 
vannah bliebe, hatte er doch noch manche Gelegenheit zum Guten. 
Er iſt einige Zeit in N. geweſen, und hat gleich von Anfang heꝛ mit 
uns eben nicht harmoniret, doch hat er an dem Wort GOttes, ſo 
er hier angehoͤret, ſeinen Gefallen bezeuget. Er wird wol nunmehr 
um das wenige Gute, das er etwa hatte, völlig kommen. 85 
Eine fromme Saltzburgerin brachte meinem lieben Collegen 
eine Melone zum Geſchencke (mit welcher Art Geſchencken unſere 
Leute fleißig einfprechen.) Da fie bey mir vorbey nach Hauſe ging, 
ſagte ich ihr, daß wir morgen uͤber das Evangelium Dom. V. p. Trin. 
aus Luc. 5, f. fegg. hoͤren wuͤrden, wo der HErr FZESUS ſey, da 
ſey auch Segen, welches ich ihr mit einigen Zuſaͤtzen fuͤr ſich und die 
Ihrigen, die wegen des Fiebers nicht den Gottes dienſt beſuchen koͤn⸗ 
nen, nach Hauſe gab. Sie nahm dieſen Zuſpruch mit ſolchen Minen 
und Worten an, daß mirs ſehr erbaulich nnd eindruͤcklich war. Es 
iſt vielen unter uns gewiß um nichts als um den HErrn JEſum und 
feine erworbene Gnade zu thun, und ſagen fie wohl mit Wahrheit aus 
Pſ. 73. ER, wenn ich nur dich habe 79. 
Den loten. Ich bin heute, GOtt Lob, an Kräften wieder ſo 
voͤllig geweſen, als wenn ich kein Fieber gehabt haͤtte, daher ich das 
liebliche Evangelium von JES ll, in dem eine gantze Fuͤlle des Heyls 
und des Segens iſt, ungehindert verkuͤndigen und einige Krancke 
beſuchen konte. Gegen Abend merckte ich einigen Fieber ⸗Anſtoß, 


daß ich auch, mich noch zu ſchonen, die Wiederholungs⸗Stunde 


ausſetzen muſte, und gedencke ich morgen in der Abend⸗Betſtunde 
das, was heute vorgetragen worden, zu wiederholen. Es iſt gar 
erbaulich, wenn man gewahr wird, daß auch diejenigen, die doch 
das Fieber noͤthiget, das Bette zu huͤten, ſich recht dringen zur An⸗ 
hoͤrung des goͤttlichen Worts zu kommen, daraus man wohl ſichet, 
wie groß und lauter ihre Begierde nach dem Evangelio iſt. 7 0 

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2084 


JESUS iſt, da it 
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aus dem Kopf geweſen. 


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doch kan das ort ee Ark Leute: ue Mn 5 ö 
ſie voller irdiſchen Abſichten und fait 1 vof 

fh um Erkentniß ihrer Sünden beten. 

Den 13ten. Dieſen Vormittag unter der Schüle tam mein 
lieber Colles 9 1755 hause, hatte aber keine Lebens⸗ ‚Mittel auf 
treiben koͤnhen. Mann, der das Korn zu verkaufen pflegek, 
war in dem Fort Wiäach ale geweſen, und hat er eine mliche 
pole aber vergebens, auf ihn gewartet, endlich den Boche er⸗ 

alten, daß das eue Korn den N e ſey, un 0 Ai 


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die Reiſe umsonſt. Well aber der Provift vi ion Ai 
mich en noch dieſe nitfg 

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geſtern und ich alſs allein bin, 
miktags⸗Stunden zum Beſuch der Kyancken angewendet. Och hakte 

wol Schule gehalten, aber es ſind der Kinder ſehr wenige gefund, und 
3 ‚glaube, es ſey ehe gut wel man die Leute in ihrer Kranckheit beſu⸗ 
de and, wege Ade ſind ſie 

aber kranck, ſo tr n ſie f N 
nenrasdenn ſaget, gehe dee ee aich heute eine 
von den Leuten „der ſonſt allezeit ſehr frech iſt, Gude verwunder⸗ 
te er ſich darüber, daß der Menſch fo ſehr der Grade Gore i wi⸗ 


Adams Fall iſt gang verderbt menſchlich Natur f 
f e ch erſt glaubete, dann kaͤme es nit ihm. 

Man hat auch auf ſolche Weiſe beſſere Gelegenheit, ber Kindern in 

ihrer Kranckheit ans Hertz zu reden. Eine gewiſſe Mutter erzehlte 

mir von ihrer Tochter, wie ſte ſo gern ſterben wolle, weil ſie wiſſe, ſie 
kame in den Hümmel. Hierüber verwunderte ich mich, und fagte zu 
dem Kinde, woher ſie dieſes wüſte; der HErr JEſus fage ja: Wer 

von GO ſey, der hoͤre GOttes Wort: Nun aber wuͤſte ich ja/ 
wie ſie es in der Schule und Kirche mache, ſie ſey ja eins von den 
Kindern, welches mir in der Schule und Kirche die größte Betruͤb⸗ 
niß er denn fie höre ja nicht zu, und wenn fie. auch ein und ans 
a ſo höre ſie doch nicht recht folgli waͤre ſie nicht von 
| und alſo weder ein Kind Gottes, noch ein Erbe des ekwie 
gen hend Darauf ſagte ſie nichts, und fing an zu weinen. 
Dien Iten. Heute beſuchte abermals die Krancken, N dat 
nahm Gelegenheit mit ihnen nach ihren Umſtaͤnden zu reden: Der 
Seeg ſegne es alles zum wahren Heyl ihrer Seelen. Eins von den 
1 welches 1 noch 1 iſt / und woruͤber ſehr geklagt 


mm mmm m2 wurde, | 


1 Diarlunm 55 
ben, und gleichſam in ihrem Hertzen ſprechen: Da wird nichts Anno 1737. 
draus, wir bleiben, wie wir ſind; ſo ſtellete ich ihnen vor das Exem⸗ lul. 
pel des Juͤdiſchen Volcks aus Jer. 18, 1 1. 12. und ſuchte unſere 
Zuhoͤrer gleich im Anfang der Predigt zu warnen, daß ſie es ja für 
dieſes mal nicht wieder ſo machten, als es wol manche ſonſt gemacht, 
und daß ſie nun einmal dem Worte der Wahrheit und dem Evange⸗ 
lio ihres HErrn JESU CHriſti glauben und gehorſam werden 
möchten. Denn auf ſolche Weiſe würden fie gewiß die Guter fo 
wol des Reichs der Gnaden als des Reichs der Herrlichkeit zu ge⸗ 
nieſſen haben. So bald die Predigt vorbey, wurde mir uͤbel, und 
ai a e de ſo hatte ordentlich das kalte Fieber, daher mich 
zu Bette legen muſte; gegen 3 Uhr aber des Nachmittags ſtaͤrekte 
mich der liebe GO wieder ſo, daß ich noch eine kurtze Catechiſa⸗ 
jon über die Ste Bitte anſtellen konte. Der HENN ſey gelobt! 
egen Abend wurde zu einer Witwe gerufen, welche mir erzaͤhlete, 
daß ſie heute ſo ſchwach waͤre, daß je glaube, es würde immer näher 
Hasena ash. Bey dieſer Gelegenheit fragte ich ſie, ob fie hoffte 
elig zu we Ba und da fie es mit Ja beantwortete, ſo ſagte ihr, was 
der HErr IEſus in dem heutigen Evangelio und an andern Orten der 
Heil. Schrift von denen erfordere, welche gewiß ſelig werden wollen. 
Wuſte fie davon noch nichts, ſo ſtünde es noch ſchlecht mit ihr. 
Wuͤſte ſie aber was von der wahren Bekehrung und Wiedergeburt, 
und von der beſſern Gerechtigkeit, und daß ſie ſey aus dem Tod ins 
Leben kommen ſo duͤrfte ſie an ihrer Seligkeit nicht zweifeln, ſondern 
deren ſo gewiß ſeyn, als ſie da auf dem Bette laͤge. Darauf antwor⸗ 
tete ſie: fie glaube, es ſey kein Menſch in Eben Ezer, der feiner Se, 
ligkeit ſo gewiß ſeyn koͤnte. Da ich ihr aber mit Wahrheit ſagen 
konte, daß es dergleichen hier gäbe, und was die Schrift davon ſage, 
ſo glaubte ſie es. Darauf ich ihr denn einen Rath gab, wie ſie es 
gantz einfaͤltig machen ſolte; der HErr JeEſus haͤtte ihre Seele viel 
zu lieb, er wuͤrde fie nicht wegſtoſſen, wenn fie zu ihm Fame. Und 
da ich ihr ſagte, wie es andere in der Gemeine uͤbel naͤhmen, wenn 
man ihnen faße, woran es ihnen noch fehle; ſo bezeugte ſie, daß es 
3; ib gar nicht zuwider wäre, ſondern es ſey ihr ſehr lieb. GS e ge⸗ 
be, daß ſich nur einmal alle uͤberzeugen laſſen von ihrem Verderben, 
damit ihnen koͤnne geholfen werden. 
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2086 . Diarium. | 

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Anno 1737. Den 18ten. Dieſen Tag habe mit lauter aͤuſſerlichen Din 
1. * gen zugebracht, fo, daß ich den Krancken Artzney gereichet, und ſh⸗ 

> nen ſonſt an die Hand gegangen bin, und hernach habe der Gemeine 
das Korn ausgetheilet, welches am vergangenen Sonnabend an⸗ 

kommen iſt. Ich hoffe, das groſſe Boot, fo herab gegangen iſt, 

den Herrn Boltzium zu holen, wird ein mehrers bringen. 

Gegen Abend kam der Land⸗Meſſer, welcher ehmals ſchon bey 

uns geweſen, und die Garten ausgemeſſen, von Purisburg hier an, 

und will eine Linie ziehen vom gantzen Lande, damit wir uͤberhaupt 

wiſſen Eönnen, wie viel gut Land in allem hier iſt, und wir alſo un. 

ſern Wohlthaͤtern in England und Teutſchland davon gewiſſen Be⸗ 

richt abſtatten koͤnnen. ER eee een; 

Den ıgten. Im ſpaͤten Abend kam ich (Boltzius) unter goͤtt⸗ 

licher Beſchirmung mit den Saltzburgern nebſt einiger Proviſion an 

Korn und wenigem Mehl wieder nach Hauſe; wofür der Name des 

HErrn gelobet fen, der meine Geſundheit erhalten, und mich nicht 

gantz ohne Nutzen hat ausreiſen und wieder kommen laſſen. Herr 

Cauſton that abermal was er konte, und bewies mir alle Liebe, com⸗ 
municirte mir auch den Inhalt desjenigen Briefes, den die Herren 

Truſtees unſerer Gemeine wegen an ihn geſchrieben, deſſen Inhalt 

mit meinem von ihnen empfangenen Briefe gautz einerley iſt. 

Weil er darauf drang, daß die Saltzburger, die in Alt⸗Eben Ezer 

einiges Korn vor ihrer Remotion gepflantzet und hernach mit vieler 
Mühfeligkeit eingeerndtet haben, daſſelbe als einen Theil der ihnen 
verordneten Proviſion anſehen ſolten; fo zeigte ich ihm die Schwie⸗ 

rigkeiten und conſequentien, die mit dieſer Forderung unausbleiblich 
verknuͤpft feyn werden, welches ihn bewog, hievon abzuſtehen, und 
denen Herren Truſtees Vorſtellung zu thun. So wol unſere privat - 
Rechnungen, als was zur Proviſton der Gemeine gehoͤrek, find 
nun examiniret; doch noch nicht fo weit complet, daß wir wuͤſten, 
wie wir wegen unſers Salarü in Abſicht auf die aus dem Storehauſe 
empfangene Proviſion, und die Gemeine wegen ihrer empfangenen 
Lebens⸗Mittel dran find, Herr Cauſton hat mir beym Abſchied 
verſprochen, zu uns zu kommen, und der Saltzburger Arbeit zu ſehen, 
und weil der dortige Prediger Herr Weßley auch des Vorhabens 
iſt, ſo habe ihn gebeten, dem Herrn Cauſton Geſellſchaft zu r. 
* u men wodur 


Erqvickung geſchencket 


gel eines 


3 Diarium. 2087 
wodurch erzur Herreiſe deſto eher bewogen werden möchte, als wor, 
an nach unſerm Erachten etwas gelegen iſt. 
Den 2oten. Die Fieber⸗Kranckheiten halten bey uns ziemlich 


Wind bat nel dome welches noch nicht allenthalben 


* 


Anno 1737. 
Iul. ar 


any ündaber doch nicht foheftig, als vorm Jahe. Wellielekranck 
i ap bie gefunden ihre Arbeit haben, ſo kan auf einigen Aeckern 


urch aufgehaͤuftes Erdreich beveſtiget iſt. Die 


n, was ſie koͤnnen, und empfehlen das übrige dem HErrn, 


| vo machen wird. 
Die Feldmeſſer macht heute einen Anfang, das Land, m 


Saltzburger Plantationen ausgemeſſen werden e e 
zugehen und abzuzeichnen, wozu er drey verſtändige Saltbur⸗ 
u Gefaͤhrten hat. Er hat ordre, meinem Rath und Anwei⸗ 


zu folgen, und habe ich ihm den Sinn unſerer lieben Wohlthaͤ⸗ 
ihrem Sinn das Land auszumeſſen. An die 


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e gebeten, 


rdre, die ihm Herr 


fo genau halten. Wenn nur iede Familie etwas gutes Land bee 


kommt, wird man gern zufrieden ſe nnn. 15 
| Den alten, Der liebe GOtt hat mir bey einigen Zuhoͤrern, 


ale be 


ter, die in der Wahrheit der Salsburger Beſtes ſuchen, erzehlet, 


glethorpe gegeben, alle Plantationen in ei⸗ 
nem Quadrat von ſechzehn Engliſchen Meilen auszumeſſen, wird er 


dieich dieſen Morgen vor der Schule beſuchte, viele Erbauung und 


chencket, indem ſich die Kraft des Todes und der Auf⸗ 
erſtehung CHrifti fo ſchoͤn an ihnen offenbaret. Ein Weib fand ich 
beym Gebet⸗Buch, die über ihr Elend feufzete, und klagte über Man» 


* 5 


ihres Heylandes ſchoͤn und rothauf ſie flieſſen, Darüber ihr Hertz ſehr 


wacker und geſtaͤrcket worden. Ich las ihr darauf die legten Verſe 


aus dem Lied: Ein Laͤmmlein geht und tragt die Schuld ꝛc. 


rten eines erbaulichen Liedes: Ich weiß, du kanſt mich nicht 
os, wie koͤnteſt du ungnaͤdig ſeyn dem, den ri 
WWWGWWWWWWWWWWW ut 


empfindlichen Troſtes. Vor etlichen Tagen iſt ihr auf ih⸗ 
CV e 


vor, darin erbaulich vorgeſtellet wird, wie fich ein Gläubiger das 
reine Verſoͤhn⸗Blut des Heylandes zu Nutze mache, und ſprach ihr 
wegen ihrer jetzigen Bekuͤmmerniß aus Gottes Wort und aus den 


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Troſt zu. an. UNE N 
Eine andere, die vom Fieber ſehr angegriffen wurde, ſagte: 


danckbare (wie vielmehr uͤber ſeine Kinder Pf. 32, 10) in. 43. 
Mir haſt du Arbeit gemacht mit deinen Sünden „ Gd 


Wir bekamen gegen Abend einen geſchlachteten Ochſen von Alk 
Eben Ezer, wo die Truſtees vor etlichen Wochen einiges Rind ⸗Vieh 
zu halten, Anſtalt machen laſſen. Weil er aber ſo beſchwerlich hie⸗ 
her zu bringen war, ſo war es faſt ſtinckend, und brauchten wir alle 
Geſchwindigkeit es auszutheilen. Auch bekamen wir ohngefehr 
600 Pf. eingeſaltzen Rindfleiſch von dorther, welches unferm Man⸗ 
gel auf kurtze Zeit zu ſtatten kommt. 1 
Dien 22fen. Der Prediger in Savannah fo wol, als Herr 
Cauſton und feine Frau haben mich aus allen Kraͤften zu überreden 
geſucht, bey unfern Leuten China de China zur Vertreibung des Fie⸗ 
bers zu gebrauchen, und haben mich mit Anfuͤhrung ihres eigenen 
und vieler anderer Exempel verſichert, daß nicht der allergeringſte 
Schade von dieſer Cur zu beſorgen ſey, wenn man nur dabey dieſe Me. 
thode brauche, daß man dem Patienten ein Brech⸗Pulver vorher 
gebe. Die Artzney aus gedachter Rinde wird folgender geſtalt praͤ⸗ 
pariret: Man nimmt 2 Ungen China de China, eine Hand voll 
Wermuth, und eben ſo viel Schlangen⸗Wurtzel; dis wird zuſam⸗ 
men in 4 Qvart Waſſer gethan, und ſo lange gekocht, bis 2 Qvart 

N einge⸗ 


= in RE 1 5 ** 1 


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rm en, und ae Sir Een n be 


hel haͤlt. Ein Weib unter uns hat es hiemit wagen 


Anno 173g, 
Au 


— ern * Cur in Teure 


d für ob man ihr wol dazu nicht eigentlich rathen koͤnnen Die 


viele 3 Biel Mühe, und 


de ic beet ae hose . . ee 


* * 2 3 * 7 
e i 123 Den 
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Der S a e China iff m allgemein und 
1 weitlaͤuftig, daß bereits gantze Tractaͤtchen davon geſchrieben find: 
Darum wird in dieſer Nota sun dieſer Materie nicht ausfuͤhrlich genug koͤn⸗ 


be rucket werden: Die Fieber⸗ Rinde erfordert eine groſſe Vorſichtig⸗ 
0 von wenigen Menfihen zu erwarten iſt. Durch den Miß⸗ 
Rinde iſt mehr als ein tauſend Menſchen um das Leben 


ya 
75 en nen gehandelt werden. Jedoch kan die Nothdurſt mit kurtzen Worten 
ee 


5 5 fe eher debe dieſer Artzeney nicht leugnen koͤnnen. Alle 
1 alte Sieber können ohne dieſe Ninde gründlich eurjret werden, und hat man 


72 uicht noͤthig, dieſen ſchluͤpfrichen und mißlichen Weg zu erwählen. Die 
Worſichtigkeit, welche hierbey durch das vorher zu gebrauchende Vomitiv 
mae ‚ iſi ein deutlicher Beweis, daß der Urheber der⸗ 
2 die is eines kalten Fiebers nicht eingefehen habe. Denn wir 
lien keumſ echſerley Umfäande in der weitlaͤuftigen F 


2, 
* 


van 12 55 ohne Schaden koͤnnen gebrauchet werden und ft daher gewiß, 


daß dieſes recommendirfe Vomitivöftern Schaden bringen werde, als die 


55 . Fræparation ziemlich eingeſchraͤncket, daß ſie ihren ſonſt gewohnt ichen ſchlim⸗ 


= eber⸗Rinde ſelbſten. Denn dieſe iſt durch nützlichen Zuſatz und gute 


men effectum adſtrictorium nicht beweiſen kau. la forma enim Pecocti & 


Alden rernouentium partes Terreſtres adfl:ingentes craſſiares exelndun- 
05 tur, teneriores autem disjunguntur. Jedoch wenn man dasjenige, was 
unterm 17ten Aug, dieſes Jahrs von dieſer Sur gemeldet wird, in Erwe⸗ 
557 an vehet ſo wird man dieſelbe zu gebrauchen ſich billig ein Bedencken 


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2090 | Diarium. 


07. Den azten. Dieſen Nachmittag habe die Gleder der zemei⸗ 
me, die geſund ſind, abermal beyſammen gehabt, einige Dinge zu 
uͤberlegen. Der liebe Gott ſegne alles zu ſeiner Ghee b uns 
Heyl! Wegen unſerer ietzigen kuͤmmerlichen Umſtaͤnde werden 
manche Ausgaben für die Elenden und Dürftigen in der Gemeine er⸗ 
fordert, und iſts wol eine recht väterliche Vorſorge Gottes, daß 
bey Ankunft des neulichen Schiffs eben ein ſchoͤner Segen zu dieſem 
Zweck mit gekommen iſt. Der Name des HErrn muͤſſe fuͤr alle feine 
Guͤte gelobet werden immer und ewiglich! ae 
Den 24ten. Ich zeigete der Gemeine an „daß wir uͤber 14. 
Tage zum Diſch des HErrn gehen wollen, und möchten diejenigen, 
die da dencken hinzu zu gehen, ſich deſto eher unter ernſtlichem Gebet 
zu dieſem heiligen und wichtigen Vorhaben anſchicken. Bey die er 
Gelegenheit konte ich nicht unangezeiget laſſen, daß Gott an dem 
Schuhmacher A. neulich ein ſolch ſchrecklich Gericht gebt haͤtte, 
welches wir uns zur Warnung ſolten dienen laſſen. Ich ade 
daß er nicht nur einmal, ſondern, auf geſchehene ul 
und Zufage einer wahren Beſſerung, abermal fich voll getrun en, 
und gleich darauf zum heiligen Abendmahl gegangen ſey, und habe er 
nun erfahren müffen, was das heiſſe: Irret euch nicht, OCT 
laßt ſich nicht ſpotten. Diejenigen, die von ſeiner letzten Unord⸗ 
nung gewuſt, und haͤtten ſie doch nicht bey uns angezeiget, haͤtten die 
Suͤnden des Mannes fo lange auf ſich, bis ſte ſich von Hertzen be⸗ 
kehreten, und ſich in dem Verſoͤhn⸗Blut JEſu CHriſti davon reini⸗ 
gen lieſſen. Sie haͤtten den ungluͤcklichen Mann noch koͤnnen retten 
helfen, und haͤtten es nicht gethan, welches wol ein ſchrecklich Ding 
ſey. Daher ich alle und iede gebeten, ja nicht aus Menſchen⸗Furcht 
die unordentlichen Dinge, die ſie an ihrem Naͤchſten gewahr wuͤrden, 
7 verſchweigen, weil ihr und des gefallenen Suͤnders Heyl daran 
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Mein lieber College hat vor eklichen Tagen am Fieber und 
Durchfall das Seine auch zu leiden gehabt, und weil er dadurch fehe. 
von Kraͤften kommen, ſo habe ihm gerathen ‚fi heute zu ſchonen, 
und mir die Arbeit an dem heutigen Tag, die fonft auf ihm lieget, zu 
uͤberlaſſen. Staͤrcket ihn der liebe GOtt, ſo wird er ſich in dieſer 
Woche der Schule und Gemeine deſto ernftlicher annehmen e 


er 


Desu 2091 


da ſch mich des Brieſſchreibens wegen gern zu Haus halten wolte. ano m 
Iul. 


Ich machte der Gemeine dieſen Nachmittag an ſtatt der Catechiſation 


den Lebenslauf des ſel. Schaitbergers, der bey allen Salsburgern 


lieb und werth gehalten wird, zu Nutze, welches mich bey der groſſen 


Hitze, und da ich auch noch nicht völlig bey Kräften bin, am leichteſten 


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Den aßten. Ein Engländer von einer Plantation in Caroli· 


ne verkaufte hier etwas Butker, und da wir ihn um Verkaufung ei⸗ 
niges Korns erſuchten, erzehlte er uns, was fuͤr ein Mangel an Le⸗ 


bens ⸗Mitteln weiter hinauf ſey. Es hatte auch dort lange nicht ge⸗ 
regnet, und auſſer dem thaͤten die Wuͤrme im grünen Korn unge 
3 „daß daher noch groͤſſere Theurung zu beſorgen ſey. 


Butter iſt auch rar und theuer, weil bey den disjaͤhrigen Uber ⸗ 
ſchwemmungen des Savannah⸗Fluſſes viel Vieh im Waſſer umge⸗ 


kommen ſey. Eingeſaltzen Rind und Schwein⸗Fleiſch ift fo rar, daß 


wan fur Geld nicht einen Biſſen zu ſehen, geſchweige zu kaufen ber 


Dieſen Morgen ſchickten wir unſer Boot nach Savannah, 


das wenigstens Saltz bringen ſoll, wenn ſonſt nichts im Storehaus 
iſt. Es iſt dis eine ſonderbare Vorſorge GOttes, daß ich neulich 
unvermuthet Korn in Savannah antraf, und 44. Buſhel nach 


EbenEzer theils ſchicken, theils ſelbſt bringen konte. Unſere Leute 


führen hier eben dieſelbe Klage, daß die Wuͤrmer das noch gantz 


weiche Korn in den Kolben gantz ausfreſſen, darin auch kein ſieu⸗ 


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2... Den 26ten. Ich hielt mich dieſer Tagen in der Betſtunde bey 


dem Umſtand ein wenig auf, da die unartigen Israeliten 2 B. Moſ. 


16,3: Moſi auf eine ſchaͤndliche und luͤgenhafte Weiſe vorrücten, 


daß ſie es vor dieſem beffer gehabt, indem fie bey den Fleiſchtoͤpfen ger 
ſeſſen und Brodt die Fülle zu eflen gehabt haͤtten, da doch wol die har⸗ 


ten und feindfeligen Egyptier ihnen keine Ochſen und Schafe, die 
ihre Goͤtter waren, werden geſchlachtet und zu eſſen gegeben haben, 


und es ſonſt kuͤmmerlich gnug mit ihrer leiblichen Verſorgung bey 


ihrer harten Arbeit werde hergegangen ſeyn. Ich erlaͤuterte dieſen 


ungegründeten Ruhm und boͤſen Sinn durch das Verhalten vieler 
Menſchen heutiges u. „die die vorige Zeiten und Wohlthaten, 
ob ſie wol nicht ſonder 


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ich geweſen, nur um des willen rühmen und 


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2092 Diarium 


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tes gering machen, ja vernichten moͤchten. Sie machen es, wie die 
Soldaten auf ihren Märchen, die das gegenwärtige Qvartier mit 
dem vorigen vergleichen, jenes loben, und dieſes zum Verdruß ihres 
Wirths verachten, und ſo machen ſie es mit den folgenden: zeigte 
aber, was dis fuͤr ſchwere Suͤnde ſey, wenn ein Menſch f 
Gott alle Tage viel Gutes an Leib und Seel erzeiget, das Gegen⸗ 

waͤrtige gering achtet, und ſich im fleiſchliche. Sinn nach den vori⸗ 
gen und alten Dingen, die wol mit vielen Suͤnden und Mißbrauch 
verknuͤpft geweſen, ſehnet; und warnete unſere Zuhörer vſich hierin 
ja der Welt nicht gleich zu ſtellen, als wozu auch wol mancher unter 
uns, der es etwa in der vorigen Zeit dem Leibe nach beſſer als ietz 


gehabt hat, verſuchet worden iſt. Durch dieſe Vorſtellung und 


Warnung iſt ſonderlich ein Mann in der Gemeine nicht wenig geruͤh⸗ 


et worden, daß er daher zu mir kam, und bekante daß er es einge 
mal auch ſo gemacht und ſich verſuͤndiget haͤtte, ob ihm wol nicht 1 


wiſſend waͤre, daß er die vorige Zeiten da es ihm nach dem Flei 
wohl gegangen, aus boͤſer Meynung geruͤhmet hätte, es ſey aber 
doch nichts nutze, und erbaue den Naͤchſten nicht. Ich zeigete zu glei⸗ 
cher Zeit zur Nachricht und Troſt unſerer Ereug- Träger, daß dieje⸗ 
nigen Iſtaeliten, welche in Egypten bey den Fleiſchtoͤpfen, (wenn ſie 
ſie ja gehabt,) hätten bleiben oder dahin wieder zuruͤck ziehen wollen, 
kein Manna und Himmel⸗Brodt bekommen haͤtten, G Ott ſchei 

es nur denen, die vorher einige Wochen das Brodt des Elendes (un⸗ 
geſäͤuertes, unſchmackhaftes Brodt) bey den goͤttlichen Fuͤhrungen 
in der Wuͤſten gegeſſen haͤtten. Das waͤren noch immer die Wege 
des HErrn mit feinem Volck, daß er fie von der Wohlluſt und Ge⸗ 
muͤchlichkeit der Welt abfuͤhre, ſpeiſe ſie eine Zeitlang mit Thraͤnen⸗ 


Den arten. Die Otte il ſognoß, daß wir nur des Vormit⸗ 
tags mit unſern wenigen gefunden Kindern Schule halten koͤnnen. 


Es thut uns leyd, daß wir wegen Y gen 
glich iſt zu ſchonen da es 


1 76 wol 


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vol d N ſdigkeſt und das Derlange en der Zuhöre 
le den ma u beſuchen, n ee aus GOttes er 
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Bitter auf, bringen aber ke nen Regen und Abkuhlung. 
hatten wir unpermuthet einen bald vorüberge⸗ 
5 r . des doch re Land wies erqvicket hat. 


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die Kinder Iſtgel zwar aus einer 
vi fienber nach ſeiner Weisheit bald wieder in eine 
andere, nem het Beeren kommen laſſen. Hier haͤtte 
a . eee der bisherigen Sifahtting der Hülfe GOt⸗ 
tes ermuntern und gleichſam ſagen ſollen: Murret ja nicht, ſondern 
den, rn in welcher Noth wir vorher ſteckten; aber hat uns 
der HE wunderbar errettet? runs nicht ſo viele Ver⸗ 
heiſſunge 9 heb une des It Erbarmer und Verſor⸗ 
ger zu ſeyn Laſſet uns an denen Berheifingen ef halten! Mer kan 
und wird uns nicht verlaſſen noch verſaumen, es daure auch die Pruͤ⸗ 
fung (lange ſie wolle. Hievon aber faͤnden wir das Gegentheil und 
ein ‚Bild vieler Chriſten, die zur Zeit der Prüfung aufhören Chriſten 
9 0 ‚oder are deutlich offenbaren, „daß fie nicht wahre Ehri⸗ 
ſten und Gläubige geweſen. Solche muͤſten eben in der Schule des 
Henn Jesu de Section lernen, die Paulus und alle Gläubige 
Gebr 11, 35. d. Rom. 8,3 5, 38.) gelernet, welche wir finden 
Phil. 4, 1112 Ich habe gelernet, bey welchen ich bin, mir 
genügen zu laſſen. Ich kan niedrig ſeyn, und kan hoch ſeyn⸗ 
in im allen Dingen und bey allen geſch 

973 n und * uͤbrig haben und 
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Hülfe erzeiget je Weiber wegen i Lelbes⸗Schwach⸗ 
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2094 Diarium. 


Anno 1737. Ich vermag alles durch den, der mich maͤchtig macht CHri⸗ 
ul. ſtus. Der liebe Heyland ſey gar ein geduldiger und langmmüͤchiger 
Lehrmeiſter, wenn man auch dieſe Lection nicht auf einmal lernen 
koͤnne. Aus dem Mangel dieſer hoͤchſtnoͤthigen Gemuͤths⸗Beſchaf.⸗ 


— — 


fenheit komme ſo viel Unruhe, Ungerechtigkeit und Arges unter den 
enſchen; da hingegen ein ſolcher wahrhaftig gelaſſener Menſch gantz 
ruhig ſey, und alles, es ſey Gluͤck oder Ungluͤck, Reichthum oder 
Armuth, Geſundheit oder Kranckheit, von GOtt, als lauter ihm heife 
fame Gaben und Wohlthaten, annehme. e, 
Das andere, was ich ihnen erzehlte, betraff den Felſen, den 
Moſes auf Befehl Gottes vor den Aelteſten der Kinder Iſrael ge⸗ 
ſchlagen, und dadurch Waſſer fuͤr die durſtige Iſraeliten heraus ge. 
bracht hat, an deſſen Waſſer ohne Zweifel auch andere Voͤlcker und 
Geſchlechte, zum Volbilde der allgemeinen Gnade Gottes in CHri⸗ 
flo, Antheil genommen. Unſer lieber Heyland ſey auch, und zwar zu 
unſerm geiſtlichen und ewigen Heyl, geſchlagen, und am Creutz ſeine 
Seite mit einem Spieß eröffnet worden, daraus Blut und Waſſer 
zu unſerer Reinigung und Heiligung reichlich gefloffen ſey: die gantze 
unergruͤndliche Fuͤlle der Gnaden ſey nun da, er lade nun die Sun, 
der zur Application derſelben freundlich ein, wie das Samaritiſche 
Weib Joh. 4, 13. 14. nur fehle es den Leuten am rechten geiſtlichen 


Durſt, daher achten ſie CHriſtum eben ſo wenig, als manche rei⸗ 


che Leute, die ſonſt gute Dinge gnug zu trincken haben, das Waſſer 
achten und Gott dafür dancken. Wir waren alle bey dieſer Erzeh⸗ 
lung und Unterredung ſehr vergmügte e. 
Nr. iſt auch eine Weile kranck geweſen, und da er bey gefunden 
Tagen einen trotzigen harten Kopf gehabt, fo ſcheinet ihn GOtt ietzt 
muͤrbe und weich zu machen. Ich habe ihm beyde mal, da ich ihn ber 
ſucht, von der abſoluten Nothwendigkeit einer gründlichen Hertzens⸗ 
Aenderung vieles vorgeſagt, und mit ihm gebetet. Gott gebe ihm 
noch Raum zur Buſſe! Ich gedachte, er hätte vielleicht einen heim 
lichen Bann an Diebſtahl, Ungerechtigkeit, Betrug des Naͤchſten ꝛc. 
auf ſich, davon er ſich auf mein Vorſtellen ja los machen möchte; er 
meinete aber in feinem Gewiſſen davon frey zu ſern n. 
Den 28ten. Ein frommer Mann erzehlete mir, wie übel fein 
Korn, das doch ſo ſchoͤn aufgewachſen, von den neee 
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2096 Diarium, 


hren, und ſeine Noth ernſtlich im Ge ef ache 7 5 


Kine u, „daß er iebo den guten Ermahnungen Mich Sole 

e, als ſo 

h Ich hatte unfer Boot nach Salg loi, es kam aber mit 

ſechs Faͤßchen Mehl beladen wieder. Es 10 zwey Sloupen vor 

Savannah angekommen, die Mehl, weiß nicht was mehr, mitg 

bracht, davon Hirt Caufon dem dritten! ransport etwas zukon⸗ 

men laſſen. Weil nun der Krancken unter uns ſehr viel ſind, die 

mit bloſſem Indianiſchen Korn nicht wol behelfen Eönnen, ſo iſth. 

Dun Boot abermal herunter gegangen, einige Fafchen: Med zu Bar 
d gedenck Ur 15 den Armen aus der Armen Büchſeetwas dar⸗ 


uͤlſe zu geb 
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(de Shuffle Uſelt mit Namen, der vielleicht dem sun 
u hören igenhagen noch bekant feyn wird, mit 120 and 


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Kopf ⸗Schmertzen, oder Fieber ⸗ Hitze, wie anbereh aben,fägen. Geſte 
hatte ſich dieſer Zuſtand in eine ſtarcke diarrhoe reſoly ret, und 
es wol heute ſchiene damit ein wenig beſſer zu werden, iſt er doch wid 
unſer Bermuthen geftorben. Daich wegen des Gebrauchs der Me 1% 
dicin dieſen Morgen nicht ausgehen k konte, ließ ich ihn ki. 1 


 Disrium 5 2097 


lich GD De um die Erkentniß ſeiner Suͤnden anrufen möchte, damit 


er zur wahren Bekehrung gelange, welcher es auch ausgerichtet hat. 


In ſeinem Leben wolte er das Wort der Buſſe nicht recht annehmen, 


konte ſich auch in die Pruͤfungen GOttes wegen feines fleiſchlichen 
Sinnes ſo wenig finden, daß er willens geweſen, fortzuziehen, wenn 


7 nicht beſſer würde. Suletzt iſt er auf ſeinem Krancken⸗Bette zwar 


mert geweſen, hat gebetet, und, was mit ihm geredet, wie 


den, wie ich ihm folches als abſolut nothwendig eingeſchärſet, wird 


er am beſten wiſſen. GOTT gebe, daß dis Erempel bey allen, forte 
derlich bey feines gleichen jungen Leuten, einen rechten Eindruck habe! 


wohl angenommen; ob er aber von neuem gebohren wor⸗ 


Wir werden es uns wohl zu Nutze zu machen ſuchen. | 
Es ſind unſere Briefe nach England und Teutſchland nun fer⸗ 
tig, und warten wir auf eine ſichere Gelegenheit, fie wohl zu beſtellen, 


die uns der liebe G Ott ſelbſt zeigen wolle. Das Paquet iſt nebſt dem 


. Diario gar ſtarck, und alfo wuͤnſchten wir es deſto lieber in ſichern 


gen, daß ihre Briefe verlohren gehen; wir aber muͤſſen zum Preis des 


Händen. Herr Wesley, Prediger in Savannah, und andere, kla⸗ 


Hege bekennen, daß wir von unſern Briefen, die wir geſchrie⸗ 
ben, oder die an uns geſchrieben find, noch keinen, fo viel als uns 


wiiſſend, vermiſſen, auſſer daß einmal die 4 Guineas, die der Herr Hofe 
Prediger Ziegenhagen unſerer Gemeine geſchicket, nicht eingelieſert 


worden, wovon wir auch Nachricht gegeben haben. Der liebe Gott 


halte ferner feine Hand über uns und über unſere Briefe, daß ſie nicht 


nur wohl ankommen, ſondern auch einigen Nutzen und Segen haben. 


Wir haben dismal 4 Engliſche Briefe nach Londen geſchrieben, ei⸗ 


nen an Capit. Coram, zwey an die Herren Truſtees, und einen an die 
Hochloͤbl. Societaͤtz von den z letzten haben wir den Inhalt an Hrn. 
Hof Prediger Ziegenhagen zu feiner Nachricht geſchrieben. Nach 
Teutſchland find die vornehmſten Briefe von uns an Herrn Sen. 
Urlſperger und Herrn Prof, Francken, desgleichen an die lieben Unſri⸗ 


gen, an meinen Vetter Herrn Wachsmann in Berlin, an unſere 


werthe Wohlthaͤterin die Fr. v. H. desgleichen nach Londen an Herrn 


D. Gerdes, an Herrn Hof⸗Prediger Butjenter, an Herrn Matthi 
ſen, der zu uns und unſerer lieben Gemeine eine hertzliche Liebe traͤgt. 


Auch ſind einige fromme Glieder der Gemeine durch die empfangene 


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Arxmeric. V. Sort. Ooo ooo o Wohl ⸗ 


Setter deſſen, was ich ihm neulich geſagt, erinnern, daß er vornehm; e 
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2098 | Diarium. 


Anno 1737. Wohlthaten aufgemuntert worden ji 


ert an ͤihre Wohlthaͤter in Londen 
und Teutſchland, desgleichen an Freunde zu ſchreiben. Dem Schul⸗ 
meiſter Ortmann habe ich zugeredet, doch auch an die Societaͤt zu 
ſchreiben, und den Empfang des Geſchencks von 5 Pfund Sterl. 
danckbarlich zu berichten, welches er zu thun verſprochen. Es wird 
verlangt, im Schluß des Diarii die Anzahl der verſtorbenen und 
noch lebenden Glieder, ſo viel ihrer von Anfang hieher zur Gemeine 
gekommen, zu berichten. An Erwachſenen find in Alt ⸗ und Neu⸗ 
Eben Ezer geſtorben Zr: an Kindern 24. und ſind noch beym Le⸗ 


ben an Erwachſenen 89. an Kindern 43. Solten wir die Namen 
eines ieden zugleich miederſchreiben, 


ſo bitten wir uns davon Nach⸗ 
richt aus. eee ee , 


Den 31 ſten. Heute habe ich die lieben Zuhörer über das or⸗ 
dentliche Sonntags Evangelium Matth. 7, ı 5 qq - aus dem Mun⸗ 
de CHriſti vor Verführung und Selbſt⸗Betrug zu warnen geſucht, 

und gezeigt, daß Verfuͤhrer nicht nur unter den Lehrern, ſondern 
auch unter Zuhoͤrern, ſonderlich wo Gott redliche Lehrer aufgeſtel⸗ 
let hat, zu ſuchen und zu finden waͤren. In Teutſchland iſts bey den 


Chriſten unleugbar, daß ein junger Menſch den andern, der wohl 


in ſeiner Eltern Hauſe erzogen, verfuͤhre; aber auch die jungen Leute 
unſerer Gemeine machten ſich dieſer Sünde theilhaftig, da fie an ih ⸗ 
ren Cameraden durch allerley unordentliche Dinge wieder nieder⸗ 
riſſen, was die Lehrer gebauet haͤtten, und alſo groſſe Betruͤbniß an⸗ 
kichteten. Bey dieſer Gelegenheit gedachte ich auch an den vor 
dem Morgen⸗Gottesdienſt begrabenen N. N. als der ſich auch gerne 
mit böfen Geſellen complottiret, andere verführet hat, und durch 
andere verfuͤhret worden, daß das Wort der Wahſhel meu n 
haften wollen. Ich ſagte ſeinen Cameraden öffentlich, daß er es 
ihnen in der Ewigkeit ſchlecht bancken würde, daß fie ihm Gottes 
Wort haͤtten verplaudern, und ihn in feinem unbekehrten Zuſtand 
beſtaͤrcken helfen; hingegen welche Freude und Lob GOttes es im 
Himmel bringen wuͤrde, wenn ſie ihm zur rechten Schaffung ſeines 
Heyls durch ihren Zuſpruch Gelegenheit gegeben, und ſich mit ihm 
auf die Seligkeit recht zubereitet hätten. Wir haben wenig Kenn⸗ 
zeichen auf feinem Krancken⸗Bette wahrgenommen, daraus nan 
gewiß ſchlieſſen koͤnnen, daß er unſer letztes Zureden beym Beſuch zur 
gruͤndlichen Bekehrung angenommen haͤtte. N 1 ip 
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- Diem” 2099 


5 


F Mach dem Nachmittags Bostesdienft Fam ein Salgburger zu Anno r. 


mir, und bereuete es unter Thranen, daß er dem eler den Menſchen Iul. 


4 


ſo hinſterben laſſen, und ihm ſeine ſchwere Verſündiaung, die gegen 
meine Perſon und Amt mir umoiſfend gegangen, nicht vorgehalten, 
oder mir es in Zeiten angezeiget hätte: Er ſey nun mit ſolcher ſchreck⸗ 
lichen Laſterung geſtorben, welches ihm groſſe Angſt maches ich 
möchte doch in dieſer Weche bey ihm einſprechen, daß ich hm mt 
Gebet und Unterricht zu Hülfe kame. Er klagte ſehr über Traͤgheik 
im Guten und Menſchen⸗Furcht, und ſagte es zu, ſich dadurch nim 
mermehr zum Stillſchweigen bey Sünden und Bosheiten verleiten 
zu laſſen, es gehe ihm auch, wie es wolle 


BVorund bey Ankunft dieſes Jaltzburgers hatte ich einige Unge⸗ 
legenheit vom Fieber, der liebe G Ott aber ſtaͤrckte mich augenſchein⸗ 
lch, dab ich ausgeben und den N und fein ZBeib, wieihm geftern 
verſprochen, befischen konte. Die N. hat ſich eben neulich durch ſol⸗ 
che Laͤſterung und greuliche Erpreſſion zum Anſtoß vieler in der Ge 


meine im Zorn verſuͤndiget, und hat der Mann bisher aus Vermoͤgen 
Sicht gearbeitet, fie zur Erkentniß, Reue und Abbitte ſolcher ar 
gerlichen Dinge zu bringen, weil ich ſie ſonſt nicht zum Heil. Abends 
mahl admittiren koͤnte und wuͤrde. Er hatte aber bey ihr nicht ein. 
mal fo viel ausrichten koͤnnen, daß fie nur mit ihm zu mir gegangen 
ware. Dis und viel ander Übel, fo er täglich mit ihr erfahre, klagte 
er mir geſtern zweymal. Da ich nun im Namen Gottes in ihre Huͤt⸗ 


. 


ſie verhindert hat, daß fie nicht in die Kirche kommen koͤnnen. Da⸗ 
her nahm Gelegenheit, ihnen den Sahalt meines Vortrags zu fügen, 
und ſie vor Verfuͤhrung und Selbſt⸗ Betrug herzlich und beweglich 
zu warnen. Sie bezeigete ſich zu meiner Derwundenmg uͤber meine 
Gegenwart erfreut und bewegt, und erzaͤhlete der Mann, daß ihm 
das Exempel des verſtorbenen N. N. bey feinem Fieber immer im Ge⸗ 
muͤth geweſen, und komme es ihm ſo ſchrecklich vor, daß der Menſch 
übel gefahren ſeyn moͤchte. Dis gab mir Gelegenheit, beyden zu 
ſagen, daß ichs heute erſt erfahren, daß er ſich an mir und meinem 
Amt eben auf die ſchreckliche Weiſe verſuͤndiget, und ohne Erkent⸗ 
niß und Bekenkniß in der Tuͤcke feines Hertzens dahin gefahren ſey, 
welches wol eine entſetzliche Sache. Daruͤber wurden fie beyde zu 
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te trat, fand ich ſie beydeam Fieber kranck und abgemattet, welches 


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N ge ück gehalten werden, jego haben fie auſſerlich einen beſſern Aug: 
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und werde, wie es in den Betſtunden mehrmalen geſchiehet, es an ih⸗ 
gewiſße Person, ſo fich einige Zeit Datei aufgehalten, Laß die duft 
Daſelbſt hoͤchſt ungeſund ſey, die blanquen Leute ſehr boshaftig lebe 


emoͤgen vor der Verſündigung an dem Leib und Baut des Herten; 
ken in diefe Woche wiederholen. 
ten, mit den Negroes oder Mohren⸗Selaven ungemein tyranniſch 
ingirigem, viele Selaven aber an den HErrn JEſum von Hertzen 


doe, „Giehaben, fo fange te bey uns nd dis ate immer mäf, Ann 1737. 
Den aten. Von der Inf St. Thomas erzählete mir eine 
en waren‘, fo, daß ſie jetzt die weiſfen Leute ihrer Pflicht 


® chen verfolget wuͤrden. Ihre Bruͤnſtigkeit und 
1 


Aug, 


2102 


1737. chen. Gegen Abend hatten 

Regen, der aber wenig eing ö 
Den ten. Ich beſuchte dieſen M 
hl zu gehen gedencken, da gen 
und Erbauung, als ich hoͤrete, wie ſie der liebe G Ott in das Erkent⸗ 
ihres Elendes, aber auch in die lebendige Erkentniß CHrif 
er erworbenen Gnade recht hinein führe, und welchen Kan 
fh mit ihrem Fleiſch und dem Erz⸗ Betrüger, dem 
ahr at | ee 


Heil Abendma 


niß 


ſein 


kommen, um ſie auf Chriſtli 
Grolls und der xeindſchaft zu heben; 
er aus beyden dergeſtalt hervor, 


dem 
daß 


und 


Seelen jammert. Ich wurde zwar Vo 
inwendigen im Unterleibe tobenden Fieber i 
aber doch nicht umhin, theils mit der Gem 
„theils aber die am Sonnabend ſonder 
ration zu halten, als darin ich der N. A 
res Mannes Verlangen abthun muſte, 


rentz 


kont 


fanmleten Leuten, daß darin die meiſten Men 
irreten, wenn ſie das Chriſtenthum in aͤuſſerlich 


theil 


enz 


Diarium. 


Bir wid Beh 
edrungen iſt. 


* 


b 


er ene 
Den sten... Ich ließ zwo Perſonen geſtern Nachm 
che Weiſe zu vereinigen, 
es brach aber ihr inwen 
nl daß ich mich uͤber die Gren 
andern jns Geſicht ſagte, verwunderte, welches 
N. vom Tiſch des HErrn wegbleiben muſte, 
ſelbſt erkante. Es kam nun hergus, wie ſehr fich dieſe 
Perſonen an mir durch Luͤgen, Laͤſt 1d S 
ſuͤndiget haben, wenn ich mein Amt 
Geſetz und Kirchen⸗Diſciplin nahe N 
fie ſolche Sünden, wie N., erkennen und bereuen 
te CHriſti Vergebung finden! Mi 


erungen und Sch 
an ihnen habe th 


ſchlägt folche lindanckbarket 


Bosheit weiter nicht nieder, 5 daß mich 


r und 


e gelaſſen werden. In dieſer Vorbereitu 


dem Gebrauch der Mittel des Heyls, 


Pflichten ſetzen, ſondern es komme vielm 
wahrer Gottgefaͤlliger Chriſt ſeyn wolle 
Wahrheit erfahren lerne, 1) was Sünde fey, 2) w 
ſey, 3) was Gnade Gottes ſey; wer zu ſolcher Erfahrung 


’o . * / 
— * 


2 68 S B — 2 IN? ir 5 >- > Sn a AND > 6%: > 


5 


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oder in Ausuͤbung gewiſſer 
ehr bey einem ieden, der ein 
rauf an, daß er in der 


f 


nner⸗Wetter und 


der armen blinden 
Nachmittag von einem. 


eine eine noͤthige C 
lich gewohnliche P Dar 
ergerniß nach ihrem und ih⸗ 
ehe ſie zum Heil. Abendmahl 
zeigete ich den ver⸗ 


Diane 1 Be 


nun 


der wif rauch, „ 56 En enhum fo, und w und was el ein Schah fh A ir 


9 950 ten. N. N. bezeugte geſtern Abend, wie ſehr ihn ſei⸗ 
ö U druͤcken, a wie ſehr er ſich in feiner Angſt nach goͤktli⸗ 
et rost | ſehne, eh igte daher mit zum Heil. Abend hl zu ger 
1. Ich ließ es geſchehen, da wol hoffentl lich der liebe g Dit wieder 
feiner eeleark 1 kan, und ihn 5 wol eine Reue deffen, wor⸗ 
er f ne verfündiget hat, ankommen mag. Es gingen an 
er Zahl 29 zum Tiſch des HErrn, darunter viele mit einem Gnaden⸗ 
n on en erſchienen find. 
Dien Sten. Weil es an Korn und Reiß im Lande fehter, und 
21 50 ton einigen Vorrath um Mehl bekommen hat, fo laßt er 


1. und 2. 
oviſion nicht gehoͤret; welches! in ihren Leibes⸗Schwachheiten bil, 
5 ein 98 der e BE BE, e 


wir uns aber zur Applicirung der Mediein nicht finden konnen. 


5 zn von ie: ri Medicamenten, der uns neulich gechckt Ä 


worden, 


ne 
ne — 


„Transport auch Mehl zukommen 70 es wol zu hrer 


e hewiſſe a ben 1 en wie gehen it 6 50 lg 
3) 5 e hat eine 1 Zeit her eine auszehrende Kranck⸗ 
heit 11 55 abt und kommt ietzt ihrem Ende immer näher. Nach 
der A end⸗Betſtunde wurde mein lieber College zu ihr gerufen, der 
nach Beſchaffenheit ihrer Seelen⸗Umſtaͤnde mit ihr geredet, auch 
ihr von der! ffentia dulei zur Staͤrckung etwas gereichet hat, Es 
ſcheinet bey ihr ein ſchleichendes abzehrendes Fieber zu ſeyn, 1 . 


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2104 Diarium. | 2 
Anno 1737. worden, hat bey den vielen Kranckheiten 
. 1 u zu unſerm eigenen Gebrauch ar 
Den loten. N Nupr⸗ 1. Steinen 
hätte, einmal aufs Feld! der Salsburger zu g 
groffen Schaden fehen, den die Wi 
4 Morgen Landes e da 
bereit, es einem gantz zu uͤberlaſſen, w 
für bekaͤme, und fo ſagen 29 W̃ e aden 
das Korn am ſchoͤnſten ſtehet, dahehen died su Beh 
größten Schaden gethan. Der Mann war h ich 8 8 


traute es dein lieben GOTT zu, er werde ſonſt ſchon Unt 

befcheren wiſſen, wenn es auch im Felde! nicht ge eraͤt 85 55 —5 
andern daraus, daß zu einer ge eſegneten Ernte nicht gutes dand, fon, 
dern der Segen des HERRN das meiſte, ja GO der 


gebe, daß es alle glauben lernen! Muͤllers alt er Sohn 
lich kranck. Da ich dieſen Morgen zu ihm kan 5 le 
und Kinder weinend, e e a d daß ſie 
bekümmert waren, daß ihr Sohn noch nicht ? 
waͤre, und alſo nicht felig werden Mute, welches er auch ich 
merckete ) mit Neu und Wehmuth erkante und klagte, daß es ie groß 
7 Leibes⸗Schwachheit nicht zulaſſen wolte recht zu ſeuſzen und zu 
beten. Ich redete mit ihm etwas aus G } 
990 4 zu feiner beſſern Pflege und Derugung mit 
> rtzney⸗ „ N 
Den I Iten. Ein junger Sal sburger, der bey n Ta⸗ 
gen ein mittelmaͤßiges Chriſtenthum (wie es die 7 nennet) ge» 
führet hat, kommt jest auf feinem Krancken⸗Bette zum Erfentnig 
und Gefühl feiner Sünden, und brauchte davon 4 nachdruͤcklich⸗ 
ften Exprefliones. Ich erinnerte ihn einiger Sprüche der Heil, 
Schrift, daraus er Aae koͤnte, daß ihn GO nicht verſtoſ⸗ 
ſen wolle, wie ihm vorkomme, ſondern er werde ihn um CHriſti wil 
len gern annehmen, wenn es nur mit ſeiner Buſſe Wahrheit werde. 
Eine Salsburgerin klagte, was ſie davon für Schaden bee daß 
ſie wegen bisheriger Kranckheit die Abend⸗Betſtunden nicht b eſuchen 
könne, und daſie SOTE ziemlich wieder geſtarcket habe, fo ſey fie 
willens geweſen, zu uns zu kommen, wenn nicht einer von uns heute 
Ja 


0 Diem 2105 
uhr gekommen waͤre, fie häfteder Huͤlfe im Gebet fehr nöthig. Ich Anno 1737. 
3 eiyehlteihrefnwns aus der geſtrigen Abend⸗Betſtunde, welches ihr und Aug 
den andern Anweſenden gar erbaulich war. Die Holtzerin weinete 
über der Menge und Groͤſſe ihrer Sünden, und bezeugte, daß dis 
ietzt ihre groͤßte Sorge fen, ſich zur Ewigkeit zuzubereiten. Die ir⸗ 
diſchen Dinge, davon einige, ſo ſie beſuchen, reden, waͤren ihr gar 
nichts, ſie wolte ſich um dergleichen nicht mehr bekuͤmmern. 
Den aten. Wir haben geſtern Nachmittag einen eindrin⸗ 
genden Regen bekommen, der auch heute angehalten hat. Die bis⸗ 
herige Duͤrre war ſehr groß, welche die Leute am Ruͤben⸗ſaͤen gehin⸗ 
dert hat. Gott gebe, daß die Ruͤben und andere Wurtzeln beſſer 
gerathen, als das Korn. Es ſiehet recht klaͤglich aus, wenn man 
das von Wuͤrmern gantz durchfreſſene Korn ſelbſt anſiehet, wie wir 
beyde geſtern gethan. So bald ich nach Savannah komme, fo 
werde Herrn Cauſton bitten, daß er die gegenwaͤrtige Noth den 
Herren Truſtees berichte, und mich in feinen Brief auch einen an Sie 
mit einlegen laſſe. Unſern groſſen Pack Briefe hat N. N. zur Be⸗ 
ſtellung mit ſich genommen, und weil immer Schiffe nach Londen 
gehen, ſo duͤrfen wir wegen der richtigen Beſtellung daſelbſt weiter 
keine Sorge haben. Herr Eveleigh, der bisher in Charles⸗Town 
die Beſtellung unſerer Briefe beſorget hat, liegt todtkranck, und wird 
an feinem Aufkommen gezweifelt. 5 r 
Dien Taten. Dieſen Morgen erhielt ich die Nachricht, daß 
des Uhrmachers aͤlteſter Sohn heute fruͤh geſtorben ſey. Der Va⸗ 
ter verſicherte mich, daß er ſich durch ernſtlich Beten und Ringen vor 
Gott zum Tode wohl zubereitet habe, wie denn ſo wol Eltern als 
Geſch wiſter fleißig aus GOttes Wort mit ihm geredet und gebetet, 
wozu er allezeit, auch bey der größten Leibes Schwachheit, bereit: 
willig geweſen. Den übrigen vielen Geſchwiſtern gibt dis Exempel 
einen ziemlichen Eindruck, ſich auch in Zeiten zu einem feligen Tode 
zuzubereiten. Er hatte einen ſehr heftigen Durchfall bey groſſer in 
nerlicher Hitze, und konte durch kein Mittel gehoben werden. Alle 
Glieder waren dabey todt und kalt, und reichten keine warme Um⸗ 
ſchlaͤge zu, ſie wieder zu erwaͤrmen. Die Durchfaͤlle find wieder ſehr 
gemein, welches daher kommen mag: Die Hitze iſt bisher bey Tage 
und Nacht (einige Nächte ausgenommen) fehr groß und faſt uner⸗ 
i p 


’ 


Americ. IV. Sort Ppp pppp kraͤg⸗ 


2106 Diarium- 


137 gl geweſen . daher die Leute, d Leute, die Int, waer N 0 
Kae ene ſeyn, im 50 E 
en, baden, an kuͤhle Oerter legen, welches allerley 3 ul nach 
ich ziehen muß. N und dieſe Nacht iſts auf und 5 dem Ne 
gen fo kühle worden, daß me n ee Ehen , * 425 
Lahe nt, der zieht j 
Den La 10 war in ame in de 


und vor alien Zerfuhungen 

die W en dieſes Jahrs ſin uf par 
27 60 1 vielen 5 allerley ſonderlich 1 9 

ö aun uns nic e nnen, ede er nach eit einen ver 


10 ee daß er, wo 


Winter 9 7 „ je 155 on 15 von f Kalte habe. 
Mein Fieber macht Hi nf 1 bey Tag und 
Nacht, daß ich zu allen eſtern kaum 
die Vormitkags⸗Predigt ha Nittel, als 
Beſtreichung des Unterleibs a 804 
warmer A Dieb das 1 


Eon 


— — e — 7 P rr AT 9 rr u — . 
F DNA NEE SIEB EA NND N 0 


Disk. 2107 


— 


Segen die Umſtaͤnde aͤndern. Zwey Perſonen, welche gegen einan⸗ Ann 


der Haß und Feindſchaſt getragen, konten neulich in meiner Stube 
zu keiner Verſohnung gebracht werden, woran die eine groſſen Theils 
Schuld hatte, welcher wir denn mit Ernſt zugeredet, und unſer 
Mißfallen an ihrem Verhalten mit derben Worten bezeuget haben, 

welches doch fo viel gefruchtet hat; daß fie ſelbſt in der andern Per⸗ 


ſon Hauſe die Verſoͤhnung geſucht, und ſind dieſe deute wenigſtens 


Aufferlich wieder Freunde. Dieſe beyde Perſonen koͤnten in der Ge⸗ 
f ee eee werden, welches auch ihr Nutz ſeyn würde, 
wenn ſie ſi \ 

einen ſo ſchlechten Credit geſetzt hatten. 7 85 
Den ızten.. Es haben einige Leute, die im Fieber China de 


China gebraucht, das Fieber zwar verloren, aber auch wieder ber 


kommen, daher ſie kein Hertz mehr zu dieſer Artzney haben. Wir ra 
then es ihnen auch nicht, ob es wol das allgemeine Mittel hier im 
Lande iſt, die Fieber zu vertreiben. Von Geſchwuͤren und dicken 
aufgeſchwollenen Haͤnden werden einige ſehr geplagt, und gehet es 
den kleinen Kindern wie den Erwachſenen. Mich hat der liebe 
Gott ſo weit wieder geſtaͤrcket, daß ich die Abend⸗Betſtunde halten 
konte, und mir und den Zuhörern die ſchoͤne Verheiſſungen GOttes 
2 B. Moſ. 19, 5. 6. zu Nutze zu machen ſuchte. O wie gern wol⸗ 
ten wir arbeiten, und zum leib⸗ und geiſtlichen Heil unſerer lieben 


5 Salsburger unſere Kräfte anwenden, wenn ſie uns der HERR 


ſchencken und erhalten wolte! Er erkennet und weiß unfer Verlan⸗ 


a 145 und wird zu ſeiner Zeit ſchon wieder geben, was ihm gefaͤl⸗ 
Den 1 sten. Es hat zwar Herr Cauſton mir und dem Prediger 


in Savannah verſprochen, zu uns zu kommen, unſerer Leute Arbeit an⸗ 
zuſehen, es verzieht ſich aber feine Herreiſe fo lange, daß vielleicht wol 
gar nichts daraus werden moͤchte. Ich gedencke mit naͤchſter Ge⸗ 
legenheit ihn wieder zu bitten, ſolche Muͤhe uͤber ſich zunehmen, da⸗ 


mit er den ungemein groſſen Schaden, den die Würme am Korn ger 
than, ſelbſt anfehen und zum Mitleiden bewogen werben moͤchte. 
Die Leute haben mit Abbrechung und Heimbringung des Korns viel 


ch nur durch ihr Verhalten bey den Saltzburgern nicht in 


Aug. 


zuthun, bringen aber von einem jeden Morgen nicht ein vollig Bufhel 
zuſammen, ſondern muͤſſen die as durchfreſſene Aehren den Schwei⸗ 
I p * nen 


p ppp p 2 


0 1797, | 


ZINN TEEN 


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— 


2108 Diarium. 


5 . „ 2 — 
Anno 1737. nen vorwerfen. Der Schade iſt ſehr groß, und iſt dis abermal über 
Aug, die arme Saltzburger eine ſolche Prüfung, dabey ſie Troſt wohl brau⸗ 


chen, den ihnen auch der liebreiche GOtt ſchon wird aufbehalten 
haben. S Rut! ee 
„Den ıHfen. Unſer Boot brachte etwas Reiß, Mehl und 
Kaͤſe für den dritten Transport von Savannah, welches ich denn 
auch gleich dieſen Nachmittag ausgetheilet habe. Dieſen Abend 
wurde ich zu einer Patientin gerufen, welche ihrem Ende ſchien nahe 
gekommen zu ſeyn. Ich reichte ihr etwas von unferer Artzeney, wel⸗ 
ches auch gute Wirckung gehabt. Ich wuͤnſche von Hertzen, daß 
Gott dieſer Perſon ihr Leben auf eine Zeitlang friſten wolle damit 
man länger an ihr zur Bekehrung arbeiten koͤnne. * 
Den 20ten. Die Holtzerin fand ich in groſſer Leibes ⸗Schwach⸗ 
heit, und ſiehet ſie wol nichts naͤher vor ſich, als den zeitlichen Tod, 
vor dem fie auch nicht erſchrickt, weil ſie als eine muͤhſelige und bela⸗ 
dene Suͤnderin zu CHriſto gekommen, und von ihm begnadiget zu 
ſeyn glaubet. Ich machte ihr das Exempel des alten Simeonis zu 
Nutze, und betete mit ihr. Weil ihre Tochter auch kranck worden, 
und ihr nicht mehr an die Hand gehen kan, ſo werden ſie beyde zu ei⸗ 
Ga e frommen famille in die Nachbarſchaft ge⸗ 
ra f. 5 | | RT 0 85 8 
Mit N und ſeinem Weibe hatte ich ein gar erbaulich Geſpraͤch. 
Er erzehlte, was Gott in ſeiner heftigen Fieber⸗Kranckheit, da er 
auch wohl gantz ohne Verſtand da gelegen, fuͤr Gutes gethan; und 
fie erzehlte, daß fie in ſolchen Umſtaͤnden hertzlich zu GOtt gebetet, 
und auch Erhoͤrung erlanget habe. Das Weil kan beſſer leſen als 
der Mann, daher ſie dem Manne ſehr nuͤtziich iſt, der auch ſein Weib 
um des willen hoch haͤlt. Wir hatten dieſen Nachmittag einen frucht⸗ 
baren Regen, der aber nebſt dem Donner⸗Wetter in ein paar Stun⸗ 
den zu Ende ging. e eee e e e 
Den 21ten. Die Kornbergerin iſt geſtern Abend mit zwey 
Maͤgdlein ins Kindbette gekommen, und wurde das juͤngſte wegen 
Schwachheit gleich nach der Geburt von mir getauft, das andere aber 
empfing die heilige Taufe vor dem heutigen Vormittags⸗Gottes⸗ 
dienſt in öffentlicher Verſammlung. N. und fein Weib ſind jetzt 
ſeit dem letzten Gebrauch des heiligen Abendmahls nicht ar > 9 
aus⸗ 


ich die noͤthige und wichtige Lehre vom Amt der Schluͤſſel durch, den 


| ; Diarium. u): 21898 
Haushaltung, ſondern auch im Gebet und Handlung des goͤttlichen Anno 1737. 
Worts fein einig, und ſpuͤren fie dabey den göfklichen Segen. Er Aug. 
erzehlte mir dieſen Nachmittag, daß der liebe GOtt in der vorigen 

Woche groſſe Barmhertzigkeit an ihm und ſeinem Weibe gethan, und 

muͤſten ſie ihn fuͤr die deutliche Erhoͤrung ihres Gebets preiſen. Sie 
waͤren zu Anfang der Wochen am Fieber ſehr kranck geweſen, und 

weil ſie aus Mangel eines Medici keine eigentliche Mittel dagegen ein» 

zunehmen wuͤſten, ſo haͤtten fie. ſich beyde ermuntert, dieſe Leibes⸗ 

und Haus⸗Noth dem barmhertzigen GOtt im Gebet eifrig vorzutra⸗ 
gen, welches fie auch etliche Tage hinter einander gethan, dar⸗ 
auf ihnen GOtt das Fieber abgenommen hätte, daß fie gantz ſtarck 

worden waͤren, und nur unterweilen einige Empfindung davon 


Mein lieber College hat in voriger Woche eine noͤthige Rei⸗ 
ſe thun muͤſſen, und bin ich alſo heute in der Gemeine alleine gewe⸗ 
ſen. Es hat auch der liebe himmliſche Vater dieſe Dage her und auch 
heute mich recht augenſcheinlich am Leibe geſtaͤrcket, daß ich auſſer 
der Vormittags⸗Predigt und Nachmittags, Catechiſation auch die 
Wiederholungs⸗Stunde halten koͤnnen. Nachmittags catechiſirte 


Glaͤubigen unter uns zu groſſem Troſt, den Unbußfertigen und Gott⸗ 
loſen aber zum Schrecken, und konten ſie daraus lernen, daß die 
Ausuͤbung der Kirchen⸗Zucht unter uns keine Neuerung, ſondern 
gar was altes und von CHriſto ſelbſt verordnetes ſey. In der Wie⸗ 
derholung las ich zur Beſtaͤtigung des Vortrags uͤber das ordent⸗ 
liche Evangelium ein erbaulich Exempel mit einigen Anmerckun⸗ 
Den ꝛ2ten. N. wendet ihre wenige Kraͤfte gantz dazu an, in dem 
Erkentniß ihres Suͤnden⸗Elendes recht tief zu graben, und der Verge⸗ 
bung der Suͤnden recht gewiß zu werden. Die Suͤnden ihres vorigen 
Lebens, dafuͤr ſie noch nicht Buſſe gethan, koſten ihr viel Thraͤnen, und 
machen ihr ſo viel Angſt, daß ſie auch des Beyſtandes des frommen N. 
der ſie in die Huͤtte genommen, im Gebet und Zuſpruch aus GOttes 
Wort noͤthig hat, der ihr denn auch nach feiner Erkentniß und Ere 
fahrung gar nuͤtzlich iſt. Wir erfahren es wohl in der Gemeine, dax 
mancher fuͤr einen guten Chriſten angeſehen ſeyn will, und hat doch 
R Pyp pppp3 noch 


Anno 1737: 
Aug. 


Diarium. 


2110 
noch nie Buſſe gethan, dah 


n, daher wir bey aller Gelegenheit die Zuhörer 
bitten, ja den Grund des Chriſtenthums, nemlich die neue G eburt 


und gründliche Bekehrung und Aenderung des Hertzens nicht zu uͤber⸗ 


gehen, wozu denn auch diejenigen Exempel, die wir unterweilen 
vorleſen, uns eine gute Anleitung und den Zuhoͤrern guten Eindruck 


geben. a Ae 
H. S. hat ſich mit einer ſtarcken Diarrhoe aufs Boot gewagt, 

und ſich dadurch dergeſtalt verdorben, daß er die Dyſenterie in groß 
ſem grad und noch andere betruͤbte Zufaͤlle hat, darüber er wol un⸗ 
gemeine Schmertzen ausſtehet; Gott ſchenckt ihm aber auch dabey 
ein groß Maß der Geduld CHriſti. Er iſt ein ſehr redlicher und recht⸗ 
ſchaffener Mann, der in der Gemeine ſehr wohl zu gebrauchen, auch 
bey iederman lieb und werth iſt, und ſolte ung fein fruͤhzeitiger Ab⸗ 
ſchied aus der Welt deſto ſchmertzlicher ſeyn. Sein Weib und Kind 
ſind auch am Fieber und Diarrhoe kranck. RR TESTER 
Dien 23ten. Ich hatte geſtern mit der Gemeine abermal eine 
Conferentz, darin ich gebeten wurde, zu Herrn Cauſton ſelbſt zu rei⸗ 


ſen, und ihn durch muͤndliche Vorſtellung zu bewegen, daß er eine 


wolle dergleichen thun. Ich 5 
expedirt, um bald wieder zu Hauſe zu ſeyn. Als ich 1 
a S eee an 


Neiſe an unſern Ort über ſich nehmen, und theils der Saltzburger 
Arbeit im Felde, theils aber den groſſen von Wuͤrmen verurſachten 
Schaden ſelbſt anſehen moͤchte, damit er etwa dadurch bewogen 
wuͤrde, bey den Herren Truſtees ein gut Wort fuͤr ſie einzulegen, 
daß ihnen bey dieſem Mißwachs und Verluſt nicht die Proviſion auf 
einmal abgeſchnitten und entzogen wuͤrde. Ich gedencke auch in 
Gottes Namen dieſen Nachmittag ſolche Reiſe anzutreten, und, 
wo nicht den Herrn Cauſton, doch den Prediger, Herrn Wesley zu 
ſolcher Herreiſe zu bewegen. GO gebe feinen Segen zu ſolchem 
Vorhaben: e matten Wee te e e 

Den 24. und 25ten. Herr Cauſton kan nicht zu uns kom⸗ 
men, die Felder der Saltzburger zu beſehen, da ietzo in Savannah 
ein gar verworrener Handel auf dem Rathhauſe tractiret wird. Er 
glaubt es aber wol, daß die Wuͤrme ſo viel Schaden gethan, und 
betriſt dis Ubel das gange Land und Caroline dazu. Er halt es fuͤr 
gut, daß ich deshalb an die Herren Truſtees ſchreiben moͤchte, er 
Ich habe meine uͤbrige Dinge aufs kuͤrtzeſte 


und kan fonderlich die eine Perſon unter ihnen von geiſtlichen Din 


iſt heute um 1 Uhr Nachmittags ſelig geſtorben, nachdem ſie ſich bis 


| Te | Disrium: IR | 2111 

fand ich, daß des Kornbergers aͤlteſtes Kindlein, das doch das Anno 1737. 

ſtaͤrckſte zu ſeyn ſchiene, geſtorben war, und muſte dieſen Nachmit⸗ Aug. 
tag begraben werden. Die Kinder in der Gemeine leiden ietzt vom 8 
Fieber und andern Unpaͤßlichkeiten viel. RN; 
Den orten. Ein junger Saltzburger, den der liebe GOtt 
in ſeiner bisherigen Kranckheit zur Erkentniß und Bereuung ſeiner 
Suͤnden gebracht hat, ſchaͤtzt nun das hoͤher, als alle Schaͤtze in der 
Welt, wenn man einen gnaͤdigen GOtt und gut Gewiſſen hat, hin⸗ 
gegen ſey die Suͤnde ein ſolch Ubel, dadurch der Satan uͤber den 
Menſchen eine groſſe und ſchreckliche Gewalt bekommt. Er ſucht 
nun die Gnade GOttes in EHriſto ernſtlich, und ich gab ihm in ſei⸗ 

ner Hütte eine Evangeliſche Anweiſung, auf dem angetretenen We⸗ 
ge, darauf ihn der HErr gefuͤhret, gerade und munter fortzugehen, 
FDeigete ihm auch einen erfahrnen Chriſten, mit dem er fleißig umge ⸗ 

hen, ſich hingegen vor anderer verdaͤchtigen oder heuchleriſchen Ge⸗ 

BEL garen te e e e, a Een SER: 
In des N. N. Hütte muſte ich einer gewiſſen Perſon und ih⸗ 
rem Haufe ernſtlich Buſſe predigen, weil Vater und Kinder bey ale 
lem Wiſſen und guten Reden auf dem breiten Wege zur Hoͤllen wan⸗ 
dern. Sie wiſſen es wohl, daß es mit ihnen noch nicht recht ſtehet, 


gen, von Himmel und Hölle, von der Ordnung und Schaͤtzen des 
Heils ſo gruͤndlich und nachdruͤcklich reden, daß man dencken ſolte, 
er ſey bekehrt, oder werde keine Stunde verziehen, ſich zu G Ott zu ber 
kehren, wenn man ibn nicht etliche Jahr her hätte kennen lernen. 
Mit alten Suͤndern ſieht es gefährlich aus, und läßt ſich unter vier 
len kaum einer erretten. Das Weib iſt lange kranck, und weil ſie 
ſich zur ſeligen Ewigkeit zubereitet, und die Ihrigen gern in den 
Himmel haben möchte, fo hat fie ihr Theil daruber zu leiden. 
Den 28ten. Suſanna Holtzerin eine Witwe aus Oeſterreich, 


an ihr Ende im Kampf gegen die Suͤnde und Satan treu bewieſen, 
bob es ihr wol in der letzten Zeit gar ſauer worden. Geſtern konte fie 
noch etwas reden, heute aber, da ich nach dem Vormittags⸗Got⸗ 
tes dienſt bey ihr war, war ihr die Sprache faſt verfallen, und konte 
ich von ihr weiter nichts, als auf Befragen, ob ſie mich kenne, Ja, 
W / BR ER vel? 


Anno 1737. vernehmen. Ich rief ihr etlich I 
Aug. mit den anweſenden Leuten auf die Knie, fie im Gebet auch fozu © 


2112 | Diarium. 


— — 


Sprüche und Gebetlein zu, und fiel 


ſu zu bringen, als mit dem tauben und ſtummen im heutigen Evange⸗ 
lio geſchehen. Wir haben nun in 4 Wochen 3 Leichen gehabt; 
(das kleine Kind des Kornbergers nicht mitgerechnet) und zwar ha⸗ 
ben ſich folche Todes⸗Faͤlle theils im Voll⸗ theils im Neumond bege⸗ 
ben. Die Holtzerin hinterläßt eine einige Tochter von 14 Jahren, 
die nun als ein Waͤſen⸗Kind in unſere befondere Verpflegung und 
Aufſicht wird genommen werden. Die Mutter iſt wegen der Ver⸗ 
ſorgung ihres Kindes gantz unbeſorgt geweſen, wie ſie ſich denn durch 
irdiſche und zeitliche Gedancken in ihrer Zubereitung zur Ewigkeit 
nicht wolte irre machen laſſen. Sie war ein im Haus⸗Weſen ver» 
ſtaändiges und arbeitſames Weib, die ſich dabey nebſt ihrer Tochter 
ſehr ernſtlich zum Gottesdienſt hielt, und nach per Gabe und Ver⸗ 
moͤgen auch ihrem Naͤchſten zu dienen ſuchte. Sie hat es aber auf ih» 
rem langwierigen Krancken und Sterbe⸗ Bette wohl erfahren, daß 
zum ſelig werden mehr als die erzehlten Dinge erfordert werden, und 
daß der Menſch bey allem guten Schein und Eigenduͤnckel doch noch 
wol ein unbekehrtes Hertz haben koͤnne. Gott ſey gelobt, der ſich ih⸗ 
rer erbarmet hat. | ar 
Den 29ten. Der liebe GOtt hat es mir abermal an dieſem 
Tage kund werden laſſen, daß das Wort, ſo geſtern verkuͤndiget 
worden, nicht ohne Segen geweſen. Auf die Wiederholungs⸗ 
Stunde zu Abend faͤhret GOtt noch immer fort einen Segen zu le⸗ 
gen, wie ſie denn von Alten und Jungen fleißig beſuchet wird. 
Die Muͤllerin iſt vom Fieber und andern Zufaͤllen am Leibe und 
Gemuͤthe gar ſchwach worden, daß fie auch unterweilen gantz Ein, 
diſch und einfaͤltig thut. Heute, da ich ſie beſuchte, war es etwas 
beſſer, und kam mir auch ihr geiſtlicher Zuſtand ſo vor, als wenn ſie 
der Gnade Gottes am Hertzen zur rechten Zubereitung auf die ſeli⸗ 
ge Ewigkeit Platz laſſe. Eltern und Kinder halten ſich fleißig zum 
Gottesdienſt, und geben hierin und in anderm christlichen Verhalten 
andern ein gut Erempel. Die aͤlteſte Tochter iſt auch kranck, wel⸗ 
ches fie vor Ausſchweifungen und Leichtſinnigkeit, wozu junge few 
te ſehr geneigt find, bewahret, und ſie in dem Schatz der Gna⸗ 
den, den ſie beym neuligen erſtmaligen Gebrauch des heiligen 155 75 
a mahls 


—Diarium 1 2113 


c und de „„ Vripartan ae, beifügen Annonzzy. 
bil e he ee CCC 
ern 
ei N e en) erau urg von de en⸗Predi⸗ 
. Mech, welcher wol e ee 


0 ef war. 
Negen bleil , und hältdiegeofeHisebeyZage 
0 ie ner an, welches auch wal dielrſochemie een mag, daß die 
ieber re ſo heftig ſind. e 
N Dun zu ſten. Roch . Abend fieg ein Donner Retter 
. dabey wir zugleich einen Platz ⸗Negen hatten. Heute hat es faſt 
den den gansen Tag eindingend geregnet wöchte auch wol die Nacht 
Fontinuiren. lers deute ſaen ietzt noch Rüben und Rettig, weil ſie 
Die geul geſäͤete und aufgegangene durch die bisherige groſſe Hitze 
ſten Theils wieder verlohren haben, oder nicht aufgegangen find, 
4 Korn W i ſo hoffen ſie doch viele Bohnen ein⸗ 
ne SOLL den anſcheinenden Segen wie beym Korn 


| Ans . ran hat daB» viele = 


ihr alen 75 0 war be ud un 
20 EN N Ko ar ie 
5 Den 1. 8 b Jah erfu v neul in Sapanna a0 Sept. 
F Pr die Herren Truſtees einem ieden rm m 5 
5 rdentlichen Provifion, dieſelben Tage, wenn er ſeine Arbeiten 
Er ein halbes Quart ſtarckes Bier verordnet haben, und 
“ 1 Leute ſolche Wohlthat noch nie bekommen o 
Americ. IV Hertſ⸗ Da 44 ſchrieb 


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te mie mit unſerm Boote das heure mit Korn und Saz A 
kam, 4 Faſſer Bier, davon ich fo bald, als möglich, dem dritten 


chen aus dem Store, Haufe nie empfangen, etwas davon mittheilen 


länger verziehen wird, weil einer don den Buchhaltern eh Here 5 


oe zam guten Exempel alle Lrene between, es auch, wo wie nor 


Kn 


Regen ⸗Wetter hat man in Hütten, wie leicht zu erachten, manche 
lei) Beſchwerung, die man aber gerne duldet, bis der fiebe GS c 


Derr 
ſton der Ordre der Herren Truſtees, daß ung ein Haus gebauet 2 
den ſoll/ ab er keinen Rath wiſſe/ da für 46 Pfund Sterl. welche 
0 ben e: nicht 


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Diarium if 


t einmal gantz dazu deſtiniret find, kein Anfang zum Bau gemacht Anno 1937. 


„Sept. 


wenden könne, Er gab up Antivart; Unfere Salsburget möchten 
hauen, und zuſehen, wie weit das Geld langen wolle, und darnach 


ſchlag wir aber keinen Bau anfangen koͤnnen, weil uns die mißli⸗ 


lan 
Er berſprach 


der 


müfte man in donden wieder Vorſtellung chun. Auf weſchen Dor, 


„N. Ni. die neulich gefährlich kranck war, iſt nun etwas 


| „läßt es 
e . g 4 Bi ERE A i ” D s 7 
Fe an em Krancken⸗Bette zu ihrem Heyl geprediget worden, 


5 


5 wirds zu feiner Zeit ſchon machen, daß wir ihn auch in einer ordentli⸗ 


AD 


2116 Diarium. 


Anno 123. Nacht zu ihn ſchreye, fie wolle ſo gern hindurch, und ihres Gnade, 


Standes gewiß ſeyn, che fie aufs Krancken⸗Belte komme. 3 
angefangen, ein paar Stunden vor Tage, wenn andere noch fc 
fen, aufzuſtehen, und in ihrem Garten auf ihren Knien mit ihrem 
Gott, den ſie doch ſo gern bald in CHriſto als Vater mo te kennen 
und anrufen lernen allein zu handeln. Ich gab ihr den roſt, den 
Gott für arme leidtragende Sünder in einem Wort reichlich gnug 
aufgenoben hat, und ermahnete ſie zum Ausharten im ringenden Gi 


die Lehre vom Amt der Schluͤſſel und n nn hy 
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ge 


andern, daß die Schweitzer, welche neulich in dortiger Gegend eine 
nige ſterben. 5 Prediger iſt noch nicht bey ihnen, uud ſind ſie alſo 


ind Der Uhrmacher Muͤller ift mit allen den Seinigen kranck und 
elend, und ſtehet es mit der aͤlteſten Tochter am gefaͤhrlichſten. Es 
finden ſich die beyde Eltern in dis Haus⸗Creutz gar wohl, ob 1 
nebſt der Kranckheit auch 17 55 Armuth druͤcket, daher ich im je 
mehr verſichert werde, ſie haben das Chriſtenthum nicht bloß im 
Munde, ſondern vornehmlich im Hertzen. Was uns GO von 
leiblichen Wohlthaten in die Haͤnde beſchelet hat, laſſen wir fie, 
ee der Gemeine, naeh Beſchaffenheſt der Um 
ſtaͤnde gemieſſen. 5 ri f KUN Kal 1209. 1 3 11 N * a 
% Den pten. Die Schweighofferin merckt einen mercklichen 
Abgang der Kraͤfte, und vermuthet daher, daß ihre Aufloͤſung Ha 
3% »- WDR Ya * erne 


ferne ſeh. Sie wolke auch gerne erben, wenn ihr der fte GOTT. Ango 1737. 
Sept, | 


Br + 


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Gnade geben wolte. Sie hat viele Anfechtung, beweiſet aber auch 
im Gebet und Kampf eine ſonderliche Treue. Ihr Haupt⸗Kummer 
iſt, daß ſie nicht weiß, ob ihr der liehe GOtt gnaͤdig fen, denn fie führ 

le ſich gantz verderbt und boͤſe, und ſorge ſie, GOtt ſey von ihr gewi⸗ 


rl 


chen, und habe ſie verlaſſen, weil fie wol ehemals, aber jetzt nicht 


mehr, etwas von feiner Gnaden⸗Gegenwart geſchmecket habe. Die⸗ 


ͤ— ˙ 


vor ihrem Ende eine empfindliche Verſicherung von ſeiner 


I 


ſess erzaͤhlete ſie mir unter vielen Thranen. Ich ſagte ihr aus GOt⸗ 


tes Wort, an welchen Leuten GOtt in EHriſto Gefallen habe, und 
bey welchen er zu ſeyn und zu wohnen verheiſſen; das ſind die Elenden, 


Die zerbrochenes Geistes find, die Leidtragende, bie Hungrigen und 
Durſtigen, die Armen am Geiſt. Darin irre ſie, daß ſie mehr auf 


ihr Gefühl, als auf das deutliche Wort e Ottes, und die darin be⸗ 
flindliche Verheiſſung ſehe und traue. Sein Wort laß dir gewiſſer 
ſeyn, und ob dein Hertz ſpraͤch lauter Nein, fo laß dir doch nicht 
grauen. Ich wieſe fie daben auf den 23ſten Palm da es heißt: 


Ob ich ſchon wandre im finſtern Thal, fürchte ich kein Unn⸗ 
denn du diſt bey mir. le Ston ſpricht: Der zERR 


hat mich verlaſſen, der ER hat mein vergeſſen ꝛc. Jeſ. 
49. Sie müͤſte einen Unterſcheid machen zwiſchen der ordentlichen 
Speiſe und zwiſchen dem was GY e nur dann und wann, wenn 
ers nützlich findet, feine Kinder genieſſen laffet. Unſere tagliche ordent⸗ 
liche Speiſe und Franck ſeß daß wir den Willen Oottes thun, und 
nach ſeinem Willen in der Nac 1 leiden; zuweilen aber 
findet ers gut, feinen Kindern auch einen Trunck aus dem Freuden, 
Becher ſeiner empfindlichen Gnade zu ſchencken, daraus ſie aber kein 
Riecht und was ordentliches machen muͤſten. Sie klagte mir hie⸗ 
N ihr aͤlteſtes Magdlein, welches ſie noch beyſich hat, ihren 
Kummer vermehre, und ſehnet ſich alfo ſehr nach einer Nenderung , 

weiche auch mit ihr und den Kindern vorgenommen werden ſoll, fo 
bald die groſſe Huͤtte, daran jetzt neun Saltzburger mit gutem Fort⸗ 


gang unter Gebet und Chriſtlſcher Einigkeit arbeiten, fertig ſenn 


wird. Dieſe Witwe iſ vom Schlag gerühret, und daher unver» 
moͤgend, ihr ſelbſt die noͤthige Leibes⸗ Pflege zu thun, daher billig 


2 


auch für ſie einige Anſtalt in gedachter Huͤtte gemacht werden ſoll⸗ 
EN. Quaqa qqq q 3 N. N. Weib 


Anno a 


Sept, 


in einem ee als evangeliſchen Geiſt 


And gar ſtillen Wandel ſehr erbaulich. Sie iſt in 
Dienſt eines zwar frommen aber ſeparatiſtiſchen oder Gi 


iſt dieſen Nachmittag von feiner Reiſe, die er aus 


freundlichen GOttes gelobet ſey. Kieffer aus Purisburg wa 
‚feinen Söhnen auf feinem eigenen Boote dorthin gereiſe „ we 
fuͤr ihn eine erwuͤnſchte Gelegenheit war, doch hat man 1 


ihm gefunden, mit denen er theils beſonders, theils durch o 


N. N. Weib ift dem Leibe na be 
dabey aber bekuͤmmert, daß ſie bisher dem 


lieben G Te mehr 
ienet a“ 

glaube, der HER R habe ihr dieſe e zu 1 | Si 
chen Beſten zugeſchickt, und wuͤnſche ſie im Gebet nichts 
als daß er nur ſeinen Zweck ohne Hinderung an ihr erreichen 
ge. Ein Exempel, das ich ohnlaͤngſt in einer Wiederholungs und 
folgenden Betſtunde vorgeleſen habe, hat ihr Gelegenheit gegeben, 
ſich in einem und dem andern beſſer zu erkennen. Sie iſt wol ein rec ; 
red lich Weib, die ſich ihr Seligwerden einen Ernſt ſeyn laͤßt. 
gehoͤret mit zu den Stillen im Lande, und iſt mir in ihrem an 8 N 0 
Teutſchland i 


Mannes geweſen, der ihr viel Gutes gethan, SOR, ab ber ha | 
vor feinen Abwegen und Lehr⸗ Sägen bewahret. a 
Den gten. Nach dem bisherigen Tag und Basta 


eee ee en⸗Schein ge 
die Leute ſehr froh ſeyn, weil fie fonft um ihre Bohnen im Felde, die 
keine Naͤſſe leiden können, A ee ren. Deinlicher © Coll 


en nach Charles⸗Town thun müffe Ion, geſund nach wohlausge 2 9 
Er Sachen wieder nach Haufe gekommen, wofür. der Nane 110 


vermuthet, daß gedachter Kieffer von der Regierung in Ct 
Town über 14 Tage würde aufgehalten werden, welches feine Ruck 
reiſe verzögert hat. In Charles ⸗Town haben ſich teutſche e | 


Verkündigung des Worts Gottes etwas Gutes handeln können. 


Er hat auch Gelegenheit gefunden, an den Herrn He Prebiger gl Bier 1 


genhagen zu ſchreiben, und ihm von ein⸗ und andern Dingen, ſonder⸗ 
lich von der neulichen Wegſendung unſerer Briefe und des Diarü, 


Nachricht zu geben. Wegen des Faſſes Leinwand, davon ſchon im 


Diario etliche mal Meldung geſchehen, hat er nun voͤllige Nachricht 
e ee einem eee N. e 


1 . 5 Dia rium 4119 
Ende geſchickt, daß wir es hier an die Saltzburger für Reiß, Zerpen- Anno 1737 
in⸗Oel, oder Seide verhandeln ſollen, weil er in der Meynung ſte⸗ Sept. 
hen mag, daß die Saltzburger damit ſchon zu handeln im Stande f 
waͤren, und wuͤrden ſie alſo von ſolchem Handel Vortheil haben, m» 
dem er die Leinwand um billigen Preis überlaͤßt. Zugleich hat er 
ſthon vor einiger Zeit unſern armen Salsburgern 24 Pfund Sterl. 
zum Geſchencke zugedacht, davon er ihnen dismal für ohngefaͤhr 13 
oder 14 Pfund Sterl Leinwand ſchickt, und dabey verlangt, daß ei⸗ 
nem ieden 5 Ellen gegeben werden ſollen, fo weit es reichen will; 
das Übrige gedenckt er kuͤnftig auf eben dieſe Weiſe zu uͤberſchicken. 


2120. Diarium. 


2 


worrenen Zuftand in Religions ⸗Sachen Dafelbft, und erinnert ſich 
dabey der Vorzuͤge, die wir an unſerm Orte in Anſehung des reinen 
Evangelii hier genieſſen n.. ee e 
Den gten, Der verſtorbenen Uſeltin ihr jüngstes Maͤgdlein iſt 

durch ihre Mutter nach Charles Town gefuͤhret, und nach ihrem 
Tode in eines e Sy gerathen, die ſie nach Penſhlpanien 
geführet hatte, woſſe denn wol wild und unordentlich aufgewachſen 
ſeyn wuͤrde. GO That es aber fo gefüͤget, daß ſie nun unter une 
ſere Aufſicht und Verpflegung konunt. Sie iſt ein munteres aufge ⸗ 
wecktes Kind, und kan ſie, wenn ſie Lehre annimmt, zur Ehre GOt⸗ 
tes und Dienſt des Naͤchſten erzogen werden. Die groſſe Hütte, die 
zur Erziehung der armen Kinder gebauet wird, iſt noch nicht fertig, 
daher wir die Wähſen⸗Linder, deren nun in allem p ſind „ ſo lange 
in unſers zu hoffenden Medici zubereitete Hütte thun ‚bis jene wird 
ausgebanet Kenn. 1 ar. eee naar e den de 

Dien roten. ee Nie heute habe den Saltzbur⸗ 
gern, von weichen wir gewuſt, daß ſie es am nöthigſten brauchen, die 
empfangene beinwand ausgetheilet, und ihnen dabey zum Lobe GOt⸗ 
tes und zur ertlichen Fürbite für Diefen und andere werthe Wohl. 
thaͤter Gelegenheit gegeben, zweifle auch nicht, es werde dieſe Gabe 


bey vielen im Geiſtlichen ihren Nutzen ſchaffen. Weil dieſe Lein. 


wand nicht fo. weit reichen wolte, als ich anfangs nach gemachtem 

Überſchlag meynte, ſo habe für höchfi-dürftige Verfonen Das Sek. | 
chen Leinwand von 32 Qard, ſo ich neulich für 28 Sch. Sterl. für 
unſere Waͤyſen⸗Kinder ekauft hatte, mit zu Hülfe nehmen muͤſſen. 
Wenn unſere liebe Wohlthaͤter und andere Chriſtliche Freunde der 


Saltzburger eigentlich wiffen ſolten, wie viel Gutes durch ihre Ga⸗ 


ben in unſerer lieben Gemeine geſtiftet werde, fie wurden nebſt uns 


den HERRN preiſen, daß er fie vermoͤgend und willig gemacht hat, 
etwas von ihrem Uberfluß herzugeben. Die meiſten unter uns ſind 

im Leiblichen recht arm, und muͤſten ſich von der Gemeine und ED 
tes Wort auf eine Zeitlang entfernen, und in anderer Leute Dlenſte 
gehen, wenn ihnen in ihrer aͤuſſerſten Armuth nicht unter die Arme ge⸗ 
griffen wuͤrde. Redliche Seelen werden durch ſolche unvermuthete 
Wohlthaten ſo im Glauben geſtaͤrckt, daß ſie dem adp 


Lauf etwas vor, da ſie erkennen konte, wie leicht ſich die Menſchen 


u Diarium SEE 
gnaͤdigen Gott ohne Fühlen trauen, und in dem größten Mangel Anno 1737. 
e erwarten lernen, da er ſchon ſo viel Proben Sept. 
zur Beſchaͤmung unſers Unglaubens gegeben. Solte der wunderbar 9 8 
re Gott, wie er ſchon einen Anfang darzu gemacht, ferner wohlthaͤ⸗ 

tige Hertzen erwecken, die ihre Wohlthaten zur Erziehung der ten 

ſchen verwaͤyſeten hoͤchſt elenden Kinder in dieſem Lande über das 

Meer wolten gehen laſſen, fie würden gewiß folche Wohlthaten 

nicht beſſer anwenden koͤnnen, und ein ſolch Werck der Barmher⸗ 
tzigkeit thun, das ihnen in der ſeligen Ewigkeit um CHriſti willen, 

der auch arm geweſen, und zu den Kindern eine hertzliche Liebe traͤgt, 
reichlich wuͤrde vergolten werden. Man moͤchte uͤber dem Jammer, \ 

der uber dem Mangel der Erziehung der verwaͤyſeten und anderer teul⸗ 5 

ſchen Kinder entſtehet, vor Erbarmen weinen, wo man nur einige 

Liebe zu JEſu und zu unſterblichen Seelen hat. Da aber Lebens⸗Un⸗ 
terhalt und Kleider in dieſem Lande, gegen Teutſchland oder Pen 

ſplvanien zu rechnen, ſehr theuer ſind, fo kan man ohne leibliche Bey · 

huͤlfe keine Kinder mehr aufnehmen, als die, welche ietzt aufgenom⸗ 
men ſind. Der zu dieſem Zweck empfangene Segen wuͤrde nicht lan⸗ 

ge zureichen, wenn nicht etliche von denen in unſere beſondere Aufſicht 
und Verpflegung genommenen Kindern etwas Proviſion aus dem 
Storehauſe bekamen. Kalcher und fein Weib find dazu erwaͤhlet 
worden, bey Tage und Nacht ſich dieſer Kinder in geiſt und leiblichen 
Umſtaͤnden an Eltern ſtatt anzunehmen, welche auch vor andern hie» 

zu geſchickt ſind, indem ſie nicht nur beyde eine wahre ernſtliche 
Furcht GOttes, ſondern auch fo viel aͤuſſerliche Geſchicklichkeit ber 

ſitzen, als zu dieſem wichtigen Gefchäfte erfordert wird. 
Den ften. Ich beſuchte eine Mutter mit ihren Kindern, und 
bemüͤhete mich ſonderlich die Mutter von ihrem ſchrecklichen Sünden» 
Auſſatz, daran ſie gefaͤhrlich kranck liegt, zu uͤberzeugen. Sie iſt 
aber fo blind, daß ſie ſich ſelbſt nicht erkennen noch es begreifen kan, 
daß es ihr noch an dem Anfang der Bekehrung, nemlich an der Er⸗ 
kentniß ihres durch und durch verderbten Hertzens fehlet, ſondern ſich 

eine Froͤmmigkeit, Liebe zu GOtt und Chriſtenthum einbildet, das 
andere doch nicht an ihr finden. Ich las ihr daher aus einem Lebens⸗ 


FEN. RR a 
5 NS I 9 3 e — u — 


mit ihrer Buſſe, Glauben und Chriſtenthum betriegen, und viel gu⸗ 


Bin 
5 0 5 


2122 Diarium. 

Anno 17. te Dinge an ſich haben koͤnnen, die, weil ſie nicht aus dem Glauben 
Sept. und wiedergebornen Geiſte geſchehen, doch vor Gott verwerflich 
ſeyn. Ben einigen Leuten, die da meinen, ſchon vorlängf gute Ehri⸗ 

ſten geweſen zu ſeyn, richtet man faſt nichts aus, und kan man nichts 

anders thun, als für ſie und mit ihnen beten, daß ihnen GOtt die Au⸗ 

gen oͤffne, ſich ſelbſt zu erkennen. | 8 10 NT 
Den ꝛaten. Wir haben Nachricht, daß diejenige aus dem 
Engliſchen ins Teutſche uͤberſetzte Gebet ⸗Buͤcher, die in Londen fuͤr 

die teutſche deute in Purisburg angekauft worden, dem Prediger da⸗ 

ſelbſt zu Haͤnden gekommen, und von ihm unter einige Familien aus⸗ 
getheilet ſind. Bey Abſendung unſerer letzten Briefe hatte ſie der 
Prediger noch nicht, wovon dem Herrn Hof⸗Prediger Ziegenhagen 

damals Nachricht gegeben worden. 2 nn 
N. N. wurde aus einigen Urſachen neulich vom Tiſche des 


dem Dienſt des N. N. wohl verhalten, und aufs neue viel Gutes zu⸗ 
ſaget, laͤßt man ihn dismal hinzu. Er erkennet wol mit Reue, was 
boͤſe oder ſolcher Leute Geſellſchaft, die keinen Grund des wahren 

Chriſtenthums haben, für eine Peſt ſey, und wie man, ſo lange 
man ſich ihre Gemeinſchaft gefallen laͤßt, alle die Gnade, die GOtt 

durchs Evangelium ans Hertz bringt, wieder verſchuͤtte, und zu kei⸗ 

ner Bekehrung kommen moͤge. IT 

Dien 13ten. Die Saltzburger tragen nun ihr weniges Korn, 
das ihnen von den Wuͤrmen im Felde noch übrig geblieben, nach 
Hauſe und ſo viel ich ihrer geſprochen habe, bezeugen fie alle eine 
groſſe Vergnuͤgſamkeit und Zufriedenheit mit dem, was ihnen Gott 
beſcheret. An Bohnen werden ſie einen groͤſſern Zuwachs haben, 
* ſie 9 5 . nicht weggefreſſen ſind, wie in vielen Gegen» 

- den geſchehen ift. var 5 
N Eine Witterau war bey mir, und bat mich, ein paar von ihren 
Kindern in unſere Anſtalten zur Erziehung aufzunehmen. Sie ift 
ſehr arm, und hat der Kinder viel, die ſie bey der wenigen Provifion 
nicht erhalten kan, daher ihr dieſe Bitte nicht ſchlechterdings abge⸗ 
ſchlagen wurde, ſondern man verwies ſie aufs geduldige Warten, 

bis die neue Huͤtte fertig ſeyn wuͤrde. In des Medici Huͤtte iſt nur 

zu wenigen Platz. Weil die Zimmekleute und andere 1 75 

— ö 5 Korn 


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2 . 

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HErenzurüc gehalten, und weil er ſich feit feiner Wiederkunft aus 


Ex Fu ni 


gear gu dieſem 


| wegen indie Schwämme und Gebuͤſche hinein 9 und entweder 


Bus 
3 | 
Vieh 


den Saltzburgern Freyheit gibt, ſolche Plaͤtze mit einem general- 


Zaun einzuzaunen, und auf ein oder zwey Jahr anzupflantzen, ſo 
wuͤrden fie fo viele EAN deſto lieber thun. Ich werde es 
mit der Gemeine uͤberl egen. 

un Den T. muß ich ſchon wieder an einen andern Ort zur Auf 
ſicht thun, weil er mit ſeinem ietzigen Wirth, aus ſeiner Schuld, 
nicht auskommen kan. Er will ungebunden und ſo frey als ein ande⸗ 


rer Einwohner dieſes Orts ſeyn, da er dach noch zu jung und richt. um 


Stande iſt, ſich ſelbſt zu regieren. Eben ſe ſtehets mit der N N. die 
mit vielem Ernſt darauf gedrungen hat, 
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Anno 1737. 
Sept. 


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Anno 1737. 


Sept. 


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11 


. Diarium. ie 
ihr aber und andern unordentlichen Leuten eine Gelegenheit zu vielen 
Sünden ſeyn würde, Da fie bey N. nicht mehr bleiben kan — 


will, muß ſie ſonſt guten Leuten gute Worte um die Aufnahme un 
Herberge geben. r eee e 
Dien ten. Ich theile die deute, welche kommenden Sonn; 
tag zum Diſch des HEern gehen wollen, in vier Claſſen, ſo wie ſie 
ſich in Anſehung ihres Chriſtenthums zuſammen ſchicken, und kommt 
denn iede Claſſe zur geſetzten Zeit zu mir, hier zu beten, zu ſingen und 


etwas zu ihrer rechten Zubereitung aus GOttes Wort anzuhoͤren. 


Ich habe denn auch täglich Gelegenheit, mit ihnen nach ihren Um⸗ 
ſtaͤnden zu reden und zu beten / welches ſie ſich ſehr lieb ſeyn laſſen, und 
von groſſem Nutzen iſt. Zwey gewiſſe Perſonen gehen dismal auch 
zum heiligen Abendmahl. Sie ſcheinen test ſich ihre Zubereitung eis 
nen rechten Ernſt ſeyn zu laſſen. Ich habe mich dieſen Abend nach 
der Betſtunde über etliche Puncte, daran Anſtoß genommen wird, 
mit ihnen beſprochen, und war ihr Verhalten dabey fehr fein. Sie 
find mit N. und N. über aͤuſſerliche Dinge in Uneinigkeit gerathen, 
und werden Morgen Gelegenheit ſuchen / ſich mit ihnen in meinem 
Beyſeyn chriſtlich zu verföhnen, 8 ie 
Den sten. In der vergangenen Nacht hat die A. eine junge 
Tochter zur Welt geboren, welche auch gleich nach der Geburt von mir 
getauft werden muͤſſen, weil das Kind ſehr ſchwach ausſahe. Das ar⸗ 
me Weib, die neulich durch den betruͤbten Todes⸗Fall ihres Mannes 
Witwe worden, hat nun fuͤnf unerzogene Kinder, auf die man bey 
unſeter Waͤyſen⸗Pflege, wenn fie in mehrere Ordnung kommt, bil⸗ 
lig wird Abſicht nehmen muͤſſen. Sie iſt ein redlich Weib, und haͤlt 
ihre Kinder fleißig zur Schuleund zu allem Guten. Es traf ſich eben, 
daß wider mein Wiſſen und Vermuthen N. ſeine Frau und N. N. 
zu Gevattern waren erbeten worden ‚ die auch in der Nacht zur Tauf⸗ 
Handlung kamen; und weil ihre Verſoͤhnung noch nicht zu Stande 
kommen war, ſo konte ich ſie zu dieſer heiligen Handlung nicht eher 
zulaſſen, bis ſie mich von ihrer Vergebung unter einander verſichert 
hatten. Ich werde aber heute noch einmal Gelegenheit haben, die 
Sache gruͤndlicher vorzunehmen. Der A. Doͤchterlein iſt dieſen 
Vormittag geſtorben. Es hat von ſeiner Geburts⸗Stunde an be⸗ 


ſtandig faſt eben fo geſeufzet, geaͤchzet und gewimmert, als die 


Mutter 


W — — 2 e ö 1 


N 


— 


wen 


3 * 
Sun, 


Dial; z: 2125 


g im Waſſer ertruncken ſey. Die Verſoͤhnung zwiſchen obi⸗ 


ſo bewieſen, daß ich glaube, es ſey ihnen Ernſt, ſich von Suͤnden los 
zu machen, und ſich zum Tiſch des HEren recht, wie Chriſten gebüh⸗ 


ret, zuzubereiten. 


— 


hat zwar mein lieber College einige Stucke, die zur Zubereitung der 


Medicamenten gegen das Fieber in D. Richters medicinifchem Bu⸗ 


Personen is in meinem Bepſeyn ſo wohl zu Stande gebracht, daß 
ich mich herzlich darüber freue. N. und feine Frau haben ſich dabeh 


tler gethan auf die betrübte Nachricht, daß ihr Mann in Pu⸗ Anno 1737. 


Sept, 


Den iyten. Es haben noch immer einige deute in der Go 
meine das Fieber, und dabey allerhand uns unbekante Zufaͤlle. Es 


che verordnet find, in Charles Town eingekauft, und wird den Leu⸗ 


ten davon, da unſere Artzeney nicht zureicht, gegeben; es koͤnnen 
aber ſolche Mittel nicht ſo, wie man wuͤnſchte, anſchlagen, weil man 


den Zuſtand der Kranckheit nicht recht weiß, noch die Mittel gehöri- 
ger Weiſe zu appliciren gnugſame Erfahrung hat. Ein Engländer 
in Alt⸗EbenEzer brachte ſechs Stuck Vieh, das von unferer Heerde 
gelaufen war, wieder zu uns, und muſten ihm die Leute von iedem 


langen zwar von unſern Leuten viel Liebe, beweiſen aber ſelbſt 


1 


Wort zu arbeiten, daß ſie zu dieſer heiligen Handlung recht zuberei⸗ 


= 3 5 


mit ſeinem Segen begleitet haben. 


tet wuͤrden. Wir hoffen auch, der liebe G Ott werde ſolche Arbeit 
Den 19. bis 22ten. Ich habe eine Reiſe nach Savannah 


vornehmen muͤſſen. Nun iſt unſere privat. Rechnung völlig fertig, 


und habe ich alſo dieſelbe unterzeichnen muͤſſen, zum Zeugniß, das 
uns alle benamte Stucke aus dem Storehauſe für unſer keines | 
Sͤgalarium gegeben worden. Ich habe abermal viele Proben einer 


reellen Gewogenheit von Herrn Cauſton genoſſen, wie er denn auch 


der Gemeine alle moͤgliche Gefaͤlligkeit zu erweiſen ſuchet. Er mad» 


te mir gute Hoffnung, daß die wenige Proviſion, welche den Saltz⸗ 


* burger bey Abholung der vn rg 


Netz | fe 


2 Stück einen Engl. Sh. geben. Unſere Nachbarn in dieſem Lande 
1 
Den 1gten. Heute waren der Communrranten an der Zahl 


44 Personen. Man hat in der ganzen Woche, undfonderlich in 
den letzten drey Tagen Gelegenheit gehabt, an ihren Seelen durchs 


2126 Diarium. 


Anno 1737. ſe gegeben worden, und die bey den Öftern Reifen in der Summa 
Sept. viel ausmacht, geſchenckt werden ſoll, und gab er mir Instruction, 
die Rechnung darnach einzurichten. Der liebe GOtt laͤßt es mehr⸗ 
mal ſo geſchehen, daß dieſe und jene Verordnung und Refolurion 
zur andern Zeit wieder ein anderes und uns heilſames Anſehen gewin⸗ 
net, welches uns zum Lobe Gottes Anlaß gibt. In Purisburg 
begehren die Evangeliſchen deute einen von uns, des heiligen Abend ⸗ 
mahls durch unſern Dienſt theilhaftig zu werden. So bald wir 
Aa davon bekommen, wird einer von uns auf etliche 
age hinreiſen. n 8 
Dien 23ten, Der Feldmeſſer Roß iſt nun wieder bey uns 
angekommen, der Saltzburger Plantationen auszumeſſen. Er hat 
in Charles⸗Town zwey junge Schweitzer aus dem Canton Bern ge⸗ 
kauft, die aber beyde am Fieber kranck ſind, und werden doch zur 
Arbeit beym Ausmeſſen des Landes angehalten. Wenn dieſe ihm 
zu helfen nicht mehr vermögend ſeyn werden, fo wird er von unſern 
Leuten wol einige fuͤr Bezahlung hierzu brauchen wollen, wie er denn 
ſchon um einen ſtarcken Mann anhaͤlt; ich zweifele aber, ob er ieman⸗ 
den bekommen werde, weil die meiſten deute nach der Fieber ⸗Kranck · 
heit gar ſchwaͤchlich ſind, und ſich bald wieder verderben würden, 
wenn ſie den gantzen Tag bey der noch fortwaͤhrenden groſſen Hitze in 
vielen waͤßrichen Gegenden arbeiten, und in den kuͤhlen Yachten 
unter freyem Himmel ſchlafen, und nichts als kalte Speiſen eſſen 
ſolten. Dis iſt die Art dieſes Mannes. Er nimmt ſchon zuberei⸗ 
tete Provifion auf etliche Tage oder eine gantze Woche mit, und 
laͤßt weder ſich noch den mitgehenden Leuten ſo viel Zeit, etwas zu ko⸗ 
chen, ſondern die Arbeit gehet bey anbrechendem Tage an bis in die 
Nacht, nachdem zum Frühſtuͤck und Mittag⸗Eſſen nur eine kurtze 
Zeit ausgeſetzet wird. Es iſt eine groſſe Wohlthat, daß Herr 
Oglethorpe dem Mann aufgelegt, niemanden von unſern Leuten zu 
gebrauchen, es ſey denn, daß ers ihm bezahle. eie 
Den aten. Wir haben in etlichen Betſtunden aus 2 B. 
Moſ. 2 5. und 35. vernommen, mit was willigem Hertzen die Kin⸗ 
der Iſrael ihre Hebe zur Erbauung der Stifts Huͤtte gebracht, und 
wie ſich Maͤnner und Weiber dergeſtalt eifrig dabey bewieſen, daß 
fie von fernerm Herzubringen von Moſe auf Vorſtellung der vun 
| er 


1 20 Dierium.: Ä 212 


der zurück gehalten werden müſſen. ‚Diebe habe ich mich zweyer Anno 1737. 
3 


Briefe aus den Continuationen der Oſt⸗Indiſchen Nachrichten er⸗ 

innert, welche ich geſtern Abend zu meiner und anderer groſſen Er⸗ 

weckung vorgeleſen habe. Der eine Brief war von der Adelichen 
erſon, die ihre Perlen und Geſchmeide dem HErrn zur Erbauung 

ines Heiligthums unter den Heyden in Oſt⸗Indien hingegeben: 

der andere war von einem rechtſchaffenen Inſpectore in Lautereck, der 
Durch dieſes Exempel kraͤftig bewogen worden, ſeiner verarmeten 

Gemeine den Mangel der Malabariſchen Ehriften vorzuſtellen, und 
dar mit ſo geſegnetem effect, daß unſchuldige Kinder, Witwen, 
Woyſen, und andere arme doch redlich geſinnete Leute ihre Schärfe 
lein zu dieſem Zweck zu ſeiner groſſen Glaubens,Stärckung herbe 
gebracht haben. Die⸗ Umſtaͤnde und die beygefuͤgten reflexiones 
find dergeſtalt beweglich und eindruͤcklich, daß ieder, der fie lieſet 
und hoͤret, dadurch innigſt bewegt werden kan. Ich erfuhr ſchon 
geſtern Abend, wie lieb dieſes Vorleſen der Gemeine geweſen, und 
heute wurden mir noch mehr beſondere Nachrichten von dem erbau⸗ 
lichen Eindruck, den es hie und da gehabt, zu meiner Freude bekant. 
Bex dieſer Gelegenheit habe abermal nicht unangezeigt laſſen koͤnnen, 
daß der liebreiche GOtt ſchon einiger Wohlthaͤter Hertzen auch zu 

unſerer Gemeine in Liebe und Barmhertzigkeit geneiget hat, die theils 
am Gelde, theils an Leinwand und andern Sachen der Noth unſe⸗ 
rer Gemeine zu Hülfe gekommen, wofür wir ja alle billig GOT 


25 7 


vn zu dancken, und ihn um eine gnaͤdige Vergeltung folcher 


Lie cke hertzlich und eifrig anzurufen haben. Der allwiſ⸗ 
nde HErr weiß es, daß uns ein gutes und veſtes Haus zur Kirche 
und Schule fehlet; er weiß es auch, daß die Glieder der Gemeine 
wegen ihrer Armuth und bisherigen Kranckheit nicht im Stande, 
dergleichen höchftnöthige und nuͤzliche Gebäue aufführen daher 
wir es ihm zutrauen wollen, er werde ſchon hin und her einige from⸗ 
me Chriſten, denen er vom zeitlichen Vermoͤgen etwas anvertrauet 
hat, erwecken, die ſich auch dieſes unſers Mangels annehmen, und 
ur Erbauung eines Gottes⸗Hauſes etwas beytragen werden. Sind 
doch viele Wohlthater in Teutſchland von Hertzen bereitwillig gewe⸗ 
fen, den Evangeliſchen Leuten in Penſylvanien mit wircklicher Hülfe 
dur Erbauung einiger Kirchen und Schulen beyzuſtehen, fo Wc 
5 „F 885 si u. Kun sie 10 2 1 qu 


— 


2128 Diarium. 


—ů—— 


| auch wir nicht, SITE: werde fie in Abficht auf uns und unfer 
ae Mangel eben fo willig machen, da unſre arme eee 


m 


Wuͤſten bey weitem ſolche Vorzüge nicht, wie jene in ihrem frucht⸗ 
baren und wohlangebauten wohlfeilen Lande genieſſen, und bey aller 
Armuth es mit GOtt und ſeinem Wort von Hertzen redlich meynen. 
Nun wir wollen den Vater im Himmel drum bitten, und ſeine Huͤl⸗ 
fe ermarten. C e ee e eee eee 
Den 2 ten. Ein frommes Weib ſagte mir unter vielen Thraͤ⸗ 
nen, was ihr ihr Mann aus der Predigt mit nach Hauſe gebracht 
hätte, da ſie wegen ihres krancken Kindes nicht ſelbſt zur Kirche kom⸗ 
men koͤnnen. Gott haͤtte ihr dadurch abermal zu erkennen gegeben, 
welche Tuͤcke und heimliche Abgoͤtterey und Anhaͤnglichkeit an den 
irdiſchen Dingen noch in ihrem Hertzen ſteckten, und wie es daher 
mit ihrem Chriſtenthum noch gar chlecht bewandt ſey. Sie ſchreye 
zwar Tag und Nacht zu GOtt unter vieler Angſt und Buß ⸗Thraͤ⸗ 
nen; es komme ihr aber vor, daß ihr Gebet lange ſo ernſtlich nicht 
ſey, als es ſeyn ſolte, und wiſſe ſie nicht, ob ſie noch durchkommen 
werde. Ich moͤchte ihr doch fleißig zuſprechen ꝛc. Ein anderer le⸗ 
diger Mann lobte GOD, daß ers ihm vor allen feinen Brüdern 
ſo gut werden laſſen, daß er zur Erkentniß des rechten Weges zur 
Seligkeit gekommen ſey, und ſo viele Gelegenheit zur Errettung ſei⸗ 
ner Seelen unter uns gefunden habe. Er haͤtte ſich an dieſem Tage 
aufs neue ermuntert, ſeine Seligkeit ernſtlich zu ſchaffen, daß er doch 
auch an den feligen Ort gelangen möchte, wohin fein Vater ſchon 
voran gegangen, als der kurtz vor dem Ausgang aus Saltzburg als 
ein wahrhaftig Evangeliſcher Chriſt geſtorben, aber auch um des⸗ 
willen nicht auf dem Catholiſchen Kirchhof „ ſondern im Garten bey 
ſeinem Hauſe begraben werden muͤſſen. Wegen ſeiner Mutter, 
05 blind und eifrig catholiſch geblieben, habe er groſſe Traurig⸗ 
kit. ze. 170 e e Green 18, e ee gt 
Den.26ten. Es wurde mir geſtern beym Haus⸗Beſuch Se 
legenheit gegeben, in der Wiederholungs ⸗Stunde einen gewiſſen 
„ ce 9. Ae i eee 
(0 Sdtt hat, wie ſchon bekannt, nicht nur ſeit dem allen Innwohnern in 
5 Eben Ezer gutes band gegeben, ſondern auch über die vorherige noch viele 


— 


andere Wohlthaten ihnen aus Teutſch und England zufnieſſen laſſen. 


1 s ; 


23 


Kirche geweſen, vorzuleſen. Er erzehlete dabey, daß ſein Weib 


eben recht vorgeſtellet worden. Da ſie mit ihm nach Haufe gekom⸗ 


ER Diarium. 2: 2129 

gar etbaulichen Lebens⸗Lauf vorzulefen , der ſich eben zur vorgetrage⸗Anno 1737. 

0 2 en Materie aus dem Evangelio ſchickte. Es hat ſolch Exempel ei⸗ 8 en 8 

j nes Mannes, den Gott zur Erkentniß ſeiner Suͤnden, zur wah u. nn 
Bekehrung und zum Fleiß in der Heiligung gebracht, auch durch fein 
Wort und Wandel bey andern Menſchen vielen Segen geſchafft hat, 

bey einigen in der Gemeine vielen Eindruck gegeben. Unter andern 

kam ein redlicher Mann zu mir, und bat mich um dieſen Lebenslauf, 

ihn einem andern frommen Mann, der wegen Kranckheit nicht inder 


hiedurch ſehr bewegt und zu einem guten Vorſatz erwecket worden 
ſey. Ich haͤtte dabey eine gewiſſe Anmerckung und application ger 


macht / dadurch ihr bisheriges Verhalten gegen ihn (ihren Mann) 
men, habe er ſie des beſondern Puncts, darüber er von ihr immer 
viel leiden 9 — erinnert; fie habe aber mit Thränen bekannt, er 
ſolte nur ietzo ſchweigen, ſie wiſſe es nun wohl, daß fie unrecht ge⸗ 
than, und ſich verfündiget hatte Es hat nun der Mann gute 
Hoffnung, es werde endlich ſein Weib, das ſich vom Zorn oft uͤber⸗ 
eilen laſſe, gewonnen werden. Herr Wesley hat ſich erboten, uns 
Briefe nach Londen zu beſtellen, wozu er gar ſichere Gelegenheit hätte, 
Wir ſchrieben auch gerne, und ſchickten unſer Diarjum mit, muͤſſen 
es aber noch einen Monat oder etwas aufſchieben, weil der Feldmeſ⸗ 
ſer eben ietzt beſchaͤftiget iſt, das fo lange begehrte und gehoffte Land 
der Saltzburger auszumeſſen, und ſo bald es einer jeden Familie zu⸗ 
getheilt worden, werden wir ſchreiben und die Beſchaffenheit deſ⸗ 
e . ent. 
Den 27 ten. Es iſt unvermuthet gar kalt worden, und hat 
man gar einen Froſt beſorget, den aber der liebe GOtt noch abge⸗ 
wendet hat, ſonſt wuͤrden Bohnen und Potatoes, die noch im beſten 
Wachſen ſind, verdorben ſeyͤn. V 
Eein armer Mann von Purisburg fragte an, ob wir feinen 
Sohn, der ohngefaͤhr 12 Jahr alt iſt, in unſere Schule und Ver⸗ 
pflegung nehmen koͤnten. Er koͤnne in Purisburg nicht fo viel ver» 
dienen, ſich und die Seinigen erhalten koͤnne, daher habe 
ſich ſein Weib als Magd verdingen muͤſſen, er arbeite in Alt- 
EbenEzer, fein Maͤgdlein habe er auch auf etliche Jahre weggege⸗ 
Americ. IV. Sortf: Sss sss s ö( ben, 


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5 * | 2130 Diarium. | 
Anno 1737. ben, und nun ſey nur der Knabe noch da, den er gern wolte in die 


\ il 165 Sept. Schule gehen laſſen. Es jammerte mich des Mannes, es war aber 
2 Vic | nicht moͤglich, ihm ietzo zu dienen, da wir an unſerm Orte ſelbſt ſo 
NA 1 A| viele arme Kinder haben, die wir nicht alle in die angefangene Armen, 
(N | Pflege nehmen koͤnnen. Am vergangenen Sonntag find mir bey 
5 Gelegenheit des Evangelii die beyden Sprüche Jeſ. 25,4. und Pf. 
11 10, 14 ſehr eindruͤcklich geweſen, daß ich nicht zweifle, JESUS 
15 5 | werde ſich auch bey uns als einen folchen erweiſen, wie er uns in die⸗ 
10 fen und andern Sprüchen lieblich abgemahlet wird. Er erwecke 


durch feine allmaͤchtige Kraft wohlthaͤtige Hertzen zum Mitleiden ge⸗ 
gen die armen und in der Irre herumgehende teutſche Kinder in dieſem 
Lande! Wie wollen wir uns freuen, ein Haͤufchen derſelben bey⸗ 
ſammen zu haben, und an ihren Seelen arbeiten zu koͤnnen! Das 
moͤchte vielleicht unter goͤttlichem Segen der Weg ſeyn, auch einmal 
bey den Heyden etwas fruchtbarliches auszuri chen. 
Den 28ten. Man redet ietzt ſtarck davon, daß Herr Ogle⸗ 
thorpe ſchon unter Wegs ſeyn ſoll, hieher nach Georgien zu kommen, 
welche Nachricht ſonderlich auch durch die in Savannah angekomme⸗ 
ne Chaloupen mitgebracht iſt. Der liebe GOtt neige ſein Hertz zu 
N N uns und unſerer Gemeine, als welche wegen des Mißwachſes in die⸗ 
il ſem Jahr in mancherley kuͤmmerlichen Umſtaͤnden iſt, dazu auch die 
a mancherley Schwachheiten, die noch immer anhalten, kommen, 
7 N 8 wodurch die lieben Leute in ihrer Arbeit ſehr gehindert werden. Gott 
1 ki alles nach feinem Willen, zu feinen Ehren und unferm 
1 eyl ein! 5 et n. 
it. Den 29ten. Mit dem N. und feiner Frauen gehet es ſeit dem 
4A U letzten Gebrauch des heiligen Abendmahls wieder gar fein. Sie bes 
1 ſuchen beyde den Gottesdienſt und Betſtunden ſehr fleißig, halten ſich 
„ ſtill und ordentlich, und er beweiſet an den kleinen Kindern, die er zu 
. informiren hat, ſeinen Fleiß und Treue. In einigen Stuͤcken hat 
„ er ſeine alte eigene Methoden, die auch eben keinen Schaden thun; 
„ daher man gerne Geduld hat. Wenn es doch nur bey beyden zu einer 
za gruͤndlichen Bekehrung kommen wolte! Der Selbſtbetrug iſt gar 
„ ein gefährlicher Strich, 2 88 8 A 
5 Den z ten. Der Zimmermann Sanſtleben iſt des Vorha⸗ 
2 | bens, nach Endigung der dreyen Jahre, die ein ieder Coloniſte hier 


— = E * 


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gus⸗ 


Diarium r SEE 


aushalten muß, wieder Abſchied zu nehmen, und nach Teutſchland Anno 1737. 
zuruck zu gehen. Ich wolte dieſem Gerüchte anfangs nicht glauben, da Sept. 
ich dergleichen Sinn nie, wol aber das Gegentheil an ihm wahrgenom⸗ N 
men, und hat ihm der liebe G Ott zur Schaffung feiner Seligkeit wohl 
viele Gnade verliehen. Daher ließ ich ihn zu mir kommen, um die 
Umſtaͤnde ſelbſt von ihm zu erfahren, und ihm hierüber meine Mei⸗ 
nung zu ſagen. Und da ich von ihm vernahm, daß er wircklich des 
Vorhabensſeh, habe ich ihm die uͤble Conſequentzien, die mit ſeinen 
Ruͤckreiſe gewiß verknuͤpft ſeyn wuͤrden, deutlich vorgelegt, und ig 
hertzlich ermahnet, fein Vorhaben vor GOtt wohl zu pruͤfen, und 

nicht eher einen Schritt weiter zu ſetzen, bis er davon den goͤttlichen 
Willen erkannt habe. Ich halte dafuͤr, daß niemand aus unferer ' 

Gemeine ohne ſpecielle Erfaubnißder Herren Truſtees und der So⸗ 
cietat davon ziehen darf, weil es wegen der auf fie gewandten groſſen 
Koſten und anderer Umſtaͤnde es mit ihnen gar eine andere Beſchaf⸗ 
fenheit hat, als mit andern Leuten im Lande, welches ich auch folchen 
deuten, die eine Aenderung ſuchen, ſagggee. 


eee eee eren | 
den’ iten Oet. Diefen Nachmittag hatte ich die Maͤnner Oct. 
aus der Gemeine beyſammen, mit ihnen einige Dinge, welche gu⸗ i 
te Einrichtung betreffen, zu verabreden, und zugleich um die Plan⸗ 
tationen, die jetzt ausgemeſſen werden, das Loos zu werfen. Es 
ſolte zwar der erſte Transport nach der Ordre des Herrn Oglethorpe 
vor dem andern und dritten einen Vorzug haben, und zuerſt looſen, 
1 aber alle einig worden, gleich durchzugehen, und es auf goͤtt⸗ 
liche Fuͤgung dabey ankommen zu laſſen, wodurch manches Murren 
und Vorwürfe vermieden werden koͤnnen. Der Feldmeſſer hat mir 
zur Austheilung des Landes ſolche Vorſchlaͤge gethan, die mir ſehr 
wohl gefallen, und hoffe ich, wo ſich alles in der Wahrheit fo ver 
haͤlt, es werde ein ieder ein gut Stück Land bekommen, daß er zufrie⸗ 
den ſeyn koͤnne. e n e ee 
Den 2ten. Weil der Feldmeſſer morgen fruͤh wieder an feine 
Arbeit gehet, und mich vorher wegen einiger Dinge zu fragen hatte, 
ſo wurde durch ihn vom Beſuch der Glieder unſerer Gemeine abge⸗ | 
halten. Und ſo iſt mirs auch . 35997 „ u. | 
. 0 13 als . N 


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2132 Diarium. 
Anno 1737. als darin ich die bisher ausgetheilte Proviſion, die mit dem Schluß 
Oct. des vorigen Monats zu Ende gehen ſoll, ordentlich in Rechnung 
bringen und uͤberſchlagen muͤſſen, was ein ieder die gantze Zeit über 
empfangen habe, oder noch empfangen ſoll. Der Haus⸗Beſuch iſt 
uns ſonſt eine gar angenehme Verrichtung, und haben auch die Leute 
in der Gemeine, an denen nur etwas redliches iſt, ein groß Gefallen 
daran. Der liebe GOtt wolle mir doch die Unterlaſſung folches wich⸗ 
tigen und nüglichen Wercks nicht zurechnen, da ich durch ſo viele aͤuf⸗ 
ſerliche zum geiſtlichen Amt nicht gehoͤrige Dinge davon mehrmal ab⸗ 
gehalten werde. | e e e 
Es wurde mir kund, daß der liebe Gott abermal auf die heu⸗ 
tige Wiederholung einen Segen geleget hatte, welches mich in dem 
Kummer, den ich uber die Erfahrung ſo mancherley Umftände fühle, 
wieder ziemlich aufgerichtet. Meine Zeit moͤchte wol noch gar kurtz 
ſeyn, und wolte ich ja gerne darin etwas zur Hauptſache dienliches 
ſchaffen, damit ich nicht umſonſt in die neue Welt geſandt ſer. 
Den z3ten. Unſere Leute werden genoͤthiget, ihren Reiß gruͤn 
und unreif abzuſchneiden, weil ſich eine ungemeine Menge Voͤgel, 
wie die Sperlinge, doch kleiner, darauf ſetzt, die die Koͤrner fo grun 
und unreif abſtreifen. An den Potatoes haben dis Jahr die Mäufe 
ſo wol hier als in Purisburg, und vielleicht auch an andern Orten 
viel Schaden gethan. Die meiſten Bohnen, die etwas von der 
Stadt abliegen, haben die Hirſche abgefreſſen. Und wenn man auf 
ſolches Land, wo man nicht immer gegenwaͤrtig ſeyn kan, Potatoes 
pflantzt, ſo freſſen die wilden Thiere nicht nur das Kraut ab, ſondern 
graben auch die Wurtzeln voͤllig aus. Bey ſo bewandten Umſtaͤnden 
werden die Saltzburger wenig in Eben Ezer ſeyn koͤnnen, wenn fie: 
kuͤnftig ihre ziemlich abgelegene Plantationen bepflantzen und die 
Frucht bewahren wollen, zumal da die meiſten ledigen Standes ſeyn. 
Der liebe GOtt wolle uns ſelbſt leiten, welche Wege wir hiebey zu 
gehen haben, damit wir unſer Amt an den Seelen unſerer lieben u⸗ 
hörer recht ausrichten moͤgen! : . W el! 
Den ꝗten. Der werthe Herr Hof⸗Prediger Ziegenhagen hat 
uns unter andern auch dadurch einen gar angenehmen Gefallen erwie⸗ 
fen, daß er fur uns ein paar feine Muͤhlſteine bey den Herren Truſtees 
ausgebeten hat, welche beſſer ſeyn, als die man hier im Lande — 
| 13 


u: welche zwey Leute treiben muͤſſen. Jetzo laſſe ich eine eigene gute Huͤt⸗ 


Holtz, darauf die Spille in einem etwas ausgehohleten Eiſen liegt, 
welches Quer⸗Holtz durch zwey untergeſteckte Keile, die von dem di⸗ 
- den Ende ſpitz zu gehen, auf beyden Seiten bald erhoͤhet, bald ernie⸗ 
driget werden kan, wenn man grob oder klar mahlen will. 
Die N. iſt ſeit geraumer Zeit am Leibe gar kranck und elend ge⸗ 
weſen, und gibt ihr GOtt in dieſen kuͤmmerlichen und leidenden 
Umſtaͤnden nachdruͤcklich zu erkennen, was ſie vormals nicht erken⸗ 
nen wollen, nemlich, daß ſie von Jugend auf ſehr wider Gott ge⸗ 
ſuͤndiget, und noch nicht Buſſe gethan habe. Sie iſt mit dieſem vei⸗ 
den ſehr wohl zufrieden, weil ſie den Finger GOttes darunter wohl 
mercket, als der darunter ihr ewiges Heil befoͤrdern will. Sie er⸗ 
zaͤhlte mir unter vielen Thraͤnen, wie fie ſich ietzt erkenne, und was 
ſie ſo hertzlich wuͤnſche, nemlich, daß ſie doch, ehe ſie ſtuͤrbe, zur Be⸗ 
kehrung und Gewißheit der Vergebung ihrer Suͤnden kommen moͤch⸗ 
ke. Seit ihrem letzten Gebrauch des Heil. Abendmahls (da vorher 
ihre wider mich ausgeſchuͤttete Laͤſterung auf Chriſtliche Weiſe abge» 
than worden) hat man eine Aenderung an ihr mercken koͤnnen, als von 
welcher Zeit fie dem Geiſt GOttes mehr Platz gelaffen hat, als ſonſt. 
C Ihr 


2134 Dierium) Ä 
| 9 7 ini. 
Anno 1737. Ihr Mann fuͤhret auch feit dem mit ihr eine vergnuͤgte und friedſame 
Oct. Ehe, da er in der vorigen Zeit viel Widerſpruch und Widerwaͤrtig⸗ 
keit erfahren muͤſſen. O wie freue ich mich, daß ich durch die Gnade 
meines ſanftmuͤthigen Heylandes keine Spur einiger Rache gegen 
dieſes Weib mercken laſſe; mare man, wie ſie es verdienet hat e, zum 
Exempel anderer hart mit ihr umgegangen, ſie wuͤrde wol zu ſolcher 
. ö heilſamen Reue nicht gekommen feyn, fondern ihr Gemuͤth noch mehr 
TPM gegen uns erbittert haben. O der HEgꝛed lehre uns doch in alln 
* Dingen thun nach ſeinem Wohlgefallen, ſein guter Geiſt fuͤhre uns 
auf ebener Bahn! | 82 5 ie 
Dien sten. Das warme und trockene Wetter haͤlt noch immer 
an, welches auch zur Reifmachung und Einſammlung der Bohnen 
gar zutraͤglich iſt. Die Potatoes, die noch im beſten Wachſen find, 
wie auch die Rüben, leiden etwas darunter. Kuͤrbiſſe haben wir an 
unſerm Orte faſt gar keine bekommen; die groſſe Sonnen⸗Hitze und 
der lange ausgebliebene Regen im Sommer hat ſie im Wachsthum 
und in der Bluͤhte verdorben. Den N. und ſein Weib habe wieder 
liebreich zur Buſſe ermahnet, und fie angewieſen, doch einmal ernſt⸗ 
lich zu GOtt um die rechte Erkentniß ihrer vielen von Jugend auf be⸗ 
. gangenen Suͤnden zu rufen. So lange ſie an ſolchem rechten Erkent⸗ 
4 | niß der Sünden blind ſeyn, ſo lange iſt keine Reue, und was ſonſt zur 
Bl gruͤndlichen Bekehrung gehört, zu hoffen. Sie hoͤreten die Ermah⸗ 
70 : nung aͤuſſerlich gelaffen und andaͤchtig an, beteten auch mit mir, und 
er verſicherte mich, daß er nun alle Betſtunden beſuche, und es ſei⸗ 
| nem Weibe, die des Kindes wegen nicht abkommen kan, wieder 
EHE ; ersahle 7 er REITER 
A X Den Eten. Die Schweighoferin iſt am deibe immer kraͤncklich 
Nik | und elend, welche Leibes⸗Schwachheiten auch wol einen Einfluß in 
ihr Gemuͤth haben moͤgen, indem ſie gar niedergeſchlagen und ſehr 
bekuͤmmert iſt. Nach dem neulichen Gebrauch des Heil. Abendmahls 
4 iſt drey Tage hinter einander ihr Hertz mit ihrem Heyland wohl dran 
14 geweſen, und hat fie feine Güte und Freundlichkeit nach vorherge⸗ 
M gangenem vielem Suchen und Anklopfen geſchmeckt. Nachher aber 
A iſt ſie wieder fo elend und dürte worden, daß ſie auch nicht beten kan 
„ welches ihr tauſend Kummer macht. Ich troͤſtete fie aus GOttes 
"> Wort, und ſonderlich aus einigen Sprüchen und Verheiſſungen u 


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ſonderheit machte ich ihr einige rechtſchaffene Lehrer und Knechte 
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Thr n GOttes bringen ſolle ꝛc. Da fie eine krancke, vom Schlag 


Die Maͤnner, die ſich vor Z Monat bey einem Capitain uͤber 
Scavannah⸗Town vermiethet hatten, ſind nun wiederkommen, und 
wiſſen über das ſchlechte Tractament, das ſie dort gehabt, wie auch 
über das Verhalten der Engliſchen Knechte gegen ſie, nicht gung zu 
klagen. Weil ſie nur ſtinckendes halb verfaultes Korn eſſen zn | 
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und viel Beſchwerniß hat. 


2136 Diarium. 


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Anno 1737. ſo ſind ſie kranck worden, wie denn auch einer von ihnen kranck hieher 
Oct. kommen iſt. Es ſoll alles daſelbſt ſehr chene ſeyn, wal Dietdalſen 


und andere Nothdurft von Charles ⸗Town und Savannah auf Boo⸗ 
ten hinauf geführet werden muß, welches eine ſehr beſchwerliche Rei, 
ſe iſt. Wer hier im Lande Incommoditaͤt ſcheuet, der ſchickt ſich an 
neu» änzulegende Oerter nicht, wo man an vielen Dingen Mangel 
Eh Reini 
Den Sten. In dieſem Herbſt ſind nicht nur Korn, Reiß und 
Mehl, ſondern auch Rind ⸗ und Schwein» Fleiſch gar —— die 
letztere Art von Lebens Mitteln iſt faſt gar nicht zu haben. Unſer 
Boot brachte gefalgene Fiſche von Savannah, davon aber die Leu 


x 


‚te, die ſie an ſtatt des Fleiſches nehmen müffen groſſen Schaden ha⸗ 
ben. Die Urſach des Fleiſch⸗Mangels iſt, weil in Peu⸗Horck 


Penſolvanien, wie auch in Carolina woher das Salt⸗Fleiſch gemei⸗ 
niglich gebracht wird, viel Vieh in den Waſſer⸗Uberſchwemmungen 
im Fruͤhling umgekommen iſf t. 
Den gten. Es wird ietzt Nachmittags uͤber die Fragſtuͤcke des 
ſel. Lutheri catechiſiret, darinnen wir viele Gelegenheit zur Erbauung 
finden. Ich habe ſie bey der neulichen Zubereitung einiger Kinder 
zum Heil Abendmahl zum Grunde geleget, und da ſie ſie ietzt oͤfent⸗ 
lich hoͤren, ſo gedencke ich mit denen, die ietzo praͤpariret werden, die 
Paßions⸗Hiſtorie unſers lieben Heylandes durchzugehen, worzu ich 


in dieſer Woche einen Anfang machen werde, wo nicht abermal et⸗ 


was dazwiſchen kommt. Es moͤchte es wohl die Nothwendigkeit er⸗ 
fordern nach Savannah zu reiſen, und des Herrn Cauſtons Mey⸗ 
nung über ein gewiß Stück Land, das ſich der Feldmeſſer nicht ge. 
trauet auszumeſſen, zu vernehmen. een ene 
Dien loten. Des Cornbergers juͤngſtes Doͤchterlein iſt ver⸗ 


gangene Nacht geſtorben, und Nachmittags begraben worden. cs 


war die gantze Zeit feines kurtzens Lebens Franck und elend. Dieje⸗ 
nigen Kinder, welche bisher gleichfalls mit dem Fieber geplagt gene» 
ſen, befinden ſich nun meiſtens wieder wohl, und beſuchen die Schu⸗ 


le ordentlich. Zu dieſer Ernte⸗Zeit, da die Bohnen⸗Einſammlung 


viele Muͤhe erfordert, wird denen, die es auf Verlangen der Eltern 
begehren, Erlaubniß gegeben, ein⸗ und andermal der Feld» Arbeit 
wegen aus der Schule zu bleiben. Ob wir wol dis Jahr im * an 

5 N | Korn 


IE RER Diarium. „ 
—— —— . ———— . — . — 
Korn und einigen andern Dingen einen Mißwachs gehabt, fo find Anno 1737. 
doch die redlichen Glieder der Gemeine bey ihrem wenigen Vorrath Oct. 
vergnuͤgt, und dancken GY d dafuͤr eben fo wohl, als wenn fie et⸗ 
was mehrers bekommen haͤtten. Wir trauen es auch dem liebrei⸗ 
chen Vater im Himmel zu, er werde unſere Noth und Mangel mit 
den Augen ſeiner Barmhertzigkeit anſehen, und keinen, der auf ihn 
trauet, zu ſchanden werden laſſen. Es ſind einige Witwen, ſehr ar⸗ 
me Kinder und unvermoͤgende deute unter uns, die ſelber nicht ſo viel 
verdienen koͤnnen, als fie zur Erhaltung ihres Lebens nöthig haben, 
i rent ihrer Nothdurft etwas aus der Armen⸗Caſſa gereichet 


Dien u bis izten. So wol die Sache unſers auszumeſſenden Lan⸗ 
des, als auch einige andere die Gemeine betreffende Umſtaͤnde noͤthig⸗ 
ten mich zu einer Reiſe nach Savannah; ich fand aber Herrn Cauſton 
nicht zu Haufe, und weil die Zeit feiner Wiederkunft ungewiß war, 
ſo konte ich auf ihn nicht länger als einen Tag warten. Unſere Zim⸗ 
merleute, die meines lieben Collegen Haus in Alt⸗EbenEzer gebauet, 
und noch keine Bezahlung bekommen haben, reifefen mit mir in dem 
groſſen Boote, ſich an ſtatt des Geldes bey dem ietzigen Proviſion⸗ 
Mangel einige Dinge aus dem Store⸗Hauſe geben zu laſſen. Weil 
aber Herr Cauſton nicht da war, und ich doch die Leute nicht umſonſt 
und mit ledigem Boote wolte nach Hauſe fahren laſſen, ſo nahm ich 
einige Proviſion auf meine Rechnung fuͤr ſie aus dem Store⸗Hauſe 
aus, und werde naͤchſtens mit dem Herrn Cauſton darüber fprechen, 
ließ auch einen Brief an ihn zuruͤcke, in welchem ich ihn fo wol um die 
Bezahlung unſerer Zimmerleute und anderer Arbeiter erſuchte, als 
auch das Begehren des Feld⸗Meſſers ihm vortrug, ihm und mir, ſo 
bald als moͤglich, feine Meynung darüber zu eröffnen. Den Herrn 
Wesley fand ich nicht zu Haufe, als der Dienflags morgens, meh⸗ 
rentheils zu Lande, hieher nach Eben Ezer gereiſet war, um ſich bey 
uns einiger Dinge wegen zu erkundigen. Er gedencket nach Londen 
zu reiſen Durch ihn haben wir gute Gelegenheit, unſer Diarium 
und einige Briefe nach Londen und Teutſchland zu beſtellen. Und weil 
der Tag feiner Abreiſe, wie ich in Savannah vernahm, gar nahe iſt, 
ſo eilete ich um ſo viel mehr von Savannah nach Eben Ezer, einige noͤe 
thige Briefe zu ſchreiben. ea. 
Americ. IV. Sort. Tttettt t Den 


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2138 Diarium. 
Anno 1737: Den 14ten. Vergangene Nacht haben wir gar kaltes Wet⸗ 
Oct. ter bekommen, und iſt in dieſem Herbſt der erſte Reif gefallen, der aber 
den Potatoes und Bohnen noch ſo viel nicht gethan hat, wie ſonſt wol 
vom Reif geſchiehet. SEEN | vers ri 
Den 15 ten. Es ſind nun einige Briefe nach Londen und Teutſch⸗ 
land geſchrieben, die Herr Wesley beſtellen will. An die Herren 
Truſtees und Loͤbl. Societaͤt haben wir wegen Kuͤrtze der Zeit dis⸗ 
mal nicht ſchreiben koͤnnen, es ſoll aber mit naͤchſter Gelegenheit ges: 
ſchehen. Es werden in Savannah Schiffe erwartet, die denn auch 

wol Briefe an uns mitbringen werden 


| 51 K ‚ welche wir alsdenn bald be⸗ 
| antworten, und einige Nachricht von der Saltzburger Plantationen, 
8 die jet ausgemeſſen werden, geben wollen. Die Briefe, die ietzo 
b abgeſchicket werden, ſind an Herrn Hofr Prediger Ziegenhagen, 
Herrn Sen. Urlſperger, Herrn Prof. Francken, und an zwey Kauf⸗ 
Leute, einen in Londen und den andern in S. Gallen, Herrn Schlot 
tern, dem wir von dem Empfang der hergeſchickten Leinwand, und 
8 daß ſie von Herrn Cauſton fuͤr den angeſetzten Preis angenommen 
werde, Bericht geben. e e e eee 
Den 17ten. Geſtern bey ſpaͤtem Abend ließ mich die Schweig⸗ 
hoferin rufen. Sie wan ploͤtzlich kranck worden, und vermuthete ih⸗ 
re Auffoͤſung, wornach fie bisher lange geſeuftzet hat. Ich fand ein 
paar fromme Leute in der Hütte, mit denen ich fuͤr die Krancke zu un. 
ſerm rechten Helfer, dem HErrn SESU, betete, und kuͤrtzlich mit 
ihr nach ihren Umſtaͤnden redete. Sie iſt bereit alles zu leiden, und 
von der Hand GOttes anzunehmen, wenn es auch Fleiſch und Blut 
noch fo ſchwer fallen ſolte, wenn ſie nur GOTT nicht verſtoſſen, ſon⸗ 
dern fie feiner Gnade noch vor ihrem Ende verſichern wolte. Sie iſt 
dem Gichtbruͤchigen im geſtrigen Evangelio Matth. 9, 1. qq. voͤllig 
nach Gemuͤths⸗ und Leibes ⸗Umſtaͤnden ähnlich, und konte ich ihr da ⸗ 
her eben den Troſt aus dem Munde des freundlichen Heylandes erthei⸗ 
len, den jener bekam. Ihr Ernſt im Gebet und Kampf gibt mir 
und andern, die mit ihr umgehen, einen groſſen Eindruck. Siedrin 
get mit Gewalt durch die enge Pforte, und wird auch das Kleinod 33 g 
die Kraft JE Sill, nach der fie allein anckert, ergreifen. Ich 
habe geſtern in der Wiederholungs⸗Stunde zur Bekraͤftigung 
der lieblichen Materie, die aber das ſchoͤne Epangelium vorgetra⸗ 
| | gen 


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ſinnigkeit, welche fie an der ernſtlichen Annehmung des Guten hin⸗ 


dert, und zu allen Ausſchweifungen und vorfallenden Unordnungen 


ley meynet auch nach Teutſchland zu reiſen. | 


5 


rechen und Unvollkommenheiten, die er bey ſich und feinem Weibe 
je länger ie mehr gewahr werde, daher er erkennen muͤſſe, es fey mit 
ihm ſo noch nicht, wie er an dem Exempel anderer redlichen Kinder 
Gottes faͤnde. Es fehle ihm und ſeinem Weibe auch noch an Er⸗ 
kentniß der Catechiſmus „Wahrheiten, daher er angefangen habe, 


den dh mum, und zwar die Auslegung deſſelben beſſer zu lernen, 


und ſey er ietzt in den 3 Haupt⸗Artickeln des Christlichen Glaubens. 
Seinem Weibe, die nicht leſen kan, muß ers vorſprechen. Er und 
ſein Weib find beyde redliche Seelen, die in geoffer Armuth des 


ie ſie an ſich wenig oder nicht gewahr werden, erkennen ande⸗ 


| re gar wohl an ihnen, und ſind ſie mir und andern Frommen unter 
uns ein an Geruch. Mein lieber College kam nach dem Mittage> 


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Eſſen ſchon von Savannah wieder zurück, weil feine Geſchaͤffte da⸗ 


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geben, der aber nun nicht ſelbſt nach Londen reiſet, nachdem er von 
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Den Sten. Ein Salgburger , bey de ich mich wegen feines 
F im Chriſtenthum erkundigte, klagte uͤber die vielen Ge⸗ 


Geiſtes wandeln. Die Gnade Fee ee a 


fe 1 eitlaͤuftig waren „auch die Leute, die ihn im Boote her⸗ 
unter geführet, ſelbſt ſehr nach Hauſe und zu ihrer Arbeit geeilet ha⸗ 
ben. Er hat unſere Briefe und Diarium dem Herrn Wesley uͤber : 


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Anno 1737. 
Oct. 


geſchicket haͤtten, den Saltzburgern des dritten Transports 


2140 Diarium. 
den Herren Truſtees angenehme und favorable Brieſe bekommen. 
Es reiſet einer von feinen Freunden in 6 Tagen nach England, und 
wird er unſer Paquet demſelben zur richtigen Beſtellung anvertrauen. 
Mein lieber College brachte die erfreuliche Nachricht mit, daß die 
Herren Truſtees an Herrn Cauſton geſchrieben, und ihm die Ordre zu⸗ 


Schweine und Feder Vieh, ſondern auch 5Koͤpfen eine Kuh zu geben. 
GOT ſey auch für dieſe Wohlthat gelobet; er ſtaͤrcke uns im Glau⸗ 
ben, fo wird es uns an feiner Verſorgung nicht fehlen. 

„Den roten. Der Land⸗Meſſer if geneigt, wieder von uns zu 


reifen, da er doch das Land noch nicht völlig nach der Ordre des 


Herrn Oglethorpe ausgemeſſen hat, wozu ich aber meinen Willen 
nicht geben kan. Die Leute, welche ihm die Kette tragen, und zur 
Zeichnung der Grentzen der Plantationen zur Hand gehen, beſchwe⸗ 
ren ſich ſehr, daher ich faſt niemand bekommen kan, der ſich von ihm 
will brauchen laſſen. Weil er aber auf ſolche Weiſe einen Prätert 


zum Weggehen haben möchte, fo muͤſſen unſere Leute ein briges 


mit doch einmal das Land voͤllig ausgemeſſen werde. 


thun, und in der Ordnung einer nach dem andern mit ihm! ehen, da⸗ 
30 gedencke 


nach der Abend⸗Betſtunde unſern Leuten noͤthige Vorſchlaͤge deshalb 


zu thun. 


Küche und dazu gehörigen Vieh⸗Stalle fo aptiret, daß er hoffentli 


Diäiie Wohnung unſers zu hoffenden Medici wird e 


alle moͤgliche Commoditaͤt, die hier in der Wüͤſten nur zu haben, wit 
genieſſen koͤnnen. Wir wuͤnſchen nur, daß wir ihn bald bey uns 
haben moͤgen, da wir ihn bey den mancherley eee 
ten, die viele unter uns wieder fühlen, ehr noͤthig brauchen. Fieber, 
Durchfaͤlle und Dyſenterie ſind ietzt, da die Naͤchte ſo kalt und die Ta⸗ 
ge noch ſo heiß ſind, gar gemein. e 
Den 20ſten. Vergangene Nacht hat des Ruprecht Steiners 
Weib einen jungen Sohn zur Welt geboren, der dieſen Vormittag 
nach meiner Schul» Stunde getauft worden. Unſere lieben Leute 
ſaͤumen nicht, ihre Kindlein, wenn ſie auch e und wohl auf find, 
bald zur Heil. Taufe zu befördern, da fie ſelbſt im Gebrauch der Mit⸗ 
tel des Heyls ſo ordentlich und ernſtlich find, und weil ſie wohl wiſſen, 
welche Gnade Gott den jungen und alten durch den Rn 100 
7 rau 


Diarium. n 


Prem ſelbſt geordneten neten Mittel verheiſſen hat. Iinſere agg * 


Saltzburger haben zur Einſammlung ihrer Bohnen — 
Wetter gehabt, wie ſie denn auch an den Orten, wo ſie das Wil 

Vieh nicht abgefreſſen hat, einen ziemlichen Vorrath derſelben be⸗ 
me 2 Das Abpfficken und nach Hauſe tragen iſt eine ber 


e e e aus Mangel des Reiſſes und Kornes faſt lauter Boh⸗ 


dianiſch ae Gelegenheit geben. Wenn ſie unter uns bis. 
cher nicht einiges Geld verdienen koͤnten, ſich dafur einige Pfund 
Mehl und Fett zu kaufen fo e ener ſolchen Speisen noch we⸗ 

hene recheekonene N A neee 
N. hat ſich neulich gegen N. feine Fault Sohn will Schimpf 
Worten vergangen, und ihnen eins und das andere ſchuld gegeben, 
was er een Darüber Zum ner nnd reg 
aber die Sache unſerm Urtheil und Abthuung uͤber⸗ 


. Ich habe Demnach den Mann aufetegt nur Staff 2 Tage 


| ee fur unſere Schule zu hauen, da denn ſeine Strafe zugleich ein 
| Liebes ⸗Werck und was nuͤtzliches ſeyn kan: er iſt auch hiezu gantz 
I unsre ar heise 72 W 4 Nn ri 
A Dentauflen.“ Unſere Leute, die von Herrn anden für ihre 
‚Arbeit etwas zu fordern haben, bekommen an ſtatt des Geldes Pro» 
bviſion und andere im Store⸗Hauſe befindliche Dinge, damit aber ei» 
nige nicht zu rieden ſind. Den Englaͤndern gehet —.— ſo, die fich 
dabey mit Laſtern und uͤbeln Urtheilen verſuͤndigen. Es fehlt in Sa⸗ 
vannah am Gelde. Wenn Chalouppen mit Proviſton dort ankom⸗ 
men, wuͤrden ſie wieder ohne ihre Ladung zu verkaufen, zuruͤck ge⸗ 


hen muͤſſen, daher Herr Cauſton alles kaufen muß, ſonſt wurden fi | 


die Proviſions⸗Chalouppen nach Charles, Town und anders wohin 


wenden, und keine Lebens⸗Mittel nach Savannah kommen. Und 


weil die gantze Stadt und Land davon Nutzen hat, und Herr Cauſton 
ihrethalben viel Vorrath an Lebens⸗Mitteln einkauft, fo ſolten fie 
auf die Bezahlung mit baarem Gelde ſo eigenſinnig nicht dringen. 


er ee hitte es gern geſehen 3 1 er unſern Leuten ihre 


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> ee auf den Plantationen, die gr» 
ſten Theil Ins entfernet mitten im Lande liegen, noch beſchwer⸗ 
icher a — Vagen und Pferde zur Zeit noch nicht zu dencken 


„fo bekommen ſie ſtarcke Durchfaͤlle, wozu die In⸗ 


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2142 Diarium. 


Anno 1737. ausgemeſſene Plantationen hätte anweiſen, und morgen oder kom⸗ 


Ost: 


menden Montag von ung reifen koͤnnen. Er muß aber, ehe ein ieder 
ſein Land ausgetheilt bekommen kan, alle Plantationen, die zu der 
gantzen Stadt gehören, vorher ausmeſſen, damit ich wiſſen moͤge, 

in welcher Gegend die beſten Stücke Landes beyſammen liegen, daß 
unſere Saltzburger, die bisher fo viel ausgeſtanden, vor den Nach⸗ 
kommenden einigen Vorzug genieſſen moͤgen, welchen ihnen auch 

Herr Oglethorpe gern goͤnnet. Wenn es moͤglich waͤre, daß ſie al⸗ 
le oder die meiſten ihr Land am Savannah⸗ oder Eben Ezer⸗Fluß be⸗ 
kommen koͤnten, waͤre es fuͤr ſie zur Heimbringung der Feld⸗Fruͤchte, 
da es ihnen an Pferden oder Ochſen fehlet, ſehr profitable. Er hat 


ordre, alles zu Plantationen gehörige Land in einem Viereck von 


16 Engliſchen Meilen auszumeſſen. Ob er nach dem Sinn des 
Herrn Oglethoype alles ordentlich ausmeſſen wird, ſtehet zu erwar⸗ 
ten. In dem Walde, wo lauter Fichten oder Tannen ſtehen, 
kommt es ihm am leichteſten an, da iſt aber das Land nichts nutze. 

Den ꝛ2ten. Der Knabe von Purisburg, Franck, der unter 
unſere Waͤyſen⸗Kinder aufgenommen worden, will nicht wohl ein 
ſchlagen, und muß Kalcher über ihn manche Klage führen. Er ſelbſt 
nimmt das Wort Gottes zu ſeiner Hertzens⸗Aenderung nicht an, 
und ſcheinet auch den andern Kindern ſchaͤdlich zu ſeyn; daher, wo 
er ſich auf alle Ermahnung nicht beſſert, man ihn ſeiner Muttor 
wieder heimgeben wird. Aeuſſerlich hat er ſich ziemlich gebeſſert, 
und iſt ordentlicher worden, hat auch in der Schule den Catechiſmum, 
Bibliſche Sprüche, das Leſen und einen Anfang des Schreibens ge⸗ 
faßt, da er vorher gantz unwiſſend war, und in Purisburg viele 
Bosheit veruͤbet hat. Wir haben unter uns viel arme Kinder, denen 
man mit der Wohlthat, in die Waͤyſen⸗Pflege aufgenommen zu 
werden, wird dienen, und hoffentlich den geſuchten Zweck beſſer er⸗ 
reichen koͤnnen. Wir haben in langer Zeit keine Indianer an unſerm 
Orte geſehen, woher es kommen mag, iſt uns nicht bekannt. Die 
Saltzburger thun ihnen alle moͤgliche Liebe, und ihr Fleiſch, das ſie 
etwa herbringen, wird ihnen mit Reiß „Bohnen oder andern Din⸗ 
gen wohl bezahlt. Wir bemuͤhen uns hier, ihnen und allen, die zu 
uns kommen, ein gut Exempel zu geben, und moͤgliche Liebe zu be⸗ 
weiſen, wozu die Zuhoͤrer bey Gelegenheit treulich . 5 


Dias 2143 


Als ich neulich in Purisburg | | | 
Kieffers etwas aufgehalten hatte, wartete, nach Savannah zu fah⸗ 


8 ven, ſahen einige Mohren am Ufer unſere Saltzburger in groſſen 


Boot kommen, und ſagten unter einander: Das ſind Leute von 


Eben Ezer. Ich frage ſie, ob fie ſie kennten, und was es fuͤr Leute 
N eee zur Antwort gab: es waͤren ſehr 
gute Leute, beſſer als die in Purisburg. Sie ſind etwan ein oder ein 


8 unſerm Orte geweſen, und ſolte man wohl kaum dencken, 
daß ſie einen Unterſchied machen koͤnten. wan 


Den 23ten. Ein Mann aus Purisburg hat ſich etliche Wo⸗ | 


- 


chen hier aufgehalten , und war dem Feldmeſſer in feiner Arbeit an 
die Hand gegangen, an demſelben hat der liebe GOtt den heutigen 
Vortrag uͤber das Evangelium Matth. 22, 1. ſaq: ſo geſegnet, daß 
er daruber bey mir Freuden⸗Thraͤnen vergoß, und den guten Vorſatz 
faſſete, ſich mit ſeinem Weib und Kindern, denen er von dem hier 
eingeſammleten Guten ſagen will, redlich zu Gott zu bekehren. 
Seine Ausdrücke, die er von der an ſeinem Hertzen empfundenen 
Kraft des goͤttlichen Worts und von den Vorzuͤgen unſerer Zuhoͤrer 
vor andern brauchte, waren gar beweglich und der Wahrheit gantz 
gemaͤß. Ich ſchenckte ihm auf ſein Begehren ein Teſtament und Ge⸗ 
ſangbuch. Wenn ein rechtſchaffener Prediger in N. ware, es moͤch⸗ 
ten wol noch einige Seelen aus der Irre, darin ſie wie Schafe ohne 
Hirten herum gehen, errettet werden. 


inne anne 

u Den agten. Es ſind geſtern unſere liebe Zuhoͤrer freundlich 
eingeladen worden, uns in unſern Hätten fleißig zuzuſprechen, weil 
wir ſie ietzt nicht allezeit zu Hauſe finden, wenn wir ſie beſuchen, und 


uns mit ihnen in guten Geſpraͤchen und Gebet erbauen wollen. Ich 


ſetzte ihnen die Zeit von 12 bis 4 Uhr, da ich Vormittags theils in 

| et „theils bey der Præparation einiger Kinder zum heiligen 

Abendmahl und ander eordentliche Geſchaͤfte habe. Heute mach⸗ 

ten mir einige nach dem Mittag ⸗Eſſen die Freude, und gaben mir in 
meiner Huͤtte Gelegenheit mit ihnen zu beten, und nach Beſchaffen⸗ 
heit ihrer geiſtlichen Umſtaͤnde mit ihnen zu reden, welches wol eine 

recht geſegnete und heilſame Sache iſt. Es iſt mir lieber, wenn ſie 

mit zuſprechen, als wenn ich immer den Anfang machen muß. Auf 


dieſe Weiſe lernet man ihre Begierde nach Erbauung und ihren geiſt⸗ 


lichen 


auf unſer kleines Boot, das ſich bey * 


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AN ji 2144 Diarium⸗ 9 
104 Anno 157. lichen Hunger und Durſt beſſer kennen, und da ſie die Urſache ſolch 
015 Oct. Zuſpruches anzeigen, ſo geben ſie gute Materie zum Geſprach, Un⸗ 
1 | terricht und Troſt, und manerfähret ſo auch, ob ſie den öffentlichen 
„„ Vortrag des Worts recht gefaßt, und was ihnen daraus ſonderlich 
Sul zu Dergengegangenifl. Es iſt mir ſchon geftern , aber noch mehr 
If heute Morgens und Nachmittags kund worden, wie reichlich der 
4 treue Heyland ſein Evangelium, und ſonderlich ein merckwuͤrdig Ex⸗ 
Di empel, ſoich zur Bekräftigung der vorgetragenen Sache in der Joie 
110 derholungs⸗Stunde abermal vorgeleſen, geſegnet habe. Wenn 


das Evangelium in den Gewiſſen der Zuhoͤrer ſo rumort, wie mir 
ietzt an einigen vorkommt, da hat man gute Hoffnung, daß der Deu ⸗ 
fel immer mehr werde ausgetrieben, und das Reich JIEſu in den 
Seelen ausgebreitet werden. Zwey von Hertzen bekuͤmmerte und 
wegen ihrer Sünden leidtragende Weiber funden nach dem Gebet 
zwey Spruͤchlein in dem Schatz Kaſtlein, die eine das, welches 
Freude und Erqvickung hatten, war recht eindrücklich, weil ihr 
Sinn und Verlangen, und das Hertz Gottes gegen ſie ſo nach⸗ 
druͤcklich und nach ihrem Wunſch darin ausgedruckt war. Bey ein⸗ 
M faͤltigen Seelen, die in ihrer Bekehrung wie die Kinder werden, kan 
70 | 1 1 und muß man alle Mittel der Erbauung, Erweckung und Troͤſtung 
„ ergreifen. Zwey Weibsperſonen, davon die eine ſchon vorm Jahr 
n geheyvathet, find im Catechiſmo gantz unwiſſend, oder was ſie dem 
Buchſtaben nach wiſſen, wiſſen fie nicht recht, ſondern verſtuͤm⸗ 
melt, daher ſie einige Zeit her wöchentlich drey mal zu mir kommen 
. muͤſſen, und bemuͤhe ich mich, ihnen die Worte des Catechiſmi, ſo 
57 Al 15 f lang es meine eingeſchraͤnckte Zeit leidet, beyzubringen. Die N 
0 hat etwas gefaſſet, bey der andern hält es gar ſchwer. Doch iſts mir 


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* 


lieb, daß ſie der Sache nicht uͤberdruͤßig werden, ſondern zur geſetz. 


Nie a N wegen 
N u vergeblich kommen oder warten muͤſſen. 


ten Zeit kommen, wenn ſie auch wegen vorfallender Verhinderung 
N ll Den 25ten. Eine fromme Mutter erzehlte mir von ihrer 
4 | Tochter, daß ſie kranck worden, und unvermuthet zu ihr geſagt haͤt⸗ 
N te: Mutter, der Herr Pfarrer mag wol dencken, ich ſey ein fromm 


Kind, weil ich aͤuſſerlich ſo fromm bin, aber mein Hertz iſt ſehr boͤſe, 
ermahnet mich doch immer, daß ich anders werde. Darauf ſie ſich 
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ihr was Boͤſes an mir ſehet, ſagt mirs doch, ich will es euch nicht uͤbel 
nehmen, ich will es euch auch ſagen, wenn ich dergleichen an 
euch gewahr werde. Und weil dieſe Mutter auch an gedachten Kna⸗ 
ben etwas Gutes mercket, ſo bat ſie uns, dieſen drey Kindern öfters 
wmnzureden , daß ſie doch bald von Hertzen fromme Kinder wurden. 
Von einem andern Maͤgdlein wurde mir erzehlet, daß ſie unter dem 
Gebet mit den Haͤnden geſpielet hatte, und da es ihr nach dem Gebet 
1 — verwieſen worden, hat ſie bittere Thraͤnen vergoſſen, ihre 
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auch von ſelbiger Zeit an viel andaͤchtiger erwieſen. 

Weib klagte mir in Begenwart ihres Mannes, daß ſie mit 
Ausübung ihrer Jugend⸗Lüſte dem Deufel gedienet haͤtte, und da fie 
ſich ſo ſehr an G Ott verſuͤndiget, und fo viele Wercke des Teufels und 


des Fleiſches geliebet und geuͤbet hätte, fo muͤſte ihr Hertz ohne Zwei⸗ 
fel mit deſſen Stricken ſehr gefeſſelt und ganz in ſeiner Gemeinſchaſt 
yn Kom aber habe fie es noch nicht fo gemerckt, daß fie von feinen 


Stricken und aus feiner unfeligen Gemeinſchaft los ſey, was ich denn 
dazu meine? Ich merckte wohl, daß ſie eine empfindliche und in die 
Sinne fallende Befreyung vom Satan und ſeinen Stricken verſtehe, 
da ſie es xecht fühlen, begreifen und mercken will, wie ein Strick nach 
em andern abgeſchnitten wuͤrde; daher ich ihr die Beſchaffenheit des 
Reichs GOttes, den Anfang, Fortgang und das gantze Werck un 
ſerer neuen Schöpfung vorlegte, und die Sache mit einigen Spruͤ⸗ 
chen, als Joh. 3, 8. und Marc. 4, 26.29. erlaͤuterte, auch ihr 

einige Kennzeichen gab, daran fie ihren gegenwärtigen bußfertigen 
von dem vorigen unbußfertigen Zuſtand unterſcheiden konte. Eben 
dieſes Weib war hertzlich bekuͤmmert, daß ſie neulich beym Gebrauch 
des heiligen Abendmahls ein Hemde angehabt, das ſie nicht mit Recht 
habe: fie ſey zwar im Gewiſſen beſtraft und unruhig worden, habe 
ſich aber damit eine falſche Ruhe und Troſt gemacht, fie haͤtte doch 
kein anders anzuziehen und wolle es wegſchaffen, ſo bald ſie ander⸗ 


waͤrts Nath ſchaffen koͤnte. Jetzo aber wolle ſie es durchaus nicht 


| ne e „ſondern einem Armen ſchencken, da ſie es dem rech⸗ 
ten Beſitzer nicht wieder geben kan. Sie und der Mann machten 
ſich auch Gewiſſen uͤber ein Gebet Buch, das ſie auf dem Schiffe ge⸗ 
Americ. IV. Sortſ.. Uuu uuu u | fun 


ſolche Berfündigung mit deutlichen Worten zu erkennen 


Sn bapden Brüdern gewendet und gefage + Ich bitte euch, wenn Auro 1737. 


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2146 Diarium 


| 2 5 funden, und welches, weil ſich niemand auf alles Nachfragen dar⸗ 


zu bekennen wollen, ihnen vom Commiflario geſchencket worden. 
Ein anderer Mann klagte, daß er ein Scheerchen nicht mit Recht 


hätte, der es auf mein Einrathen einer armen Witwen geben will. 


Man zeiget den Leuten bey Gelegenheit ſolcher Bekentniſſe und ver⸗ 
willigten Erſetzung, daß ſolche Beichte und Wiedergeben die Suͤn⸗ 
de ſelbſt nicht gut mache, ſondern dazu ſey der HErr JEſus und feine 
Verſoͤhnung, die von bußfertigen, zerknirſchten Hertzen ergriffen 


werden muͤſſe; es gehöre aber ſolches zur Ordnung, und koͤnne der⸗ 


jenige nicht aufrichtig Buſſe thun, und einen Eckel an allen Sünden 
haben, der noch unrecht Gut unter feinem Hausrath behalten wolle. 

Den 26ten. Ein Maͤgdlein aus der Gemeine hat an einer an⸗ 
dern, mit der ſie vor einiger Zeit das erſte mal zum heiligen Abend⸗ 


1 


mahl geweſen, wahrgenommen, daß fie zum Guten gar träge wor⸗ 


den, und weil fie ſich in der damaligen Præparation mit ihr genau 


verbunden, dem HErrn JESu in der Wahrheit zu dienen, und 
eines das andere im Ehriſtenthum zu fördern, fo war ſie zu ihr gegan⸗ 
gen, und hat fie freundlich ihrer Traͤgheit erinnert, welches hoffent⸗ 
lich feinen Nutzen haben wird. Sie ſelbſt ſtehet im ernſtlichen We⸗ 
ſen des Chriſtenthums. Ein Mann kam im ſpaͤten Abend zu mir, 
da er am Tage vor vieler Arbeit nicht kommen koͤnnen, und beſprach 
ſich mit mir von feinen Seelen ⸗Umſtaͤnden. Er erkennet es wohl, 
daß er einer mit von denen iſt, die bey dem an fie ergangenen Beruf 


Gottes hingehen, theils auf ihren Acker, theils zu ihrer Handthie⸗ 


rung, und ſich bey ſolcher Verſaumung der angebotenen Gnade im» 
mer mit guten Vorſätzen der kuͤnftigen Beſſerung tragen. Es ſoll 
aber von nun an mit GOttes Huͤlfe bey ihm Ernſt werden; wozu er 


auch gern ſein Weib bringen mochte, daher er mich bat, mich ihrer 
nach Bermögen anzunehmen, weshalb er fie fleißig zu mir ſchicken 


will. Es war ihm ſehr lieb, daß er nebſt mir und den Meinigen 
dem Abend ⸗ Gebet beytohnen konte, worauf er bewegt nach Haufe 

in * 5 2 N b ae 4 h 1 ie 4 
et Den 27ten. Wir haben ietzt gar gelinde und warme Witte⸗ 
rung bey Tag und Nacht, welches den Potatoes, Nuͤben und Ret⸗ 
tigen, wie auch den ſpaͤt gepflanzten Bohnen ſehr dienlich iſt. üer 


Ba ala 


Alnem exprels hergeſchickten Boote nach Purisburg zukommen. Er 


verlangte meinen Conlens zu dieſer Neiſe, davon er die Urſach nicht 
wuͤſte, und verſprach in wenig Tagen wieder zu kommen, und in ſei⸗ 


ich Port⸗Nohal gereiſet iſt, ohne Zweifel dort ein Stuͤck Land aus⸗ 


zumeſſen | x | 
wieder hier ſeyn tolle. Wo er nicht bald kommt, werde ich dem 


Cauſton davon Nachricht geben, welches ich ihm auch vor ſei⸗ 


ner Abreiſe deutlich vorher geſagt habe. N. that mir in meinen heu⸗ 


tigen Gemuͤths⸗Umſtaͤnden einen recht er Dienſt, da er 


eben zu rechter Zeit in meine Hütte kam, und 2 
fort, Zion ꝛc. mit ſingen und beten half Er machte mir durch die 
Erzehlung feiner Seelen⸗Fuͤhrungen ein recht ſonderlich Vergnuͤgen, 


r das Lied: Sabre 


unnd kan es einem ja nicht anders als hoͤchſtergbicklich ſeyn, wenn man 


inne wird, wie in einem und andern Zuhoͤrer der Sinn des Fleiſches 


immer mehr untergeht, und EHriflus eine neue Geſtalt gewinnet. 
Er iſt wol eine vechte liebe Seele, die ſich der Herr JEſus zu ſeiner 


- auserwählten Braut erkohren hat, ob er wol in feiner Geistes, Ar⸗ 
muth noch weit von dieſer Ehre entfernt zu ſeyn glaubet. Sein Ver⸗ 


grnüuͤgen daruber iſt ungemein, daß er CHriſtum mit ſeinem Mittler⸗ 
Amte und Verſoͤhnung in den Bildern des Levitiſchen Gottesdien⸗ 


ſtes bey Gelegenheit der taglichen Betſtunden kennen lernet. Er 
kan ſich nicht gnug wundern, daß einige Leute unter uns unvergnuͤgt 


| ſind, und ſich in unſere Umſtaͤnde, die doch ja noch wol ertraͤglich 


ſind, nicht finden koͤnnen, da er an ſeinem Theil GOtt herklich prei⸗ 
ſet, der ihn aus ſo vielem Elende und kuͤmmerlichen Umſtaͤnden, ja 
aus Teutſchland heraus und in dieſe Wuͤſten gefuͤhret habe, wo er ja 
im Geiſtlichen und Leiblichen verſorget ſen e e e ee 


De aste. Wi braucht des privar-Umgangs fee nöthigs 
er iſt ſehr einfaͤltig und wegen feines bloͤden Verſtandes unfaͤhig, 


doch hat er ein redlich Gemuͤthe, und wandelt in der Wahrheit. 


Die Lehre von dem menſchlichen Elend und von der Erlöfung daraus 
durch CHriſtum, Gottes und Menſchen Sohn, iſt ihm doch fo viel 
bekannt, daß er davon Rede und Antwort geben konte nur daß er 
Feine bibliſche Sprüche herſagen kan. Den Spruch: Alſo hat SO 

RE... | ie 


Uunn u uuu u 2 


n, und wird mir zugleich gemeldet, daß er nach wenig Tagen 


ner Arbeit des Feldmeſſens fortzufahren. Heute erfahre ich, daß er 


Arnnſer Feldmeſſer bekam neulichen Sonnabend einen Brief, mit * 


2148 Diarium | 
Ann6 1737.die Welt geliebet ꝛc. Das iſt ie gewißlich wahr ꝛc. Kommet her zu mir 
ö Gel alle ꝛc. konte er mehr dem Verſtande als den Worten nach herſagen. 
Ich sprach ihm etliche kurtze Spruͤchlein vor, und werde darin Eünfe 
tig, ſo oft er mich beſucht, ſortfahren. Sein Weib kan gut leſen, 
und weil ſie auch gern in der Wahrheit ſelig werden will, ſo thut ſie 
an dieſem ihrem einfaͤltigen Manne mit vorleſen, beten, erinnern, 
was fie nur kan, und wurde ſie zu ſolcher Pflicht „da ich fie geſtern 
auf ihrem Krancken⸗Bette beſuchte, von mir noch mehr ermahnet. 
N. aͤlteſtes Maͤgdlein iſt ebenfalls von gar unfaͤhigem und kindiſchem 
Verſtande, die ich nebſt andern Kindern ietzt in der Preparation 
zum heiligen Abendmahl habe. Sie kan den Catechiſmum und bi⸗ 
bliſche Kernſpruͤche fertig auswendig, lieſet, ſinget und betet gern, 
und wird durch G Ottes Wort mehrmal ſehr beweget; doch kommen 
ihre Antworten, wenn man fie beſonders examiniret, ſehr unvoll⸗ 
kommen heraus, daß man alſo wohl anmercken kan, wie ſie nicht 
vermoͤgend ſey, etwas ordentlich und mit Unterſchied zu faſſen, fon 
dern durch oͤfters hoͤren und leſen nur etwan eines und das andere im 
Gedaͤchtniß kleben bleibe. Sie iſt ſchon lange in die Præparation 
gegangen, ich finde es aber noͤthig, ſie auch oͤfters bey mir allein zu 
haben, damit ich nach ihrer Faſſung mit ihr reden, und ihr die Grund⸗ 
Wahrheiten der christlichen Religion beybringen moͤge. Sie iſt 
ſehr ſchuchtern, blöde und verzagt, und hat man eine Weile zu thun, 
ehe man ihr Gemuͤth ruhig machen, und zum Hoͤren und zu einiger 
Faſſung zubereiten kann. 
Dien 29 ten. Unſere Leute brauchen gar noͤthig Proviſion, 
getrauen ſich aber nicht nach Savannah zu fahren, weil ſie beſorgen, 
fie muͤſſen an ſtatt des Fleiſches Fiſche laden, die ſie gar nicht zu braus 
chen wiſſen. Man erwarket den Capitain Diamond, der nach | 
foloanien und Neu⸗Porck nach allerley Proviſton geſchickt worden, 
da denn hoffentlich alles reichlicher als bisher wird zu haben ſeyn. In 
dieſer Woche haben einige unter uns einen Anfang gemacht, die mit 
Baumen und Buͤſchen bewachſene groſſe Plaͤtze vor unſern Hütten, 
nach dem Fluß zu, auszureinigen, als worin ſich bisher nicht nur viel 
ſchaͤdliches Ungeziefer, als wilde Katzen, Bären, Woͤlfe ze. aufge⸗ 
halten, ſondern auch die Winde unſern Ort nicht ſo durchſtreichen 
können; welches pon einigen perſtaͤndigen deuten gls N 55 
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gegeben wird, daß wir bey uns langwierige Kranckheiten gehabt. Anno 1737. 
Die Arbeit hiebey iſt ſehr groß, und damit fie ihnen einiger maſſen ‚Od. 
vergolten werde, ſo gedencken fie ſolche Platze, fo lange es ſeyn kan, 
zu bepflantzen, ſo wie ſie im vergangenen Jahr mit den Plaͤtzen mitten 
in der Stadt gethan haben. Weil fie nahe bey den Huͤtten ſind, ſo 
haben Weiber und Kinder eine nuͤtzliche Arbeit, wenn erſt die Maͤn⸗ 
ner die Baͤume umgehauen, die Aeſte„Buͤſche und Wurtzeln ver⸗ 
brannt, und alſo die ſchwerſte und groͤbſte Arbeit gethan haben. 
Dien Zoten. N. N. war mit feinem Weibe bey mir, mit mir 
etwas nuͤtzliches zu ihrer Erbauung vorzunehmen. Das Weib iſt 
noch gar jung und unverſtaͤndig, und wuͤnſchet er ſehr, daß fie zum 
Chriſtenthum und Haus⸗Weſen geſchickter werden möchte, Er 
meint es hierinnen wol redlich, braucht aber die rechte Methode 
nicht, zu ihrer Beſſerung etwas auszurichten, daher ich noͤthig fand, 
ietzt abermal allen beyden zu ſagen, was ihnen zukomme, wenn ſie 
ein gottgefaͤlliges Chriſtenthum führen, und in ihrem Haus⸗Weſen 
Segen haben wolten. Bey dem Manne iſt faſt alles ein geſetzliches 
Treiben und aͤngſtliches Zwingen zum Guten, und klagte er, wie es 
bey ihm mit der Verleugnung ſein ſelbſt und der Welt noch ſo ſchlecht 
ſtuͤnde, weshalben ich ihm die lebendige Erkentniß CHriſti, als den 
einigen lautern Grund der Verleugnung und aller Ubungen des Chri⸗ 
ſtenthums , vorhielt. Der Mann erzehlte mir, wie erbaulich und 
eind ücklich es ihm geweſen, daß er vor einiger Zeit einige Maͤgdlein 
an einem einſamen und verborgenen Ort im gemeinſchaftlichen Gebet 
ſo ernſtlich angetroffen, daß ſie ihn nicht wahrgenommen, und ſich 
nichts irre machen laſſen, welche Kinder auch jetzt noch im Ernſt be⸗ 
harren. Bey N. N. waren heute fo wol ein paar fromme Weiber, 
als auch zwey von den Kindern, die ietzt zum heiligen Abendmahl 
praͤpariret werden, eingekehret, und hatten mit ihr ſo ernſtlich gebe 
tet, daß ihre Zuſammenkunft dismal mit vielem Segen der Erbau⸗ 
ung gecroͤnet geweſen. Sie erzehlete mir, daß die Kinder im Ge ⸗ 
fühl ihrer Suͤnden ſtuͤnden, und darüber hertzlich bekuͤmmert waͤren. 
Dieſe Perſon wuchert mit der empfangenen Gnade treulich. 
Den ziten. Ein hertzlich redlicher Saltzburger erholte ſich 
Raths, was er thun ſolle? er ſey von einem andern Saltzburger ans 
geſprochen worden, nächfiens, wenn Gott feinem Weibe bey der 
e luz uun yz Entbin⸗ 


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2150 8 Diarium. 
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Anno 1737. Entbindung würde geholfen haben, bey feinem Kinde Tauf⸗Zeuge 


Oct. 


zu ſeyn. Er und fein Weib waͤren nun gar einfaͤltige ſuͤndige Leute, 
und zu einer ſo heiligen und wichtigen Sache, als die Tauf⸗Hand⸗ 
lung wäre, gantz unwuͤrdig. Ich wies ihn kürtzlich aufs Gebet, in 
welchem er das Kindlein und feine Unwuͤrdigkeit dem lieben GOTT 
vortragen ſolle, alle Wuͤrdigkeit komme von ihm, und er gebe fie 
u. denen, die in ihren Augen unwuͤrdig, ungeſchickt, arm und elend 
ehn. a - NER . Abi ee 
Ein anderer, dem ich etwas vom rechtſchaffenen Ernſt im Chris 
ſtenthum vorlag, erzehlte mir bey Gelegenheit des Vorleſens, daß er in 
voriger Zeit manche Sprüche unrecht verſtanden, und fie zur fleiſchli⸗ 
chen Sicherheit und Faulheit gemißbrauchet haͤtte, unter andern den 
ſchoͤnen Spruch: 2 Cor. 6, 17: Gehet aus von ihnen, und ſon⸗ 
dert euch abe ꝛc welche Worte er nur vom leiblichen Ausgehen 
aus der Paͤbſtiſchen Kirche und Irrthuͤmern in der Lehre verſtanden, 


und weil er dieſem Befehle GOttes nachgekommen, ſich vielen Troſt 


und Hoffnung des ewigen Lebens daraus gemacht. Er haͤtte zwar 
wol an ſeinem Bruder einen mehrern Ernſt geſehen, dabey aber ge⸗ 
meinet, daß er zu weit ginge ꝛe. Weil dieſes Mannes Weib nicht 
leſen, auch vielmal wegen ihrer Leibes ⸗Schwachheiten nicht zur Kir⸗ 
chen kommen kan; ſo erinnerte ich ihn, es ſo zu machen, wie der 
Koͤnigiſche im geſtrigen Evangelio, der das, was er von dem HErrn 
SEfu gehoͤret und erfahren, zu Hauſe bey den Seinigen zur Befoͤr⸗ 
derung ihrer Bekehrung und Glaͤubigwerdung erzehlet hat. Ich 
hatte geſtern in der Wiederholungs⸗Stunde gezeiget, was dis für 
einen geistlichen Nutzen bey dem Koͤnigiſchen und andern Jungen 
und Alten in Capernaum werde geſchafft haben; wenn diejenigen, die 
auf dem Feſte zu Jeruſalem des HErrn ZESU Lehre und Wunder 
vernommen, nach ihrer Zuruͤckkunft den Ihrigen und andern etwas 
davon erzehlet haben; das ſey nuͤtzlicher geweſen, als wenn fie eitele 
und unnuͤtze, oder wol gar aͤrgerliche Hiſtorien mitgebracht und er⸗ 
zehlet hätten, Bey dieſer Gelegenheit warnete ich die Unfrigen „ja 
nicht den Unflat, den ſie an andern Orten auf ihren Reiſen vielmals 
ſehen muͤſſen, bis hieher an unſern Ort zum Anſtoß anderer zu brin⸗ 
gen, ſondern, wolten fie was neues erzehlen und mitbringen, ſo 
muͤſte es was Gutes und zur Erbauung dienendes ſeyn. ac. 190 
noͤthig 


Rnꝛaion laſſen ſoll. N. wird immer fleifehlicher, und kommt wieder auf 


Ba 


u | DRUM . 215 
noͤthig dieſe Erinnerung geweſen, erfuhr ich heute von eben dieſem Anno 1737: 
Ranne, der mir erzaͤhlete, daß er mit drey andern Saltzburgern neulich Okt. 
beym Proviſton⸗holen an einem Orte des Abends angefahren ſey, wo 
er einige Indianer und weiſſe Leute beyderley 1 auf eine 
ſchandbare Weiſe in der Hütte herum ſpringend und als gantz raſend 


Fr - 
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III u 


angetroffen habe, aber durch ſolche unerhörte Schande bewogen wor⸗ 
den fen, wieder zurück ins Boot zugehen. Er hatte nichts hievon an 


unſerm Orte erzaͤhlet, aber doch erfahren, daß es andere gethan. 


SNOM BEER 855 
Dien fen. Die N., welche eins von unfern Waͤyſen⸗Kin⸗ Nov. 
dern iſt, bekommt ein feines Zeugniß ihres Fleiſſes, Gehorſams 
und Chriſtlichen Verhaltens, daß man daher die gute Hoffnung hat, 
| er ein von Hertzen frommes Kind werden. O! welch eine 
Freude iſt es uns und denen, die den HErrn JEfum lieben wern die 
Kinder wohl einſchlagen! wie gerne gibt man ſich zur Beförderung 
ihres geiſtlichen und leiblichen Heyls alle nur moͤgliche Muͤhe! Die 
N., welche nach dem Tode ihrer Mutter auch in die Waͤyſen⸗Pflege 
aufgenommen worden, iſt gleichfalls im Gebet und Betrachtung des 
göttlichen Worts ernſtlich und dabey in allem folgſam und ordent⸗ 
lich, da ſie wol in voriger Zeit zur Betruͤhniß ihrer Mutter das Ge⸗ 
gentheil bewieſen. Sie iſt mit unter den Kindern, welche zum Heili⸗ 
gen Abendmahl praͤpariret werden. RR 
Dien 2ten, N war im willens, kommenden Sonntag wit 
zum Tiſch des HErrn zu gehen, ich gab ihm aber den Rath, ſich 
nicht zu übereilen, ſondern ſich vorher fein ſorgfaͤltig zuzubereiten, 
wozu er jetzt in den ordentlichen Betſtunden wieder Gelegenheit hat, 
daran er wegen ſeines Wegreiſens zu fremder Arbeit über fünf Mo» 
nat ermangeln müflen. Eben dieſes hat ſich N. und N. gefallen laſſen 
muͤſſen. Sie hatten ſich ziemlich lange unſerer geiftlichen Pflege und ae 
Aufſicht entzogen, und muͤſſen fie vorher wieder recht mit uns nach 5 
ihrem geiſtlichen Zuſtande bekant werden, wenn man ſie zur Commu⸗ 


die alte Wege, darauf er ſich theils in Teutſchland, theils auf der 
Reeiſe mit dem erſten Transport nach America erfinden laſſen. Das 
iſt die Frucht der Entfernung von unſerm Orte. Er iſt bey Gelegen⸗ 


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| : Diarium. 


40 Anno 7737. heit ſeiner Verrichtungen in Savannah mit der N. bekant worden, der 
| i 170 Nov. er auch auf fieben Jahr ſein Maͤgdlein zur Kindes⸗Magd uͤberlaſſen, 
175 | ohne mir das geringſte davon zu ſagen, woruͤber ich ihm mein Mißtaller 
. zu erkennen gab. Das arme Kind wird nicht nur hart gehalten werden, 
N ſondern auch alles gelernte wieder vergeſſen, und in der Bosheit 


. darinnen es ſteckt, noch mehr durch die böfen Exempel geflärckef 
45 EREN . werden. N ; ER * ai 
5 AN | Unſere liebe Zuhörer. haben Diefen Nachmittag fleißig einge⸗ 


ſprochen, da denn mit ihnen gebetet und guter Rath zu ernſter Fuͤh⸗ 
rung des Chriſtenthums gegeben worden. Wir uͤben uns ietzo unter 
einander deſto mehr, die im Hertzen liegende Abgoͤttereyen und man⸗ 
nigfaltige Abweichungen von SOTT, dem einigen wahren Gut und 
Heylande, durch de Znade des Heiligen Geiſtes zu erkennen wo⸗ 
zu uns ietzt in den Betſtunden nach Anleitung der ſchrecklichen 5 iſto⸗ 
rie 2 B. Mos. 32. genugſame Gelegenheit gegeben wird. SOLL 
gibt Gnade, daß unſere Zuhoͤrer mit einem beſonderen Eifer und Ac- 
euratefle die Abend⸗Betſtunden beſuchen, und offenbaret ſich der Se⸗ 
gen davon zum Preiſe des HER Roe gar reichlich. N. hatte ſich ai 
etliche Monate in N. zum Knecht vermiethet, und dort mancherley 
Unarten gelernet, die ich ihm heute vorhielt. Er erkante den Scha⸗ 
den wohl, und erzahlete mir etwas von dem Greuel der groben Sab⸗ 
bath⸗Schaͤnderey daſelbſt, daß er daher ſolcher Leute gantz ſatt und 
uͤberdruͤßig iſt. Auch andere, die der Arbeit wegen ſich eine Zeitlang 
unter den Engliſchen Knechten aufhalten muͤſſen, ſehnen ſich 115 
mehr von uns weg. Einer, den ich durch meine Vorſtellung zuruck 
gehalten, danckete mir für ſolche Liebe hertzlich, da er ietzt aus ande⸗ 
rer Erfahrung den Schaden höret und ſiehet, den er von feiner Weg 
reiſe gleichfalls gehabt haͤttt e 
Den gzten. Geſtern Abend kurtz vor der Betſtunde erhielte 
zween gar angenehme Briefe, einen von Herrn Prof. Srancken, und 
den andern von Herrn Rath Walbaum. Der erſte war vom 13. 
und 23. Iul. und der andere vom 14. Tun. dieſes Jahres, deren In, 
halt fo erfreulich iſt, daß ich billig die Glieder unſerer lieben Gemeine 
zum Lobe GOttes und Stärckung im Glauben daran muß laſſen heil 
nehmen, ſo bald die Hiſtorie 2 Moſ. 32. die uns zur Präparation 
zum Heil. Abendmahl dienet, wird zu Ende gebracht or 2979 


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HER vergilte es beyden werthen Wohlthaͤtern mit mehr als tau ⸗ Anno 1737. 
N Nov. 


em Segen, was ſie an uns und unferer lieben Gemeine 


E 5 A 0 re hertzliche Zuſchriſten, Fürbitte und Vorſorge fuͤr Nutzen 


5 In dem ietztaedachten Briefe des Herrn Prof. Francken 
Se 8 Medico gedacht, deſſen baldige Uberkunft wir uns 

bisher ſo ſehr gewuͤnſchet und ausgebeten haben. Wir wollen den 
lieben GOTT deſto hertzlicher anrufen, daß er unſere liebe Wohl⸗ 
thaͤter zu Diefer wichtigen Sache neige, und ſie willig mache, zu der 
Unterhaltung eines verſtaͤndigen Medici oder Chirurgi etwas herzu⸗ 
ſchieſſen. Die Wohnung für ihn iſt nun vollig fertig, und iſt ihm 


auch zum Diſtilliren und anderer Bequemlichkeit eine groſſe feine Kür 


7 


che zur Seiten der Wohn⸗Huͤtte; welche eine Stube und Kammer 
bat ſchon gebauet, daß er alſo hoffentlich damit wohl wird zufrieden 


ſeyn können. Der Prediger von Savannah ſchickte mir einen Brief, 


den der Herr von Reck an mich aus Teutſchland von einem Orte, Na⸗ 
mens Windhauſen den 28. Iul. dieſes Jahrs geſchrieben hat 


Den aten. Vergangene Nacht haben wir einen gar kalten Wind 


gehabt, der auch den gantzen Tag gar rauh und unangenehm anges 
halten. Der Winter bricht nun völlig herein und da einige arme deute 
unter uns mit Kleidung und Decken gar nicht verſehen find, fo werde 
gebeten, für ſie zu ſorgen. Wir hoffen zwar bey der bevorſtehenden 
Ankunft des Herrn Oglethorpe, aus Vorſorge des lieben Herrn 
Hof» Predigers Butjenters, einigen Vorrath an Decken und alten 
Kleidern zu bekommen, weil ſie aber wie aus einem Briefe des 
Herrn Vats, den er an Kalchern geſchrieben, vernehme, noch ef» 
ſiche Monate verziehen möchte , fo muͤſſen wir das noͤthigſte von dem 
Gelde, das G Ott in unſere Haͤnde beſcheret hat, anſchaffen. Gott 
ſen gelobt, der die Bruͤnnlein ſeiner Barmhertzigkeit und paterlichen 
Vorſorge noch immer über uns ausfüiefien laͤßt, und uns auch durch 
den werthen Herrn Prof. Francken in gedachtem Briefe zu neuen lieb⸗ 
reichen Gaben an Gelde und andern Stücken liebliche Hoffnung mas 
chen laſſen. In unſern mit Gott angefangenen Wagſen⸗Anſtalten 

iſt dis unſer Waßhl⸗Spruch worden: Gochttes Bruͤnnlein hat 
gaſſers die Sölle, und hat der liehe Vater im Himmel an dieſem 

ge) da ich in Gemeinſchaft der beyden Kalchers⸗Leute unſere und 
anderer Noth und Mangel im Gebet vor ſeinem Thron ausgeſchuͤt⸗ 
Americ. IV. Sortſ. EXKxx xxx x tet 


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2154 Diariam. 


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Anno zy. tet habe, mein Gemüth voller Troft und füfen Hoffnung gemocht, 


Nov. 


er werde uns nicht verlaffen noch verſaͤumen, und auch durch die e 
geringſcheinende Anſtalten ſeines Namens Ehre ——— 10 fe 
Den sten. Der Froſt war in vergangener Nacht ſehr heftig, und 
ſind nun unſere Leute ſehr ernftlich dahinter her, ihre Potatoes auszu⸗ 
graben, als welche keinen Froſt leiden koͤnnen. So lange als es noch 
warm iſt, pflegen ſie ſolche Wurtzeln ſtehen zu laſſen, weil ſie noch im⸗ 
mer zu wachſen und dicker zu werden pflegen; ſo bald aber die Nacht 
Froͤſte einfallen, werden die Blätter als gebruͤht, und die Wurtzeln 
dauren nicht in der Erde, ſondern müffen an einen warmen und tro⸗ 
ckenen Ort gebracht werden. Es erzählte mir einer, daß er auf die 
geſtrige Betſtunde eine gar unruhige Nacht gehabt, indem ihm ſeine 
Suͤnden und das Urtheil Darüber auch im Schlaf ſchrecklich vorge⸗ 
kommen, darunter ihm aber auch der Spruch: So wahr ich lebe, 
ſpricht der HERR, ich habe keinen Gefallen de. einige Hoffe 
nung, feinem verdienten Urtheil zu entgehen, gemacht hat; wie er 
denn auch den ernſtlichen Vorſatz gefaßt, ſich von gantzem Hertzen zu 
dem HErrn Je Su, welcher der Menſchen verdientes Urtheil an ſich 
zur Execution bringen laſſen, zu bekehren. Dieſes Mannes Weib, 
die in ihrem Chriſtenthum von Hertzen redlich iſt, klagte mir neulich, 
daß ihr zwo Urſachen die Redlichkeit ihrer Bekehrung zweifelhaft 
machten: 1) Weil ſie noch ſo furchtſam ſey, die deute, welche ſes 
reden und thun, zu beſtrafen; 2) Weil ſie ihre Feinde noch nicht ſo 
lieben und ihnen Gutes thun koͤnte, als ſie ſolte. Ich erklaͤrete ihr 
dieſe Chriſten⸗ Pflicht von der Beſtraſung des Naͤch ten, und zeigete 
ihr, daß dieſelbe zwar, wenn GOtt Freudigkeit und Weisheit dazu 
gäbe, mit Worten, aber auch mit Geberden, geſchehen koͤnte und muͤ⸗ 
fie: Es gehoͤre dazu der Geiſt der Sanftmuth, der Liebe und der De⸗ 
muth, daß der Mächte ſahe, es ſey uns nur um die Ehre GOttes und 
des Naͤchſten Heyl zu thun. Bey zornigem oder hoͤhniſchem Wider⸗ 
ſpruch fen es beſſer, ftille zu ſeyn, und zu ſeuſtzen, und über ſich u wa⸗ 
chen, daß man ſich nicht ſelbſt aus der Ruhe bringe. Das Gebot von 
der Liebe der Feinde würde fie fo viel beſſer ben lernen, ie beſſer ſie die 
Liebe des freundlichen Heylandes ſchmecken wuͤrde. Merckte r⸗ 
in und in andern Stuͤcken ihre Fehler, ſo ſolte ſie nur re 
Gebet zu ihm eindringen, er wuͤrde ihren Mangel ſchon erſetzen. IM | 
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muͤſte ſich aber hüten, nicht etwa in Ubung dieſer oder anderer Tugen⸗Anno yz x 
den; ſondern alleine als eine arme mannigfaltig fehlende Suͤnderin Nov. 
in den Wunden JES ll ihre Ruhe zu ſuchen und zu finden. 

Jn dieſer Woche iſt theils bey mir, theils in der Hütte meines 
lieben Collegen mit unſern Zuhörern fleißig gebetet worden. Der 

liebreiche Vater im Himmel, der Gebet erhoͤret, wird ih um CHri⸗ 
ſti willen auch dieſe heilige Ubung gefallen laſſen, und uns alles das 

geben, was wir für uns und andere ausgebeten haben. Es hat dis 
einen ungemeinen Nutzen, wenn die Zuhoͤrer aus eigenem Triebe, mit 
uns zu beten oder unterrichtet zu werden, zu uns kommen: Wir la- 
ſen denn gerne alle vorhabende Geſchaͤffte, fo ſich nur immer aufſchie⸗ 
ben laſſen wollen, gleichſam ſtehen und liegen, weil wir das, was uns 
der HE in die Hande gibt, fuͤr noͤthiger zu achten haben. 

Dien Sten. An dieſem Sonntage haben 42 Perſonen das Heil. 
Abendmahl genoſſen, darunter manche Gnaden⸗ hungrige und durſtige 
Seelen geweſen, die der HENN ohne Zweifel an dieſer ſeiner Gnaden⸗ 

N e EN. Geſtern in der Vorbereitung 
ſchenckte uns der liebe Gott eine feine Erweckung über Jeſ. 4, 4. 

darauf denn auch einige Seelen nebſt uns und den Unſrigen in des 

Mediei neuerbauete Kuͤche zum Singen und Beten zuſammen kamen, 
welches bey uns und andern groſſen Segen gehabt. Weil dieſe Kuͤ⸗ 
che raͤumlich und zu ſolcher Ehriſtlichen Verſammlung recht bequem 
iſt, ſo kamen wir dieſen Abend hier wieder zuſammen. Die Leute, 
jung und alt, hatten ſich ſchon vor unferer Ankunft hier verſammlet, 
und ſungen das ſchoͤne Lied: Sey frölich im 3 Erren, du heili⸗ 
ge Seele ꝛc. Dieſes erbauliche Verhalten der verſammleten Zu⸗ 
hoͤrer war mir ſehr eindruͤcklich, und weil ich Leute darunter kante, 
die im hertzlichen Verlangen ſtehen, rechtſchaffene Chriſten zu werden, 
und die es geworden, immer weiter zu kommen, ſo machte ich nach 
abgeſungenem Liede: Ich will dich lieben, meine Stärde ic. 
den Anfang, mir und ihnen die zwar kurtze aber gar wichtige Re⸗ 
geln, die der ſel. Collin in ſeinem Buche vom gewaltigen Ein⸗ 
dringen ins Reich Gottes gegeben, bekant zu machen, und theils 
mit andern nachdruͤcklichen Schrift Stellen, theils mit Exempeln 
du beſtaͤtigen. Ich erinnerte mich unter dem Vortrage dreyer Eye 

empel redlicher Seelen, die mir mit ihrem ernſtlichen Chriſtenthum in 
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2156 Diarium. n 


Anno 1737. Halle bekant worden, welche neue Erinnerung mir und andern nach f 


Nov. 


dem Zweck, warum ich fie anführete, ſehr angenehm und eindrücke 
lich geweſen. GO? Tiſt uͤberaus getreu, der bey vieler Gelegenheit 
zur Erbauung anderer dasjenige im Gemuͤthe wieder aufleben laͤſſet, 
was man doch ſchon vor etlichen Jahren gehoͤret oder geſehen, und die 
Umſtaͤnde davon damals wol ſo nicht, als es haͤtte ſeyn ſollen, zu Ders 
gen genommen hatt M Ma 
Eine arme Witwe erzaͤhlete mir, daß Gott einer Saltzburge⸗ 
rin Gemuͤth zu ihr gelencket, welche ihr für ihre entblößte Kinder ein 
paar Hemden gegeben hätte, welche ihr bey der eingebrochenen Kaͤl⸗ 
te und bey ihrem Mangel eben recht zu ſtatten kaͤnmen. Ihr Glaube 
iſt dadurch an den lebendigen allgenugſamen Gott geſtaͤrcket wor⸗ 
den, daß ſie gar nicht zweifelt, er werde auch auf dieſen Winter für 
fie und ihre Kinder Rath ſchaffen. Es war mir dieſe Nachricht ev» 
freulich, weil ich dis Liebes⸗Werck fuͤr eine Frucht des verkuͤndigten 
und ins Hertz gedrungenen göftlichen Worts erkennen konte. Denn 
das Weib hat gedachte Leinwand nicht mit Recht beſeſſen, und ſich 
lieber davon losgemacht, ob ſie gleich ſelbſt arm und duͤrftig iſt. 
Den 7ten. Dieſen Morgen ſprach ein Schweitzer der nebſt 
einigen andern auf einem Boote von ihrer neuangelegten Stadt nach 
Purisburg reiſete, bey mir ein, dem ich gerne etwas warmes zu feiner 
Erquickung hätte kochen laſſen, wenn nur der Schiffmann haͤtte war⸗ 
ten wollen. Er war kranck und elend, und fo ſteht es mit den übrigen 
allen. Grauſam viel (wie ſein Ausdruck war) ſind in der neuen 
Stadt (die aber noch ſchlecht Anſehen zur Stadt hat) geſtorben. Sie 
find Leute ohne Lebens⸗Mittel, Schafe ohne Hirten, und alſo der, 
malen in miſerablen Umſtaͤnden. Es ſind nun ſeit einiger Zeit vier 
Toͤchter des in Purisburg verſtorbenen Schulmeiſters Unſelts, der 
dem Herrn Hof- Prediger Ziegenhagen wohl bekant ſeyn wird, bey 
uns, und geben fie von einer gründlichen Bekehrung zu GOTT ſehr 
ſchoͤne Hoffnung, Die aͤlteſte iſt ſeit geraumer Zeit an einen Saltz⸗ 
burger verheyrathet, die andere war vor einiger Zeit in meinem Dien⸗ 
fie, läßt aber ietzt mehr, als damals, das Gute, fo fie in meinem 
Hauſe gehoͤret und geſehen, in ihrem Gemuͤthe aufleben, und bewei⸗ 
fet ſich in der Schaffung ihrer Seligkeit ſehr ernſtlich. Die beyden 
jungften Maͤgdlein find in die Zahl der Waͤyſen⸗Kinder 1 
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„ Digtium 217 
gen Und wird das groͤſſere davon zum Tiſch des HEren i 
300 höre . wie dieſe Kinder das Gute, fo ihnen ietzt 
dach Seele und Leib wiederfaͤhret, als einen Segen anſehen, den 
inen noch ihr frommer Vater auf feinem Krancken und Sterbe, 
Bette ausgebeten hat, Er iſt feiner Kinder wegen ſehr bekümmert 
gewesen, zumal da in Purisburg keine Schule ift, und ihre Mutter, 
. Be in Epares,gonn vor ige 0 geſtorben, nicht gar 
wohl int den Kindern umzugehen gewohnt war. 
f r lt Auſſer der Paßions⸗Hiſtorie, die ich denen, wel⸗ 
che zum Heil⸗Abendmahl zubereitet werden; ſtückweiſe vortrage, und 
zuletzt mit ihnen ins Gebet faſſe, finde ich noͤthig, auch die Ordnung 
des Heils, welche der Herr Palt. Freylinghauſen aufgeſetzt, ihnen ein, 
zuſchaͤrfen zumal da zwey Kinder, und zugleich mein Engliſcher Kna⸗ 
be Bifhop, darunter ind, denen es hier und dar nochan der richti⸗ 
gen Erkentniß der Grund⸗Wahrheiten der Chriſtlichen Religion feh⸗ 
let. G Ott laſſe ſich dieſe und alle Arbeiten, die an Kindern und Er. 


ann 


wachſenen unter uns geſchehen, um CHriſti willen gefallen, und 


begleite fie mit ſeinem goͤttlichen Segen?! Wee ge 
1 174 805 | ee kam zu Ende der vorigen Woche wieder hier 
an, und fängt heute mit Ernſt an unfere Laͤnderepen völlig auszu⸗ 
meſſen. 800 hatte ihm vorgeſchlagen, daß er ſich Leute in Puris⸗ 
burg oder anderswo miethen oder mitbringen mochte, die er beſſer 
als die Unfeigen gebrauchen koͤnne, damit ich einmal feiner Klagen 
und der Ungelegenheiten überhoben waͤre; er brachte aber niemanden, 
weil ihm vermuthlich niemand um einen ſo ſchlechten Lohn, als er den 
Unſrigen für ſo viele Strapazen gibt, wird dienen wollen. 

Einige arme Glieder der Gemeine leiden be dieſem ein ebroche, 
nen Winter bey Tag und Nacht viel, daher mein lieber College eine 


Reeiſe nach Savannah uͤbernommen, etwas wohlfeiles zu Winter⸗ 


Kleidern und Decken einzukaufen. Go e ſey gelobet, der uns 
1 Nahrung und Kleider oder Decken beſcheret hat, er wird 
ſchon ferner ſorgen, deſſen verſichert uns fein untrügliches Wort. 

2 Er peigete mit geiftlichen und leiblichen Segen den lieben Wohl⸗ 


chaͤtern, von deren Liebes⸗Gaben unſere Arme und Krancke bisher zu 


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Anno 1737, Den gten. Vergangene Nacht hatten wir ein Donner Vet, 
19 NN | New ter mit Blitzen und Regen, welches doch aber nicht lange anhielt, 
„ auch nicht ſo heftig als ſonſt im Sommer war. Es pflegt um dieſe 
a. Zeit gern ein Vorbote von harter Kälte und vielem Regen ⸗ Wetter zu 
ſeyn. Ein Indianer borgete von uns eine Lancette, einem alten 
krancken Indianer, der ſich etliche Tage hier aufgehalten { zur Ader 


4 zu laſſen. Weil dieſer Indianer etwas Engliſch konte, ſo fragte ich 
„ nach ſeinem Alter, er konte mir aber nichts gewiſſes, ſondern nur fo 
1 viel ſagen, daß er ſchon eine lange Zeit gelebet, und damals ſchon ge _ 


weſen, da dis und dis im Lande paßirt ſey. Da er ietzt feinen Unter. 
1 halt im Walde nicht ſuchen kan, ſo verſorget ihn ſein Schwieger⸗ 
„ Sohn, der mit ihm an unſerm Otte iſt. Ich fand an dem Mann 
77 eine groſſe natürliche Redlichkeit und ein gedüldiges ſtilles Verhalten 
11 bey feiner Krangkheit und Mangel, daß ich mich vernundern muß. 
e Ohne Zweifel wird ſolch ein Heyde viele Ehriſten, die es bey dem Lich⸗ 
„ te des Evangeli nicht einmal fo weit bringen, als es dieſer, und wol 
Bu 1 a noch andere ſeines gleichen, aus Natut⸗Kraͤften gebracht hat, bee 
9 ſchaͤnen. Der andere, der ihm zur Ader ließ, bekannte, er hatt, 
| ſich das Fluchen und Schweren angewoͤhnet, ſo lang er unter den wel 
5 ſen Leuten ſey, ſonſt hätte fish dergleichenunanſtaͤndig Ding unter den 
4 2 nicht gefunden. Ich reichte beyden etwas zu eſſen und zu 
I trincken. r 
4 Den roten. Unſer Boot, das ich nach Savannah der Pro⸗ 
vifion wegen geſchickt hatte, kam ledig wieder, weil Herr Cauſton 
in der Meinung ſtehet, als ob unſere deute ſchon das Ihrige weg haͤt⸗ 
ten, da es una Rechnungen ausweiſen, daß alle drey Sant 


porte noch am Fleiſch, Reiß, Korn und andern Dingen ziemlich vie 


empfangen muͤſſen. Ich werde mit Gottes Huͤlfe kommende Wo⸗ 


— mn — 
= — * 


— — 


die Rechnungen einmal in Ordnung zu bringen. Mein lieber Colle⸗ 

ge brachte die eingefaufte Bett⸗Decken und Tuch zu einiger Saltzbur⸗ 

ger Kleidung mit. V 

.. Den taten. Mein lieber College wurde dieſen Abend nach 
Purisburg abgeholet, Morgen daſelbſt das Evangelium Eee 
predigen, welches ſich die Leute ſchon neulich ausgebeten. Die Ev⸗ 
alngeliſche Einwohner daſelbſt find nicht mehr fo beyſammen, als ehe. 


5 2 ce — 8 = 
3 7 gu 


—— 


— 


mals, 


che dorthin reiſen, wie mich denn auch Herr Cauſton verlangt hat, 


5 Diarium 8 
mals, ſond ern hin und her auf ihre Plantationen oder in andere Ge/ Anno 1737. 
| Fee wir (ln ae ſonſt daſelbſt Ortes Wort Nov. 
verkündigen und das heilige Abendmahl halten koͤnnen. Ich em⸗ | 
pfing zugleich meinen Brief wieder zurück, den ich ſchon im May des 
vorigen Jahres an Herr Siron und Weißiger in Philadelphie ge⸗ 
| JJ mitgenom⸗ 
- men, der aber unter Weges geſtorben, und ſein Weib, die noch in 
Charles, Toten iſt, wird ihn gar vergeſſen haben. Wir haben ietzt 7 
fiedertrotene und gar gelinde Witterung, die den Leuten zur Ein⸗ a 
ſamm e ſehr begvem iſt. Das Wetter muß doch 
eben nicht die vornehmſte Urſache der Fieber ſeyn, weil es ietzt einige 
Nute eben ſo wol als mitten im Sommer haben, und andere es von 
neuen bekommen. Uns beyde erhält der liebe G Ott noch immer bey 
Geſundheit und Kräften, ob wol eines und das andere aus unſerer 
Famile nach GOttes Willen an Leibes ⸗Schwachheiten etwas zu tra⸗ 


N 


. e eee a oe ; 
Den 1 85 Eine Saltzburgerin hatte einer andern geklagt, 
414 Mann noch ſo ſehr an der Nahrungs⸗Sorge hinge, und ſich 
bier und dar ohne Noth bekuͤmmere, und ſchon zum voraus aufs 
künftige ſorgen wolle; wodurch er ſich aber den Kampf ſchwer mache, 
und nie recht zum überwinden komme. Da er neulich zum heili⸗ 
gen Abendmahl gehen wollen, habe er ernſtlich und hertzlich im 
Garten allein, und auch mit ihr gebetet, und. hätte fie gemei⸗ 
net, nun werde er fecht durchbrechen und zur geiſtlichen Fre» 
heit kommen; ſie faͤnde es aber ietzt noch nicht ſo. Dieſer Mann 
ſonſt ein redlicher Mann, der wegen feiner Sünden ſehr ge⸗ 
| felig werden will. Was ich aber ietzt 


be N und mit Ernſt ſelig werd | 
erfahren, war mir vorher unbekant, und iſt mir lieb zu vernehmen, 


daß das Weib es wohl einſieht, was die Urfache ſey, wodurch ihr 
i Minn noch von dem rechten Wen des Ehriſtenthums zuruͤck gehal. 
ten wird. Und da ichs auch erfahre, und vermuthen muß, daß noch 
mehrere Zuhörer bey ihrer Armuth an dieſer Kranckheit laboriren, 
fo kan deſo beſſer im Vortrage des göttlichen Wortes und im Um⸗ 
gange mt den Leuten auf ſolchen Schaden geſehen, und die rechten 
Mitte dargegen recommendiret und appliciret werden. In der heu⸗ 
tigen Abend⸗Betſtunde, worin fich abermal viele herkliche Leute 
zun Singen und Beten eingefunden, habe ich auch von dieſer 1 5 
N | nn derni 


9 — — 


Anno 1737. derniß an dem rechten Eindringen ins Reich G Ottes gered 


Nov. 


2160 Diarium. 
ches, wie erfahre, ſeinen Segen gehabt. Unſer familiairer im» 
ang mit unſern Zuhoͤrern hat zur Erbauung ihrer Seelen und zur 
bwendung der Abwege, darzu man zur Rechten und Lincken auf 
dem Wege des Chriſtenthums pfleget verſucht zu werden, groſſen 
Nutzen. Wir erfahren gar eigentlich ihre Maͤngel, und koͤnnen 
uns im Vortrage des goͤttlichen Worts darnach richten, und wenn 
uns der treue GOtt in Leſung guter Bücher einen Segen und Erwe⸗ 
ckung der Hertzen ſchenckt, fo haben wir gleich Gelegenheit, daſſelbe fo 
warm, als es uns im Gemuͤthe worden, den lieben Zuhörern nach 
Erforderung ihrer Umſtaͤnde zuzutragen, und mit ihnen daruͤber zu 
beten, welches Gott nicht ohne Segen laͤßt. | 


Den Iten. Weil der Catechiſmus in der Nachmittage Ca. 


et, wel⸗ 


techiſation zu Ende gebracht iſt, und wir noch zwey Sonntage nach 


Trinitatis in dieſem Jahre uͤbrig haben, ehe das neue Kirchen⸗Jahr 
angehet, ſo hatte ſich mein lieber College vorgenommen, die beyden 
ſchoͤnen Evangelia auf den 26. und 27. nach Trinit aus Matth. 25. 
zum Grunde der Catechiſation zu legen, und habe ich geſtern in ſei⸗ 
ner Abweſenheit das Evangelium am 26. Sonntage nach Trinitatis 
durchcatechiſiret. Dieſen Morgen in aller Frühe ſolte der Anfang 
zur Aufrichtung unſers Waͤyſenhauſes gemacht werden. Einer von 
den Zimmerleuten holete mich aus der Betſtunde der Waͤyſen⸗Kin⸗ 
der ab, weil ich am Sonnabend verſprochen, die Grundlegung die⸗ 
ſes zur Ehre Gottes lediglich abzielenden Hauſes durchs Wort 
Gottes und Gebet gleichſam zu heiligen. (1 Tim. 4,5.) Der Ar⸗ 
beiter find in allen ſechzehn Maͤnner, die mit mir auf den Platz des 
zu errichtenden Gebaͤues in Ehrfurcht und Demuth vor das Ange⸗ 
ſicht des HErrn traten? denen ich denn zuerſt aus dem geſtern 
Lachmittags abgehandeſten Evangeliſchen Text Matth. 25. die 
Worte des 34. 35 und 36. Verſiculs vorlas, und ihnen zeigete, 
was der Here Jeæſus für einen Gefallen daran habe, wenn einige 
Anſtalt zur Verſorgung, Pflege und Erqpickung feine: hungrigen, 
durſtigen, ins Elend vertriebenen, nackenden und krancbn Glieder 
gemacht wird. Dieſes Werck der Liebe, das auch dem geeingſten 
der Seinigen mit aufrichtigem Hertzen erwieſen werde, wende von 
ihm ſo hoch geachtet, daß er deſſelben vor allen Engeln und es ver⸗ 
anm⸗ 


Diaries „286 


ſammleten Voͤlckern gedencken wolle. Der liebe Heyſand haͤtte es Annoır737- 
wohl geſehen, daß auch an unſerm Orte, in dieſem Lande, und in der Nov. 
Nachbarſchaft, ſolche huͤlfbedürſtige Perſonen unter Kindern und 
Erwachſenen wären und ſeyn wuͤrden/ die er gern erqvicken und ver · 
ſorgen, und die herum vagirende verlaſſene Kinder in der Furcht 
und Vermahnung zum HErrn wolle auferziehen laſſen; da zer habe 
er einen mir gantz unbekannten Wohlthaͤter erweckt, der durch die 
Haͤnde des werthen Herrn den, Urlſpergers eine anſehnliche Summe 
Geldes zur Errichtung ſolcher heilſamen und nuͤtzlichen Anſtalt ge⸗ 
ſchenckt habe; und da dis Geld zur Zubereitung des Holtz⸗„Wercks 
und Bau⸗Materialien mehrentheils aufgewandt worden, ſo habe er 
uns ſchon wieder zu einer andern anſehnlichen Gabe eine lieb⸗ 
reiche Hoffnung gemacht, i dem der liebe Herr Pr. N. in feinem 
letzt erhaltenen werthen Schreiben vom ı3fen Jul. dieſes Jahrs 
uns die Nachricht gegeben, daß er zu unſerer Difpofition 200. Nthlr. 
durch Die Hände des theuren Herrn Hof⸗Predigers Ziegenhagen 
nächſtens herſchicken werde. Demnach ſey es der ernſte Liebes⸗Wille 
GoOttes, daß eine ſolche Anſtalt, dadurch ſein Anbetungswuͤrdiger 
Name verherrlichet und vielen elenden Seelen geholfen wird, ange⸗ 
richtet werde, und haͤtte der guͤtige GOtt vornehmlich ſie (die vor 
mir ſtehende ſechzehn Arbeiter) darzu erwaͤhlet, daß ſie dem Herrn 
Jeſu gleich ſam ein Haus bauen ſollen, worinnen er in feinen Glie⸗ 
dern wolle eravicket werden, welches ihnen einen Eräftigen Antrieb 
geben ſolle, im Glauben, Hertzens⸗Nedlichkeit, Treue, Einigkeit 
und guter Ordnung ihre Arbeit zu verrichten ꝛc. Ich recommendir⸗ 
teihnen dabey den Spruch 1 Cor. 1 5, 58. Wiſſet, daß eure Ar⸗ 
beit im Errn nicht vergeblich iſt. Momit ich vergliche Col. 
4 eee wie der HErr auch die einfaͤltige 
Hand⸗Arbeit, die im Glauben geſchiehet, anſiehet. Hierauf be⸗ 
teten wir mit einander hertzlich zu GOtt, und riefen ihn im Namen 
ſeines Sohnes an, daß er ſeinen Segen zu dieſem Bau geben, die 
Ynbeiter vor Schaden und Gefahr gnaͤdiglich behuͤten, und die theu⸗ . 
reſten Wohlthaͤter, die etwas hierzu contribuiret haben, oder durch 
göttliche Schickung contribuiren werden, mit reichen leiblichen und 
geiſtlichen Segen croͤnen wolle, wie mit einem Schilde. Auch iſt 
dis fur unſere deute eine Wohlthat, daß ſie durch ſolchen Bau Ge ⸗ 
Aumeric. IV. Sortſ. Pyy yyy y legen. 


2162 Diarium. b 
Anno 1737. legenheit krigen, etwas zu ihrer Nothdurft bey der ietzigen misgeras | 
Nov, thenen Ernte zu verdienen, und doch nicht noͤthig haben, der Arbeit 
wegen ſich von GOttes Wort und von der Aufſicht ihrer Lehrer zu 
entfernen. Zu Ende der vorigen Woche kamen zwey Purisburgiſche 
Männer von Alt⸗EbenEzer, und wolten gern nach Purisburg zu⸗ 
ruͤck, und weil noch keine Gelegenheit da war, und es ihnen an Le⸗ 
bens⸗Mitteln indeſſen fehlete, fo wurde ihnen auch eine Arbeit an⸗ 
gewieſen, dabey ſie zu eſſen und einen kleinen Lohn empfingen; wor⸗ 
ei 4 nicht wenig erfreuet waren, und ihre Arbeit in Treue ver⸗ 9 
richteten. | IR REN. RER 
Den 15ßten. Heute iſt mein lieber College, der Herr Boltzius, 
nach Savannah gereiſet, um mit Herrn Cauſton die Rechnung in 
Ordnung zu bringen. Der liebe GOtt gebe, daß es einmal dazu 
komme, daß man des vielen Reiſens entuͤbriget ſeyn doͤrfe. Er hat 
auch die Briefe und das Diarium mitgenommen, und wird ſie mit 
ſicherer Gelegenheit, fo er fie haben kan, fortſchicken. 
Den Töten. Geſtern Abend habe in der Betſtunde den Brief 
des Herrn Walbaums der Gemeine bekannt gemacht. Es iſt ein 
ſehr erbaulicher Brief. Der HENN ſtaͤrcke ihn durch ſeinen Geiſt, 
und laſſe alle das Gute auf ihn kommen in reichem Maß, was er uns 


und der gantzen Gemeine ſo hertzlich anwuͤnſchet. Ehegeſtern Abend 
hat mein lieber College den Brief des werthen Herrn Prof. Fran⸗ 
ekens der Gemeine auch vorgeleſen. O wie hertzlich forget doch dieſer 
liebe Mann fuͤr uns, und nimmt an allem Guten, ſo der HErr uns 
erzeiget, und an allem Leiden, ſo der HErr uns zuſchickt, mit Theil, 
fo, als wenn wir feine leibliche Kinder waren. Der HErr JEſus ver⸗ 
gelte es ihm reichlich hier und ewig vor ſeinem Angeſichte 

Den 17ten. Vergangenen Sonnabend wurde nach 3 8 
burg geholet, um daſelbſt das Evangelium zu predigen. Es war 
mir ſehr lieb, daß ich Gelegenheit haben konte, auch an dieſem Orte 
etwas Gutes von CHriſto zu verkuͤndigen. Daher des Sonntags 
zweymal Gottes dienſt hielt an dem Orte, wo ſonſt mit den teutſchen 
und welſchen Schweitzern Gottesdienſt gehalten wird. Dieſen lege 
tern hält der dortige Prediger den einen Sonntag eine ordentliche 
Predigt, und den andern Sonntag darauf haͤlt er mit jenen eine 
VBetſtunde nach dem Engliſchen Gebet⸗ Buche, welches ins 1 i 

‘ 133 . ar i 1 r⸗ 


— 2 un 


Diesem = 32163 


üßberſetzet iſt, und ſo wechſelt er alle Sonntage ab. Deulſch predi> Annory37! 


get er niemals, auſſer, wie geſagt wurde, an den hohen Feſttagen lie» 
ſet er eine Predigt vor, weil er das Deutſche nicht recht gelernet haben 
ſoll. Der Ort, woſelbſt Gottesdienſt gehalten wird, iſt des Pre⸗ 
digers Haus, welches erſt vor nicht langer Zeit fertig worden er woh⸗ 
net anietzo nicht drinnen, ſondern es iſt zur Kirche aptirt, und da⸗ 
zu ſo lange beſtimmt, bis die ordentliche Kirche, welche auch ſchon 
angefangen worden zu bauen, fertig ſeyn wird. Es wuͤrde den 
Teutſchen dort ſehr lieb ſeyn , wenn fie alle Sonntage eine Predigt 
hoͤren koͤnten, und wuͤrde ſolches, wie ich mercke, nicht ohne Nu⸗ 
zen ſeyn, daher ſie ſich auch freuen, wenn ſie vernehmen, daß ie⸗ 
mand von uns dorthin kommt, und eine Predigt oder Betſtunde hal · 


ten wird. Der Eoangeliſch⸗Lutheriſchen find zwar die wenigſten, 


Nov. 


aber doch kommen von den andern wol eben ſo viel, ja noch mehrere, 


wenn wiſſen, und nicht weit abwohnen auf den Plantationen. 


Der Kieffer, einer von den Unſrigen daſelbſt, hatte mich abgeholt, 
nicht nur im vergangenen Sonntage bey ihnen zu ſeyn, ſondern dieſe 
ganze Woche hindurch, um alle Dage eine Betſtunde zu halten, 


aber dis von ihm in Eben Ezer nicht recht verſtanden, fo hats 


meine nicht gantz alleine waͤre. So bald ich hinkam nach Purisburg, 
wurde Anſtalt zur Betſtund gemacht, da ſich denn gleich einige ver- 
4 Lace ene da ihnen ſchon neulich dazu Hoffnung gemachet war. 


950 Pyy yyy v2 en, 


ſtigen Sonntag ihnen das heilige Abendmahl zu reichen. 


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Ann 


Nov. 


2164 


Diarium. 
ſen, wenn ſie morgen wieder kommen ſolten; darauf geantwortet 


01737. wurde e Es ſolte ein Zeichen gegeben werden. Des Abends aber, 
als unſer Boot von Savannah nach Purisburg kam, ſo hoͤrte, mein 
lieber College mußte in Savannah bleiben, wo er anders kuͤnfti⸗ 
gen Montag nicht noch einmal berunter reiſen ſolte, daher wurde 


ich genoͤthiget, wieder nach Eben Ezer zurück zu gehen, welches den 
e leid that, weil ſie in ihrem Vorhaben gehindert 

Den 1 8ten. Heute bin von dem Kieffer wieder herauf gebracht 
nach Eben Ezer, da ich denn die Gemeine noch in gutem —.— 


getroffen, und des Abends in der Betſtunde mich mit ihr erweckte, 


wie allezeit, alſo inſonderheit zu dieſer Zeit, da das Weyhnachts⸗ 


Feſt nahe iſt, an die Menſchwerdung des Sohnes Gottes fleißig zu 


gedencken. Wir haben Gelegenheit darzu in der Hiſtorie, da bey 
Gelegenheit des Baues der Huͤtte des Stifts gezeiget wurde, wie 
dadurch die menſchliche Natur CHriſti, in welcher er eine Hütte un» 
ter uns aufgeſchlagen, angezeiget werden ſolte. 
Es wurde mir in Purisburg erzehlet, daß daſelbſt von den letz 


1 
| Pi zt 
angekommenen Schweitzern 20. und oben bey Savannah⸗ Ton 
19. geſtorben ſeyn. In Purisburg iſt unter andern einer geſtorben, 


feines Handwercks ein Schmidt, welcher gedacht, er ſey der Hitze 
gewohnt, und alſo werde es ihm nicht ſchaden, wenn er ſchon arbei⸗ 
te, da — Sonne ſehr heis ſchiene; er hat es aber wol anders erfah⸗ 
ren muͤſſen. ren 

Den ıgten.. Unſere beyde Boote find heute nach Savannah 
geſchickt worden, und gedencket mein lieber College, mit denen, ſo 


fie herab bringen, G. G. Gottes dienſt zu halten. Es ſind dieſe 


Woche zwey Chaloupen ankommen, daher der Herr Cauſton hof⸗ 


U 


fentlich Proviſion bekommen haben, und unſern Leuten wohl dasje⸗ 


nige geben wird, was ihnen noch reſtirt. 18 25 
Den 2oten. Es iſt bisher recht angenehm warmes Wetter ge⸗ 
weſen, heute aber war es ſehr kalt. Dennoch kamen die lieben 


Zuhörer des Morgens und Nachmittags fleißig zur Predigt des Evo | 


angelii, und haben wir geſucht, dieſen Sonntag, als den letzten in 
dieſem Kirchen⸗Jahr, zu unſerm Heyl wohl anzuwenden. Es hat 
uns auch der liebe GY T fo wol aus dem ordentlichen Sonntags, 


Evan⸗ 


* — 1 . 


a 0 al 


geſchencket, und haben wir uns ſe 


\ 


unſerm Bräutigam in der Gnaden⸗Seit monter entgegen zu gehen, 
damit wir am Ende unſers Lebens bereit erfunden werden, mit ihm 
einzugehen zur Hochieik, und alsdann nach allem Kampf und Streit 
ewige Freude vor ſeinem Angeſichte zu genieſſen. Der HErr JEſus 


erinnere uns deſſen durch feinen Geist! 


„% TIELZ IE i N. 
Den arten. Dieſen Mittag beſuchte unſere Arbeiter am 


Bau des Waͤyſenhauſes, und ſahe, wie ſie durch den Beyſtand des 
lieben GOttes ſchon vieles gethan. Der HEN helfe ihnen fer» 


5 eee denen Ehren gereichen, um CHriſti willen 


Ich ſprach ſonderlich mit einem Zimmermann, dem ich neulich das 
Buͤchlein, Anfang chriſtlichen Lebens, geſchencket, weil ich 


wußte, daß es ihm darum zu thun ſey, zu wiſſen, wie er ſein hri⸗ 


ſtenthum recht fuͤhren ſolle; und fragte ihn, wie er dieſes Büchlein 
eee ſagte, daß es ihm zu obigem Zweck recht die ⸗ 
f machen. Es ſtuͤnde freylich noch nicht ſo mit ſeinem Chriſtenthum, 

als er es wohl erkennete, daß es bey andern ſey; doch ſey ihm dis 


ein Troſt, daß Herr Boltzius neulich zu ihm geſagt; Da er ein recht 


1 g darhach hätte, ſo ſey dis ſchon ein Anfang Band 
Den arten. Einige unter unſern Zuhörern ſuchen immer 


tiefer einzudringen in die Gnade GOttes, und mit dem, was ſie er ⸗ 


langen, auch an andern zu wuchern, welches denn von einem und 
andern gut aufgenommen wird. Des Abends in der Betſtunde 


handelten wir von dem Hohenprieſter des Alten Teſtaments, wie er 
allezeit, wenn er vor dem HEN RN gedienet, die Kinder Iſrael mit 


hingenommen; indem er die Namen der zwölf Stämme auf feiner 
Bruſt in dem Amt⸗Schildlein hatte Dieſes machten wir uns fo 
nutze, daß wir daraus erkanten, wie ſelig die Glaͤubigen waͤren. 


Dann der HErr JEſus, als der rechte Hoheprieſter neuen Teſta⸗ 


ments, habe ſie allezeit, da er zur Rechten des Vaters iſt, gleich ⸗ 


ſam auf ſeiner Bruſt, ja was noch mehr, in ſeinem Hertzen lilegen, 


und liebe ſie auf das allerzaͤrtlichſte, und alſo fen es unmoglich, daß 
er derſelben vergeſſen koͤnne. O der HErr JEſus gebe doch, daß 
e Puy yr e 3 ſeoſche 


— 


> = h N 7. 3 1 r z . 
Evangelio, als aus dem vond en 737. 
d Erba ch aus dem 


letztern ermuntert, durch die Gnade Gottes fein klug zu ſeyn, und 


ſich alſo durch die Gnade GOttes fein zu nutte 


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2166 Diarium. 


Anno 173) ſolche Seligkeit die Seinen immer beſſer erkennen lernen, damit ſie 

Nor in allen geiſtlichen und leiblichen Umſtaͤnden recht getroſt ſeyn moͤgen, 

i ja daß doch die andern ſich dadurch erwecken laſſen, nicht länger der 
Suͤnde zu dienen, ſondern ſich bey Zeiten ihrem IEſu gantz und gar 
zu ergeben, und alles? alles um feinet willen zu verleugnen 
Den agten. Dieſen Mittag bin ich GOtt Lob! in Eben zer 
wieder angelangt, und finde ich Materie genug; denlieben GOTT 

für alle meinem lieben Collegen und den Zuhörern erzeigte Guͤte zu 
preiſen. Ich habe doch durch GOttes Segen viel ausgerichtet. 
Zauboͤrderſt ſind die deute für ihre Arbeit; die ſie im Dienſt der Herren 
Druſtees gethan, vollig bezahlt, nachdem ſie wol über ein Jahr 
darauf haben warten muͤſſen. e | 
Korn und Bohnen, die im Jahr 1736. bey uns gewachſen, e 
Sh. Sterl. bezahlt, welches Herr Oglethorpe, der Leute Fleiß zu 
erwecken, ſchon vor ſeiner Abreiſe verordnet hatte. Ich traue es 
unſeum guͤtigen Vater im Himmel zu, er werde auch die ubrigen 
Hinderungen ſo zu heben wiſſen, daß wir ſeinen Namen werden 
preiſen koͤnnen. Was durch Pruͤfungen und Schwierigkeiten ge⸗ 
het, iſt hernach deſto angenehmer, wenn es endlich doch nach 
Wunſch ausfaͤllt; wie denn ietzt unſere liebe Leute das Mehl, ſo ih⸗ 
nen an ſtatt des Geldes für ihren Zuwachs an Korn und | 
ausgetheilt wird, mit vielem Lobe GOttes und Danckſagung em⸗ 
pfangen, da ſie wegen des langen Verzugs nichts mehr gehoffet ha⸗ 
ben. Anderen im Lande, und ſonderlich den armen Leuten in Pu⸗ 
risburg, Teuſchen und Frantzoſen, gehet es viel kümmerlicher als 
unſern Leuten, und muͤſſen fie theils groſſen Mangel leiden, theils 
ſich der Arbeit und Lohns wegen hin und her im Lande zerſtreuen 


welches unſere Zuhdrer nicht noͤthig haben, ſondern unter uns Ge?⸗ 
legenheit finden, etwas zu verdienen, dabey ſie doch GOttes Wort 
nicht verlaſſen duͤrfen. Der liebe GOtt wird es denen Wohlthaͤtern 
gewiß vergelten, die uns bisher viele leibliche Gaben in die Haͤnde 
gelegt, dadurch den Unſrigen wohl zu thun; wie ich denn auch dismal 
abermal blau Tuch und Unterfutter zu Wintet⸗Kleidung für die Ar⸗ 
men und Nackenden unter uns mitgebracht habe. Herr Cauſton hat 
mich verſichert, daß die Herren Truſtees für unſere Witwen und 

Waͤyſen zu ihrer Verſorgung etwas beytragen wuͤrden. m 2 
er EU ge Waͤyſen⸗ 


3 — M 


zaͤyſen⸗A falten und der Eineſchtung darinnen beſeigte er aber Anno 1731. 


mal fein 775 yosfllen. ‚Saar die Herren Trustees etwas zu Nov. 


Erhaltung der 9 darreichen, fo würden wir bald einige gar 
Bee bon Pu isburg aufnehmen können: wiewol wir hier⸗ 

auf doch nicht warten, ſondern allein auf den Winck und Willen 
des HENNN, der alles vermag, fen werden. Mit unſern 

Se Ba ‚die am Sonnabend mit 50 4 Booten zu mir nach 

Se . en, in ich mich in der 

ihnen über den 14 6. Pfalm erbauet, der in unſern Umſtaͤnden mir 


fe en a der Glauben hält ewiglich, daß die Zeit iter 


n Kaufmann in St. Gallen, wie auch an 

feine Cokreſpondenten in Londen, Mr. Norris und Drewett ges, 
iebe Hr m dN. Ben 506 Herr Cauſton die Leinwand 
9 ve ‚befindet 1 e me Mes eu Rep und Fals 7 


1 ya 5 85 fi cher . wird. Auch habe ich 
an den Heren Schlatte | 


onnabend⸗Berſtunde mit 


en wie ein Balſam aufs Haupt iſt. Der HErr iſt GOtt 
der Hi 8 45 1 gebt e GoOtt e 5 Pay ! 

Inter e, Hungrige, Gefangene, Blinde, Niedergeſchlages 
708 op nge en Ey haben darin die gersiffefte Verſiche⸗ 


Etrettung und e ge nen werde, Halleluſah!? Unsere 
Briefe und Diarjum habe ich an den Herrn Eveleigh in Charles⸗ 


92 


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ö 7 GC 0% ; 
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— - — GR. 

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2168 Diarium. 


Anno 1737.ber Bernunft auch noch fo gut geſchienen, forgfältig vermeiden mu: 
Nov. fenz und habe der HErr ſonderlich an den Soͤhnen Aarons, No 3 


a7 


und Abihu ein ſchrecklich Exempel ltatuürt, als an Leuten, die es 
nicht genau nehmen, ſondern nach ihrer Phantasie GOtt dienen wol⸗ 
ten. Im neuen Teſtament werde ebenfalls daraı 


| | gedrungen, daß 
wir bey unſerm Chriſtenthum, Gottesdienſt und gantzen Wandel 
uns nach dem Willen des Vaters im Himmel richten (Matth 7 21.) 
und ſey nur zu bedauren, daß die wenigſten den Willen SOttes 
recht erkennen, welches er eigentlich ſey, und daher nach eigenem 
Willen und Einfaͤllen, durch den aͤuſſerlichen Gebrauch der e 
des Heyls und bürgerlichen unſtraͤflichen Wandel wolten felig wer 
den. Roͤm. 12,2. ſtehet, wer den Willen GOttes recht erkenne? 
So lange ſich der Menſch nicht auf 1 bahngc n 
7 

te 

thum 


will, ſondern in ſeiner Sicherheit und Leichtſinnigkeit dahin gehet, 
iſt e blind, und will ſich auch den rechten Weg nicht weiſen laſſen. 
Macht er aber mit feinem Chriſtenthum Ernſt, und denckt zurück; ſo 
muß er ſich uber feine vorige Blindheit, darin er das Chriſtenthum 
gantz verkehrt und unrichtig beurtheilet, verwundern, und danket 
Gott, daß er ihn endlich zur Erkentniß ſeines Willens und der 
Wahrheit gebracht. O wie noͤthig iſt es doch, e 
Selbſt⸗Betrug und falſchem i rer und 
falſche Prophet ſteckt im Hertzen, dem muß durchs Wort der Wahr ⸗ 
heit das Maul geſtopft werden. 
Den 28ten. Wir haben etlichen armen Kindern und Erda * 
ſenen einige Winter⸗Kleider verfertigen laſſen, dafürder Name des 
HEirn von einigen hertzlich gelobet wird, andere die dazu trage find, 
werden ihrer Pflicht hiebey von uns und andern chriſtlichen Perſonen 
erinnert. e e een, a. 
Dis Jahr ſind die Eicheln ſehr gut gerathen, und ſammlen ſich 
unſere Seute eine groſſe Menge ein. Der dritte Transport hat Hoff. 
nung, bald diejenige Schweine zu bekommen, welche ihnen die Her⸗ 
ren Truſtees in ihren letzten Briefen zu geben verſprochen. Weil es 
in dieſem wuͤſten und ungebauten Lande ſo viel Woͤlfe und Baͤren 
gibt, ſo haben unſere Leute viel Schweine verloren welches ihnen, 
als armen Leuten, an ihrer Nahrung groſſen Schaden thut. Bey 
Anbauung eines wuͤſten Landes und bey Einrichtung der e ) 


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nn denen 15 1e aber lieblichen und in 
| 0 5 ud wohlgeſetzten Liedern fingen. Einige ver⸗ 


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dacht: Fahre fort, „Sion fe ah 01 Gen, welches, 
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alle ihre Suͤnden, die jie 1 can 10 ee M55 der 


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9115 ergehung an 


kt ſcheine etzt 1650 


„Norte. IV. Sortſ. e an⸗ 


e ee e. 


Nov. 


e 


e Diarium. 


— — 
Anno 1737. andern, u erf enger erkennen gegeben, fie habe aber in fi er Seelen ey 5 
Nov. wiſſens⸗Angſt zu dem HErrn, von dem alle Hülfe und yl kommt, 
etliche Tage hinter einander geſchrien, darauf er ihr He dern 
und ihr, welches ſie gewiß wi e, alle ihre Suͤnden vergeben habe. 

A yo sn mir ese. ſie i in a Kahl und b 
age nachher gan e A un ich geweſen ihr 

nichts 25 1 55 koͤnnen, 9 wol gar allerley Sei 
gemacht, 1 fe ihm von Hertzen abgebeten. Sie bat mi a 

fleißig zu beſuchen, und wenn ihr auch die Sprache vergehen folte, 
moͤchte ich ihr doch fleißig aus GOttes Wort zurufen, 5 mit ihr 
und fur fie beten. Da ich etwas aus Joh. u. von dem Laßaro und 
ſeiner Kranckheit, und ſonderlich ber die Worte: 5 
iſt nicht zum Tode, ſondern daß der Sohn c 
werde, mit ihr redete, ergriff ſie in eher Schwache ihre 
Buch, und ſchlug mir ein Morgen ⸗Gebet eines Krancken auf, dar⸗ 
innen eben das ſtund, was ich mit ihr geredet hatte, welches ihrem 

Gemuͤthe, da ſie ſchon vorher Darüber gebetet, deſto eindrücklich. 
Da ihr Mann zu fein 1 8 lebe Erg ickung bey 
| holete, gab ich die Erinnerung, mit ſeinem Wei⸗ 
. Hi ten Schwachheiten Geduld zu haben: denn ich habe et ah» 
ren, daß er manchmal, da er ſelbſt kraͤncklich iſt, bey der lang an; 
end en Kranckheit „feines Weibes wee und 9 10 


me 


. A0 aben heute, b 1. Advent; Sera 
ten Dag 1 5 u 3 aber hs dem öffe 


n⸗ 
gen die ran & Bade j an ung: u 9 Chri⸗ 


iſt unter u 
105 in Ka a Ken e 5 wi = 
I. 205 


— 8 8. 


ER De Zur * 
5 Ip 1 * 9 
* 90 Zu 225) 5 * 92 Den 


3 8 


. 


Legend‘, da 1 5 15 Ehramen und Zittern 
klagt, ef, em e nicht durch, i 100 nden stellten 

ſo ſehr den ii 2 38er en ber ihres Gebets au 
zudrucken, dhl die Worte an: Mein Be 


N Wen Sn! 
wider ihren l 


g einen den Eingang gehabt „Si eh re 1 
er ai ee Faso 5 5 Des 


ihre diebe wre a im Damen De .. 2 verkuͤn 
diget, muͤndl 0 und thaͤtlich zu erkennen gegeben. en einer 
Mutter wuſte er zu erzehlen, Sb fe mt ihrem kleinen Kinde einen 
ziemlichen Weg von der Plantation nach Purisburg gekommen, 
5 2910050 geblieben, ‚ar Peine fo, weihee warm 


1 elbe | armen Leute daſelbſt bey geſi 
und krancken han ſehr ſchlecht verſorget ſind, ſo verlangen ſie von 


e at landen a dae ag kechtſchalſenen Seel ⸗ 


nach Londen und. Deueſchland berichteten, damit unſre liebe 
Wohlthaͤter und Freunde GOttes nſehen haben, und 
Re eth e merge machen wie durch GOtkes vaͤterliche Regie⸗ 
rung fur uns in Eben zer geſorgel iſt. Es iſt aber weiter nicht 
eee hiekein zu mengen, auſſer daß wir dann und wann 


nal Eile = e 


n 


R e ers inpanr Eher nie af hen, en Knien * 137. 


— — N u 
— . 


2172 Diarium. 


Anno 1737. etwas von der geiſtlichen Theurung und den kuͤmmerlichen leiblichen 
Nov. und geiſtlichen Umſtaͤnden der Purisburgiſchen Leute dieſem Diario 
n N 00 42 im E —— ST e eee 
Ein Saltzburger bat mich, ihm den Spruch: Welchem 
ich gnaͤdig bin, dem bin ich gnaͤdig, und weſſen ich mich 
erbarme, des erbarme ich mich, zu erklaren. Weil es ihm in 
‚feinem Kampf wider die Sünde ſo ſauer werde, und er noch nicht 
recht los und durchkommen koͤnne, ſo falle ihm immer ein, als wolle 
ſich GOtt über ihn nicht erbarmen, und ihm nicht gnaͤdig ſeyn. 
Da wir dieſe Worte vor etlichen Wochen in der Betrachtung der 
Hiſtorie über 2 Moſ. 34. hatten, ſo erklaͤrte ich dieſelben allein durch 
die folgende Predigt des HErrn vom HErrn, und zeigte ſonderlich 
dabey, daß der HErr JEſus, der voller Gnade, Barmhertzigkeit, 
Langmuth ꝛc. ſey, ſich recht zu den armen Suͤndern ſchicke, ſich 
auch bey feinem ſichtbaren Wandel unter den Menſchen ſo, wie hier 
von ihm gezeuget werde, bewieſen habe, und noch beweiſe. Da⸗ 
mit ich dieſem Mann feinen Scrupel und unnoͤthige Sorge, als wol⸗ 
le Gott ſich nicht aller armen Suͤnder erbarmen, benehmen moͤchte, 
fo führte ich ihn erſtlich auf etliche Sprüche, darinnen von der erbar⸗ 
menden Liebe GOttes gegen alle arme gefallene Menſchen geredet 
wird. Darauf erklaͤrte ich ihm nach der Abſicht des Apoſtels 
Rom. 9, 15. gedachte Worte, daß nemlich Gott bey ſung 
ſeiner Gnade auf keine aͤuſſerliche Vorzüge noch menſchliche Urtheil 
und Willen ſehe, und ſich darnach richte, ſondern als das allerfreye⸗ 
ſte Weſen handle, allen denen, die ſich in ſeine Ordnung ſchicken, 
ſie moͤgen Juden oder Heyden, auch wol die groͤbſten Sünder ſeyn, 


und barmhertzig fen), dem fen er recht mit Ernſt und Nachdruck gn ⸗ 
dig, daß es Gnade und Barmhertzigkeit mit Recht heiſſen koͤnne. 


Dien goſten. In unſerer Gegend finden unſere Leute eine 


nicht hinkommen können, zuſammen ſammlen, und auf Booten nach 
Hauſe führen. Als wir noch in alt EbenEzer waren, muſten ſie 
die Eicheln von hier auf dem Ruͤcken nach unſerm vorigen Orte brin⸗ 
gen, daruͤber ſie viele Zeit verſaͤumeten, und doch wenig da | 
1111818 g ten. 


EI 8 - > U 
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” - 4 
1 a 


‚feine Barmhertzigkeit wiederfahren zu laſſen; und wem er gnaͤdig 


groſſe Menge Eicheln, die ſie an ſolchen Orten, wo die Schweine 


| Diarium. a 2173 
0 ——— . ̃ — —-— . — 
ten. Bey, der Austheilung der der Plantationen, mit deren Ausmeſ⸗ Anno 1737. 


ſehen, daß unſre ietzige Einwohner ans Waſſer, entweder an Sa⸗ 
mh oder ben be ß kommen, weil es wegen Mangel an 
; n und Wagen ſehr en iſt, =" um e 


her das fruchtb arefie Erdreich findet. PA MER TEN 
a 1 ji 15 ee W 17 70 
1 ö DEGEMBER. FEAR: rn 
2255 e na 
Er 


haben wir heftige Kaͤlt 
enden Feber ſeyn. 


BR der mus 8855 mit mir in 1 55 | 


ee 1 f 
. agel mg le Sl ces te, ben © die zur he eie —— 
e Sage era Elm 28 Die el ö Mn Heat n See⸗ 


Suͤnd el klein eingefallen 
wi ünde der 0 


4 . rwellſchem dachte zn en ehemals fo fchänd- 
und gewiſſenlos gefündiget worden; Und waren die Worte une 
den Tod mehr als ein⸗ 
ieſſe! es iſt kein 
nd Kampf iſt wol 


ran insg ichhabe 
wenn mi doc SO, 


nder fi ls ic. A Buſſe un 
5 Sim 7 . x eg ſonderlich uͤber die 


alen ; Die Witkerung iſt 222 95 10 e ende | 


Worte Wir möfen. durch viel Truͤbſal ꝛc. welches die Welt 


iniglich von aͤufſerlichen Leiden und Noth verſtehe, 15 aber , 


0 e nur Den Anfang mache, 0 von den Stricken des 
und Sünden, mie 
Seelen⸗Noth und Gewiſſens⸗ 


e ab 


2 e. 
or 


Si Safer berſtehe hen? 55 5 
ber die 22 denheligen weis nen übrigen 1e 5 


=: * * ir 
5 24 Fr 
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ruft losgureiflen lo lerne e: 


es noch gar langſam hergehet, werden wir vornehmlich darauf Nov. 


Dee. 
e gelindes Wette, 
bwechſelung mag wol die Urſache 


andern aemen Sundern; welchen Zweck er wenlger err ird 
offenbar wuͤrden. 
4 ettſchaft⸗ 
55 der mit der (ine done Schweitzer nach Caroline k 


SE. 


gen, nee 8 0 4 0 5 o lange ſie nicht erleuchtet 
e Es le grobe — 


de Den den 1 und 1 dieſe 200 er als dem 
leriſchen honetten Geſchlechte zuge im en wird) gebrauchen als Zeu⸗ 
gen feiner Wunder- Liebe, und als Werckzeuge feiner Gnade bey 


wenn Ai ini . begangene Ghnden 1 andern . chen 


75 N 6 


Den 2ꝛten. „Gieſſen damer, ein Kupfer 2 und P 


1 abermal e e an mich aus Oranienburg in Nord 
Caroline, darin er mir Nachricht gab, daß er von den Leuten daſelbſt 
zum ordentlichen Piedchee dene worden, den Beruf auch angenom⸗ 
men, und durch die fag dc Name ha iniſtrirun 
der pt geramenten ſchon fein Amt zune hren angefan 

be. Seine Gemeine en ki und 110 0 im ae ſehr ae und 
abe er mit Beſuch ung derſelben viel zu thun, es fan 

erley Religions „Verſvandte drunter, die ihm Ha 1 8 | 
than wären, weil fie ſaͤhen, EN er im Leibli 10 0 

18 viel von der Wichtigkeit ſeines Lehr⸗Am Ae . 
ne erſte Predigt gehandelt hat, und verlan 55 1 
Briefs, ich mochte feines Bruders Sohn ai „ und ihn in 
Erlernung der Orientaliſchen Se de eee eine 
Anfang gemacht, „weiter führen, auch in andern Stuͤcken zun de 
Amt zubereiten, er ſelbſt habe fein mitgebrachteg Gad vetzch 
ſey nicht im Stande, ihn laͤnger zu erhalten. Er ſchreibet in dem 
gan 


are Mn * 2 


8 er 
ggeh mit 05 betete, on 15 ale tes ji 
Worten und We 25 aus Goiies Wart herzüch war 


ten. 6 often n und eute hat der Feld, Meſer unfem 
tionen angewieſen in 15 die er und wir 


| Safe 5 fei 8 ten; . arg 
von ſo ſchlechter Beſ eit wol wenig darauf wir 
nen gebauet und ee . ſo ſchlecht 


nd, mögen e a Beh au ber Stadtger 


ichs vom Fel Mee 10 een anweiſen und auge 
jeichnen laſſen. hat bey der jetzigen Aſlemblee oder 
Parlement in Se „Town Geſchaͤfte, worin ich ihn nicht hin. 
ern mag, ſo bald er aber zuruͤck n Wochen gee 

fein Werck NE REICHEN. 5 Das beſte 


iſt ausg neſ und ausgetheilt. 1 
75 = 11 5 abe ee er wel kund worden eines Men · 
ſchen, der ſich nach ſeiner eigenen Er⸗und Bekentniß durch die Ber» 
bergun einer 4 85 ten die Bekehrung ſelbſt ſchwer gemacht, und 
ie nn al les Flehens, , Weinens und Kam 
| en koͤnnen. Die Fi cht vor der Schande, und die Ab» 
An et feines Begehen hat ihn immer von einem redlichen of⸗ 
ſenhertzigen Bekentniß zur uruͤck gehalten, ob er ee manchmal 
dieſem Zweck voller Angſt an unſerer Thür geweſen, und den 
* aufthun wollen. SO gebe mir und mei» 


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ens doch nicht 


n e ke mit Dielen eu en 5 


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PATE 


2176 f Diarium. 


„Dis Crempel, deſſen ſen ich mi. mir nimmer vermuthen können /! treibt ung 
an, ferner nebſt der trölilichen. Lehre des Evangeli Sets 

HErrn ernſtlich und in feiner Lauterkeit zu treiben, . keinen 
Schaden thut, ſondern die Hertzen zur Annehmung und ’ 
plication des Evangelii dadurch 0 werden: al haftet 5 


auch vor aller Gene ur Sund — 7 wol ri Ya 5 


ni * * 


t in f 15 
Grunde bereue en die ee Enge . 
dem im vorigen Kirchen⸗Jahr der Catch dae in 5 
worden iſt. Vor acht Tagen, als am erſten ins Kae 
vents, war er in Purisburg, und alſo machte er üb = 
ordentliche Sonntags ⸗Epiſtel Rom. 15,4. a einen An 15 
mittags werden die Evangelia abermals in dieſem Jahr erkla 220 t, und 
zur gemeinen en m angewandt, als darzu es auch an rei cher 
Materie nicht fehlen kan. Im Exordio wir allemal ein k a 5 
Macht⸗Spruch aus dem aſten oder neuen a ament zur P 
tion der Gemüther auf die vorzutragende Ma fie angeführe 3 11 
aufgeſchlagen, den die Kinder und 8 die gantze dach 
hindurch fo oft zu leſen angewieſen find, bis fie ihn ins Gedaͤchtniß 
gefaſſet haben, und werde ich in der? Wiederholungs-&t unde al | 
zeit nach dem vor acht Tagen gehabten Spruch fragen ı und. ihn 
wendig herſagen laſſen. Heute hatte zum Eingange 2 ee: 18. 
und der Vortrag uͤber das Evangelium Luc. ar, 25. qq. w 
völlige und ſelige Erlöfung der Gläubigen aus ale be 1 
1) als eine zwar noch kuͤnſtige doch gewiſſez 2) als eine . | 
lige Erloͤung. Mein lieber e i e | 
ri t. wis 


und handelte uͤber die Epiſtel von der Seil. Schr 

Menſchen unterweiſe zur Seligkeit. lie 
Den §ten. Dem Gieſſendamer, der vor allchen a n 

Brief aus Oranienburg in Nord Caroline an mich geſchri 15 

mit unſerm heut abgehenden Boote geantwortet, 175 ihm kuͤr 9 

gemeldet , 1) daß die heilſame Lehre von der Rechtfertigung eine 

men bußſertigen Suͤnders vor Gott, wenn ſie in ihrer L ie te - 


— 


* 


me — ; Ina Br: Ru ohn hi 
zufzunehmen, 8 in Studis diis und Sp acher verlangt, 


uc en e ter: chm mitte } 1525 e 
Vostnach Se a wur 7 ub wil oda ach Charles⸗Town 
gehen, 2 nd ange nö a die keinen 17 | 
Eriſt war noch nicht mit allem fertig, uote 

nd qusgemeffen, 1 und find die Plantationen den Leuten angewie⸗ 
ſen, wiewol noch einige beſondere Eintheilungen des guten und 
| ſchlechten n Lande werden zu . ſeyn, wo unſere Saltzburger 
nur einiger maſſen ſollen verſorget werden. Ich habe dieſen Mor 
2 Binde Tage unfern Leuten einen Vorſchlag gethan, der auch mit 
ntion unſerer ohlthaͤter völlig überein kommt, der aber 


Gestern und heute iſts bey Tag und Nacht ſo warm 


| n Sten. 
nee ei 1 95 wir im Frühling lebten. Wir hatten unter er En 


len einen Regen. 
EN Nas iſtdieſen Vormittag wider Vermuthen ge⸗ 


sa, "She ei . aten * 12 an 110 Seh 


nh 
= 900 lab sd a ie 15 e Weibe 9 5 
1 Sort. 5 Aaa aaa aa 2 auf 


u 1b 255 gleichen nicht ſonderlich anſtehen wolte, daran 


A 


2178 e W er 


Anno 1737. auf den Gerd en einer n a Be 0 h = RT 5 
Sünden rühinet‘, 0 a mein, es ſe 1 59 


Bi ſorgfaltig Der Mann hatte fi dor 
a zen ziemlich hen beute eres, 2 und faß 0 
Vorſat an s zu werden. 


"TEN Den sten Kronberger dr auge (hr kunckg gewe⸗ 
| fen, ietzo bekommt er wieder einige Krafte, daß er aufſtehet 
im Hause HEN kan. Ich redete mit ihm von der rechte 
bereitung zum Ku Sterben, und wie n a, & 


. 
& 


ſunden Tagen au ee ji 
mir, daß Gott Diefe Kranckheit ati derlich dazu 
laſſen, daß er ſein Nichts und e Unvermögen in geift 
Dingen erkennen lernen, und wie er erſt geiſtlich . 
muͤſſe, wenn er ett as Gutes, ſo wahrhaftig gut heiſſen ka 
Ehre GOttes thun folle. Es thut ihm gar bange, daß er di 
Fine noch He beſuchen kan, als darin ihm Christus mit ner 
Verſohnung und theuren Gnade, bey Gelegenheit der aa ung 
des Lepitiſchen Gottesdienſtes, recht theuer und werth worde Hei 
habe er bisher gelernet, welches er vorhers ſo nicht e 
0 | lich! das alte und neue Teſtament übereinfti imme. | 
“ale Eine Mutter erzehlte mir die Art, wie ſie mit ihren! benden 
„ gehe, und an ihnen arbeite, daß ſi esse ai Si Hriſto zu⸗ 
r | geführet würden, wie denn auch der liebe Gott zu ihrem muͤtterli⸗ 
chen Bemühen feinen Segen gebe, indem ſte an ihnen ſeit einigen en 
A“ Feder en ehe \ Fmerekfanifeit aufe Ottes Ba ” 

„ Ernſt im Gebet, und ein illes Weſen gewahr werde. 

1 Dien g ten. ſohann. Paul Franck, Heeger ne her | 
Putisburg unter un nfere Waͤyſen Kinder fag e Hit 
dey mir an, nach dem Verlangen feiner Mutter wieder nach Ha 
zu kehren, und der Mutter im Acker / und Haus Weſen 0 an die H 
zu gehen. Es mag thin vielleicht unſere d da er mit and 
Kindern früh auf ehen, und den gantzen Dag mie h ichen D 1 
zubringen muß, und nicht ausſchweifen kan, nicht recht 0 . 
wiewol er fichs nicht mercken Käffet, Er iſt nid r vergel is 1 4 


„ 
. Er er, 


fd 


nicht nur natürl. keit! egeln Schul ent | 
erf Hut: 1 1 105 habe a ne | Den . a 
die Herren Truſtees wollen, daß 10 wee gut Land haben 
ier Kan N Base 

„daß eine! 


5 at Bi ausarbeiten und bepflantzen 
gut iſt als der andere. Auch hat es 


einander o au 
andere ich bey! der Ar 4 


Ace 


kin zu len er 1 55 die Gemeine ee ord 


ni t abſchlagen, darinnen des? 
daher nicht wohl. zur Kirche. Je 
meine nicht mißbilligen, da m N 


vem macht MR esunögfich ft, Cs iſt o neden dis aus ledi 
35 . Aa wee 0 * ei 5 


das ſchlechte nutzen koͤnne Es 
Versen oder Familie ohne Knech⸗ 


mehrere ins gute Land 1 


en mehrere beyſammen | 


; aich 5 un 
fen will. Die tetzige Hütte, wo witzufaminen kommen, iſt abgele⸗ 
gen, und ſchlecht verwahrt, m n kan es auch den Vorbeyreiſenden 
Lachts zu herbergen, und ſchickt ſich 
0 ch konte dieſes Verlangen der Ger 
s den Leuten gern ſo leicht und be> 


« 
o- 
4 


— DI PERS 


Anno 1737. zur Ehre GOttes angefangen 
8 daß ihm darinn ale gebracht, und durch ſein Wor 


© 


den Saupt⸗ und Grund⸗Wah 


Gemeine erbauet werde. 


— > > In" 2 > 3 
5 “ 1 | 
3 2 ud * 930 7 7 
* = 
n Diarium. 4 * ’ 


——— 
a 


und wünſchen dor daben von Herzen, 
. 


7 


t, w 

oft darin verfündiget werden wird, ihm viele Seelen zugefuͤhret wer⸗ 
den moͤgen. 30 fe im Vertrauen auf GOtt, der leicht mehr 
Mittel beſcheren kan, Bretter fügen, damit ein ordentlicher Bo. 
den zu dieſem Zweck über dem erſten Stockwerck gelegt werden könne, 
Der Fußboden wird von dicken geſpaltenen Schindeln verſertiget; 
bis der liebe 5 Ott etwas beſſers bef ei „Wir hoffen nach und 
nach, aus Vorſorge unferer lieben Wohlthaͤter, eine eigene Kirche 


zu bekommen, da man dann dieſen Boden im Waͤyſenhaus zu andern 


noͤthigen Dingen brauchen wuͤrde. Es wuͤrde auch der Raum zu 
enge ſeyn, wenn mehrere Leute, wie gehoffet wird, zu uns kommen 
folten obwol das Haus 45. Schuh lang und 30, breit iſt. 
"Den lten, Der anche alte Land inbere ane DAB Die 
eee nicht gehalten werden konte, daher ich den 
vormittaͤglichen Vortrag über das Evangelium Matth. 11, 2. von 
der göttlichen Gewißheit und Beveſtigung des Sertzens in 
| Srund= pp 1% Sage chriſtlichen Lehre, 

in der Abend⸗Betſtunde wiederholte, die noch immer Sonntags 
nach dem Abend⸗Eſſen von jungen und alten fleißig, und hoffentlich 
mit Segen beſucht wird. Man hoͤrt mehrmalen ſagen, was die 


Wiederholungs⸗Stunden, die Fragweiſe geſchehen, für mannig⸗ 
faltigen geiſtlichen Nutzen haben, daher wir zu Fortſetzung derſelben 


deſto mehr aufgemuntert werden. In ſolchen Wiederholungen wird 
mit Erempeln aus der Bibelund mehren Sptüchen basjenigebeut- 
licher gemacht, was etwa in der Predigt ſelbſt nicht ſo weitlaͤuftig ge 
ſchehen koͤnnen. Eltern, und die an Eltern ſtatt find, werden er⸗ 
mahnet, mit den Kindern vorher zu Haufe eine Wiederholung amu⸗ 

ſtellen, daß ſie hernach in der Antwort beſſer beſtehen, und die gantze 


Den I aten. Als ich den krancken geitner beſuchte, und über 


den Spruch: Des Menſchen Sohn iſt kommen, zu ſuchen und 


ſelig ʒu machen, das verloren iſt, etwas mit ihm redete, erinner⸗ 
te ſich ein dabey ſtehendes Weib Den was ich vor mehr, als einem 
Jahr in ihrer Kranckheit eben über dieſen Spruch mit ihr geredet haͤt⸗ 
de. Sie ſey damals gantz unwiſſend geweſen, ſo, daß fie W 


Kr 


l 


1 finden io (old 1 


Dierium. RN RER gt 


1 nn Sr Spruch nichts ge gewußt, es „es habe fich ſich aber der Anno „ 


= TEL nach und nach fo über ſie erbarmet, daß ſie nicht nur 
| 4780 00 ten, Betſtundenund VBorleſung anderer (da ſie ſelbſt 
i 5 leſen kan) einige Bibliſche Spruͤche gefaßt, ſondern auch zur 

1 5 5 ihres verdorbenen grundboͤſen Hertzens gekommen ſey, 
fie zu G Ott, er werde fie noch gantz zu ſich ziehen, und ſe⸗ 


Augen ſagte, blind und unbekehrt geblieben ſeyn. Sie bat ſichs 
aus, 5 wie andere thun, unterweilen zu mir zu kommen, mit mir 
deten, ch ermahnen und unterweiſen zu laſſen. Von dieſem 


tre ren laͤßt. Es bleibt uns in dieſer kleinen Gemeine 
W gen, 5 was einige Zuhoͤrer aͤuſſerlich und innerlich fuͤr be⸗ 


j fondere Abhaltungen und Hinderniſſe an der gründlichen Bekehrung 


haben; und wenn denn der Vortrag darnach eingerichtet nird, ſo 


dualiter geſagt würde, 


vor ihrer Thur, und bat mich, ihr Gelegenheit zu geben, daß ſie mit 


mir allein reden koͤnte. Ich redete Nachmittags mit ihr, und ver⸗ 


nahm, daß ihr ſo etwas vielen Kummer verurſachte, daraus ſich wol 


f EM en „auch wol vielmals fromme Gemuͤther, nicht viel 


n pflegen. Dis Weib ſtehet in keinem geſetzlich aͤngſtlichen 


„ ſondern will mit Furcht und Zittern gern ihre Seligkeit 
- ihn en, „und weil ihr Gewiſſen gar zart iſt, ſo wird fie bald des ge⸗ 
ringſten Staͤubgens der Unkauterkeit und Ubereilung gewahr. Ich 


| betete nach gegebenem Unterricht mit G und ſchlug ihr in der Bi⸗ 


- bel die? Worte auf 1 Joh. 2, f. 2. Sie erzehlte mir zuletzt, was der 
Satan fuͤr mancherley Lift gebrauche, ſie in dem Lauf ihres Chri⸗ 
ſtenthums und im Gebrauch der Mittel des Heyls zu hindern, fe 


| breche aber mit Weinen und Beten durch ꝛc. 


Die N. gibt es wieder fehr gut vor, fie klagt ſich ſelbſt an, f 
und bereuet ihre Grobheiten, die ſie neulich abermat gegen mich ge⸗ 


W und 22 die Schuld theils auf andere Leute, theils auf 
Aga gaa aa 3 ibren 


g machen. Sie haͤlt es für eine groſſe Wohlthat Gottes, „daß ſie 
jeher = ekommen iſt, ſonſt möchte fie wol, wie fie mit . | 
Ent 


ich ch ſonſt ae e gehabt, als mich es ietzt der 


deutlich getroffen, und nehmen es eher an als wenn i 


Dien 14ten. Dieſen, Morgen, da ich aus der Betſtunde von 
Waͤyſen⸗Kindern nach auſe ging, wartete ein Weib auf mich 


Dec. 


2182 | Diarium. 


‚Anno 1737. ihren Jach⸗ Zorn und Ubereilung. Sie gibt vor 6 daß ſſe es ichtbefz- 


Dec. 


fer zu erkennen anfange, daß wir beyde es recht hertzlich gut mit ihr 
meinen, ob ſie wol in der vorigen Zeit dasjenige, was wir ihr vonn 
ihrem Grund⸗- verdorbenen Zuſtand geſaget haben, nicht begreifen 
koͤnnen. Als ich unter andern Ermahnungen das wiederholte, was 
ich ihr und ihrem Mann ſonſt ſchon geſagt habe, nemlich daß wir 
uns uber ihre und ihres Mannes Bekehrung recht ſonderlich freuen 
wolten, weil wir laͤngſt vorher geſehen, wie viel es ihnen vor an⸗ 
dern koſten würde, recht durchzubrechen; da weinte fie bitterlich, 
und ging mit einem guten Vorſatz von mir. Sie war bey H 


Cauſton in Savannah geweſen, der ihr einen ſcharſen Aena 


* 


5 Piri TERN 
nn, — — ö 
55 hatte. Bey dieſer je 
fi 55 ihn beſonders ſowol ſeiner en, als auch d 
| tes, die in feiner Fieber Kranckheit einmal ſehr 3 gear⸗ 
beitet hat, „ und wovon 1 iir ein 45 ſchon Bekenntniß gethan hätte, 
| Akan alles wohl, u. 


w e 179525 . ‚ = eur ae A 


11 5 zum . Omi en 5 


a b vor den Voͤgeln und wilden Thieren und andere Dinge viel 
als wenn leder afleinmäre 

Sten. Ein in Schneider von Purisburg, „der ſich ſonſt 

unſers Amts bedienet, war bey uns, und bat mich, 


1 i zur Furcht GOttes und Schulgehen angehalten wuͤrden. 
5 7 in dieſem theuren Jahr nicht im Stande, fuͤr ihren Unter» 
zu ſorgen, doch verſpricht er im Herbſt, wenn ihm GOTT eine 


f Ernte beſcheret, dasjenige in Frucht wieder zu erfetzen, was feine 
| Kinder hier genoſſen haben. Mit dier Bedingung nehmen wir die⸗ 
Kinder auf, weil unſer jetziges Vermögen ſo weit nicht gehet, 
emde Kinder in Verpflegung zu nehmen, bis uns der liebreiche 


Gott mehrern Segen, wie wir hoffen, zuflieſſen laͤſſet. Es ſind 


noch andere. Kinder in Purisburg, welche auf gleiche Condition ver⸗ 


langen aufgenommen zu werden. O! knit welchen Freuden wolten 
= wir uns der armen Kinder annehmen, wenn es in unſerm Vermoͤgen 
5 — 59 880 aber 25 wagen: daß altentey ER unter uns ih en 
| | LE 


\ 


ohl, und ſchaͤmte ſich. 5 
Den 17ten. Ob gleich des en Landes, ſo unſern Salz 
urger zn Plantationen ausgemeſſen worden, wenig iſt, ſo theilen 
ich doch die deute ſo drein, daß ein ieder ein gut Stuͤck bekommt, dar⸗ 
u We goͤttlichem Segen ſein Brodt zuerſt zu gewinnen ſücht, B 
und nach das uͤbrige ſchlechte Land auch brauchbar gemachet 


5 d eh en das Zaun⸗ 1 0 die eee 15 5 


— N — * wr 


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2184 Diarium. 6 
lich ſey, daß wir in allen Dingen volle Genuͤge haben, und reich ſeyn 
zu allerley gutem Werck. ae n a 

Den ıgten. Ich hatte Gelegenheit an! Be nach Bus 
risburg zu ſchreiben, und meldete ich ihm, daß feine beyde Brüder zu 


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mir gekommen, und mich gebeten haͤtten, dafuͤr zu for ſie hier 
in Eben Ezer aufgenommen wuͤrden, durch ihrer 9 05 5 r 
Brodt zu gewinnen, und bey dem Gottesdienſte, ſo unſere Zuhörer: 
hier haben, fuͤr ihre Seelen zu ſorgen. Weil ich nun dene 

an, da ich fie kennen lernen, Hertzens⸗Redlichkeit und gute Ord. 

nung an ihnen gefunden, ſo haͤtte ich fie allezeit lieb und werth gehal 
ten, und ſey auch ietzo von Hertzen erbötig, ſie bey Herrn Cauſton und 
den Herren Truſtees zu recommendiren, welches ich um ſo viel lie. 
ber thun wuͤrde, wenn ich erſt feine Meinung daruͤber vernommen | 
hätte. Übrigens glaubte ich, daß es zu ihrem leiblichen und geiſtli⸗ 
chen Verderben gereichen wuͤrde, wenn ſie laͤnger da und ſo, wo und 
wie es bisher geſchehen, leben ſolten. Ich meldete ihm auch, daß 


ich in dem juͤngſten Bruder Geſchicklichket und Treue finde, und koͤn⸗ 


te es ſeyn, daß er kuͤnftig G. G. in unſern Waͤyſen · und Schul⸗An⸗ 
ſtalten zum Intormatore gebrauchet wurde. 
Die N. iſt wieder kranck und bettlaͤgerig worden, dabey ſtehet 
es um ihre Seelen⸗Umſtaͤnde nicht, wie ich wol wuͤnſchte. Sie gab 
es vor etlichen Wochen bey ihrer Kranckheit ſehr gut vor, als haͤtte 
ihr GOTT alles zu erkennen gegeben, wie viel fie von Jugend an ge 
ſuͤndiget, und wie ſehr ſie der Welt zugethan geweſen, er haͤtte ſich 
aber uͤber fie erbarmet, und ihr alle Sünden vergeben ꝛc. Weil es 
aber hiemit ſo geſchwinde zugegangen war, kam mir ihr Tro 
und vorgegebener Gnaden⸗Stand verdaͤchtig vor, daher ich ſie und 
ihren Mann, wenn er alleine bey mir war, treulich ermahnete, doch 
ja vorſichtig zu gehen, und der Sache recht gewiß zu werden; denn 
Selbſtbetrug ey gar gemein ꝛc. Ich gab ihm auch die Lehre vom 
Anfang Chriſtlichen Lebens, zu Haufe mit feinem Weibe darin zu 
leſen. Da ich gegen Abend bey ihr war, ſo ſagte ſie mir, was ihr 
ſonderlich auf dem Hertzen liege, und das waren nicht ſchwere Suͤn⸗ 
den, ſondern lauter irdiſche und nichtige Sorgen dieſes Lebens. Ihr 
Mann ſetzte noch andere Dinge von ihren bisherigen Reden und 
Handlungen hinzu, die mich in Beſtuͤrtzung ſetzten. Ich Wr 
. 


8 | Diarium. u 2185 
ſie hertzlich, ihrer Seelen wohl wahrzunehmen, der Satan fey ge Anno 1737 50 
wiß nicht weit, und wolle fie mit dieſen Stricken, die ſie mir ietzt er Dec. 1 
zehlet, ins Verderben ziehen, ſagte ihr auch etliche Spruͤche, als: 
Der E RR iſt nahe, ſorget nichts ꝛc. Phil. 4. it. Ich ſorge 
fuͤr meine Suͤnde ꝛc. Wie hart haͤlt es, das Hertz von der Sün⸗ 
de und Welt, wenn man es gleichſam durch die lange Ubung und Ge» 
wohnheit anwachſen laſſen, recht los zu reiſſen cer. 
Den 20ten. Geſtern und heute habe ich von den Leuten, wel» 
che om zweyten Weyhnachte⸗Feyertage gedencken zum Diſch des 
Errn zu gehen, vielen Zuſpruch, und dabey von denen, die ſich ihr 
Chriſtenthum einen Ernſt ſeyn laſſen, viel geiſtliches Vergnuͤgen ge⸗ 
habt. Es haben bey dieſer Gelegenheit mehrere uͤber einen jungen 
Mann, der gar unvorſichtig und anftößig geredet haben ſoll, gekla⸗ 
et, damit ihm, ehe er zum heiligen Abendmahl gelaſſen würde, fein 
aͤrgerliches Verhalten ernſtlich vorgehalten werden moͤchte. Es 
thut den Leuten ſehr wehe, daß dadurch bey einer gewiſſen Art Leu⸗ 
te, ſo ſich in Savannah aufhalten, die es gehoͤret und wieder geſa · 
get haben, ein Aergerniß und Verlaͤſterung unſerer Gemeine ange⸗ 


richtet worden, als die auch die Kunſt verſtehen mögen, vr einem 
auf alle und auf die gantze Gemeine zu ſchlieſſen. Haͤtten fie chriſt⸗ 


2186 Diarium. 


Anno 1737. ten, daß ſie die Kraft des göttlichen Worts zur Erkentniß ihrer ſelbſt 


Dec. 


fühlen , ſie muͤſſen aber auch bekennen, daß ſie es nur an treuem Ge⸗ 
brauch der Mittel des Heyls, ſonderlich an einem ringenden und 
anhaltenden Gebete fehlen laſſen, und dabey machen ſie viele gute 
Vorſaͤtze. Gott gebe doch, daß fein Wort in dieſer Pr&parations- 
Woche bey vielen etwas rechtes gewinnen moͤge. in 

Den 21ten. N. gibt ietzt, da er zum Tiſch des HERRN 
gehen will, abermal viel Gutes vor, und erkennet wohl, daß es, 
ohngeachtet ſeines fleißigen Leſens, Hoͤrens, Singens und Be⸗ 
tens, noch nicht recht mit ihm ſtehe. Die Sorgen dieſer Welt 
machen ihm viel Hinderniſſe, und hat er bisher noch nicht Luſt 
gehabt, allem abzuſagen, auch ſeiner eigenen Gerechtigkeit und 


Frömmigkeit. Ich habe ihm und ſeines gleichen, die in Die 


ſen Tagen bey mir geweſen, eine gewiſſe Stelle aus dem ſel. Lu⸗ 
thero vorgeleſen, die mir ſelbſt erbaulich iſt. Er ſchreibt alſo: „Mit 
„dem chriſtlichen Leben iſts fo bewandt, daß der es angefangen hat, 
„meinet, er habe noch nichts, ſondern er fährt fort, und ſtrebet 
„darnach, daß er etwas ergreife. Es iſt einem glaͤubigen Menſchen 
vnichts ſchaͤdlicher, als die Einbildung, daß er es ſchon ergriffen, 
vund nicht mehr noͤthig habe, etwas zu ſuchen: Denn hiedurch fallen 


Hopiele zuruck, und verderben in Sicherheit und Nachlaͤßigkeit. 
„ Darum wer angefangen hat ein Chriſt zu ſeyn, dem iſt dieſes not 


„übrig, daß er dafür halte, er ſey noch kein Chriſt, ſondern er wol⸗ 
„le einer werden. Wer ſchon ein Chriſt iſt, der iſt noch kein Chriſt, 
das iſt, wer meint, er ſey ſchon ein Chriſt geworden, da ers doch 
„erfi werden ſoll, der iſt noch nichts. Unſer alter Menſch muß von 


»2ag zu Dag erneuret werden. Weh dem, der da meint, er ſey 


„ſchon gantz verneuet! bey dem iſt noch der Anfang zur Erneurung 
„nicht gemacht, und er hat nie geſchmeckt, was ein Chriſt iſt. 
„Dann wer angefangen hat, der meinet nicht, daß er ſchon ein 


„Chriſt iſt, ſondern trachtet mit groſſem Ernſt darnach, daß ers wer, 


„de, und ie mehr ers wird, ie mehr ſuchet ers zu werden, und ie we⸗ 
„niger meinet er, daß ers ſey. „ e t ER 
Der teutſche Schuhmacher von Purisburg ift wieder bey ung, 
und macht für unſere deute Schuh. Er bleibt, wie er war, ob er glei 
vielmalen viel Gutes zugeſaget hat. Wir ſind ſeiner gantz Ne 
f Ng / 


| us Diarium. 41187 
haben uns aber aus Mangel eines beſſern nicht anders helfen koͤn⸗ Anno 1737. 


| — ſondern ihn brauchen müffen. Weil er in Purisburg viel An⸗ 
| gibt, auch die Leute nicht mehr fo gut, als er wol ſonſten gethan, 
mit ſeiner Arbeit verwahret, ſo bin in Willens, lieber ſolche Schuhe, 

die von Londen oder Neu⸗England nach Savannah gebracht werden, 
für die Leute einzukaufen, bis wir etwa mit einem eigenen gewiſſen⸗ 
haften Mann dieſes Handwercks verſorget werden. Mit den hoͤl⸗ 
gernen und Indianiſchen Schuhen, die einige unſerer Leute zu tra⸗ 
gen pflegen, läßt ſichs im Winter und Regen Wetter nicht thun. 
Verſtehet ein Schuhmacher zugleich die Zubereitung des Leders, fo 
eee Profeßion hier im Lande groſſen Vortheil, denn die 


ſig, 


hund Ochſen⸗ Haute find ſehr wohlfeil, und fehlt an Leuten, die 


„ ge 


ſie zubereiten koͤnnenn. 
Dien aZaten. Die N. dringet ſich faſt Dazu, mit zum heiligen 
Abendmahl zu gehen, weil es ihr nicht ertraͤglich faͤllt, daß ſie von 

den Leuten als aus der Gemeine ausgeſchloſſen angeſehen wird, wo 
bey viel Hoffart iſt. Sie gibt unter vielen Thraͤnen vor, daß ſie ihre 


unden, und ſonderlich diejenigen, die ſie gegen mich und mein 


Amt begangen, bereue, und machen ihr dieſelbe viel Angft und Seuf⸗ 


gen. Ich traue ihr aber nicht, zumal da mir gefaget worden, daßſie 
bey andern Leuten nicht eben viel Draurigkeit, ſondern wol den alten 


Sinn mercken laſſe. Man hort fie auch wol in ihrer Huͤtte beten, 


worauf ſte ſich auch beziehet, ſie will aber nicht allem abſagen und es 


recht glauben, daß ſie ſo gar verderbt und boͤſe ſey, als der natuͤrliche 
Menſch in GOttes Wort abgemahlt wird. Ich erklaͤrte ihr die bey⸗ 


den Sprüche, Joh. 9, 40. 41. und Offenb. Joh. 3,17. 18. und 
zeigte iyr, daß dis dieſer deute Verderben geweſen, daß ſie ihre jaͤm⸗ 
merliche Blindheit nicht erkannt, ſondern ſich mehr als dem Wort 
des HErrn zugetrauet haben, ja daß ſie wol boͤſe auf EHriftum, und 
auf feine ernſtliche Zurechtweiſung worden ſeyn. Die Kaͤlte iſt etli⸗ 
che Tage her ſo heftig worden, als fie im vorigen Jahre geweſen; 
doch laͤßt ſich dadurch allem Anfehen nach niemand unter unſern Zu⸗ 
hoͤrern von den Abend⸗Betſtunden, die ietzt auf die Zubereitung zum 
Fieſt und heiligen Abendmahl eingerichtet werden, abhalten. 15 


Den 23ten. Weil wir im Waͤyſenhauſe den obern Boden 
noch nicht gelegt, und die AN 113 659 0 21 nicht verfertiget 


find, 


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Dec. 


2188 Diarium ae 


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Anno 1737. ſind, ſo haben die Salsburger ieder 10. Dachſchindeln 


getragen, und damit die alte Hütte, wo bishero der Gottesdienſt 
gehalten worden, umgedeckt und beſſer verwahrt, damit wir im Feſt, 
wenn Regen einfallen ſolte, nicht geftöret wurden. Wenn ja kuͤnf⸗ 
tig der Gottesdienſt nicht mehr hier gehalten wuͤrde, fo koͤnnen wir 
doch im Winter hier beym Feuer Schule halten, und die Vorbey⸗ 
reiſende und Fremdlinge koͤnnen des Nachts unter dieſer Hütte 
im Trockenen liegen. In der heutigen Abend Betſtunde ſetzte ich die 
Bibliſche Hiſtorie, die ietzt über das 13. und 14. Capitel des Zi 
Buchs Moſis folget, aus, und nahm etwas vor, daraus zur Præ - 
paration auf das heilige Weyhnachts Feſt Gelegenheit geben konte, 


wiewol auch die Betſtunden in dieſer Woche guten Theils darauf ge. | 


richtet geweſen find. Der liebe GOtt ließ es mir an einem paar Ehe 
leuten, die feufgend und weinend in meine Hütte kamen, und durch 


ſie auch von andern, kund werden, daß es nicht ohne Segen geweſen, 


was heute theils vorgeleſen, theils verkuͤndiget worden. Ich habe 
mich unter dem Vortrag deſſen erinnert, was ich in Halle gegen 
und in den Feſt⸗ Tagen für geiſtlich⸗Gutes theils unter den Kindern, 
die ſich zum Gebet und Betrachtung des göttlichen Worts bey Dag 
und zur Abend⸗Zeit begierig einfanden, theils unter erwachſenen 
Leuten genoſſen habe, daran ich die Gemeine zur muntern Nachfol⸗ 
ge auch gern Theil wolte nehmen laſſen. Morgen G. G. gedencke in 
der Vorbereitung über Nom. 8,3 1. 32 zu handlen von der oͤber⸗ 
ſchwenglichen groſſen Gnade des Neuen Teſtaments, 1) daß 
uns der Vater feinen Sohn geſchencket, 2) daß er uns mit ihm ſich 
und alles ſchencken wolle. PR 5 A u 
Den 24fen. Die N. liegt ihrem Manne immer in Ohren, 
nach Penſylvanien zu ziehen, weil fie ſich von dem N. und ſeinem 
Weibe weiß machen laſſen, wie commode man dort für weniges 
Geld leben koͤnne, und wie leicht Geld zu verdienen ſey. Sie iſt 
doch am Leibe gantz milerable, und iſt daher wegen ihres irdiſchen 
Sinnes und fleiſchlicher Sorgen noch mehr zu bedauren. Der Mann 
hatte ſich durch fie ziemlich einnehmen laſſen; Gott aber hat geſtern 
in der Abend⸗Betſtunde an fein Hertz geſchlagen, und ihm die Ge⸗ 
fahr feiner Seelen, wenn er wegzoͤge, zu erkennen gegeben; daher 
tr es heute ſeinem Weibe mit Ernſt geſagt, daß ſie ſich biegen 


4 


es wider den Witlen und die Ehre Gottes ſeyn wuͤrde, welches er 


mir heute bekannte. Der N. und fein Weib ſind wegen ihrer ver⸗ 


llarvten Bosheit und guten Münd⸗Wercks unter uns gar ſchaͤdliche 
Leute, und werden nicht beſſer, ob man wol auch durch Erzeigung 
vieler Woblthaten ihre Beſſerung geſucꝶhh t. 
Sbott hat uns auf den harten Froſt wieder gelinde angenehme 
Witterung geſchencket, w ches uns auf die Feyertage ſehr lieb iſt. 
Heute haben wir uns durch göttliche Gnade durch Verkuͤndigung 

des goͤttlichen Worts und Gebet aufs heilige Weyhnacht⸗Feſt zuzu⸗ 
bereiten geſucht, zu welchem Ende wir Nachmittags gegen 4. Uhr in 


die Kirche, und zwiſchen 6 „5 Uhr in des Medici Hätte zum Gebet 


ſammen kamen. Die Freude, welche die beyden Bruͤder Zuͤblin 
über die gute Gelegenheit zur Erbauung haben, iſt ſehr groß, und 


auch andern erbaulich. Sie waren nach der Vorbereitung bey mir, 


und bezeugten, ſich gern bey der leiblichen Verſorgung kuͤmmerlich 
1 weil der HErrietzt ſo reichlich für ihre Seelen ſorge. 
Dien 2ß8ten u 


heftigen Sturm⸗Wind, der uns wieder groſſe Kaͤlte gebracht. Doch 


hat ſich wol niemand von der Beſuchung des oͤffentlichen Gottesdien⸗ 


ſtes abhalten laſſen. Die Wiederholungs⸗Stunde wurde wegen der 
g ne als ſonſt, und was hier nicht vollig repetirt werden kon ⸗ 
berdienſtliche Armuth Chriſti. Es verſammlen ſich auch zu dieſer 


Aͤbend⸗Betſtunde viel Kinder, mit denen man auch hier zur Erbau⸗ 


ung der Erwachſenen reden kan. 


An dem morgenden zweyten Weyhnachts Feyer⸗Tage gehen 


FJ Perſonen zum heiligen Abendmahl. N' hielt mit ſeinem Weibe 


abermal an, hinzu gelaſſen zu werden, und haben doch beyde keine 
Luſt, die Aergerniſſe abzuſtellen, vielweniger ſich zu GOtt zu bekeh⸗ 
ten. Nur in voriger Woche kamen zwey Maͤgdlein zu mir, deren 
eines klagte, daß N im Vorbeygehen bey ihrer Eltern Huͤtte daruber 


geſpottet hätte , daß fie mit einander geſungen: die andere zeigte an, | 


daß er geſuchet, ſie zum Rügen zu verführen , weil ſie aber nicht nach 
ſeinem Eingeben reden, und einen andern, ihm zu gefallen, befügen 
wollen, ſo haͤtte er fie zu ſchlagen gedrohet ꝛe. Da ich ihm ſolches in 
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Bes AW chende sergehentaffen, er rüde ſhe nicht folgen well Anno 1. 


en asten war Chriſt⸗Tag. Vergangene Nacht hatten wir 


chahe in des Mediei Küche des Abends. Die Materie war die 


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Dec. 


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2190 Diarium. 


Beyſeyn ſeines Weibes vorhielt, legte er ſich nach feiner Gewohnheit 
8 aufs leugnen, konte aber nicht ſehr damit fortkommen. Das x 
itt ſehr unwiſſend, und da fie in voriger Zeit zum Unterricht zu mir 
kommen ſollen, und mancherley Entſchuldigung, als ihres Kindes 
Kranckheit ꝛc. vorgeſchuͤtzet, ſo hat ſie mir ietzt verſprochen, nach 
dem Feſte gleich andern zu mir zu kommen. n 

Den asten. N. wolte mit zum Tiſch des HErrn gehen, blieb 

aber auf mein Einrathen zuruͤck. Sein Weib wolte es auf ihrem 
Krancken⸗ Bette auch genieſſen, weil ſie aber voller Unglauben, Welt⸗ 

Liebe und Unverſoͤhnlichkeit gegen ihre Beleidiger iſt, ob ſie es wol 
nicht glauben will, ſo konte ich ihr nicht willfahren. Sie iſt auf ih⸗ 

ren Mann fehr unwillig, und machte ihm geſtern, da ich ſie beſuchte, 

viel grobe Vorwuͤrfe, die aber von ſolcher Beſchaffenheit waren, daß 

fie ſich in ihrem fleiſchlichen Sinne und ungebrochenen Hertzen noch 


heiligen Abendmahls noch aufſchieben, weil er ietzt ihretwegen voller 
Unruhe und Kummer iſt, und von ihr vielen Widerſpruch, in geiſtli⸗ 

chen und leiblichen Dingen leiden er Er ſoll auch nel ung fr 
ner in ſanftmuͤthigem Geiſt an ihr arbeiten, und wenn Gott zu ih⸗ 
rer Beſſerung Gnade giebt, das Heil. Abendmahl nebſt ihr genieſſen. 
Er war in der geſtrigen Abend⸗Betſtunde gegenwärtig, und bezeugte 
er heute gegen mich, daß ihn Gott was hoͤren laſſen, das ihm in 
ſeinen ietzigen kuͤmmerlichen Umſtaͤnden ſehr wohl zu ſtatten komme. 
Er glaubt, GOtt meyne es mit feinen Zuͤchtigungen ſehr gut mit ihm, 
und gebe ihm Kraft, ſich darein wohl zu finden: wenn er dergleichen in 
voriger Zeit, da er von den Wegen und Fuͤhrungen GOttes weniger 
Einſicht und Unterricht gehabt, ſolte erfahren haben, es wuͤrde ihm ſol⸗ 
ches unerträglich geweſen ſeyn. Da ſich fein Weib nach den Fleiſch⸗ 
Toͤpfen Egypti umſiehet, und ſich die vorigen guten Tage wuͤnſcht; ſo 
danckt er hingegen in ihrer Gegenwart dem lieben GOtt, der ihn aus 
dem Menſchen.Dienſt und guten Tagen fürs Fleiſch errettet hat, weil 
es damals um ſeinChriſtenthum und ſelig werden ſehr übel ausgeſehen 


at. 1 > . a 4 1 8 1 100 IN 

i Die Crauſin wurde geſtern Abend plößlich ſterbe ⸗kranck, und 

vermuthete man ihren Abſchied, der liebe GOtt aber ſegnete unſere 

Artzney bald an ihr, daß ſie heute wieder aufſtehen, und en 
Iben 


mehr offenbarte. Der Mann ſolte um deswillen den Gebrauch des 


1 Diarium. * 
Abendmahl zu Hauſe genieffen konte, als wornach ihr Verlangen Anno 1737. 
Dec. 


ſehr groß geweſen. 2 . 
8 ‚fie ernſtlich zuſtrafen, wenn ich Unarten an ihnen gewahr 


+ würde, fie brauchten ſolcher Zucht ſehr noͤthig. Das Weib erzehl⸗ 


e zum Lobe GOttes in groſſer Demuth und Freudigkeit, daß ſie vor 
> 8 Feſt bekümmert geweſen, ſie moͤchte wol aus Schuld ihrer 
Troͤgheit und Untreue keinen Weyhnacht⸗Segen bekommen; der 

jebe GOtt aber haͤtte es ſo gut mir ihr gemacht, daß ſie ein wenig 
reicher an Erkenntniß ihrer ſelbſt, an Erkenntniß Chriſti und in der 


Ein paar Eheleute baten mich, ihnen ſcharf zu 


Liebe zu ihm worden waͤre. Ich hatte in der geſtrigen Wiederho⸗ en 


luͤngs⸗Stunde die Eingangs Worte: Ihr wiſſet die Gnade un⸗ 
fers S Errn JE ſu Coriſtiꝛc. zum Kennzeichen mitgegeben, dar⸗ 
an ein ieder prüfen koͤnte, ob er recht Weyhnachten gefeyret oder 
nicht 2 denn wer nicht reicher würde, da GOtt in EHrifto feine 
Gnade ſo reichlich antragen lieſſe, der hätte die Weyhnachten nicht 


recht gefeyret; dabey der fleiſchliche Sinn und eingebildete Reich⸗ 


thum (Offenb. Joh. 3. 17. Luc. 12, 21.) als eine ſchaͤdliche Hinderniß 


Warnung vorgeſtellet wurde. 


und wieder geſund worden, ſing heute ſeine Arbeit aufs neue an, und 
hauete einen Baum zu Schindeln um. Ehe er aber denckt, daß der 
Baum: fallen werde, legt er ein Stuͤck Holtz darunter, damit der Baum 

etwas hohl liegen, und alſo beſſer zu ſchneiden ſeyn moͤchte. Indem er 
ſolches thut, faͤllt der Baum nieder, wirft ihn zu Boden, und beſchaͤ⸗ 


Dien apſten. Cronberger, der vor einiger Zeit Franck geweſen, 


diget ihm ſehr die lincke Seite, ſo, daß, wie er ſelber ſaget, wenn er 


noch einen Zoll weiter geſtanden, er wuͤrde zerſchmettert worden 


ſeyn. Dieſes iſt ein Reichthum der Güte ‚Geduld und Langmuͤthig⸗ 
keit GOttes, welcher uͤber ihn gewaltet, welches er auch wohl er⸗ 
kennet; wobey ihm denn iſt gezeiget worden, daß er ſich dieſes, nach 
der geſtern morgen im Exordio gegebenen Ermahnung, ſolte zur 
Buſſe dienen laſſen. Gott gebe / daß ers dazu anwende! 
Den 28ſten. Die Crauſin war geſtern wieder fo kranck als 
neulich worden, es hat ſich aber bald gebeſſert, indem der liebe GOtt 


unſre Artzney ſehr geſegnet hat. Ich beſuchte ſie heute, da ſie denn 


gur erbaulich redete. Sie erkennet gar wohl, daß der liebe Gott ih⸗ 
ve Seele mit rechtem Ernſt ſuche, und bedauret fie nur, 1 5 er 


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2192 Diarium. 


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Anno 1737. ſchlecht beten koͤnne. Es wurde ihr aber gezeiget, wie ſie ihre Noc 
— recht einfaͤltig, als ein Kind ſeinem Vater, dem lieben 880 oe 
gen ſolle, eben wie es der liebe Jacob gemacht, da er gehoͤret, ſein 
Bruder Eſau komme ihm mit 400 Mann entgegen. Bey dieſer 
Gelegenheit erzehlete ſie, wie ſie es in ihrem Gebet zu machen pflege, 
daß fie nemlich dem lieben GOtt dieſe und jene Spruͤche vorhielte 
dabey fie öfters beſchaͤmt würde, indem fie erkenne, fie ſey noch nicht 
fo, als darinnen ſtunde. Mit ſolchen einfältigen Leuten laͤßt ſichs 
recht einfaͤltig umgehen; die nehmen alles, was man ihnen ſaget, 
hertzlich gerne an, da kan auch der heilige Geiſt mit ſeinen Gnaden⸗ 
Wirckungen ſtatt finden. Et 
Geſtern und heute in der Betſtunde des Abends iſt das Evange⸗ 
lium am dritten Chriſt⸗Tage Joh. 1, 114. durchgenommen, welches 
der freundliche und leutſelige GOtt nicht ohne Segen wird ſeyn laf⸗ 
fen. O! der GOtt⸗Menſch, JEſus Chriſtus, muͤſſe uns doch mit 
ſeiner erworbenen Gnade recht groß werden, ſo, daß uns alles in der 
Welt nichts, er aber alles ſey! Er hat ja allen, die ihn angenom⸗ 
men, die Macht, Ehre und Herrlichkeit gegeben, Gottes, des ſo 
herrlichen und feligen Gottes, Kinder zu werden. Da heißt es ja: 
Iſt nicht Ephraim mein theurer Sohn, und mein trautes 
Kind, das Kind meiner Beluſtigung? Er gebe Gnade, daß ein ie⸗ 
der von allem ausgehe, damit ihn der König auch ſo ſchoͤne machen 
und an feiner Schöne feine innige Luft haben koͤ nne. 
Den aoſten. Dieſen Abend gar ſpaͤte kam ich mit unſerm kleinen 
Boote von Savannah wieder nach Hauſe, als wohin ich vergangenen 
Dienſtag aus Veranlaſſung des beſchaͤdigten Cronbergers u. anderer 
noͤthigen Dinge wegen, die ich mit Hr. Cauſton zu thun hatte, gereifet 
war. Der liebreiche GOtt, der mit ſeinem Sohn, der hoͤchſten und lieb⸗ 
ſten Gabe, ſo gern alles ſchencken will, hat vielen Segen zu dieſer Rei⸗ 
ſe gegeben, dafür ſein Name gelobet und geehrt ſeyn muͤſſe! Herr 
Cauſton hat mir ietzt aus freyem Triebe verſchiedene Dinge, die wir 
der Gemeine wegen aus dem Store⸗Hauſe empfangen, und welche 
mir auf Credit gegeben waren, geſchencket, und erbietet ſich zu aller 
fernern Liebes⸗Beweiſung ſehr freundlich. Die Proviſtons⸗Rech⸗ 
nung iſt nun zu Stande kommen, mir aber zur Examinirung und 
Unterzeichnung mitgegeben worden; da denn hinter einander dasje⸗ 
. ni⸗ 


FRE Da 2793 
nige, was der Gemeine an Proviſion noch ruͤckſtaͤndig ſeyn möchte, Anno . 


hergeſchickt werden ſoll. Weil er Die Unbequemlichkeiten, die wir 
in unſern Hütten haben, wohl weiß, fo gab er mir Erlaub riß, auf 

Conto der Herren Truſtees ein ordentlich Wohnhaus bauen zu laſ⸗ 
ſen, wozu zwar noch zu wenig Geld vorhanden, er hofft aber, die 
Herren Truſtees wuͤrden leicht zu bewegen ſeyn, mehr herzugeben. 
Doch weil die Leute ihren Acker⸗Bau aufs neue ernſtlich anfangen 
muͤſſen, ſo werde ich ſolchen Bau wol noch bis in den Herbſt, wie 
dismal mit dem Wauyſenhauſe geſchehen, aufſchieben, und alle 
wollen wir uns in unſern Huͤtten noch gern gedulden. Vielleicht 
bekommen wir indeſſen auch von London aus Erlaubniß und Geld 


zu ſolchem Bau, wie auch zu Erbauung einer Kirche und Schule. 
Es war vor etlichen Dagen ein Schiff voll teutſcher Leute aus der 


Pfaltz in Savannah angekommen, die die Herren Truſtees frey 
hieher geliefert haben, Dafür fie aber mit ihren Kindern als Knechte 
und Magde auf gewiſſe Jahre dienen muͤſſen. Dieſe Leute hatten 
von uns als Lehrern in Eben Ezer gehoͤret, und daher On Cauſton 
gebeten, befoͤrderlich zu ſeyn, daß ihnen von uns GOttes Wort ge⸗ 


’ 


Dec. 


prediget, und das heilige Abendmahl gereichet werden moͤchte. Sie | 


. fanden ſich alle, groß und klein, in der neu erbauten commoden Kirche 


ein, da ich denn nach abgeſungenem Liede eines und das andere zu ih⸗ 
‚zen Unterricht, Ermahnung und Troſt aus dem Worte des HErrn 


vortrug, welches durch die Gnade GOttes nicht ohne Segen gere ⸗ 


ſen. Ich hatte zum Eingang aus Apoſt. Geſch. 10. die letzten Wor⸗ 


te des 33. Verſes, hieraus ihre Gemuͤther zu dem Vortrag zu pra⸗ 


pariren, und aufzuwecken. Der Text ſelbſt war Pf. 50, 14. 15. 
daraus ich ſie ihrer Pflicht ſo wol in Abſicht auf die empfangene oder 
noch zu empfangende Wohlthaten GOttes, als auch in Abſicht auf 
ihre vergangene, ietzige und kuͤnftige Noth einfaͤltig und hertzlich, 
nach der Gnade, die der gute GOtt darreichte, erinnerte. Nach 
der Predigt wurden in Gegenwart der verſammleten Leute, (darun⸗ 


fer aus Curioſitaͤt auch Engländer und Juden waren,) zwey Paar 


von dieſen Pfaͤtzern copulif t. ee 
Herr Cauſton will in kommender Woche durch mich mit dieſen 
Leuten reden, und Vorſchlaͤge thun, wie ihre Kinder, deren gar viele 


da ſind, nebſt der Arbeit, zur Schule gehalten werden mogen, au 
wels 


Americ. IV. Sortſ⸗ Cececce cc 


ER WELIT II TZE 


2194 Diarium. 


welch 7 Zeit auch einigen ) die fi nach meiner Erinneru = fein 
Anno 1737: welcher Zeit auch einigen, die ſich nach meiner Erinnerung dazu 
a werden angeſchickt haben, das heilige Abendmahl gereicht werden 
ſwoll. Einige ſind gar unwiſſende und freche Leute, die vielen Ver⸗ 
druß und Aergerniß in Savannah anrichten werden, wogegen ich fie 
kreulich aus GOttes Wort gewarnet habe. Ob fie werden zu ver⸗ 
einigen ſeyn, ſtehet zu erwarten. Ich gedencke ihnen, ſtatt der Zu. 
bereitung, die Lehre vom Heil. Abendmahl nach der Haupt Sache 
und Neben ⸗Umſtaͤnden in etlichen Stunden vorzutragen, weswegen 
ich mich denn auch etliche Tage in Savannah werde aufhalten muͤſ⸗ 
fen, Gott laſſe ſich alles um Chriſti willen gefallen? en 
Bey Charles⸗Town iſt in dem letzten Sturm ⸗Winde ein groß 
Engliſch Schiff auf den Sand geworfen, und mit 18. Stoͤſſen ſehr 
übel zugerichtet worden, würde auch mit allen Kaufmanns⸗Guͤtern 
drauf gegangen ſeyn, wenn ſich nicht der Wind bald geleget, und 
nach der Ebbe die Fluth wieder angelaufen wäre. Man hat die Ca⸗ 
nonen auf ſelbigem Schiffe oft abgeloͤſet, da denn ihnen eine Cha⸗ 
loupe zu Hülfe gekommen, und die Paſſagiers aufgenommen hat. 
Das Schiff hat ſchon 7. Fuß hoch Waſſer geſchoͤpft gehabt. 
Dtieen zoſten. In Savannah habe ich mich bey gewiſſen deu⸗ 
ken, wegen der ſchaͤndlichen Expreſſion, die der N. ausge 
ſtoſſen haben ſoll, erkundiget, und alle, die ſich in der Kuͤche ver⸗ 
ſammlet hatten, deshalb gefraget und fragen laſſen; es will aber 
Feiner davon was wiſſen, auſſer, daß ſie auf der Plantation des Hrn. 
Cauſton einen unordentlichen, leichtſinnigen Wandel an dieſem 
Menſchen wahrgenommen, auch ihn deshalb beſtraft haͤtten. Auch 
wolten ſie davon nichts wiſſen, daß ſie unſere Gemeine verlaͤſtert 
hätten; vielmehr erkannten ſie die Gnade GOttes an einigen, die bey 
ihnen geherberget haben. Ich kan das, was unſre Leute dort gehoͤret, 
nit dem, was ich ietzt gehoͤret, nicht reimen; bin inzwiſchen erfreuet, daß 
nach ihrer Auſſage nichts dran ſey. Zu gleicher geit erhielt ich einen Brief 
von Hr. N. aus N. in welchem er mir von der richtigen Beſtellung un⸗ 
ſerer ihm anvertrauten Briefe Nachricht gab, und ein Rece piſſe eines 
Kaufmanns, dem ſie von ihm uͤberliefert worden, einſandte. 
8 Franck, der Knabe von Purisburg, welcher neulich gar ernſt⸗ 
lich wieder nach ſeiner Mutter verlangte, und auch fortgelaffen wur⸗ 
de, ſehnet ſich wieder zu uns, da er den Unterſcheid zwiſchen 7 | 
» ER . Bein} rg 


Diarium, 9 


Purisburg zu mir, und baten mich, den Knaben wieder an 
i 3 kr 1 5 ei 1 


1 eee 
Dien ziſten. Ibhebe 0 meiner Abheben de von Saban 
‚von. etlichen Perſonen zum Lobe Gott 


fo, daß einige geſaget, fo hätten 1 — nicht Weyhnachten gefeyert. 
Gott Lob dafür! Der god 15 A a n Purisburg will den 
beyden Zuͤblin nachfolgen, und it den Seinigen unter 
uns leben, weil er wohl ſiehet, daß, 5 nt nach der gemeinen Welt⸗ 


t, daß er durch GOttes Woknt oft geruͤhrt 
Gi A id e eng 250 ble 


9 . 12 und dae eh 


ep al Sahne au gun ür uns und. —— neuer r Se. 
n auf e e us der Fülle Jeſu erbeten wurde. 


er im Him fenden emuͤthig 8 alle leibliche 
ei i 1 25 u Fuͤhrung Amts gnaͤdig⸗ 


laſſe ſich wi Seiftliche Arbeit, die an Kin. 


lich datg 
dern und Sage entlich und beſonders geſchehen, zu feinem | 
di 1 Ä Ccc cec ce 2 Segen 


im 
rr zu Verkuͤndigung (ins Evangelii im Felt Segen gegeben, 


Art . 1 7 7 Hane anders angegriffen werden muß, wenn er ſelig 


> 


DbenEke Ehen per wohl erfaͤhret. fähret. Mutter und Sohn kamen 9% Anno u 


er e 
K * 


We ⸗Freundſchaft in Purisburg ſeht 5 


” 


2196 Diarium. 5 

Anno 1737. Segen empfohlen ſeyn, und vergebe uns, um Chriſti und feine: 

Dec. Verſoͤhnungs⸗Blutes willen, alle Suͤnden und ee 

bey unſern Amts-Berrichtungen und fonft vorgegangen, und flärs 

cke in uns den durch ſeine Gnade gefaßten Vorſatz, in dieſem Jahr, 

und ſo lange der HErr unſer beben friſtet, rechten Ernſt und Dean 

zu beweiſen, damit wir, und die uns hoͤren, das Ende des Glau⸗ 5 

bens, nemlich der Seelen Seligkeit, davon bringen 
Amen, um FESU willen 


+ 


an. 
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8: 3 17 * 
1 . 


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| Amen! 5 47 0 


inte 9 An no E 173% bi 
u ut ee ee 
Anno zg. Den iſten. Es war vor dem Nachmittags⸗Gottesdienſſe ein 
A rg Mann aus der Gemeine bey mir der ſich vor gen e an {4 
und feinen Geboten gröblich verſündiget hat, aber nun von Hertzen 
Buſſe thut. Es wird ihm wol fehr ſauer, iger zu e de 
kommen, nachdem er einmal untreu worden; hilft ihm aber der 
Herr durch, ſo wird er ſich wol fein debenlang hüten vor ſolcher S 
truͤbniß ſeiner Seelen. Er konte vor Thraͤnen nicht viel reden, 
war auch nicht noͤthig, weil mir ſeine Suͤnde und die Gewiſſens⸗ mn 
Seelen⸗Angſt darüber ſchon vorhin bekannt war. Solche Seelen, 
die ihre Sünden und den Zorn GOttes darüber anfangen zu fuͤhlen, 
kommen ſchon, wo fie treu bleiben, zu rechter Zeit zu dem Troſt und 
Reichthum der Gnade GOttes, davon heute über das 12 Capitel 
Jeſ. Vormittags zum Eingang kuͤrtzlich „und in der Wiede 90 5 
lungs⸗Stunde weitlaͤuftiger gehandelt worden. Gott ſey gelo⸗ 
bet für allen Segen, den er uns beyden und verſchiedenen aus der 
Gemeine auch heute ſchon aus dem füffen Evangelio von JEſu un⸗ 
eam Helende gefcjencet hae! Er affe Davon eine Frucht beiben 
bis in die Ewigkeit zum Preife einer Herrſhket : 


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ihm die froͤliche Botſchaft bringen 

Der Herr JEſus habe fie je u 


metz er wolte alsdenn gl 
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nicht eher ruhen 08e d mmen waͤre: gi 


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iche Mächte würde er 


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el vielen andern Leu⸗ 


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te fie, doch daͤchte 5 duͤrfte man fie. nicht gantz ver⸗ 
sie ſagte auch von ihrer EEE ieertehler, wie noch 


Se Des 2. Eh nit ai Aae icht 5 
ne + ndern noch zwey andere aus den N 


der 


Helma abet 912 liebe 1 8 im⸗ 


eg: 5 . ergaͤ⸗ 


* wie 05 Anno 38. 


Lan. 


2200 Diarium, 


140. 


Den sten. Gegen den Nachmittags. Gottesdienſt bi achte 


‚mich (Belgium) mein liebe Ott wieder nach Hauſe. Ich war 


Anfangs in Willens, dieſen dag, als das Feſt der Erſch einung bri⸗ 


aus Gottes Wort præparixen konte. Die geiſtliche Arbeit iſt nut 
an ihnen geſchehen, und ihnen der Weg e Dei Goes bau 


Briefe haben, ſondern in dieſe Provintz Georgien kommen find; 
weil mir aber der jaͤmmerliche Zuſtand der Leute daſelbſt⸗die von den 
Schiff⸗Oapinaine zu Knechten auf etliche Jahre perkauft werden, 
muͤndlicher und ſchriftlicher Nachricht bekannt iſt, ſo habe ihnen allen 
in einer eigenen Stunde 90 er, was ſie aus Vorſorge der Herren 
Truſtees nicht nur vor den Knechten in Penſolvanien und Caroline, 
fondern auch por andern Knechten hier in Georgien voraus daten, 
damit fie durch ſolche Vorſtellung vor allem Murren, Widerſpen⸗ 
ſtigkeit und andern Unordnungen möchten verwahret werden. Wo 
fie fich wohl halten, fo werden fie es zu genieſſen haben, und Herr 
Cauſſon will alle mögliche Sorge für fie und ihre Kinder ahh 


1 Diarium. 
Auf meine Vorſtellung will er ei hulmeiſtern a 
Kleidern, Propiſion ꝛc. eine Vergeltung machen, wenn ſie ſich der 
a annehmen. Doch findet ſich hierzu keine andere Zeit, als im 


b 


inter fruͤh vor Tage, und Abends nach geſchehener Arbeit: der 


gantze Tag muß von Männern, Weibern und Kindern zur Arbeit 


— 


angewendet werden. Im Sommer haben ſie einige Stunden am 
Tage, wenn die Hitze zu groß iſt, frey, und konte alsdenn Schule 
gehalten werden. Ich bin um A BC Bader für Kinder, und 


m neue Teſtamenter und Bibeln für Erwachſene gebeten worden, 
die ihnen auch kuͤnftig, wenn einer von uns herunter reiſet, mitge⸗ 
bracht werden ſollen. Sie hätten es gern, wenn ihnen wenigſtens 


alle vier Wochen einmal das Wort des HErrn verkuͤndiget würde, 


welches auch mit GOttes Hälfe geſchehen ſoll. Kommen wir etwa 


unter der Zeit aus andern Urſachen nach Savannah, (wie bis her oft 
geſchehen müffen,) fd werden wir mit ihnen eine Abend⸗Betſtunde 
halten. Herr Cauſton laͤßt ſich alles ſehr wohl gefallen, und will 
den Saltzburgern, die mich oder meinen lieben Collegen zu dieſem 


n. f n 
Dien ten. Herr Cauſton iſts zufrieden, daß ich den Puris⸗ 
burgiſchen Schuhmacher Reck in unſere Gemeine aufnehmen möge; 


nur hat er mich der Heucheley des N., der auf meine Interceſſion 


aufgenommen worden, erinnert. Ich habe es ihm deutlich geſaget, 
daß er ſonſt nicht gut gelebt haͤtte, er ſey aber Vorhabens, anders zu 
werden, und ſich mit Ernſt von liederlichen Geſellen loszureiſſen. 
Dem Schuhmacher Neck ſelbſt habe ich nach meiner Wiederkunft die 
Sorge des Herrn Cauſton reterist, und ihm angedeutet, daß ich 


ihm keine Herberge alter Bekanten, vielpeniger Saufen, und un. 
ordentlich Weſen geſtatten wuͤrde ꝛc. Er gibt es gut vor, verſpricht 


viel, und muß man nun das Beſte hoffen. 5 
Ni. kam zu mir, und berichtete, daß ihm ein junger Saltzbur⸗ 

ger einige Schillinge Geld gebracht, womit er ihm einen Schaden 
habe gut machen wollen, woran er wol meinte Schuld zu ſeyn; er 
ey aber nicht Schuld, ſondern der Schade komme von einem an⸗ 

dern Zufall: daher er ſolches Geld zu behalten ſich Gewiſſen mache. 
Er bekam von mir Anweiſung, es ihm wieder zuzuſtellen, und wo 

Americ. IV, Sortſ. Dod dod 


RER 3 2201 
ung will er einem oder zweyen Schulmeiſtern an * 1738. 
ö all. 


zweck herunter bringen, Proviſion und taͤglich 1. Sh. zu Lohn ge⸗ 


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2202 Diarium. 


no 1738. erg nicht annehmen wolle, es zu mir zu bringen. Sein übe N 
* lan, 1 tes Gewiſſen mag aufs neue durch 81 5 


* 


Ottes Wort geruͤhret ſeyn, d 


her er ſich gern von allem, was ihm Unruhe machen kan, losmachen 


will, ob er wol ſelbſt ſehr arm iſt. N. will ſich noch nicht recht in 
göttliche Ordnung ſchicken, doch gefällt mir dis von ihm, 15 
lei, Seid, das ihm nicht gehoͤret, doch nicht annehmen und behal⸗ 
ten will, ie n e ee gl 0 ner 

W ell in den bisherigen Betſtunden die Capitel von den befon- 
dern Unreinigkeiten des Juͤdiſchen Volcks zu Ende gebracht ſind, ſo 
habe dieſen Abend überhaupt von dem Zweck, den Gott bey Vor⸗ 


ſtellung derſelben habe, geredet, welcher nicht ſeyn koͤnne, nur zu 


wiſſen, was fein. Volck fuͤr Unreinigkeiten und beſondere eckelhaft 

Kranckheiten gehabt, und was er dagegen fuͤr Mittel verordnet ha⸗ 
be; ſondern daß wir die Suͤnde, als die Qvelle alles, auch leibli⸗ 
chen Übels, und die daher kommende geiſtliche eckelhafte Unreinigkeit, 


um welcher willen wir von der Gemeinſchaft Gottes und der heili⸗ 


gen Engel ausgeſchloſſen ſeyn muͤſten, erkennen, und die Neini⸗ 


gung davon in CHriſto und feinem Verſoͤhn⸗Blute ſuchen ſollen. 


Zur Erläuterung und Application dieſer Materie wurde 1 Joh. k, 
7,10. Cap. 2, I. 2. vorgeleſen und mit wenigem erklaͤrt, daraus 
leichtſinnige und ſichere Menſchen gewarnet, die bußfertige und 
bekümmerte Seelen aber mit Troſt aus CHriſto aufgerichtet wur⸗ 
den. Nach der Betſtunde klagte mir eine gewiſſe Manns⸗Perſon 
daß er keinen Troſt faſſen koͤnne, weiler feine Jugend gar ſchaͤndli⸗ 
in Luͤſten zugebracht, und dem Deufel ſo viel gedient Hatte, und ietzt 
fen er ſo ein alter Baum worden, er wiſſe nicht, wie es noch werden 
würde. Ich redete etwas zu ſeiner Aufrichtung mit ihm uͤber den an⸗ 
geführten. ſchoͤnen Spruch, it. aus 1 Petr. 4, 3. 

Den sten. Der heutige Sonntag iſt mir und andern, wieich 
erfahren, durch die Gnade Gottes ein recht erqvicklicher und S 

gens · reicher Sonntag geweſen, Dafür fein heiliger Name immer un 

ewig muͤſſe gelobet und erhaben werden! In der heutigen Abend. 


Betſtunde, die heute nochmals in des Mediei Hütte gehalten wor⸗ 


den, wurde, wie ſonſt auch ſchon geſchehen dasjenige aus der Vor⸗ 
mittags⸗Predigt wiederholet, was wegen Kuͤrtze der Zeit in der or⸗ 


a 2203 
2 — —— —— 
ag nion ons. Stunde nicht ee re Die Anno 738. 


Kinder machten mir heute mehr Vergnuͤgen, al 
Die Rothenbergerin hat ehegeſtern eine 1 5 
geboren welche dieſen Vormittag oͤ fuel getauſek eurbe. 1 
Den gten. Der . am vergangenen Sonntage 
on Da wieder zu uns gekommen, um feine Arbeit vollig zu 
vollenden. eee alles zur Stadt gehoͤriges Land, auch alle 
elches wir laͤngſt We hatten. Er führte uns 
1 ee welches er zu ünſern Gaͤrten auszumeſ⸗ 
Seren, Es liegt im Winckel den der Savannah / und Eben Ezer⸗ 
Fluß mac et / und konte daher nach dem lan des Herrn Oglethorpe 
lich für die Salsburger ausgemeſſen werden. Es iſt eben fo viel, 
0 En iebepDe daraus von er wohlgelegenen Gurken e 
nnen. i 
4 ee 1 9 5 Woche find N göttüchem Beyſtand al alle die 
tande gekommen, welche zu unſern Waͤyſen und 
1 twe 1 alten nothwendig erfordert anden, Auſſer dem aus 
1 nſtuben und drey Kammern beſtehenden Wäyſenhauſe iſt 
gebauet 1) eine raumliche Küche, nebſt einer Speiſe⸗Kammer dar» 
f an; Deingrege Kühſtall fu die Kühe, ſo theils vorhanden, theils 


10 hner⸗ Stall oben drauf unter dem & 4) ein raum» 
h „Si mit drey beſondern Fächern für 4 A ‚für Kna⸗ 
und Magd ein 5) eine vaͤurnliche Huͤtte zur Mühle, Back⸗Ofen 
Zaſch „den wir noch aus der milden Hand Gottes er⸗ 

5 desc zu r Haushalkung unentbehrliche Gebaͤue haben ſo 

viel Si und Unkoſten erfordert, daß weder wir es uns, noch die 
auleute ſelbſt ſich ſo vorher vorſtellen koͤnnen. Es iſt aber alles fo 

beſt, ordentlich und begdem gebauet, daß iederman, der Verſtand 

onbat, 8h her een Ing a ich wonach bie Untoftenbe 


‚fen, Iſt nun gleich unſer Vorrath, den GOtt hierzu beſcheret 
. bar, und Ah etwas drüber, drauf gegangen, ſo iſts dem HErrn 
ein 


leichkes, ſo viel wieder zubeſcheren, daß wir in den Stand geſetzet 


bie jr pe | 


r Vorforge zu hoffen find ; 3) ein veſter Schweinſtall, | 


ans 


- Werben, niiniayme Kinder und unvermögende Witwen anzunehmen, an 


oder doch dieſe, fo etzt aufgenommen ſind, unter feinem Segen zu er⸗ 


halten. er dem gangen 12 hat der liebe GOtt allen 4 


dod dd 2 den 


2204 — — Diarium. 
den abgewendet, und die Arbeiter recht mercklich am Leibe geſtaͤrcket 


die denn auch ihre Arbeit allezeit Morgens mit Gebet angefangen und 
Abends beſchloſſen, uͤbrigens allen Fleiß und Treue, auch Einigkeit, 
als chriſtlichen Arbeitern gebuͤhret, zu meiner Freude und Foͤrderung 
des Wercks bewieſenn Ay “ 
Kalcher und ſein Weib ſind, da ſie nun aus des Medici Hütte 
in dieſe neue Wohnung zur Auſſicht der Kinder ziehen ſollen, in groſ⸗ 
ſem Kummer, und finden ſich aus der bisherigen Erfahrung zu die 
wichtigen Vorſteher/ und Eltern⸗Amte gantz untuͤchtig, ſo, daß ich 
nach allem Vermoͤgen ihr bekuͤmmertes und niedergeſchlagenes Ge⸗ 
muͤthe aufzurichten, und ſie auf die rechte Qvelle, woraus alle Kraft 
zu guten Wercken herzuholen iſt, hinzuweiſen hatte. Sie ſind m 
in meinem Amt in Abſicht auf die Anſtalten gleichſam die rechte 
Hand, und ſind durch GOttes Gnade ſolche Leute, die der HERR 
zu Gefaͤſſen feiner Barmhertzigkeit zubereitet hat, und ſie daher zu 
Werckzeugen ſeiner Gnade ſchon ietzt an den Kindern und andern 
braucht und brauchen wird. Und iſt mir daher gar lieb, daß ſie in 
ihren Augen immer kleiner werden, die Wichtigkeit ihres Amts im⸗ 
mer beſſer einſehen, und ſich daher defio ernſticher auf das Bitten, 
Suchen und Anklopfen legen. Sie richten die Oeconomie ſo or⸗ 
dentlich und genau ein, daß man fie wol andern zum Exempel vorn 
ſtellen koͤnte. Die Kinder, ſo ſie bisher unter Aufficht gehabt, find, 
durch GOttes Gnade viel artiger und auch im aͤuſſerlichen Verhalten 
viel manierlicher und geſchickter worden, welches uns gute Hoffnun 
macht, auch in Abſicht auf diejenigen, die ietzt dazu kommen. 
Saltzburger, Hertzog, hat theils durch andere, theils ſelbſt ange 
ten, daß er auch in dieſe Anſtalten aufgenommen und verpfleget wir» 
de, da er wegen natürlicher Einfalt und beſonderer Umſtaͤnde nicht 
im Stande iſt, ſein Brodt zu gewinnen. Die aͤuſſerliche Umſtaͤnde 
haben ihn zuweilen am Leib und Gemuͤthe miterable gemacht, und 
weil er nur verderben wuͤrde, wie alle, die feine Umſtaͤnde kennen, 
wohl wiſſen, ſo iſt er aufgenommen, und thut dem Kalcher bey der 
Haushaltung recht gute Dienſte, daer ietzt von ihm angefuͤhrt wird. 
Er fürchtet GOtt redlich, hat aber ſeine Schwachheiten, die man 
tragen muß. Der DENT ſey füͤr alles gelobe : 
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1 Diarium. 


2 — — ae ug ee 
Anno 1738. Kinder bey ſich, die ihr arbeiten helfen. ) Thomas Schweighoffer 
lan. 9. Jahr alt, 5 Maria Schweighofferin, 1 . Jau alt „ 60) rk 


Schweighofferin 5 und ei viertel Jahr alt, ſind die Kinder der vor⸗ 
gedachten vom Schlag gelaͤhmten Witwe. Der Vater ſtarb in Alt⸗ 
Eben Ezer den 2 1. Mark. 1736 7) Suſanna Haberfehnerin 16. 
Jahr alt, 8) Magdalena Haberfehnerin 14. Jahr alt „ find Kinder 
eines frommen Oeſterreichers. Der Vater ſtarb den 29. Apr. 173 6. 
und die Mutter den 28 Oct. 1736. Das aͤlteſte Maͤgdlein iſt eine 

‚blöden Verſtandes, und muß noch in die Schule gehen, um ihr ei⸗ 
niges Erkentniß vom Wege zur Seligkeit beyzubringen 9) 3ohaih 
Jacob Helffenſtein, 12 Jahr alt, 10) Jeremias Helffenſtein, 10. 
Tec „ſind Kinder des Weißgaͤrbers, der unter dem dritt 


Transport zu uns kam. Er ſtarb den 23. Oct. 1736. und die 
Witwe führe noch unter uns einen erbaulichen Wandel bey groſſet 
leiblicher Armuth Sie hat auſſer dieſen zwey Kindern noch vier an. 

dere Die aͤlteſte Tochter iſt als Magd in meinem Dienſt; der al, 
teſte Sohn ſoll in der Stadt Savannah das Schuhmacher⸗Hand⸗ 
werck ler en, die mittelſte Tochter gehet der Mutter an die Hand, 
und der kleinſte Sohn von vier Jahren brauchet noch Mutter⸗ Pflege. 
11) Eva Roſina Unſeltin, 10. J. hr alt, iſt des alten Schulme 3 

der vor zwey Jahren mit feinem Weibe und vier Töchtern nach Pl 
risburg kam, jüngſte Tochter. Die Eltern ſind beyde todt. 12 
Margareta Huberin, zehn Jahr alt, iſt das von der gantzen Hub: 
riſchen aus ſechs Perſonen beſtehenden Familie noch übrige eintz 
Maͤgdlein, die noch unter der Aufſicht des Peter Grubers ſtehet. 
Auſſer dieſen Kindern wird auch für Grimmigers , eines ver⸗ 
witweten Oeſterreichers, Kind, Catharina, 2. Jahr alt, geſorget, 
und da es wegen geringen Alters nicht ins Waͤyſenhaus genommen 
werden kan, ſo wird, wie bisher geſchehen, die Rieſerin dafur aus 
der Armen Buͤchſe bezahlt, alle muͤtterliche Pflege an dieſem Kinde 
zu thun. Der Vater dieſes Kindes iſt faſt immer kranck und und» 
moͤgend, das Kind zu erhalten. Zu Erhaltung eines Kindes, wennn 
groß und klein gegen einander gerechnet werden, wird zum wenigſten 
3. Pf. Sterl. erfordert, welches zwar nach teutſchem Geld viel, aber 
hier zu Lande, da alles ſehr theuer, und das Geld rar iſt, kan wenig 
dafür gekauft werden. Es koſte nun die Erhaltung der a 
Be. 1 A: nſtal⸗ 


Diarium. 2207 


 Infialten und die Erziehung der Wänfenfo viel, als es immer wolle, Anno 1738 


ſo iſt doch dem lieben GHOtt an Einer Seelen mehr gelegen, wenn fie 


vom leiblichen, geiſtlichen und ewigen Verderben errettet werden 
kan, als an allen Schaͤtzen und Guͤtern dieſer Welt. Welch Elend 


8 waͤre dis, wenn unſre Waͤyſen um des Brodtes willen im Lande hin 
und her zerſtreuet wuͤrden, da ſie denn, wie andere elende Kinder, 
nicht nur in Unwiſſenheit, ſondern auch in Bosheit und heydniſchen 


SGeeueln aufwachſen, und kuͤnftig weder GOtt noch Menſchen nut ⸗ 


lich ſeyn wuͤrden. Denn unſere Saltzburger haben in ihrer Armuth 


gnug mit ſich ſelbſt zu thun, daß es ihnen füriego nicht möglich iſt, 
ae Waͤyſen etwas beyzutragen. Wir an unſerm 
Cheil h 


cheil haben nicht anders gekont, als dis Werck im Glauben zu wa⸗ 
gen, und erwarten nun die göttliche Approbation durch Verleihung 
feines Segens zur Erhaltung deſſelben. Der treue Heyland, der die 
Kinder fo hertzlich liebet, und ſie zu ſich gefuͤhret haben will, daß er 
fie ſegne, hat ja auch leiblichen Segen genug, und wird ſchon fo viel 


beſcheren, daß ſo wenige Lämmer, wie wir ietzt haben, und wol 


mehrere, werden koͤnnen erhalten werden. Es fiel mir geſtern bey 
Einſchaͤrfung der kindlichen Furcht und Liebe zu SOLL, die uns an 
dem Exempel EHrifki zur Nachfolge vorgeſtellet iſt, ein, was Pfalm 


30 23 11. ſt 


lauben fallen, und die Erfüllung deſſelben erwarten wollen. 


4 „Die gan e Einrichtung bey den Kindern iſt folgende: Fruͤh⸗ 
ſich ans darauf einer von uns mit ihnen ein Lied finget, und ein a⸗ 
pitel aus der Bibel, wie es in der Ordnung folget, vorleſen laͤſſet, 


tet, und mit ein oder ein paar Verſiculn aus einem Lied geſchloſſen 
did. Wenn fie ich, odlig angejogen haben, fo wied ıhnen, eis 
Das Frühſtück fertig ist, eine Arbeit, die ekwa in der Dausbaltung 


Seit. Nach dem Fruͤhſtück, (welches allezeit eine warme Speise it) 


dem Mittag ⸗Eſſen, wie auch nach der Nachmittags⸗Schule, die 


von 2. bis 4. Uhr iſt, werden die Knaben, die noch gar klein ſind, zu 
„ 0 „ Leger 


11. ſtehet: Die den SErrn fürchten „haben keinen Man⸗ 
an irgend einem Guten, welches Wort des HErrn wir im 


8 vor funf Uhr ſtehen fie alle auf, reinigen ſich, und kleiden 
e eee geredet, und zuletzt kniend ge⸗ 


fallt, gegeben, oder die etwas zu lernen haben, bekommen hiezu 
gehen ſie zuſammen in die Schule, die bis Mittag währe. Nach 


Ian. 


F ²·¹Ü—¹Üid x 8 

Anno 1738. einiger Arbeit entweder im Garten, oder ſonſt zu etwas nützlichen; 
lan. die Maͤgdlein aber zu weiblicher Arbeit, (dazu von nun an, noch mehr 
Anſtalt und gute Ordnung gemachet werden foll,) angehalten. he 

re Arbeit hat zwar, wie leicht zu erachten, nicht viel auf ſich, iſt 

aber doch um ihret willen, daß ſie bald von Jugend auf zu nuͤtzlichen 
Dingen angewoͤhnet und vom Muͤßiggang abgehalten werden, 

noͤthig. Wenn es Abend worden, welches jetzt gegen 6. Uhr iſt, 

werden fie in die Betſtunde geführet, und wird hernach das, mag 
catechiſiret worden, bey ihrem privat⸗Gebet nochmals wiederholet. 
Alles zu GOttes Ehren 8 
‚Den ııten. Ich hatte die Männer beyſam 


TJ 
; TER: £ 8 N N in nnd * 


ſo wol als das Maͤgdlein 


— 


ich als dienlich erachtet. Ihr fleiſchlicher Sinn fehnet ſich nad) Anna 1738 
Commoditat und mehrerer Ruhe fuͤrs Fleiſch, als ſie hier findet, und er 
daher wird ſie wol den Mann ſo lange dringen und treiben, biserfih 
gar zum Fortziehen von hier entſchlieſſet, da er ſelbſt im Chriſtenthum 
noch nicht veſte ift, ſondern es mehr in guten Gedancken und Bor» 
sten als in der That hat. Er hat bisher mit ihr fehr vieles ausge» 
ſtanden, und ihr alle Schuld ihres leiblichen und geiſtlichen Elendes 
gegeben, auch die herbeſten und greulichſten Vorwuͤrfe gemacht, daß 
wir uns, da ers uns geklaget, Darüber entſetzen muͤſſen. Penſl⸗ 
vanien und die vermeinten gute age daſelbſt liegen ihr im Kopfe, es 
3 ee gar ſehr fehl ſchlagen, und waͤre alſo gut, wann fie, 
ch 


ch warnen lieſſe. Das greulichſte dabey iſt, daß ſie in der aͤuſſerſten 
| 0 le enge Berderben bahıngufahren, und ilesdoch 
nicht glauben. bare de e 
BE: Ich be ſuchte heute H. F. Weib „ welches ſie ſelbſt unter Thr an en 
„für eine väterliche Negirung und Schickung GOttes erkannte. Sie 
legt in der Erkentniß ihrer Sünden tiefen Grund, und ſtehet als eine 
echt arme Sünderin in einem lautern und aufrichtigen Verlan⸗ 
gen nach ihrem Hell in E Hriſto, welches fie elſt aber noch nicht fn 
beten wollen, habe aber vor Kummer des Hertzens und Seelen⸗Noth 
Hande bekommen, wobey ich ſie eben fand, den ich ibr ſelbſt vorlas, . 
und ihr zeigte, daß der HErr Jeſus feinen leidenden und kͤmpfen 
den Gliedern darin das vorgebetet, was ſis nun durch feinen Geiſt 
nachbeten ſolten: dabey er ſie aus eigener Erfahrung der Erhoͤrung 
unter andern in den Worten verſichert: Wirf dein Anliegen (was 
Dir auf Dem Herzen liegt) auf den Seren, der wird dir geben, 
was dein Hertz wüͤnſchet. Ich redete darauf naͤher nach der Bez 
1 ihrer Uinfiande, und betete mit ihr fo einfaͤltig, als ich 
konte, welches aber der HErr ſegnete. ee 
Den 1 Iten. N. erſuchte mich geſtern, daß ich einmal bey ihm 
i echen möchte, ‚welches ich heute that 7 und mit ihm und ſeinem 
eibe ein gar nöthig Geſpraͤch von dem, was zum Selig. werden 
gehöret, führen. konte. Gott hat den Mann ſeit einiger Zeit 
durch ſein Wort Fräftig gufgewecket, und erkennet er jetzt gar 57 5 
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2210 Diarium. 


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Anno 7738 daß es ihm noch an der gründlichen Bekehrung und Hertzens⸗Aende⸗ 
Ian. ei fehlet, und daß er ietzt noch nicht mit Wahrheit fagen kan: 


ch weiß, an welchen ich glaube, und bin gewiß ꝛc. er ſtehet 


aber in dem guten Vorſatz, zu eilen, und ſeine Seele zu erretten. Das 


Weib hat eine ziemliche Zeit wegen ihrer Umſtaͤnde, da ſie theils 
kranck geweſen, theils eines kleinen Kindes geneſen iſt, nicht in die 
Kirche und zu der Betſtunde kommen koͤnnen, und merckt man den 
Schaden davon gar ſehr, indem ſie traͤger und ſorgloſer worden, dar 
her ich ſie heute auch zum rechten Ernſt aufzuwecken geſuchet. 

GoOtt hat uns durch die unvermuthete Ankunft des Herrn Thilo 


eine unvermuthete Freude gemacht. Er kam mit unſerm Boote, 
welches ſchon am Montage nach Provifion geſchickt war, zu uns, und 
brachte einige gar erfreuliche Briefe vom Herrn Hof⸗Prediger Ziegen⸗ 


hagen, Herrn Sen. Urlsperger, und Herrn Prof. Francken an uns 
mit, daraus wir abermal viele Materie zum Lobe unſers Erbarmers 


nehmen koͤnnen. Gott hat den lieben Herrn Thilo mit dem Schiff, 


welches aus Irrland Proviſion für dieſe Colonie gebracht, geſund 
und glücklich hergebracht, und hat er heute nebſt uns den HErrn für 
alle ihm wiederfahrne Barmhertzigkeit demuͤthig gelobet. Gelobet 


ſey der HErr, der uns unſers Wunſches eher theilhaftig gemacht 


hat, als wir haben vermuthen koͤnnen. In der Gemeine iſt über 
ſeine Ankunft eine ungemeine Freude entſtanden, zumal da ihnen ſein 

guter Character, den ich einmal aus einem Briefe des Herrn Prof. 
Franckens bekannt gemacht, noch im friſchen Andencken iſt. Dieje⸗ 


nigen Sachen, die er für ſich, für uns, und die Gemeine mitge⸗ 
bracht, ſtehen noch in Savannah, und wird bald Anſtalt gemacht 
werden, ſie abzuholen. Gott hat uns ietzt bey unſerm Mangel 
abermal deutlich gezeiget, daß ſein Bruͤnnlein Waſſers die Fülle 
habe, und hat er verſchiedene Wohlthaͤter zu verſchiedenen Liebes⸗ 
dg. 3 ‚ dafür er ſelbſt ein gnaͤdiger und reicher Vergelter 
eyn wolle. N re er, 

Den z4ten. Dieſen Morgen iſt mein lieber College, der Herr 
Boltzius, mit dem Herrn Thilo nach Savannah gereiſet, um 115 
und unſere Sachen ſelbſt abzuholen, und wegen des Herrn Thilo, 
was feine Proviſton betrifft, mit Herrn Cauſton zu reden. Er ge⸗ 
dencket morgen G. G. den Gottesdienſt in Savannah mit den Teut⸗ 


welches der ſo treue 


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2212 Diarium 


Anno 1738, rings herum, wie auch im Dache wider Wind. und Megen fehr wohl 


Ian. 


verwahrt, iſt mit zwey Kammern, und in beyden mit einem von di⸗ 
cken eichenen Brettern verfertigten Boden verſehen. Der Hof iſt 
von dem Garten mit einem veſten Zaun abgeſondert; auf dem Hofe 
findet ſich nebſt der Wohnhuͤtte eine raumliche Küche, nebſt einem 
guten Feuer⸗Heerd, ir. Schwein⸗ und Huͤhner⸗Stall, auch andere 
noͤthige Bequemlichkeit. Auf der rechten Seite uͤber der Straſſe ſind 
die Waͤyſenhaus⸗ Anſtalten, und hinter ſeinem Garten liegt der 
Platz, darauf kuͤnftig unter goͤttlichem Segen Kirche und Schule ſoll 
gebauet werden. e Rn ee 
Den 1gten. Ich (Boltzius) wurde nebſt dem Herrn Thilo in 

Savannah langer aufgehalten, als wir uns vorher vorſtellen koͤnnen. 

Das Schiff ruͤckte erſt den Montag Nachmittage vor Savannah, 
und geſtern früh wurden feine Sachen in unſer Boot geliefert, daß 
wir erſt gegen Mittag wegfuhren, und heute um den Mittag mit 
Leibes ⸗ und Seelen⸗Vergnuͤgen nach unſerm lieben Eben Ezer ka⸗ 
men. Dasjenige, was an Geld und andern Sachen fuͤr uns und 
die Gemeine geſchicket worden, konte der Capitain des Schiffs noch 
nicht heraus geben,, ſondern vertroͤſtete uns damit bis auf die kom⸗ 
mende Woche, da denn alles abgeholet werden ſoll. Der Capitain 
Daubatz hat ſich gegen den Herrn Thilo ſehr freundlich bewieſen. 
Da ihm von uns erzehlet worden, wie gemeiniglich die Schiff⸗ 


Capitains mit ihren Paffagiers umzugehen pflegen, ſo iſt ihm ſein 


gehabtes Dractament zur Materie des Lobes GOttes und der Fuͤrbitte 
fur diejenige, die in dieſem Stück mit für ihn ſorgen helfen, gewor⸗ 
den. Er weiß auch von keinem Sturm oder Gefahr zur See zu 
ſagen. Herr Cauſton erzeigte dem Herrn Thilo alle reelle Gewogen⸗ 
heit, und war willig, die allovirte Proviſion, und Kuͤchen⸗ und 
Haus Geraͤthe, das ſonſt von den Herren Truſtees gegeben wird, 
für ihn 9 weil aber ießt das wenigſte im Store⸗Hauſe vor⸗ 
handen, ſo wird er es naͤchſtens bekommen. 8 e 
Mit den neulich angekommenen teutſchen Leuten hielt ich am 
Sonntage vor ⸗ und nachmittages in der ordentlichen Kirche Gottes⸗ 
dienſt. Vormittags trug ich ihnen uͤber das am 2. Sonntage nach 
Epiphan. gefällige Evangelium Joh. 2, I. fag: diejenigen Wahrheiten 
vor, die zunaͤchſt im Texte liegen, nemlich daß die Freunde des HErrn 
JeEſu in dieſer Pilgrimſchaft im geiſt⸗ und leiblichen ihre ro 15 


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1 Br nn 1 2213 

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Exempel der Mutter des Erin IEſu ſich im? 

Sehorſam üben muͤßten; die Hu 

ſtimmten Zeit, und werde uns alsdenn der HErr JEſus in Keiner 

Herrlichkeit und lieblichen . deſto groͤſſer und ale 
Zu AppligationyehEtärte ich ihnen, was zwiſchen der Noth und Ert 


Warten und 


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Anno 1738. 


Ian. N 


2214 | Diarium. 
auf EHrifium und die durch ihn geſtiftete 0 


rechte Haupt⸗Gut des Neuen Teſtaments, uns das Evange um 


anpreiſet, gewieſen. Heute hatten wir an dem Exempel jenes Ho⸗ 
henprieſters, daß der Verſoͤhnungs⸗Dag des Neuen Teſtaments un, 


ken Hohenprieſter zwar ein faurer und mühfamer Tag geweſen, aber 


aß derſelbe doch mit der größten Willigkeit dran gegangen ſey, uns 
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das Heil zu verdienen; wie willig wird er ſeyn, es den be 


armen Suͤndern zu ſchencken! item: Unſer en tie, f 
welches nach Hebr. 12. beſ⸗ 


heiligſte gegangen mit Gebet und Blut, we 

fere Dinge redet als Habels Blut, indem es ſchreyet um Verſoͤhnung 
und Gnade. Abermal ein herrlicher Troſt fuͤr bußfertige Seelen, 
die ge ne ſelig werden wollen. . ren > 
Die Liebes⸗Wohlthaten des HErrn, welche uns durch die 
Haͤnde unſerer rechtſchaffenen Vaͤter in Oriſto, in London, Auges 
purg und Halle abermal reichlich zugefloſſen find, werden wir naͤch⸗ 


ſtens aus dem Schiffe empfangen. Zum Voraus haben wir aus ih⸗ 


ren Kraft und Safe polſen Briefen duch Dismal vieles zuunferer Err 
bauung , Troſt und Unterricht zu nehmen. Alles wolle der treue 
Gott, deſſen Guͤte alle Morgen uͤber uns neu wird, an uns ſegnen 


zu ſeinen Ehren und unſerm wahren Heil; aber auch ein reicher Ver⸗ 


gelter um CHriſti willen ſeyn alles deſſen, was uns von ihrer Liebe 


und Vorſorge an leiblichen und geiſtlichen Gaben bisher zugefloſ⸗ 


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1 Den 1oten. Eine unbekannte Wohlthaͤterin aus London I 
den beyden Schweſtern, die unſere Gehuͤlfinnen ſind, ein angenehm 


frech) 


Geſchencke von allerley fur ſie nuͤtzichen leinenen Sachen hergeſchickt, 


die heute Herr Thilo überliefert hat. Der dabey geſchriebene Brief 
zeiget, nebſt der aufrichtig geneigten Gabe, von dem herrlichen 
Schatz des rechtſchaffenen Weſens und der hertzlichen Demuth, die 
in dem Hertzen dieſer unbekannten und im HErrn ſehr lieben Wohl ⸗ 


thaͤterin wohnet, und iſt die Erbauung, ſo wir alle dabey zum Lobe 


des HEren gehabt, mehr werth, als die Wohlthaͤterin die herge⸗ 
ſchickten Sachen nach ihrer Demuth und Geringachtung der zeitlichen 

inge zftimiren mag. Der freundliche JEſus, der fie mit feiner: 
Nebe erfuͤllet hat, davon ſie auch auf feine arme in der Wuͤſten lebende 
Glieder ſo lebreich aucfieſſet, ſchencke ſch Ab ferner mit den dien 
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er feines Heils zum Wa n Eigenthum ihrer f e 
einfältigen Vergeltung wuͤnſchen wir und ge G 
liebwerkhen Perſon das Hertz und den Schatz der 
Marien, Luc. 10, 42: Und wie mir das überaus koͤſtliche Lied: 
Eins N 15 ach Seer! dis Eine 2c. heute bey den Kindern 
ht erbaulich geweſen, fo ſchicken wir ihr daſſelbe zum Andencken 
unſerer Lieb eund H bochachtung. Der HErr Jeſus erfülle alle ſeine 
Kinder mit dem Geiſte des Glaubens, der Liebe und der Demuth. 


hulfinnen dieſer 


ſchrieben, darin er mich einiger Dinge erinnert, die mich auf 


liche de 
| lebe Got meinen armen! dienſt an ihm geſegnet habe ꝛc. wofuͤr der 

Name des HEern gelobet ſey! Er wolle dieſen Herrn N., der mir 
ietzt nicht mehr bekannt iſt, in der empfangenen Gnade treu, und ihn 


zum Geſfaͤſſe feiner Barmhertzigkeit und Werckzeuge feiner Gnade 
1 e Wohnhauses daſelbſt, 


e an ihm einen rechtſchaffenen und treuen 


Den 20ſten. Es wurde mir an zwey Perſonen kund, daß der 
88 t in einer Abend⸗Betſtunde die wenigen Worte: Habe 
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tigan 1 76 eſegnet hätte, alle Tage der In alt ihres 
Gebelks ſeh. Es wurde bey Gelegenheit des 1 öten Eapitels des zten 
Buchs Moſis, da wir uns des ſauern Leidens⸗Tages des HErrn 
Ef erinnerten, einem ieden unter uns Ben aus dem Munde 
und Hertzen des Herrn SEfu zugeruffen: Mir haft du Arbeit 
| in deinen Suͤnden ıc. und teir ermunterten uns, dem 
‚Erin IEſu, unſerm hochberdienten Heßlande, wieder zuruffen 


Mund und Lippen⸗Werck ſeyn fol . 
In der PH Abend⸗Betſtunde wurde der Brief des Heun 
Sen 5 16 ers, 


cher Uer göttlichen Segen ſolchen Eindruck gegeben, daß ich ie⸗ 


Dirt: 3 2215 
nt Chat. einer Anno 1738. 
Ian 


Ott⸗ ergebenen 


e Studioſus Theologiæ qus Halle, Herr N. hat ein Briefgen 


Halle genoſſene Barmhertzigke GOttes und feine vater? 
kung guräc 8 Er erzehlet einfaͤltig darin, daß der 


zu fernen: Sade Danck für deine Liebe, welches aber nicht bloß 


den er digmal an unſere Gemeine geſchriehen, mit 5 
plication führenden Anmerckun en 1 0 115 5 


. aber ſagen hörte : Sie wolke nicht viel nehmen, daß 6825 = 


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Diariom 2217 


rechiſchaſſene Weſen und in die Gemeinfehaft des Hern Ju. Anno 1728. 
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Dies hat groſſen Nutzen, wenn man priratim mit einem ieden Kinde 
inſonderheit reden und beten kan, und wuͤnſchte ich auch um deßwillen 
von der Proviſions Laſt, die mich zu den öftern Reiſen zwinget und 
ſonſt Zeit wegnimt, los zu ſennůn nm. an 
HP. Floͤrel brachte mir einen Brief, den er an den On. Sen. Url 
ſperger geſchrieben hat, und mich um Einſchlieſſung deſſelben bat. 
Der liebe GOtt hat den erbaulichen Brief des Hn. Senieris, da er 
am neulichen Freytage zur allgemeinen Erbauung vorgeleſen wurde, 


an ihm geſegnet, wodurch er bewogen worden, etwas von dem, 


was durch den Segen Gottes in feiner Seele vorgehet, an denſelben 
zu ſchreiben. Alle Briefe, die von unſern lieben Vaͤtern aus Lon⸗ 
den und Teutſchland zu uns kommen, ſuchen wir uns bey der Ge⸗ 
meine wohl zu Nutze zu machen, wie denn auch geſtern Abend ge⸗ 
ſchehen iſt, und noch in etlichen Betſtunden gefchehen ſoll. Es wird 
inen nur dasjenige aus den Briefen bekannt gema 
fuͤr ſie ſchiekt, und zur Erbauung diener. 
Es wurde heute über das Evangelium am dritten Sonntage 
nach Epiph. Matth. 8, 1. ſqq. gehandelt vom rechten Glauben, und 
zor Erlaͤuterung und mehrern Einſchaͤrfung dieſer wichtigen Mater 
ie ein hieher gehoͤriges Stück aus der guͤldenen Vorrede des ſel. 
Lutheri über die Epiſtel an die Roͤmer in der Abend⸗Betſtunde vor⸗ 
geleſen und applicirt. Wie iſt doch bey Alten und Jungen aller 


Orten der Wahnglaube und das Vertrauen auf aͤuſſerliche Dinge, 


auf den Gebrauch der Mittel des Heils und bürgerlichen Gerechtig · 


t, was ſich 


keit eine ſo groſſe Hinderniß, zum rechten Glauben zu kommen. 


Gal. 5, 6. Dieſe Beſchreibung des rechten Glaubens in gedachter 


Vorrede iſt werth, daß man fie auswendig lerne, und ſoll ſie aus 
unſern Schul⸗Kindern beygebracht werden. u 


5, Denagflen, Cs wurde ung gefagt, DaB ein Glied der Ge. 


meine uͤber feine Sünden in ſolche Traurigkeit gerathen, daß es darin 
verſincken und auch wol in Leibes⸗Gefahr gerathen moͤchte. Ge⸗ 
ſtern Abend, da wirs erfuhren, war es zu ſpaͤt, demſelben zuzuſpre⸗ 


chen, daher ich dieſen Morgen in aller Fruͤhe Gelegenheit fuchte, ein 


Wort des Evangelii und des Troſtes an fein geaͤngſtetes Gewiſſen 
zu legen. Der HERR laſſe es geſegnet ſeyn! O wie leicht iſt die 
Afffffff S 


Americ. V. Sortſ. Sing 


2218 Diarium. 


— — 


Anno 1738. Suͤnde begangen, aber wie viel koſtet es hernach, wieder zur Gna⸗ 


de zukommen! An dis Exempel, wie auch an ein noch anders in der 
Gemeine, werde ich wol mein Lebenlang geden cken, und ſo lange mir 
die Augen offen ſtehen, vor dem Betrug der Suͤnde mit Liebe und 
Ernſt warnen, und den Frommen zurufen: Wer da ſtehet, ſehe zu, 
daß er nicht falle. ER L ' Nane 
JIn der Abend⸗Betſtunde laſe ich abermal einen erwecklichen 
Brief von denen, die dismal angekommen, vor. GOtt helfe doch, daß 
es bey den Bewegungen, die hieruͤber entſtanden, nicht bleibe, ſon⸗ 
dern daß es doch mit allen und ieden Ernſt und Wahrheit werde, und 
das Hincken auf beyden Seiten einmal aufhoͤre. n 
Den aaſten. Dieſen Abend in der Betſtunde habe ich (Gro⸗ 
nau) den Anfang gemacht zur Betrachtung der Hiſtorie Neues Te⸗ 
ſtaments, und gedencke darin fortzufahren, ſo oft mein lieber Colle ⸗ 
e nicht zu Hauſe iſt, oder er gehindert wird, die Betſtunden zu hal⸗ 
en. Ich habe dieſe Arbeit im Namen GOttes gewaget, er wird mir 
auch beyſtehen. Ohne JEſu kan ich nichts; aber durch ihn vermag 
= alles. Ach mein Heyland, laß mich doch beydes recht glauben 
ernen ! | di RE 
Dienazſten. Dieſen Morgen befuchte mit dem Hn. Thilo ei⸗ 
ne krancke Perſon, welche uns ein gewiſſes died zeigete, und darin 
auf einen Vers mit Fingern wieſe, woraus wir erkennen ſolten, 
wie es gar finfter in ihrer Seelen ausſaͤhe. Herr Thilo nimt ſich 
der Krancken mit Chriſtlichem Zuſpruch ſo wol als im leibli⸗ 
chen an. Das iſt uns eine groſſe Freude, und die Krancken freuen 
ſich auch, daß ſte einen ſolchen Doctor bekommen, der ihnen nicht 
nur Artzney giebt, ſondern auch für ihre Seele mit ſorget. 
Dien 25ſten. Herr Thilo halt dafür, daß unſere Hütten, al 
wo die Luft ſo durchſtreichen kan, vieles zu der Kranckheit, die unter 
uns graßiret hat, eontribuiret haͤtten. Daher er nichts mehr wuͤn⸗ 
ſchet, als daß wir beſſere Huͤtten bekaͤmen, und um deswillen auch 
gerne ſaͤhe, wenn Hr. Boltzius bald zum Bau ſeines Hauſes thaͤte. 
Vielleicht hilft der liebe GOtt, daß er bald kan angefangen werden, 
1 da auch neulich einiges Geld zu dieſem Zweek iſt mitgeſchicket 
worden, e 2 eh | 


Den 


Den ayften. Vergangene Nacht find, unfere Boote anko 


4 4 


men, mein lieber College aber iſt noch unten blieben „ um Die Rech⸗ 
nungen völlig zu Stande zu bringen. Die Boote find fo gleich wie / 
der herunter gegangen, und werden mehr Propiſion holen. 


Den 28ſten. Gegen Abend kam das eine Boot wieder, und | 


m⸗ Anno 1738. 


Ian. 


brachte die Sachen herauf, ſo von England geſchickt worden ſind, 


unter andern auch drey eiſerne Muͤhlen und ein eiſern Rad dazu, wo⸗ 


GOtt ſey ein gnaͤdiger und reicher Vergelter alles deſſen, was wir 
ietzo 85 | 


n haben, und auch noch wird nachgeſchicket wenden! 


en asien. Dieſen Morgen iſt fo wol des Hans Floͤrels 


als auch Hans Maurers Toͤchterlein getauffet worden. Wir haben 
uns an dieſem gantzen Tage geſucht, aus dem Worte Gottes zum 
rechten Ernſt im Chriſtenthum zu erwecken. Der liebe Gott lege 
aus Gnaden feinen Segen darauf: 
Dien goſten. Des Abends in der Betſtunde hatte aus der 
Hiſtorie, wie die Maria die Eliſabeth heimgeſuchet, und wie Gott 


nit die Mühlen deſto geſchwinder umgetrieben werden. Der liebe 


darauf ſo groſſen Segen geleget hat; wobey denn gezeiget wurde, 


wie auch der liebe G Ott unſere Zuſammenkunft in den Betſtunden, 
und fſonſt, nicht würde ungeſeg net laſſen, wo es uns nur allemal um 


einen Segen zu thun ſey, welches und was ſonſt hiebey erinnert 
wurde, der 15 Gott nicht ohne Segen hat ſeyn laſſen, wie mir 


iſt bekannt worden. Der Herr ſey gelobet dafür, und mache uns 
allezeit recht hungrig; denn die Hungrigen füllet er mit Gütern ‚aber 

Die Reichen enen 69 
| a ziſten. Nach der Schule des Abends beſuchte ich ein 


Weib in unſrer Gemeine, welche mit ihrem Sohne ſehr felten in die 


Kirche kommt. Sie iſt wol nicht recht geſund, aber doch ſiehet 
man, daß ſie anders wohin gehet. Sie erzehlte, wie ſie ſonſt in 
ihrem Vaterlande im Oeſterreichiſchen ſo gerne gebetet und in GOt⸗ 
tes Wort geleſen haͤtte, und da ich fie fragte, ob fie es denn ietzo 
auch noch fo machte? ſo mußte ſie ſelber bekennen, ſie ſey ietzo nicht 
ſo ernſtlich. Daher zeigte ich ihr, wie fie daraus deutlich erkennen 


Foͤnte, daß es gar ſchlecht mit ihr ſtunde. Hatte Paulus, der es doch 
ſo weit gebracht in ſeinem Chriſtenthum, und mit dem wir uns gar 


179 5 1 
IN a 


wo Diarium. 


— — — 


Rune 1738. en vergleichen koͤnten, geſagt Meine Bruder 7 ib fehäge 


mich ſelbſt noch nicht, daß ich es ergriffen habe. Eines 
aber ſage ich, ich vergeſſe, was dahinten iſt, und ſtrecke 
mich zu dem, das davornen iſt; ey, wie vielmehr ſolten wir es 
uns einen Ernſt ſeyn laſſen: denn die Lauen, wie ſie ſelbſt aus de 

Offenbarung Johannis anzufuͤhren wuſte, wolte der Herr Jess 
ausſpeyen aus ſeinem Munde. Ob ich nun ſchon dergeſtalt mit ihr 
redete, fo merckte doch nicht, daß fie es etzt fo übel nahm, als fie 
ſonſt gethan, da man ihr geſagt, ſie koͤnte in ſolchem Zuſtande ah 

ſelig werden. Der HErr JEſus erbarme ſich ihren 


en FEBRVARIVS; e en 
Den ıften. Heute kam unfer groſſes Boot wieder an, und 


1 


| brachte einen Kaſten mit Büchern, Leinwand und Artzneyen fuͤr uns 


mit herauf. Es iſt dis wol ein groſſer Segen. Der liebe Gott 
wolle alles reichlich vergelten. O was thut der HErr doch an uns 
Armen auch hier in dieſer Wuͤſten! Wo ſollen wir doch anfa» 
gen, feine Wohlthaten zu erzehlen? O mein Gott, wir ſind zu ge⸗ 
ring aller Barmhertzigkeit und Treue, die du uns Elenden erzeigeſt! 


Laß deine Güte uns alle zur rechten Buſſe leiten, und laß uns dir 
wiederum uns hingeben in der Wahrheit zum Opfer, das da leben⸗ 
dig, heilig und dir wohlgefälligfey ! umen. 


Den aten, Dieſen Nachmittag kam ich (Boltzius) vom Re⸗ 
gen naß, doch am Leibe geſund, und am Gemuͤthe uͤber die erfahrene 
Güte und Treue des HErrn erfreuet, in unſerm lieben Eben Ezer 
wieder an, und habe ich aufs neue Urſache genug, den Nannen un⸗ 


ſers treuen Erbarmers fuͤr alle, mir und unſern lieben Leuten, er⸗ 


zeigte Guͤte und Wohlthaten zu preiſen. Meine Abweſenheit von 


der Gemeine hat ſich dismal länger verzogen, als ich gemeynet habe, 


i 


es ſind aber nun GOtt Lob! die Rechnungen völlig examiniret, ge 
ſchloſſen und unterſchrieben. Wir haben in der vorigen Zeit an der 
uns zukommenden Proviſion Mangel gelitten, der uns aber nicht ge⸗ 
ſchadet hat, indem es den armen Leuten ietzt uͤberaus gelegen kommt, 
zu dieſer theuren Zeit, da einige Lebens - Mittel auch für Geld nicht 
zu haben ſind die ruͤckſtaͤndige Proviſion zu bekommen. Hr. Cau⸗ 
ſton hat mir Fleiſch, Mehl, Reiß, Butter, Kaͤſe, Seiffe, ſo viel er 
' nur 


/ 


8 4 Diarium: ya 


nur Vorrath gehabt, gleic überliefert, welches ſch nahe am Waſſer Anno 1738. 


in ein leeres Haus bringen laſſen, damit die Saltzburger mit Abholung 


ſolcher Proviſton dem Store⸗Hauſe und Bedienten des On. Cauſton 
nicht beſchwerlich fallen, ſelbſt aufgehalten und neue Rechnungen 


Pebr. 


gemacht werden duͤrften. Den übrigen Reiß, Korn, Bohnen, Po⸗ 


tatoes und Syrop zum Bier, konte er mir noch nicht geben, ſondern 


will alles naͤchſtens ausliefern, wenn erſt das, was er an ſolcher Pro⸗ 


vision erwartet, in Savannah wird angekommen ſeyn. Bohnen 


und Korn iſt zwar etwas da, es fehlet aber zur Zeit an Haͤuſern, es 


einzufullen. In Purisburg bekommen wir auf ein paar Wochen ein 


f groſſes Boot, damit hinter einander alles herauf gebracht werden kan, 


und unſere Leute vom Ackerbau nicht ſo lange abgehalten werden duͤr⸗ 


ſen. Hr. Cauſton erwieſe mir abermal alle nur erfinnliche Liebe, und ließ 


ſich alle der Gemeine wegen gethane Vorſtellungen wohl gefallen, iſt 


auch erboͤtig, mehrere Lebens» Mittel auf kuͤnftige Bezahlung des 


4 5 


nenjenigen vorzuſchieſſen, die ſich fleißig und ordentlich unter uns er? 


weiſen würden. 


8 1 Sonntage predigte ich den Pfälgern in Savannah zwey⸗ a 


mal das Wort GOttes, und theilte einigen, die darum gebeten, ein 
paar Bibeln und einige Neue Teſtamenter, den Kindern aber AB C⸗ 
Buͤcher aus. Die Herren Druſtees haben dieſe Leute dem Hn. Cau⸗ 
ſton zu aller guten Vorſorge recommendiret, auch verordnet, daß 
denen, welche dem Roterdamiſchen Kaufmann ſchon etwas Geld 
fuͤr ihre Paſſage bezahlt, ſolch Geld wieder gegeben werden folle, und 
ſo einige ihre Paſſage den Druſtees ietzt bezahlen koͤnnen, follen ſie ihe 
res Dienſtes entlediget und frey werden. | 


Der Societät habe in dem letzten Brief vom 30. Jan. für ihre 


| Wohlthaten des uͤberſchickten Medici, der drey eiſernen Mühlen und 


unſers Salarii Danck abgeſtattet, auch von der Erbauung unſers 
Waͤyſenhauſes und Abſicht deſſelben kurtze Nachricht gegeben. 


Durch den Hn. Vernon dancke ich den Herren Truſtees gleichfalls 


fur alle uns bisher erwieſene Wohlthaten, inſonderheit, daß fie un 


ſern Soltzburgern an unſerm neuen Orte auf ſechs viertel Jahr Pro⸗ 


viſion geben laſſen, deren Rechnungen nun unterzeichnet waͤren, und 


nachſtens von Hn. Cauſton an Sie wurden uͤberſchickt werden. Ich 
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retommendire unſere armen Leute, ſonderlich zu dieſer theuren Zeit, 
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2222 Diarium. 
ihrer fernern Vorſorge und Gewogenheit. Auch gebe ich dem Hn. 


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W 1738. Vernon von unſerm Waͤyſenhauſe kurtze Nachricht. 


Den zten. Dieſen Abend wurde die Betſtunde im Waͤyſen⸗ 
hauſe gehalten, weil zur Austheilung der uͤberſchickten Gaben, die 
dieſen Abend geſchehen ſolte, hier beſſer Gelegenheit iſt, als in der al⸗ 
ten Huͤtte, wo ſonſt Kirche pflegt gehalten zu werden. Wir ſun⸗ 
gen mit einander das erbauliche Lied: Sey Lob und Ehr dem 
hoͤchſten Gut, ꝛc. Darauf ich etwas mit den verſammleten lieben 
Leuten über die ſchoͤnen Worte Pf. 68, 202. redete, und ihnen 
zeigte, weſſen wir uns zu unſerm guten Heylande, der auch für die 


Abtruͤnnigen Gaben empfangen, zu verſehen haͤtten, wo wir uns 


in feine Heyls⸗Ordnung ſchicken. Ich redete auch etwas von dem 
Nutzen der Pruͤfungen, nach welchen GOtt wieder erquickte; und 
fuhrte die Gemeine dabey auf die bisherige Erfahrung, auch ſonder⸗ 
lich bey der ietzt erhaltenen und noch zu erwartenden vielen Proviſion 
aus dem Store⸗Hauſe zu Savannah. Zuletzt fielen wir auf unſere 
Knie, danckten dem lieben GOtt für feine Güte, auch für die mit 
dem letzten Schiffe angekommene Wohlthaten, und riefen ihn ge⸗ 
meinſchaftlich um Vergeltung alles deſſen an, was uns von wohl⸗ 
thaͤtigen Hertzen zugefloſſen war. Darauf wurde der ſchoͤne Vor⸗ 
rath an Leinwand, welcher durch Vorſorge des Hn. N. hergeſchickt 
war, ausgetheilt, ſo weit es reichen wolte. Eheleute bekommen 
ein gantz ſchon zuſammen genehtes Stuͤckgen, und zwey unverhey⸗ 
rathete Perſonen muſten ſich in Ein Stuͤckgen theilen. Es wurden 


die Namen derer, die etwas bekommen, allezeit in ein Buch geſchrie⸗ 


ben, damit diejenigen, die dismal nichts empfangen, kuͤnſtig, 
wenn Gott wieder was beſcheret, bedacht werden koͤnnen. Den 
Kindern, die ſich wohl verhalten, und dem Evangelio Chriſti folgen 
werden, iſt dismal oͤffentlich verſprochen worden, mit Hemden von 
dieſer Leinwand beſchenckt zu werden, zu welchem Zweck zwey Stuͤck⸗ 
gen aufgehoben find. Zu Diſch⸗Tuͤchern für die Waͤyſen⸗Kinder iſt 
eines beyſeite gelegt. Zuletzt wurden fuͤr dreyzehn Saltzburger, 
Maͤnner und Weiber, die von Lindau noch America gekommen ſind, 
die 20 Fl. welche vom Hn. Pat. Rieſch zum Geſchencke geſchickt find, 
und nach Engliſchem Gelde 2. L. 6. Shil. 8. Pf. Sterl. ausmachen, 
ausgetheilet. Die Namen derer, die etwas empfingen, find fol 

5 gen⸗ 


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gende: Simon Steiner, Rap. Steiner, ede Kalcher, Eiſch⸗ Anne 738. 


berger und ſein Weib Maria, geborne 6 
ner und ſein Weib Maria, geborne Huͤrlin, Rothenberger und 
fein Weib Catharina, geborne Piederlin, Gabr. Maurer, Burg⸗ 
ſteiner, Chriſtian Riedelſperger. Die ubrigen, die auch von Lin⸗ 
dau hergekommen, ſind geſtorben, und alle ohne Zweifel ſelig. 
Jeder von dieſen Perſonen bekam 3. Sh. 7. Pf. Gott ſey ein rei⸗ 
cher Vergelter für dieſe und andere empfangene Wohlthaten, und 
erwecke uns alle zum Lobe feines Namens! i 
Dien ten. Der Feld⸗Meſſer iſt nun mit Abmeſſung unſers 
Landes bis auf diejenigen Aecker, die man Gentlemen Lots heißt, 
fertig, und verlanget von mir ein Certificat für feine gethane Arbeit, 


damit er in Savannah vom Hn Cauſton bezahlet wuͤrde. Er hat 


ſich in ſeiner Arbeit treu und fleißig bewieſen, und kan ich ihm daher 
d ar Cauſton ein gut Zeugniß geben. ER 


kalt, bald Sonnenfeein, bald Regen. Einige Leute mercken ietzt 
wieder das Fieber, welches aber doch nicht lange anhaͤſt. 


Den ten. Die Betſtunde im Wapſenhauſe des Abends nach 


demEſfen wurde nicht nur von Alten und Jungen fleißig beſucht/ ſon⸗ 
dern hat auch an vielen Seelen ſo wol heute als ſonſt vielen Segen 


zur Erbauung gehabt. Es wird hier theils etwas aus der gehalte⸗ 


nen Predigt wiederholet, theils ein erbaulich Exempel vorgeleſen, 


und mit gebogenen Knien zu GOtt gebetet. Wir haben das Ver⸗ 


trauen zu unſerm GOtt, er werde dis Haus, als fein Haus, dadurch 
legitimiren, wenn er in demſelben einige Seelen zu ſich ziehet, und 
andere in der empfangenen Gnade flach. 
Ich empfing Abends nach der Wiederholung einen Brief von 
Purisburg, darinnen ich gebeten wurde, den dortigen teutſchen und 
ftantzöſiſchen Prediger, Chiffelle, morgen zu copuliren. Mein lie 
ber College wird dieſe Verrichtung fuͤr mich übernehmen, weil ich 
hier, nach zuruͤck gelegter Reiſe von Savannah, einmal gerne län» 
ger bey der Gemeine bleiben, und meine Geſchaͤfte ungeſtoͤrt abwar⸗ 
ten moͤchte. Die Proviſions Sache macht mir noch immer viele 
Arbeit und Unruhe, GoOtt wird mich aber bald davon befreyen, 
an ! | wenn 


ng if ige fehr abwechselnd, bald warm, bald 


jedelſpergerin, Brand» Febr. 


Anno 1738. 
Febr. 


2224 Diarium. 2 


wenn erſt das, was uns das Store⸗Haus noch reſtirt, wird herge 
bracht und ausgetheilet ſeyn. BR 7 
Den sten. Die guten Leute, welche neulich etwas Leinwand 


empfangen, wiſſen nicht genug zu dancken, und den wertheſten 


Wohlthaͤtern dafür allen göftlichen Segen anzuwuͤnſchen. Der 


ſchoͤne Vorrath an Buͤchern, ſo in eben dieſer Leinwand ⸗Kiſte bey⸗ 
geleget war, iſt vieles Danckes und Lobes werth. Wir dienen da⸗ 
mit Jungen und Alten zu ihrer Erbauung, und ſuchen ſelbſt unſere 
Weide darin. Der Err laſſe ſich unſere hertzliche Segens⸗Wuͤn⸗ 
ſche zur Vergeltung ſolcher und anderer Wohlthaten zu feiner gnaͤ⸗ 
digen Erhoͤrung empfohlen ſenn? G 


| Be dr 
Ein Saltzburger invitirte mich, nach der heutigen Abend» 


Betſtunde, feine neue Hüfte, darein er heute mit feinem Weihe ge⸗ 


zogen ſey, mit Gebet und Wort Gottes einzuweyhen. Es fand 
ſich hier die gantze Nachbarſchaft ein. Nachdem wir ein Lob, Lied 
geſungen, laſe, erläuterte und applicirte ich die Worte des HErrn 
IEſu: Wo ihr in ein Saus kommt, ‚fo ſprecht zuerſt: Friede 
ſey in dieſem Sauſe. Zuletzt beteten wir um Segen fuͤr uns, 
für dieſe Hütte und unſern gantzen Ort, und gingen mit Segen 
und im Friede aus einander. Der Mann, dem die Hüfte gehoͤret, 
war uͤber den Nachdruck des goͤttlichen Worts, den er an ſeinem 
Hertzen empfunden, ſonderbar erfreuet, und verſicherte mich, daß 
er an dieſe Einweyhung fein Lebenlang gedencken werde. 
Eine Witwe von Purisburg, wie auch ein teutſcher Mann von 
Alt⸗Eben zer, der ein Knecht der Herren Truſtees iſt, hielten bey 
uns an, ihre Kinder in unſer Waͤhyſenhaus zu nehmen. Und ſo 
ſind ihrer wol mehrere in der Naͤhe und Ferne, die ihre Kinder bey 
uns wuͤnſchten. Es iſt aber ietzt noch nicht moͤglich, fo viel auſzu⸗ 
nehmen, als darum bitten, ſondern wir müffen erſt beſſer mercken, 
was uns der HErr für Fußſtapfen feiner Vorſorge und zugleich ſei⸗ 
nes Willens zeigen wird. Es iſt ohnedem gut, wenn man bey der 
erſten Einrichtung noch nicht mit Kindern uͤberhaͤufet iſt. Der 
HeErr thue, was ihm gefällt, und gebe uns Weisheit und Treue, 
in allem ſeinen Willen zu thun. IE) 1. ke 


Den 


ein, Maas 


C ESif uns aus Savannah ein.gaß frode 
Anickung unferer Krancken. Go De (ey gelobet für Diefe 


andere Wohlthaten! Die beyden Bruder Züblin, die vor einiger 
eit Purisburg verlaſſen, und auf Erlaubniß des Herrn Cauſton zu 
ins gezogen find, beweiſen in Sckaffung ihrer Seligkeit groſſen 
Ernſt, nachdem fie GO Tc aus ſeinein Worte erkennen laſſen daß 
zum Selig / werden mehr erfordert werde als aͤuſſerlicher guter Schein, 


unſtraͤflicher Wandel und gute Ubu gen, als daran es ihnen in der N 
vorigen Zeit nicht gefehlet hat. Sie find ſehr arm, und haben von 
e Bruder in Purisburg nicht die geringſte 


Be = Pichlerin kommt dem Tode immer naͤher. Es ſcheint, als 
ob ſie G Ott nun zur Eckantniß ihres Elendes und verkehrten Hertzens 
gebracht habe. Sie halt fich für einen nichtet 
erkennet, daß es Git mit ihrer langwierigen ſchmertzlichen Krank» 
heit ſehr gut meine, und ſie nicht wohl würde gefahren ſeyn, wenn fie 
See herigen Sicherheit dahin geriſſen hätte. Sie kommt 
ir als eine bußfertige gebeugte Suͤnderin vor, die nach Hülfe und 


Errettung in EHriſto feufse. GO helfe ihr doch durch, und 


ſchencke ihr ein ſelig Ende um CHriſti und feines Todes willen 
Den gten. Wir ſind des Vorhabens, kommenden Sonn⸗ 
tag zum heiligen Abendmahl zu gehen, daher mir die Zuhoͤrer iegt taͤg⸗ 

lich zuſprechen, und mir Gelegenheit geben, mit ihnen zu reden und 
zu beten. Ein junger Mann fragte mich, was ich meine, ob er doͤrfe 
um heiligen Abendmahl gehen? Er erkenne ſich zwar für einen ab⸗ 
ſcheulichen Sünden Wurm, er koͤnne aber noch nicht glauben, daß 
ihn der Herr Ieſus zu Gnaden annehmen wolle. Am neulichen 
Sonntage habe Gott zwar fein Wort an ihm geſegnet, daß er ei⸗ 


tigen Troſt faſſen koͤnnen, und ſey ihm auch noch geſtern Abend, da 


er ſich fo wol im gemeinſchaftlichen Gebet mit etlichen Kindern Got⸗ 
tes, als auch im privat Gebet vor dem Schlaffen⸗ gehen der Erbar⸗ 
mung GOttes empfohlen hätte, ziemlich gut geweſen; des Nachts 
1 ſeh er von einem ſchrecklichen Traum, als ſey er vor GOtkes 

ichterſtuhl mit andern Gottloſen zum ewigen Tode verdammt und 


— 


dieſe und alle 


ur einen nichtswuͤrdigen Wurm, und 5 


in ein unergründlich doch geworfen worden, zweymal hinter einan⸗ 


Trockene Aepfel Anno 1738. 


E 


2226 Diarium. 
— — 


Anno 2738. det ſchr erſchreckt und zaghaft gemacht worden. Er ſey zweymal auf⸗ 


Febr. 


Mann zu der Zeit, wenn ich in ſeine Huͤtte kommen würde zu rufen ver⸗ 


geſtanden, und habe zu GO gebetet, ſen auch wieder zu ein 
Gemüutbs⸗Ruhe gelangets es ſey ihm aber auch dabey vorgekomme 
als hatte ihm einer ing Ohr geſagt: Dein Beten hilft dir nichts, es iſt 
aus ꝛc. Ich wieſe ihn in dieſer Unterredung von allem, das ihm et⸗ 
wan einfallen oder vorkommen moͤchte, hinweg, und führte ihn 
auf das veſte und gewiſſe Wort GOttes, da er finde, daß 8022 
den bußfertigen Sündcen in OHriſto Gnade und Vergebung der 
Sünden verheiſſen habe; las ihm auch etwas von einem Manne vor, 
dem es der Teufel bey ie allerley Berſuchungen 
und Eingebungen ſauer gemacht, der doch aber endlich durch die 
Kraft EHriſti der re e Ich fügte 
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Blutes nicht ausſchlieſſe, ſondern eben die Muͤhſeligen und Belade⸗ 
nen einlade, und da er Kraft zum Kampf und Überwindung brau⸗ 
che, fo muͤßte er e alſo zunt heiligen Abend. 
Sent e die GO a 15 5 gf 
Geiſt, ein geängftes und zerſchlagenes Hertz wolle Gott nicht ver 
achten, ob es wol der gebeugte Suͤnder meine. 
Ein Weib klagte mir, daß ſie ſich zwar gemeldet haͤtte, zun 
heiligen Abendmahl zu gehen, ſte wußte aber nicht, ob fie es rong 
dürfte. So oft ſie an das heilige Abendmahl bee JubE fen 
Gebrauch die Zeit ſo nahe ſey, fo oft bekomme fiz einen ſolchen Schl 
und Stoß aus Hertz, daß ſie es ſehe fühle. Sie hatte vor ihrer Ars 
meldung GOtt mit Thraͤnen gebeten, er möchte mich regieren, fie 
abzuhalten, wenn ſie zu ihrem Schaden ſolte hinzu gehen. Ich fagte 
ihr aber, daß der HErr JEſus die armen Sünder rufe, fie anneh⸗ 
me und mit ihnen eſſeʒ num kůme es einem K 0 um 
den armen bußfert gen Sundern nach feinem Sinne umzug en ic 
Ihr Mann war nicht dabey, und kamen noch ein paar andere, die der 


f 


Prochen hatte, herzu, dg es denn Die Umftände des Welbes wie auh 
Neon been derten, das pierte Capitel Johannis zuverleſen und 

Basjenige, ugs darin zen bon der unpcemeinen 7 Ace 
Ef nach der Exrettung der Sünder, Se von ſeiner geoffer 
Sorten gegen das Sarmaritiiepe im Suͤnde EN 


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che Fick l Iran) Drugen ana 
. chland nie t ohne Se ö 


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rch ein aufgeklaͤrte 


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8 108 dem Sleiſche wandeln, ſondern nach 


Diarlum 


en, welches der Anno 1738; 

HERR m ſeyn! e ſie mir denn ſol, Febr. 
ches alle dur laͤttes Geſicht und Darreichung ihrer Hans 

| Wa Danckſagung für das verkündigte Evangelium 


ommet her zu mir, 
d hielt dem HErrn 


puch aus dem achten Capitel beffer auf ſie ſchicke: Es iſt nichts 


aber nicht vollbringen, ſondern dagegen ernſtlich kaͤmpfen, dabey 
als wenn ihnen ein Auge aus dem 
Kopf 


es ihnen oftmals ſo ſauer wurde, 


Ggg 999 99 2 


PN —— 7 
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Pr 


Febr. 


Anno 1738 Kopf geriſfen, Hand und Fuß abgehauen wür 


doch vol noch eine beam aa cn Suͤnde, und 


| fben Dreck: = = en Sr 0 man 810 u | 
Iſraels ſuchen, und es wird keine da ſeyn zr. Jer. 50, 20. Ich 


2228 1 Diarium 


ſelbſt Marc. 2 58 8 vorftellet) 05 ie 0 
her, icht wie bey lichen, aus t der, I, 15 0 ö 


liches Murren gegen den Geſetzgeber und 199 0 5 0 
aus einem allgemeinen und ernſtlichen Haß gegen Su e 
auch aus einer redlichen Liebe St, d den . Shot 
betrůbe n wolle, wenn es einem auch tauſendn al das Leben offen 

te und eben das mache einem Kinde GOttes fo viel ee 


ſich das Fleiſch noch rege e. Wo nun dis in der Seele vorg 75 
ich wußte, daß es in ihr vorginge, da ſen es ein Zeichen, 


CHriſto JEſu, und keine Verdammung an ihr ſey: denn Fr lebe 


nicht nach dem Fleiſch, ſondern nach dem Geiſte. Das! 
Pi de 0 5 aber auch der 32 75 s das he 


2 nicht ehe, was das Se wolle 3. 


will ihrer Suͤnden nicht mehr gedencken Jer. 3 7, 34. 
me mich, o HERRN „wenn ich an meine Suͤnden gedencke/ und er⸗ 
wege, wie deine reinen Augen alle meine Sünden geſehen 9 555 
Aber du wilt nicht nur vergeben und nichts ferner mehr aufruͤck 
noch zuͤrnen, wie ein Menſch thut; ſondern du wilſt ſo gar alles v 
lig vergeſſen, und thun, als wuͤßt ſt du nicht, masıc jemals in! en 
Jahren meines fündfichen Lebens verbrochen habe, fo, ich in 45 
und Ewigkeit als das liebe Kind alſo angeſehen werde, als he 
mein Lebetage nichts Boͤſes begangen. Denn du e ebe 
Sünde; ja keinen Fleck noch Run tel, fondern nur e 
Sohn und fein Blut, und alſo mitte Bil was bn ne); 
12 5 du mich. auch, wie deinen Sohn ſelber, 

"Fälle die Sund ins Meer Hua, . 

Muß fie wie e ein Nebel ſchwinden 


2 


" Diarionm, RENT en en 
EEE e e 


— — — 


f (77 Täter mir meine Suͤnde finden? eun;: 
Nein, , fie foll verge n kun, . EN 
13 5 Jetzo, a auf ewig hin ; 
1 Weil ich gantz in 96 u bin. 
Ein Mann dabey war gleichfalls fo ne und erbauet, 5 daß 


eenun ein Hertz bekam, auch mit zum Tiſch dez Herrn 30 gehen * 


er vorher gantz bloͤde und bekuͤmmert war. 

Die Landfelderin zeigte mir drey Spruͤche in der Bibel, diefie 
dem Herrn Sen. Helfperger zur Danekſagung für feine zu unferer Ge⸗ 
meine tragenden Liebe ſchicken wolte, und bat mich, ihr einige Zeilen 

ı fchi eiben, dazu ſie mir den Inhalt ſagte. Die Spruͤche waren: 


1 


Pf. 68, 20: Gelobet fey der G Errtäglich, G Ott legt uns ꝛc. 
. 575 19: Sie werden nicht zuſchanden in der böfen 


Seit 
Den roten. Wir haben den gantzen Sommer, Herbſt und 
Winter wenig Regen gehabt, ietzo aber ſcheinet eine Regenzeit ein? 
ns die dem Erdreich ſehr noͤthig thut. 
anftleben, ein Zimmermann, iſtentſchloſſen, nach Schle⸗ 
- fier in ein Vaterland zu reiſen, welche Reife ich nicht ſchlechterdings 
be mißbilligen und widerrathen wollen, da er mich verſichert, es 


en Schweſter zu dieſer beſchwerlichen und koſt⸗ 


M. 41,2: Wohl dem, der ſich des Duͤrftigen annimmt, 


2 Beinge ihn die aufrichtige Liebe zu feiner in Gefahr der Verführung. 
bſtthum leb 


tren Reiſe, „ meinet km des goͤttlichen Willens hievon uͤberzeuget 
zu ſeyn. Er laͤßt ſein Vieh, und was er ſonſt hat, zuruͤck, und hofft, 
ſo bald d als moglich iſt, „wieder zu kommen, und ſeine Schweſter mit 


aut bringen. Er iſt unter uns ein fleißiger und treuer Zuhoͤrer des 
271 Worts geweſen, dadurch ihn auch GOtt zur Erkaͤntniß 
nt ſelbſt und der Ordnung des Hepls gebracht, und ſteht er in dem 
e mit Ernſt durch die enge Pforte durchzudringen 
ſeine Seele zu erretten. Herr Cauſton iſt mit dieſer vorhaben 

den Reiſe wohl zufrieden. Mit diefer Gelegenheit werden wir und 


einige Leute aus der Gemeine an unſere Freunde und Wohlthaͤter 


ven a Jahren a ae mit Bitte, es in unſere Schule aufzuneh⸗ 


Der Schuhmacher Reck von Purisburg brachte ſein Soͤhnchen 


Ggg 9599983 men. 


— 3 — — — 


2230 Diarium. 


Anno 1738. men. Er muß es mit Lebens⸗Mitteln ſelbſt verſorgen, welches er auch 
Febr. wohl thun kan. ir e Tce. 

Den kiten. Ich mercke, daß der HErr Icſus in dieſer 
Woche auf geweſen iſt, einige Seelen zum Kampf und Ernſt des 
Chriſtenthums zu bringen; ich habe aber auch geſpüͤret, und iſt mir 
von einigen geſagt worden, daß der Satan gleichfalls auf iſt, ih. 
nen den Kampf und Erreffung ihrer Seelen auf alle Weiſe ſchwer zu 
machen, oder fie. gar davon, unter mancherley zur Leichtſinnigkeit 
oder defperstion führenden Schein, abzubringen. Nachdem das 
Gewiſſen bey einigen aufgewacht, ſo finden ſich unruhige Naͤchte, 
ſchreckliche Traͤume und Vorſtellungen ꝛc, ein, da ſie ſonſt gar ſicher 
geſchlafen. Einer kam vor Abends zu mir, und wäre wegen ſeines 
groſſen Suͤnden⸗Gefuͤhls gerne zufrieden geweſen, wenn ich ihn um 
deswillen, weil er ſich fuͤr einen groſſen Suͤnder haͤlt, vom heiligen 
Abendmahl zuruͤck gehalten haͤtte; welches ich aber nicht thun konte, 
da er dieſer geiſtlichen Seelen⸗Artzney und Staͤrckung bey ſeinen har⸗ 
ten Kämpfen gar noͤthig hat. Ich ließ ihn vor mir hin in die Betſtunde 
gehen, die wir mit denen, die zum heiligen Abendmahl geh 
ten, wie auch mit andern, Die herzu kamen, im Waͤyſenhauſe hiel⸗ 
ten, wo nach abgeſungenen zwey Liedern die en aus 
dem heiligen Matthaͤo verleſen, und kniend zu unſerm HErrn IEſu 
gebetet wurde. | a ee nie 
Dien ı2ten. Heute ſind 34. Perſonen am Tiſche des HErrn 
geweſen. Er verklaͤre feine JEſus⸗Liebe in allen, daß ihr Hertz und 

Mund mit JeEſu dem gecreutzigten recht erfuͤllet ſenhn 
Den 13ten, Die Pichlerin iſt dieſen Morgen vor Tage geſtor⸗ 

ben. Ich wurde noch geſtern im ſpaͤten Abend aus dem Bette zu ihr 
gerufen, ſie konte aber weder meinen Zuſpruch noch Gebet verſtehen. 
Sie hatte ic) in voriger Zeit eben fo gegen mich und mein Amt durch 
grobe Laͤſterungen verſündiget, als N., der Darüber ohne Buſſe in 
die Ewigkeit gegangen iſt: wiewol fie es auf ihrem Kranckenbette 
zuletzt immer gut vorgegeben hat. GO iſt ein heiliger GOT! 
Von derſelben Zeit an, da ſie ſich zum Anſtoß vieler in der Gemeine 
ſo ſehr verſuͤndiget gehabt, hat ſie am Leibe ihr Leiden, und bis an 
ihr Lebens⸗Ende ſehr groſſe Schmertzen gehabt. W. eh 


e 


3 Diarum 2231 | 

Ees ſind Kinder und Erwachſene jetzt gar gefchäftig , Durch den Anno 1738. 

Pal en Zimmermann Sanftleben Briefe nach England an uns Febr. 
M 215 


Johlthaͤter und an ihre Freunde zu ſchicken. Die neuliche 
)%%%ͤ«;ů¹ g ß ᷣ ee: 
rungen GOttes, die gewiß gut und heilſam find, viel zufriedener, 
als wol zu einer andern Zeit, daher wünfchen viele, daß die Ihrigen 
auch hier ſeyn moͤchten; wie ſie denn auch darum ſchreiben. Solte 
es der HErr fuͤgen, daß redliche Saltzburger noch ferner hieher ge⸗ 
ſchlest werden folten, ſo wurden ſte ihren debens linterhalt ſchon hier 
finden. Noch ſind ietzt viele Stücken Landes zu Gärten ausgemeſ⸗ 
1, die das fruchtbareſt 


Garten und nun auch ihre Plantationen haben. Weil die Planta⸗ 
tionen fo ſpaͤt ausgemeſſen find, fo werden ſie in dieſem Jahre, da die 
Vflantens Zeit faftvvor der Thüte ik, nichts darauf pflangen Föne 


2 ehr nützlich iſt⸗ der Stadt ein ſchoͤn Anſehen giebet, und nun alles fein 
laftiger und geſunder zu ſeyn anfange. 


Den raten. Ein Frantzoſe hat angefangen in unſerer Gegend 


b . ne a ebene Rum oder 


Brandewein. Ich ließ ihm durch den Schupmacher Neck melden, 
Was ich zu thun in willens wäre, nemlich mich erſt in Savannah zu 

beſchweren, und denn durch den Herrn Cauſton es weiter gelangen 
zu laſſen, damit ihm ſein Handel gelegt würde Auch wuͤrde ich der 
Gemeine ernſtlich unterſagen, ihm nicht das allergerſugſte abzu⸗ 
ade e ee ee daß ſie mir hierin folgen 

würden. Erließ mir gar gute Worte zur Antwort ſagen, und hat 
verſprochen, den ietzigen Vorrath von Rum wegzuſchaffen, und 


keinen wieder herauf zu bringen, er haͤtte nicht gewußt, daß es et⸗ 


was würde zu bedeuten haben. Wir ſind geſtern und heute mit 


ſſchreiben an unſere Goͤnner und Wohlthaͤter beſchaͤftiget gewe⸗ 


ſen, die Sm 
4 sven Landsleute im Reiche durch den Sanftleben hieher inwirirerr, 
ſchreiben auch deshalb einige Briefe. Solten ſich einige mn 


die das fruchtbareſte Erdreich in unferer Gegend haben, die aber 
von unſern Leuten nicht bebauet werden duͤrfen, weil ſie ſchon ihre 


gen. Inzwischen haben fie ſchone Stücken Landes um die Stadt 
erum ausgeheuen, und zum Pffantzen zubereitet, welches ihnen. 


je Sanftleben mitnehmen fell. Die Saltzburger lalſenstiche 


22322 | Diarium 


Anno 1738·ſo würden fie nebft Diefein Sanftleben gar Auf heikörmmen Fönnen, 
Febr. und an ihm einen treuen an Rathgeber und Mitbeter has 


ben. Sügte ichs, daß ein Transport herein geſhickt würde, und 
unfere Wohlthaͤter wolten auch meiner Mutter zur Herreiſe behuͤlf⸗ 
lich ſeyn, wuͤrde ich dem lieben SOLL ſonderlich dafür dancken. Viel⸗ 
leicht würde es (wie ich dem ſieben G Ott zutraue) zur Exret ng ihrer 
97 W Einen Schuhmacher und Schmidt haben wir 
ehr nöthig. N er 
Den sten... Des Sanftlebens Neiſe hat ſich noch einige 


Tage verzogen, daher wir noch an etliche Freunde Briefe geſchrieben 


haben Auch habe den Kaufmann Nr Eveleigh in Charles⸗Town 
gebeten, für den Sanftleben zu ſorgen, daß er mit einem guten Ca. 
pitain nach Londen Suu könne, und wein lieber College ſchreibt 
a 10 0 teutſchen ; immermann in Charles⸗Town zu gleichem 
Den ı6ten, Einige Tage her haben wir ſchön Frühlings 
Wetter gehabt, und find daher die Pftrſich⸗Baume ſehr geſchwinde 
voller Blühten geworden: ießund aber fället wiederum ein harter 
Froſt ein, den wir uns fo nicht verfehen hätten Die Witterung 
iſt ſehr unbeſtaͤndig. Unſere Leute haben ietzt ſchon die viele Pro⸗ 


viſion von Savannah herauf gebracht worüber ſich Herr Cauſton 


ſelber gewundert hat. Ich hatte alles, was mir Herr Canſton 
von der ruͤckſtaͤndigen Proviſſon geben konte, obgedachter maſſen 
in ein am Waſſer gelegenes Haus bringen laſſen, da es denn die 
Saltzburger, ohne im geringſten aufgehalten zu werden, abholen 
konten; auch hat uns das Trading⸗Boot, welches wir von Puris⸗ 
burg gelehnet, gute Dienſte gethan. Hätte man uns bald Anfangs 
mit einem großen leichten Boote verſorget, fo würde es wegen der 
Proviſton und Heraufbringung derſelben nicht fo viele Schwierige 
keit geſetzt haben, noch ſo iel Zeit verdorben ſeñnn. 
Dien ızten, Unſere Saltzburger haben viele Briefe verferti⸗ 
get, darinnen fie nicht gur ihre Zufriedenheit bezeigen, und über 
dem Guten, das ihnen bisher aus der Naͤhe und Ferne wiederfah⸗ 
ren, Gott preiſen, ſondern auch ihren Landsleuten und Freunden 
rathen, ihnen hieher nachzufolgen. Sie melden ihnen Dabey * | 


lulu. N AO 1 2233 


= erden und Cent gebe, A aber auch oil Diet Hates gu gu fin sn un 
Den 18ten. Mein lieber College „der Herr Voltus, iſt 
en Morgen nach Savannah gereifet, den Deutſchen daſelbſt 
tes Wort zu predigen. Der liebe Göttſermt hm, 2 
He nen Ehren gereiche !? 
i mme Witwe war heute bey mir, und klagte ü er die 
i und he ihrer nde ſie ſagte aber zugleich, daß fie ſolches deſto beſ. 
fer zum Gebet triebe, und daß G Ott ſchon oft dis ihr Gebet erhoͤret 
akte. Dieſer Tage habe ſie auch ein beſonder Anliegen gehabt, wor 
nn e lieben GOtt geflehet, und ihm vorgehalten habe: 
ja ein lebendiger und wahrhafter Gott, er habe ja zugeſa⸗ 
zer ſich der Witwen annehmen wolle, ſo moͤchte ers doch 
ego beweiſen, und die befondere Sache richten nach ſeinem 
W allen. Dis ſey des Abends geivefen, da fie fo e 
Se ehe habe fie Gott die Erhörung ih hres Gebets 
5 ger re Dis ſtaͤrcke ſie denn in Gauben, dug 60 
| Boa in Abſicht ihrer Kinder fie nicht werde umount beten 


1 rasen 10 Diesen Nachmittag iſtder Anfang bon der Pa ⸗ N 
ns⸗ Hiſtorie aus dem Johanne gemacht worden. Der liebe Hey ⸗ | | % 
laſſe es doch geſegnet ſeyn, und mache ſich uns als den gecreutzg ⸗ N ‘a % 
zen Ze ſümrech bekennt, Date id) Doch feinen Feinden zeta. 8 105 
nen 1985 wie viel mehr wird er es ſeinen Freunden thun, die ihn 5 109 N 
von | gangem Hergen ſuchen? 1 | h 
Dien 2ofen. Dieſen Nachmittag half mir (Volzio) der Herr Ike 
wieder nach Haufe.“ Wir fuhren dieſen Morgen gegen zwey Uhr von 
Savannah, und weil ich zwey gute Ruderer hatte, ſo erreichten wir | MER 
gar zeitig bey gutem Wetter unfer liebes Eben zer. Herr Cauſton | 1625 
| 35 
1 


15 mir abermal ſehr viele Gewogenheit erwieſen, thut auch an un⸗ 1 

fein Saltzburgern, was in feinem Vermoͤgen und feiner Ordre ge:. 5 Ing 

mäß iſt. Ich recbmmendirte ihm den nach Teutſchland reiſenden Eu 
nn Sanftleben, welches er wohl aufnahm, und ihm nah N n 


barles⸗ Town eine gute Gelegenheit verſchaffen will. Indeſſen . ir 
la Ar aus dem et Store⸗Hauſe mit Lebens Mitteln ber a 1955 


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2234 Diarium. 


Febr; geſtern abermals Vor⸗ und Nachmittags das Wet des Hen 
ne f Teſtamenter, Ge 
ng» und andere Bücher an. An den letzten beten ung, fd in 


Tr 
3%, “ 


zeit hat nur zu unſerm beſten gereicht. Da ich am E 
Ne ee e war, gab er mir Anweiſung zu So Faß 
Reiß, jedes von 500 Pfund, welchen unſere Leute von des Herrn 


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Diem. 2235 


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 Montaigue antation abholen ſollen. Ich gedencke oſt an den Ango m. 
Be 


Teft aus Pf. 8 1,14. 15. den wir vorm Jahr an unſerm Gedaͤchtniß⸗ 
i d MEEaSaaE DIE Inc GTZ. 
| het Ein frommes Weib findet ihren ietzigen Zuß and vollig in dem 


Liede ausgedruckt: Entbinde mich, mein Gott, von allen 


meinen Banden ꝛc. und weil ſie die Melodey gern lernen möchte, 
ſo bat ſie mich, es mit den Kindern zu ſingen, auf welche Weiſe ſie 
es bald zu faſſen hoffet. Die Lieder in unſerm Geſang⸗Buche find 


einige Glieder der 


2236 > Diarium. | WIEN | 

Anno 1738. Hand dieſe Worte geſchrieben „Den sten und 6ten Auguſt 15 37. 
Febr. „hat ſich mein lieber und treuer Heyland meiner in Site ; 
„und hat mir gezeiget, daß ſein Abendmahl mein Liebes ⸗Muhl ſeyn 


E 0 929 5 ? N 3 g . 
Den 25ſten. Jetzo laͤßt die harte Kaͤlte wieder nach, und 
wird es wieder gar gelinde und lieblich. Die Fieber ineommodiren 
ſchon ietzt wieder einige Leute, unter Kindern und Erwachſenen. 
Auch ſchien es geſtern bey mir zum Fieber zu kommen, wovon ich aber 
heute nichts mercke. In unſerer Familie hat es den gantzen Winter 
hindurch immer etwas gegeben, welches aber GOtt zu einem gar 
heilſamen Zweck gerichtet hat. Wir moͤgen auch ſagen: Es iſt 
mir lieb, daß du mich gedemuͤthiget haft, daß ich deine 
Rechte lerne. ie eee 2 eee 
9 Den 26ſten. An ſtatt der Sonntags ⸗Epiſteln wird ietzt aber 
mal Nachmittages die Paßions⸗Hiſtorie, und zwar in dieſem Jahre 
aus dem Evangelio St. Johannis, betrachtet, worzu mein lieber 
College ſchon vor acht Tagen den Anfang gemacht. Der treue 
Gott hat bisher allezeit auf die Leidens Betrachtung ſeines Soh⸗ 
nes einen Segen der Erbauung bey uns und andern geleget, er 
wird ſich auch wol dismal uͤber uns erbarmen. Es hat ſich in Ab⸗ 
ſicht auf unſer Amt ſeit vergangenen Sonntage auch eine Paßions⸗ 
Zeit angefangen, darin uns der barmhertzige GOtt beyſtehen wolle! 
In Briefen werden wir deutlicher ſeyn koͤnnen. 
Dien 25ſten. Die Kaͤlte iſt abermals ſeit geſtern ſehr groß 
worden, und alſo kommt der Winter erſt in dieſem Monat, da es 
vorher ziemlich leidlich, und nicht ſo kalt als vorm Jahr geweſen. 
Es wird ietzt viel Korn und Mehl inChalouppen von Neu⸗Norck 
und Penſylvanien nach Savannah gebracht, weil hier im Lande 
und in Caroline nichts gewachſen iſt. Vain te bie n 
Geſtern empfing ich einen Brief aus Savannah, darin ich er⸗ 
ſucht wurde, ein Kind einer teutſchen Familie daſelbſt zu tauffen. 


nach Gelegenheit der Umſtaͤnde ſeine jaͤmmerliche Blindheit und 
Bosheit aufdecken mußte. Man ſolte es nicht dencken, daß ſich 
eine ſolche Finſterniß in den Leuten bey der reichen Verkuͤndigung 
des göttlichen Worts finden ſolte, als ich doch . 
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Den 28ſten. N. war auf mein Begehren bey mir, dem ich 


) 


Diarium. 8 


nd an feiner Mutter finde, Es iſt ihm und ihr gang unteidtich egg 
ebr. 


wenn man ihnen darthut, daß ſie in dem ietzigen Zuſtande nicht 
ſelig werden koͤnnen. Wenn man mit ihrem Chriſtenthum nicht 
zufrieden ſeyn kan, ſondern fie hertzlich ermahnet, umzukehren und 
Buſſe zu thun, ſo ſehen ſie dis als einen Haß und Feindſchaft, oder 
wol gar als eine neue Lehre an, die ſie an andern Orten nicht gehoͤ⸗ 
ret, da ſey man mit den Leuten nicht ſo ſcharf umgegangen, man 
verdamme ſie nicht fo gleich ꝛce. Wenn der Herr nicht den Leuten 
die Augen aufthut, ſo bleiben ſie wol blind, und verderben in ihren 


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S MARTIVS. g 
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ches den Huͤhnern und anderm Vieh ſehr ſchaͤdlich iſt; daher mir ge⸗ 
rathen worden, dieſen Plat von ſolchem Baum und Buſch⸗Werck 
reinigen und ihn anpflantzen zu laſſen, zumalen, da es ein überaus 
ftuchtbarer fetter Boden iſt. Unſere Leute ſehen ſchon ietzt den Nu⸗ 
‚gen von denen um die Stadt herum ausgereinigten Stuͤcken Lan⸗ 
des, indem ihnen ietzt keine Huͤhner mehr; wie in voriger Zeit, weg⸗ 
kommen. Es iſt nun faſt alles veſt eingezaunet, und fie verſprechen 
ſich von ſolcher Arbeit, wo GOtt ſeinen Segen giebt, bey der Ernte 


Ni.iſt ein ſehr unbeſtaͤndiger Menſch. Er hatte ſich veſt reſol⸗ 
viret, nicht von uns zu ziehen, wie ihm wol vor einiger Zeit der 
Gedancke in den Kopf gekommen war, weshalb er wieder einiges 
Vieh, das er damals verkauft hatte, anfaufen wolte, ietzo aber 
redet er wieder vom Wegziehen. Er ſehnet ſich nach Penſylvanien, 
und verſpricht ſich da viel Vorzüge vor Eben Ser, da ihm doch hier, 
wenn er arbeiten wolte, nichts fehlet. Er iſt aber des Herumlau⸗ 
fens und unordentlichen Lebens in Teutſchland ſchon gewohnt, und 
alſo hat es ihm hier bange gethan, in einem Ort veſte zu ſitzen. 
Er wird wol endlich bey allem ſeinem eigennuͤtzigen Geſuch in ſein 
Ungluͤck rennen. P., der vor einigen Wochen ſein Weib 
durch den Tod verlohren hat, erzehlte mir das Vorhaben des R. 
„ ˖· ĩ —˙ ..Abbbbaaben und 


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Sa. 

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7 2238 Diarium. | 

0 | Anno 1738. und hat ſelbſt Neigung mit zu ziehen, wenn es mir nicht zu wider 


Matt. waͤre. Die R. wolle ſich des Kindes annehmen, als wenn es ihr ei⸗ 
f gen ware, und er wolte nebſt dem K. in Peaſylvanien gemeinſchaft. 
lich arbeiten, und gemeinſchaftlich haus halten, ſonſt koͤnne er ohne 
Weib bey dieſem unerzogenen Kinde nicht zurechte kommen. Pen⸗ 
ſolvanien ſey ihm von iemanden zu Savannah eingelobet wor⸗ 
den ꝛc. Ich ſagte ihm, daß, wenn er ſonſt keine Urſache wegzu — 
hätte, als weil er ein weyjaͤhriges unerjogenes Kind und kein Wei 
haͤtte, ſo ſey die lrſache wol nicht hinlaͤnglich, ich wolte ihm ſelbſt 
zu Erziehung des Kindes etwas zur Huͤlfe geben, da ſich denn leicht 
ein chriſtliches Weib in der Gemeine finden würde, es in ihre 
Pflege zu nehmen: uͤbrigens muͤßte er ſich behelfen, wie andere 
unverheyrathete Saltzburger thun muͤſſen. Ich warnete ihn für 
Ubereilung, und bat ihn, fein Vorhaben wohl zu überlegen, ſagte 
ihm auch, daß es dem Herrn Cauſton und unſern Wohlthaͤtern, 
die fo viel an die Salzburger gewandt, uͤbel gefallen, und es für 
ein Zeichen einer ſchaͤndlichen Undanckbarkeit halten wurden, wenn 
0 dieſe Colonie ohne zulaͤngliche Urſache verlaſſen 
wo te. > N ; j er 2 aan 7 K rA 
Den aten. Ich ließ nach meiner Schul» Stunde die beyden 
Maͤnner P. und R. abermal zu mir kommen, ihnen meine Meir 
uͤber ihr unbeſonnenes, undanckbares und anſtoͤßiges Verh 
deutlich zu ſagen. Ich habe ſie vor Schaden treulich gewarnet, 
und ihnen vorher geſagt, was ihr Wegziehen fuͤr gerechten Un⸗ 
willen bey unſern lieben Wohlthaͤtern erwecken würde ꝛc. Und 
weil mich P. geſtern bat, daß ich fein Vorhaben Gott vortragen, 
und ihm einen guten Rath mittheiſen möchte, auch R. 5 
von mir dieſen Morgen verlangete, ſo las ich beyden das 42. Ca- 
pitel Jeremiaͤ vor, wozu ſie aber nichts ſagten. Ich erinnerte ſie 
beym Weggehen dieſes Capitels abermal. Ich habe ihnen Urſa⸗ 
chen genug, in Abſicht auf die Gefahr ihrer Seelen und aͤuſſerlichen 
Umſtaͤnde, vorgelegt, die fie zurück halten koͤnten; fie erwaͤhlen aber 


in ihr Verderben rennen. Sie haben hier beyde keine Noth, har 
ben Proviſion genug, gut Land zu Gärten und Plantationen 
vor andern, auch etliche Stuͤcken bey ihren Haͤuſern, bie ſie ſelbſt 
ei | nur 


ihre Vernunft zum Regirer und Wegweiſer, und werden alſo wood 


Diarium. 2239 


neulich eingezaͤut | n vollig zubereitet haben, Anno 1738. 
deilen doch fo fort, daß ſie auch ſchon, miei bernehmen, ihre Mart. 


** 


land gehen wolten. B. e e 


ausſpey 
| lich aus einem Baterlande das üppige Tantzen, Spielen und an⸗ 0 
dere aͤrgerliche Dinge heraus getrieben haͤtten; denn er ſey 055 N 

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2 fade) ein wahres G hpaftaen.n ft ten, in ihnen 
Biel RAD ee a ‚und lieber 
59 m ee Ottes und an einem Orte Leben „ro Gelegen 5 
ey zu erretken, als in eine IN Wüſte zie Sieh 
ai und beſonders genug ee wie deim tut hehe 15 
mein lieber College dem P. Motel webe, abe 

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5 en e es für noͤthig und n Ina ice seh 
Herrn Cauſton von dem‘ orhaben de fade en a 
| u geben. Unſer Boot habe e 
Herrn . a6, Mihitafipn geſchickt, dacht einige n Nei I 
den ME. e ge Me 
Dien zten. Eine krancke Weibs⸗Perſon klagte wir, ie gla 

1 De Sie und ef lle vo Gemuͤths⸗ Kun her ae 
men: denne dee dee e etwiſſen rege 
worden, die ſie in ihrer Jugend begangen, da ie nemſſch an einem, 
9 Orte etwas, 1 15 die Kinder ſpielen, das aber ihr nicht 
7 DR deggenommen, und denn wieder weggeworfen 125 


latte eher keine Ruhe, „bis ſie es een und an deſſen ſtatt 


ei 8 anders einem armen Menſcheng gegeben hätte, wozu auch An⸗ 
5 Aa gemachet wurde. Am neulichen Sonntag ſey es he ſehr lieb ge⸗ 
weſen, daß mein lieber College in der Abend⸗Beiſtunde im Wayſen, 
hauſe dem lieben Gott die Jugend⸗Suͤnden i im Namen des HEırn, 
| I abgebeten hätte, welches ſich eben für, fie wohl geſchicket haͤtte, 

und ſey ihr dabey der Spruch eingefallen: Des Herechten u Gebet 


rmag viel (auch für andere) wenn es eryſtlich iſt. Ich wies 


ſte hiebey auf die vollgüllige Verſöͤhnung, die durch CHriſtum ger. 
| ſchehen ſey, der auch ihre Jugend⸗ Suͤnden gebuͤſſe et, und ihr, da ſie 
ein Mißfallen daran habe, und ſich zu ſeinem Ver eßhnunge-Dlute 

als eine arme Suͤnderin im Glauben 0 8 hertzlich gerne 

vergebe. Das Bekennen von dem ane 68 gemein ſchaftlichen 
f Gebets war mir ſehr lieb. Wer unter uuns mit Ernſtſelig zu werden 
tlachtet, und ſeine Noth und Gefahr. fühlen lernet, der macht ſich 
85 Anette. . Sortſ. * alles, 


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658 


er Jet 01 1 5 5 1 ge t N 
er 8 rn u in der Seele des nud lt ar 
ad. N t angehoͤret, und ir die getin 1 5 


2242 Diarium: 


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Auch hut 


es mach 


rtrag des goͤtt⸗ 
id gema⸗ 


ktwird. 


Vor etlichen Tagen ſchien es, als wolte es 


Dien gten. Unſere Saltzburger haben ſich laͤngſt etwas teut⸗ 
ſchen Samen, als Gerſte, Weisen, Korn, Haber, Buch⸗Weitze 26 
gewuͤnſcht, damit hier einen Verſuch zu machen; deſſen man aber 
nicht habhaft werden koͤnnen. Bald nach unſerer Ankunft in Alt, 
EbenEzer empfingen die erſten Saltzburger viel dergleichen Sam 
er war aber theils ausgefreſſen, theils ſchickte ſich das magere Erdreich, 

daſelbſt, wie auch der Mangel eigener Erfahrung in dieſem fremden 
Lande nicht dazu. Es wurde mir erzehlet, daß ſich in dem etliche 
mal ausgetheilten Korn, das aus Neu⸗Nork und Penſylpanien nach 
Savannah und von hier zu luce babe deere e 
ietztg dachten Samens gefunden haben, die ſie ſorg altig qusgeleſen, 
und in die Erde geſtreuet haben, welches, ſo es gufgehet und zur Reife 
„NN 
Mi 1 
DE ar 


u DD FE ZA SEES 


| Dieeium 2243 
kommt, künftig zu mehrerm Samen dienen kan. Vorm Jahre Anno 1738. 
haben es etlic anch I u erte e Haber gemacht, davon ſie N 
einige Hande voll bekommen, und ietzt etliche kleine Flecken damit 
beſaͤen koͤnnen. Mit Flachs haben fie es fleißig verſucht, und ver⸗ 
ſuchen es noch, es ſcheinet aber hier zu ſolchem Samen zu heiß zu ſeyn; 
der Hanf hat gar nicht fort gewolt. Vielleicht kommen ſie nach und 


nach zu meh terer Erfahrüngg . 
u. Wir fingen in der heutigen Abend⸗Betſtunde das 23. Capitel 
des zten Buchs Moſis an, dabey gezeiget wurde, welches nebſt dem 
Vorpbilde auf CHriſtum der naͤchſte Zweck der Feſte, ſonderlich der 
drey Haupt⸗Feſte, geweſen, nemlich ſich der vergangenen genoſſe⸗ N 
nen geiſtlichen und leiblichen Wohlthaten GOttes zu erinnern, und 
ihm Dafür beſonders und Öffentlich Danck⸗ und Lob⸗Opfer zu brin⸗ 
gen. Das ſey auch der Zweck unſers Gedaͤchtniß⸗ und Danck⸗Fe⸗ 
es, welches, nach der am neulichen Sonntag geſchehenen Anzeige, 
ommenden Sonnaßend gehalten werden ſoll. Damit nun der Feind 
keinem ſolch Danck⸗ Feſt zu ſchanden machen moge, ſo ſind die Zuhö⸗ 
ker herzlich gewarnet worden, um dieſer und jener Prufung und 
Noth willen ja nicht der genoſſenen Wohlthaten zu vergeſſen, oder fie: 
zu verkleinern, wie gemeiniglich geſchehe. Überhaupt erinnerte ich 
dabey, was für befondere Wohlthaten der HErr den Saltzburgern 
erzeiget habe, da er fie. aus dem geiſtlichen Egypten errettet, guter 
Leute Hertzen zu ihnen geneiget, die ſie bald aufgenommen und ver⸗ 
ſorgt haben, ja gantz fremde Leute, als die Engländer find, erwecket 
habe, auf ihre Überbringung von Teutſchland hieher, und auf ihre 
bisherige Verſorgung fo viele Unkoſten zu wenden; ferner, daß für 
Prediger und Schulmeilter geſorget ſen 3 daß ſie alle Freyheit und ſo 
An en geen, de ie, dee dee ee bing 
verwundern muͤſſe. Dieſer und dergleichen Wohlthaten follen fie 1 1 
erinnern, und ſich alſo zum Lobe des HErrn recht anſchicken. Auch 
las ich ihnen die vier Puncte vor, welche der Herr Secretarius 
1 den Herrn Senior Urlsperger von wegen der Herren 
Truſtees geſchrieben, und ſowol von der zu hoffenden Erbfolge des 
weiblichen Geſchlechts als von andern uns vortheilhaften Puncten 
gemeldet hat. Aus den Zeitungen des 1737. Jahrs, die wir letz⸗ 
lch erhalten haben , wache 10951 die gefährlichen Kriege, Über, 
e Iii iii ii 2 se ; 


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2244 NER Diarium AR 


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ihn. Sie ſind geſtern auch in der Betſtunde geweſen, und ſchienen 

darüber ſehr verwirrt und verdrießlich zu ſeyn, weil ihnen die thoͤ⸗ 
richten Urſachen ihres Weggehens benommen worden. 

Dien loten. Vergangene Nacht iſt Regen⸗Wetter und et⸗ 

was waͤrmere Witterung eingefallen, als wir etliche Tage hinter 
einander gehabt haben. Flachs, die aufgegangene Pfirſich⸗Baume, 
ausgeſchlagene Weinreben, und andere grüne Dinge, die nicht viel 

Froſt vertragen koͤnnen, find erſroren, weil die Kaͤlte zu harte war. 

etzo find unſere Leute ſehr geſchaͤftig, ihre Potatoes in die Erde z 
bringen. Herr Cauſton wolte uns f aug ai „konte 
ul aber keine bekommen, wir brauchen fie auch nicht, weil alle die 
1 | SamenPotatoes, welche die deute an unſerm Orte in die Erde ver⸗ 
56 | ER e weder durch Mauſe noch Froſt beſchaͤdiget find, 

o ſchoͤn friſch geblieben find , als fie fie eingegraben haben. Man 
I braucht zum Setzen oder zum Pflangen nur die kleineſten und duͤnne⸗ 
1 ſten, die in etliche Stuͤcke zerſchnitten werden, und kan man daher 
„ mit einem Bushel ein zemlich Stück bepflangen.  &o bald das Laub 

„ drey oder vier Schuh lang aus der Erde ausgewachſen iſt, (welches 
ohngefaͤhr im Monat May zu geſchehen pfleget) wird es enn 

0 . 8 Ara dich en, 


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n, und in die aufgehaͤufelte Erde geleget, fo daß beyde Enden auf Anno 1738, 
beyden Seiten des Haufens heraus ſehen, davon werden die Poka⸗ Mart. 
toes beſſer, als von den Wurtzeln. Weil Herr Thilo ein groſſer | 
Liebhaber von dieſen Wurtzeln iſt, fo wird für ihn der gange Garten, 
der zum Store⸗Hauſe gehoͤret, damit angepflantzt. In ſeinem 
Garten am Haufe wird allerley Garten⸗Zeug, als Peterſilie, Gur⸗ 
cken, Melonen, Kohl ꝛc. und was ſonſten in die Kuͤche gehoͤret, 
- angefaet, da hingegen der groſſe Garten von zwey Morgen mit Korn 
und Bohnen bepflantzet wird; mit welchem allem er nicht die gering⸗ 
fie Mühe hat. Die Potatoes haben nicht nur an den vielen Erd⸗ 
Maͤuſen, ſondern auch an Hafen und Hirſchen gefährliche Feinde, 
welche letztere ſo wol das Laub abfreſſen, als auch die Wurtzeln aus⸗ 
graben, daher die Leute dergleichen nicht weit von ihren Hütten pflan⸗ 
5 und immer daruͤber wachen muͤſſen. Vorm Jahr ſind die Ha⸗ 
ſen, die hier zu Lande gar klein ſind, in mehrere Gärten bey den Huͤt⸗ 
ten gekommen und haben an Kohl, Erbſen und Potatoes viel Scha⸗ 1 
den gethan, obwol die Zäune mit ſechsſchuhigen Schindeln oder ge 
ſpaltenen Palliſaden noch ſo gut verwahret geweſen ſind. Jetzt aber 
iſt dergleichen weniger zu beſorgen, da die vielen Baͤume und Gebuͤſche 
um die Stadt herum vollig abgehauen ſind. 
Dien krten. Heute feyreten wir mit einander unſer Gedaͤcht⸗ 
niß und Danck⸗Feſt zur danckbaren Erinnerung aller geiſtlichen und 
eiblichen Wohlthaten, ſo uns der gnaͤdige und barmhertzige GOtt 
auf unfeer Pilgrimſchaft zu Waſſer und Land reichlich erzeiget hat. 
Der Vormittags⸗Text war aus Pf. 33,18. 19. Siehe, des 
BS eErrn Auge ſiehet auf die, fo ihn fuͤrchten ꝛc. und der Nach⸗ 
mittags ⸗Text aus Pſ. 9, 10.11. Darum hoffen auf dich, die 
deinen Namen kennen ꝛc. In der Application machte ich mir bey 
den Zuhoͤrern dasjenige zu Nutze, was ich geſtern in denen nur neu⸗ 
lich erhaltenen Halliſchen Zeitungen vom Jahr 1737. geleſen, nem⸗ 
lich wie klaͤglich es an einigen Orten in Teutſchland in Anſehung der 
Lebens⸗Mittel ausſehe, im. daß in Regenſpurg eine woͤchentſiche Bey ⸗ 
f ſteuer für die Emigranten reſolvirt ſey, welche in der damaligen Noth 
wegen des Geldes und der theuren Winters⸗Zeit daſelbſt vieles aus⸗ 
ſtehen muͤſſen, und der Hülfe hoͤchſtbeduͤrſtig find, Man giebt ſich 
durch die Gnade Gottes alle Muͤhe, unſre liebe Zuhörer von den 
N Jii iii ii 3 8 vielen 


2246 Dierium: 


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vielen Vorzuͤgen, die fie im leiblichen und geiftlichen in 3 


Anno 1738. aus der Hand des himmliſchen Vaters genieſſen, zu Überzeugen, da⸗ 
Mart. mit ſie GOtt und Menſchen danckbar ſeyn. Gott gibt auch ſeinen f 


Segen, daß der intendirte Zweck bey vielen erreichet wird, und 
wird es den beyden Saltzburgern, die von uns ziehen wollen, von 
den meiſten in der Gemeine ſehr verdacht, daß fie auf ihrer eigenſinni⸗ 
gen Nefolution verharren. Redliche Seelen ſeufzen Darüber, wel⸗ 
ches ſolchen aͤrgerlichen undanckbaren Leuten nicht gut ſeyn kan. 
Ehe es noch jemand gewuſt, daß fie wegziehen wollen, haben fie 
plotzlich ihre Proviſton und Sachen verkauft, vielleicht um deswil⸗ 
len, weil fie beſorget haben, es moͤchte ihnen von den redlichen Leu⸗ 
ten widerrathen werden, welches nun weniger geſchehen kan, da ſie 
nichts eigenes mehr, als was ſie am Leibe tragen, haben. Es 
iſt mir heute bey Gelegenheit des Vormittags ⸗Textes eingefallen, 
was ich einmal in Alt⸗EbenEzer über die Worte Amos g, ın 12. den 
Zuhörern geſagt habe, wie elend es nemlich in Anſehung des Worts 


Söottes und der heiligen Sacramenten in Penſylvanien ſey, und 


was für eine geiſtliche Theurung das Land druͤcke ꝛc. und doch laufen 
nun dieſe in ſolche Theurung. a ee e 
Den 1ꝛten. Wir betrachteten dieſen Vormittag uͤber das or⸗ 
dentliche Evangelium am Sonntage Laͤtare Joh. 6, 1. gg. die 
hertzliche Vorſorge des Errn FEfu fuͤr die Seinen, da wir 
denn abermal Gelegenheit genug hatten, uns unter einander in der 
Predigt und Wiederholungs⸗ Stunde der vielen bisher genoſſenen 
väterlichen Wohlthaten GOttes danckbarlich zu erinnern, und uns 
im Vertrauen auf ſeine fernere Vorſorge ſo wol aus ſeinen 
Verheiſſungen als aus der bisherigen Erfahrung zu ſtaͤrcken. 
Und weil wir dis fuͤr eine beſondere Spur 2 60 en 
Worſorge des HErrn anzuſehen haben, daß er verſchiedene 
einer rechtſchaffenen Knechte in England und Teutſchland erwecket 
hat, ſich unſerer vor GOtt und Menſchen anzunehmen; ſo las ich 


der Gemeine in der Wiederholungs⸗Stunde etwas aus dem letzten 


Briefe unſers ſehr lieben Hn. Hof,⸗Predigers Ziegenhagens vor, dar⸗ 
innen er zu unſerer Glaubens ⸗Staͤrckung meldet, daß ihm unfere 
liebe Gemeine bey Betrachtung des Evangelü am ſiebenten Sonn 
tage nach Trinitatis, desgleichen am ısfen nach Trinitatis, bey den 


Wor⸗ 


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orten: Trachtet am erſten ꝛe. beſonders im Gemuͤthe geweſen, Anno 1738. 
dem er dis noch beyfüget: „Vielleicht genieſſen fie zu dieſer Stunde, Mart. 
v da ich dis ſchreibe, ſchon etwas von der Erfüllung der koͤſtlichen 
„Verheiſſung, ſo in ſolchen Worten liegt. „, Wer unter uns Au⸗ 
gen zu ſehen hat, der ſiehet und ſaget, daß der HErr groſſes an uns 
gethan, und taͤglich thue. Wir haben uns in dieſen Sagen mehrma⸗ 
len zugerufen: Groß find die Wercke des HEren ‚mer ihr achtet, der 
o » (((( © Cr 
Die zween Saltzburger, ſo wegziehen wollen, find am vergan- 
genen Freytag gegen Abend nach Savannah gereiſet, und haben al⸗ 
ſo muthwillig ſo wol unſer Gedaͤchtniß⸗ und Danck⸗Feſt, als auch 
den heutigen Sonntag, und zugleich alles geiſtliche Gute, ſo uns der 
HeErr dargeboten, verſaͤumet und verachtet. Ya) höre, daß fie- 
Dieſen Abend gar ſpaͤte wieder gekommen find, und wird man nun: 
bald erfahren, was fie bey Hn. Cauſton ihrer vorhabenden Reiſe we⸗ 


gen ausgerichtet haben EEE 
Den igten. Es giebt ſchon viele heimliche Papiſten in dieſem 
nd dem benachbarten Lande, die hier allerley Intriguen ſpielen und 
Ein Weib giebt es ietzt ſehr gut vor, wie kraͤftig GOtt durch 
ſein Wort an ihr arbeite, und legte ſie im Beyſeyn ihres Mannes 
ein ſchoͤn Zeugniß von der Erkenntniß ihres gantz verderbten Her⸗ 
tzens und von der unumgaͤnglichen Nothwendigkeit der Veraͤnde⸗ 
e wn 
In die Frau des N. kan ich mich nicht finden. Sie redet ſehr 
erbaulich und gruͤndlich vom Wege zur Selig keit und von der rechten 
Zubereitung zur ſeligen Ewigkeit, der fie wegen ihres Aiters immer 
näher kommt; und doch offenbaret ſich an ihr fo manches, das ſich 
mit der heilſamen Lehre nicht reimen laͤſſet, und kan man es auch 
nicht für bloſſe Schwachheiten und ſolche Gebrechen anſehen, die 
Kindern GOttes noch anzukleben pflegen. Die Zeit wird es nach 
und nach mehr klar machen, was an ihr iſt. Die Lehre vom Unter⸗ 
ſcheid der Natur und Gnade, und wie leicht es die Natur der Gna⸗ 
de nachzuaͤffen pflege, und es vielmal im Schein fehr weit bringen 


konne wird oͤffentlich und beſonders mehrmalen eingeſchaͤft. 


Den 


2248 Diarium. 8 
— —— — 

Anno 1738. Den ıgten. Ich erfuhr, daß Hr. Cau ton bed d Peer: vochl 
Mart. bende Wegziehen der zween Salgburger ſehr unwillig geweſe und 
darein gantz und gar nicht willigen wolle, es ſey denn daß ſie die 
Unkoſten, welche auf ſie gewandt worden, wieder erſetzen. Ich 

dencke auch, es ſey gantz billig, daß ſolche Leute nicht ihren Willen 
haben, wegzuziehen, wann es ihnen nur einfällt und gut ucht. 
Denn 1)ifts doch offenbar, daß ungemein viele Unkosten auf ſie ge⸗ 
wandt worden, ſie und ihre Sachen von Deutſchland nach England 

und von dort hieher zu bringen. a) Sind ſie fo wol mit Reiſe⸗Pre⸗ 

digern, als auch mit ihren ordentlichen Lehrern fo verſorgt word en, 

daß es ihnen nicht das geringſte gekoſtet hat, und gibt man ſich j 
alle nur erſinnliche Mühe, ihnen alles leicht zu machen, und ihr leib⸗ 
liches und geiftliches Wohlergehen zu befördern, und wird weder von 
ihnen noch ihren Kindern, die in der Schule in allem frey gehalten 
werden, die geringſte reelle Erkenntlichkeit und Vergeltung begeh⸗ 
ret. Daher iſts 3) eine undanckbare und unverantwortliche Sache, 
Lehrer verlaſſen wollen, die doch aus Liebe zu ihnen einen ſolchen 
Weg gezogen, und ihre Geſundheit und Kraͤfte zu ihrem Beſten, bis 

auf den letzten Blutstropfen aufzuopfern ferner bereit find, 40 Feh⸗ 
let ihnen hier nichts, und haben ſie ihr Auskommen beſſer, als die 
meiſten Bauers: Leute in Teutſchland unter ſtrenger Herrſchaft. 
Sie haben Provifion, Vieh, ihr eigen Land, alle Freyheit, die fie: 
nur auf chriſtliche Weiſe begehren koͤnnen. Kein Menſch plaget ſte, 

fie dürfen keinem Menſchen etwas abtragen oder zahlen, fie find mit 
GOttes Wort und den Heil. Sacramenten fuͤr ſich und ihre Kinder 
verſorgt, in zuſtoſſendem Mangel ſtehet man ihnen auf alle Weiſe 


aus der Armen ⸗Buͤchſe bey, man forget in Kranckheiten für ihre | 


mögliche Verpflegung, wie denn auch zu ihrem Bellen ein neuer 
Medicus mit vielen Unkoſten hergeſchickt iſt, nachdem ehemals Hr. 
Zwiffler, gleichwie nun Hr. Thilo, von der Societat einige anſehnli⸗ 
che Praͤſente empfangen hatte. Giebt es gleich bey dem vielen leibli⸗ 
chen und geiſtlichen Guten einige Prüfungen, ſo ſind durch Gottes 
Gnade doch ſchon viele uͤberſtanden, und den rechtſchaffenen See ⸗ 
len haben fie mehr genutzet, als geſchadet. Die Herren Lruſtees ſor⸗ 
gen auf alle Weiſe für dieſe Colonie, und koͤnnen wir uns ja 110 1 
kei⸗ l 


— N 


3 Diarium. = G 2 


N San Skin 9 5 die —— 8 we⸗ 
4 re: e ſeyn möchten / den Feinden kormidable zu 
10 den ſolche Han einem andern Orte, — 4 


af fine u ieh 
und mehr.£ebende | ittel vorhanden ſeyn, ſo iſt das Geld 
verdienen, deſto a; „da hingegen 


gen zu ſeyn, ſchickt fich dergleichen Wegziehen gar nicht, und kan 
ri daraus nichts anders, als Laͤſterung und Unterdruͤckung des wahr ⸗ 
chaftig Guten, fo GOtt bey dem Emigrations ⸗Werck hat, entſte⸗ 
hen. Jederman, der davon hoͤret, muß glauben, es ſey den Leu⸗ 
ten nicht um das Wort Gottes, und um die freyellbung der Reli⸗ 
gion, wie ſie vorgeben, zu thun geweſen, denn in u haben 
ſie es; fie muͤſſen ſich wol gern guter Ordnung und dem Gehorſam 
gegen die Obern entziehen wollen. Ich geſchweige 8) was ſolche 


r Schaden an andern Orten th thun wuͤrdenn Denn 


Weglaufer 

‚da fie ſich ker Omen machen, Gott und die Seinen durch ſolch 
undanckbares Verhalten zu betruͤben; was wuͤrden fie ſich für Ge 
wiſſen machen, von dem Lande und Einwohnern des Landes, das 

ſie verlaſſen hätten, 1 . We auszuſchuͤtten? zuma⸗ 
* da fie doch Urſache angeben muſten, warum ſie nicht da geblie⸗ 


ben. Ich halte dafur, Sr. Cue ſton habe (ehr wohl gahın, daß 

er in ihr Verlangen nicht gewilliget hat. Denn Undanckbarkeik iſt 
eee eine ſraſbare Sünde, und koͤnte, nebſt ihrem Eigenwil⸗ 
SM nd fleiſchlichen Han, nicht 15 erk beſagte Weiſe ab · 
Imeric. IV. 1 8105 ge⸗ 


Tage anadigere Obrigkeit wünschen; wi WIR Denn auch Das Der, z. mer 
rechen ha Ki age en NIA 
fuͤr ſie ſorgen wollen. Hr. Cauſton hat O 


eit finden? 9 Se | 


| etwas zu v in dieſem⸗ 
unde, wo keine Mohren ⸗Selaven ſind, ein ieder Taglöhner des 
Monats wenigſtens 25. Sh. Sterl. verdienen kan, und krigt voͤl⸗ 

lige Mrobiſton eder Kbeng⸗ Mittel dabey. 7) Für einen Salz 
bürger, der den Namen hat, um des Evangelii willen ausgegan⸗ 


— 
een 


5 o Diarium- 2 r 
| Anno.1738.Jefftaft werden. Solcen dieſe unariige Sente ihr Vorhaben br 
Mart. werckſtelligen,, und ihnen andere, auf ihre hergeſchickte Briefe, 
folgen, ſo wuͤrde unſer Häuflein und Gemeine, der Intention der 
Hochloͤbl. Societaͤt zuwider, (als welche 300. Saltzburger aufneh⸗ 
men wollen) nicht nur kleiner werden, ſondern es wurde ſich av 
die Gewogenheit der Vorgeſetzten in Kaltſinnigkeit ober er 
len gegen die uͤbrige Saltzburger alhier verwandeln, und alſo muͤß⸗ 
ten die Unſchuldigen der Undanckbarkeit und Bosheit ihrer weggelau⸗ 
fenen Landes⸗ Leute entgelten. Wobey nur noch beylaͤufig dieſes 
beyfuͤge: daß die Feinde der Wahrheit, wenn ſie von dieſer und 
jener emigrirten Saltzburger üblem und beſonders auch undanckba⸗ 
rem Verhalten in Europa und America hoͤren, und deswegen das 
Emigrations⸗Werck verdächtig machen wollen, ohne Grund hand⸗ 
len. Maſſen man noch niemalen hat behaupten wollen, daß unter 
dieſem Saltzburgiſchen Weitzen ſich nicht auch Unkraut befinde. 
Dieen rften. Dem Vorgeſetzten unſrer Waͤpſen⸗Kinder, der 
alle Dreue in Beſorgung ihres geistlichen und leiblichen Beſtens be⸗ 
weiſet, habe einige Vorſchlaͤge wegen der Oeconomie gethan. Die 
Speiſen, welche fie bekommen, werden von Mehl, Reiß, gemahl ⸗ 
nem Indianiſchen Korn, Bohnen, Kohl, Rind⸗ und Schweinen⸗ 
Fleiſch, wechſels ⸗weiſe dreymal des Tages wohl zubereitet, dabey 
Ä —— ſie allezeit gutes Brodt und kraͤftiges wohl gegorenes 
„„ Ver e nt Re en 
N. | Der Wind iſt feit geſtern fo heftig und kalt, als er mitten 
Na ‚IE im kalten Winter kaum zu ſeyn pfleget; die Luft iſt mir in Teutſch⸗ 
land um dieſe Zeit ſo rauhe nicht vorgekommen. Der Flachs, den 


40 uf die Leute geſaͤet, und der ſchoͤn aufgegangen war, iſt nebſt andern 
N.“. weichen Gewaͤchſen völlig verdorben. Man ſaͤet ihn hier ſo fruͤh, 

ol 99 9 —— eee der groſſen Sommer ⸗ Hitze zu ſehr gedruckt oder ver- 

N rannt wird. ; A 


ö Dtden rasten. Es ſind wieder einige Indianer mit Weibern und 
n Kindern an unſern Ort gekommen, die den Leuten fuͤr Reiß Stuͤcken 
RA. Fleiſch bringen. Ins Waͤyſenhaus brachte einer einen gantzen 
„ Hirſch, weil er vermuthlich geſehen, daß viele deute daſelbſt an ei⸗ 
Bir > nem Tiſch eſſen, und alfo mehr brauchen, als einzelne Perſonen. 
Man thut ihnen gern, fo viel in unſerm Vermoͤgen iſt, gutes, 17 


n Pi} 


Diariumer ie, 2251 
RS 


bekam am neulichen n Feſt 

—.—— Se ee — Fr 
wogen haben, en andern ei 

. und e Pellachocolas her, zu Pferde ebene: 


For 


kommen. Sie waren alle ſehr truncken, und hatten noch mehr 


bey ſich, daher ſie viel Geſchrey und Ungelegenheit machten. 
edreiſter, als wenn ſte nuͤchtern find, und forderten 


alſo, was ihnen nur einſiel, ſonderlich Brodt und Syrop, darein fie" 


das Brodt tunckten. Sie kamen ohne Flinten, welche ihnen wol ein 


8 5. Indianer, wie zu geſchehen pfleget, mit guter 


7 


Gemeine des Freytags, wofern auf ihrer oder meiner Seiten keine 


enommen hatte, damit ſie niemand Schaden thun 


5 
| fallen, wort w mir let worden, nach au lafenem 
Nauſch gu Da — 2 muß zu ſolcher gab abtollege, | 


dancken pflegen 
ertragen, und darf ſich keinen Unwillen und Miß 
fallen daruber mercken laſſen. 
Den ıztem Die ſtrenge Kälte hat nachgelaffen, u und haben 
wir heute einen recht angenehmen Tag gehabt. Es ſcheinet, als 
wolte ſich ietzt die Witterung völlig ändern, und alſo nach und nach 


ä —— 
5 bd ſo lange ſie an u Ort find, 1 
. — jun 8 ſo lange ſie an De find, auf Anno r. 


gar warm werden. Ich halte noch immer mit den Vorſtehern der 


Dinderniß vorfaͤllt, eine Conferentz über diejenigen Dinge ‚ die das 
. der gantzen Gemeine betreffen. 


Den igten. Dieſen Morgen gar zeitig reiſete mein lieber Col⸗ 7 


| lege nach Savannah, morgen mit den teutſchen Leuten daſelbſt aber⸗ 


mal den Gottesdienſt zu halten. Mit unſerer Abreiſe muͤſſen wir 
uns allezeit nach dem Auf und Ablaufen des Waſſers richten, daß wir 
juſt um die Zeit des hohen Waſſers oder der Ebbe in Purisburg ſeyn, 
ſonſt we uͤberaus beſchwerlich, wenn man gegen die Fluth fahren 

Wann das Waſſer e eee e. nicht zu hoch ange. 
rinchfernift; ſo merckt man die Fluth bis bey Purisburg. Mein lies : 


ber College nahm auch ein paar Bibeln und Arndts Buͤcher vom 


wahren Chriſtenthum mit, darum ſchon neulich ee gebeten 


| .. Der HErr begleite ihn, und laſſe durch das Wort das 


Evvangelii, ſo von ihm in ſeinem Namen verküͤndiget werden ſoll, 
dhe duden geſhafft weden Bi et tet aa hin sk Eu nun 51 


-n . | k E 2 a Ein 


) NR 


124 


u 


Anno 1738. 


200 Diarium. 


Ein frommer Saltzburger erzehlte mir, daß er dieſer Tagen in ; 
einem Büchlein geleſen, daß derjenige, der den Catechiſmum nicht 
gelernt, nicht ſelig werden koͤnne. Er haͤtte es ſeinem Weibe erzeh⸗ 
let, die daruͤber nicht wenig unruhig wäre, weil ſie in der Jugend 
zu keiner Schule gehalten worden, und ietzt falle es ihr ſo hart, den 
Catechiſmum mit der Auslegung Lutheri recht zu faſſen, ohne Aus⸗ 
legung koͤnne ſie ihn zur Noth wohl ꝛc. Das Weib war ſelbſt ge. 
genwärtig, als der Mann ſeinen und ihren Kummer ausſchüttete. 
Ich ließ mir das Büchlein und den angeführten Ort zeigen, da ich 
dann, wie ich wol ſchon vermuthet, den Ausdruck ſo hart nicht ſand⸗ 
als ihn der Mann gefaßt hatte. Die Frage war mit der Antwort 

ſo abgefaſſet: Wohin kommeſt du, wenn du den Catechiſmum 
lerneſt und darnach lebeſt? Antw. In den Sreuden⸗Simmel. 
Mohin kommen aber dieſelbigen, die den iſmum nicht 
lernen, oder darnach leben wollen? Antw. In die Soͤlle. 
Zu ihrer Beruhigung ſagte ich ihnen, daß es eine theure Wohlthat 
Gottes ſey, wenn er einem zum Schulgehen und Leſen⸗ lernen Ge» 
legenheit geſchencket, und haben Eltern an unſerm Orte dieſe Wohl⸗ 
that, die GOtt ihren Kindern hier ſchencke, danckbarlich zu erfens 
nen. Inzwiſchen ſchade es eigentlich niemanden an ſeiner Selig ⸗ 
keit, wenn er nicht leſen koͤnne, oder ein ſchwaches Gedaͤchtniß ha ⸗ 
be, die Worte des Catechiſmi voͤllig zu faſſen. Gut ſey es, wenn 
erwachſene Leute, die in der Jugend verſaͤumt worden, ſich noch 
unter Gebet zu GOtt, die Mühe machen, wenigſtens die fuͤnf Haupt, 
ſtuͤcke des Catechiſmi ohne Auslegung ins Gedaͤchtniß zu faſſen, wie 
auch einige unter uns gethan. Die Haupt⸗Sache komme aber auch 
bey dem einfaͤltigſten Menſchen, wenn er ſelig werden wolle, darauf 
an, daß er die Grund⸗Wahrheiten der chriſtlichen Lehre, die im 


OQͤctechiſmo zu finden, verſtehen und glauben lerne. Z. E. daß er 


nach Inhalt der gehen Gebote feinen Fall und tiefes Verderben; 
und zugleich nach Inhalt der drey Haupt⸗Artikel glauben lerne, daß 
der barmhertzige GOtt fein edles Geſchoͤpf, das aus Verfuͤhrung 
des Satans und feiner eigenen Schuld fo jaͤmmerlich verderbt ſey, 
durch feinen eingebornen Sohn habe erloͤſen laſſen, und nun durch 
feinen Geiſt an demſelben arbeite, es wieder zurechte zu bringen; da⸗ 
bey aber der Menſch die Mittel des Heils in der göftlichen Ordnung 
n freue 


Diarium. ö . 2253 


28833 muͤſſe. Ich bezog h bezog mich dabey auf einige ente Anno 38 i 
kannt gewordene ſehr einfaͤltige Perſonen niedrigen Standes, die Marte 
aber zur lebendigen Erkentniß ihres Heyls in CHrifto gekommen find, 
ob ſie wol weder leſen noch ſchreiben gelernet. Dieſes Weib iſt eine 
5 ee ee daruͤber ſie aber den noͤthigen Ernſt und Eifer 

im Gebrauch der Mitte — etwas hindan ſetzet, welches ihrem 

Manne nur Kummer und Kampf machet, daher ich von dem Erem. 

pel der Marthaͤ und Mariaͤ Luc. 10. etwas nach ihren Umſtaͤnden re ⸗ 

dete und mit ihnen das Lied las: Eins iſt noth c. 4 

Eine fromme Witwe ſagte mir, daß ſie vor etlichen Tagen die 2 
ſchönen Worte üben und verſtegen lernen: Meine Seele iſt ſtille 
zu GT, der mir hilft. Sie ſey in beſondern Umſtaͤnden gewe. 

ſem, dieſte in Gegenwart einiger Perſonen mir zu eröffnen Beden f 

E möchte s»der HErr aber hätte geholfen. f 
Den a0ten. Geſtern hatten wir ein bald vorüber gehendes | 

Deen de, und auf die Nacht einen Platz⸗Regen. Der Wind 
iſt geſtern und heute wieder ſehr ſtuͤrmiſch und kalt geweſen, und alſo 
will das liebliche Fruͤhlings⸗Wekter noch nicht recht anbrechen. Die 
Pferſich⸗Bluͤhten fallen groͤſten Theils ab, und find vom Froſt ver⸗ 
dorben. Einige Leute ſind wegen ihrer Potatoes, die ſie vor der 

lezten Kälte gepflantzet, in Sorgen, als ſeyn ſie in der Erde erfro⸗ 
ren. Man vermuthet aber, daß dis nur denen begegnet ſey, die nicht 

tief genug in die Erde versteckt geweſen. l . 

Ein teutſcher Mann, der vor etlichen Monaten einige mal 
Gottes Wort bey uns angehoͤret, und zu einem Erkentniß des wah⸗ 
ren Chriſtenthums gekommen war, ſprach bey mir ein 9 und erzehlte, 
daß er von der neu erbauten Veſtung dieſer Provintz, Auguſta ‚über 
Savannah⸗Town komme, wo er als Soldat in Dienſten ſtehe. Sie 
haben eine Schantze von Palliſaden, nebſt einem Haufe für den ; 
Capitain und Lieutenant, wie auch eine Hütte für die Soldaten er⸗ 
bauet übrigens iſt weiter nichts da. Von Indianern ſey auch gar 
nichts zu fürchten, fie harmonirten mit den Europaͤern vollig im 
Saufen, in Unordnungen, * in den unzuͤchtigſten Dingen, die 
keiner dem andern verarget. Er konte das ſchaͤndliche Leben und 
ie das er dort mit anf möfen, N entſetzlich ehe be⸗ 

rei⸗ 


“An 
. 


— 


2254 Diarium. Se 


Anno ry38.fchveiben. Weit aber doch noch auch einige Gerechte und Kinder 


Mart. 


G Ottes vorhanden find, die vor den Riß treten, ſo wird der barm⸗ 
hertzige Vater im Himmel ſein Gericht uͤber das Land und deren 
Einwohner wol noch zuruck halten. Man hoͤrt eben ietzt nichts 


mehr von dem feindlichen Vorhaben der Spanier gegen dieſe 


Colonie. W eee 
„Den arten. Vergangene Nacht war es abermal ſehr kalt 
und der Wind ſo heftig, daß die Schiffe auf der See, wo ſie die⸗ 
fer Wind trifft, einer nicht geringen Gefahr werden unterworfen 
ſeyn. Er iſt Nord⸗Weſt, und alſo denen völlig entgegen, die von 
England nach Caroline oder in dieſe Provintz gerichtet ſind. Mein 
lieber College kam doch dieſen Mittag geſund an, und GOtt hatte 


ihn in Savannah geſtaͤrcket, den dortigen Leuten ſo wol Vormittags i 
über das ordentliche Evangelium Joh. 8. als Nachmittags uͤber den 


„* 


beyuns in der Ordnung folgenden Paßions⸗Tert Joh. 19, 111. zu 
predigen. u | e ee denne 


Den ꝛ2ten. Von den Indianern haben wir wenig Nutzen, 


wenn ſie an unſerm Orte ſind, und iſt daher wol gut, daß ihnen un⸗ 

ſer Ort nicht im Wege liegt, ſonſt hätten wir ſie öfter hier. Ihre 
Hunde haben eines armen jungen Mannes Kuh faſt zerriſſen, und ſie 
zum Milchgeben untuͤchtig gemacht. eee 


Die Schweighofferin war ein paar Tage kranck, welche un 


ſtaͤnde fie ſich ſehr wohl zu Nutze gemacht. Bey ihr heißt es wol recht: 
Er (der HErr JEſus) muß wachſen, ich aber muß abneh⸗ 

men. Ich hatte bey ihr viele Erbauung, wie denn auch Kalcher 
und ſein Weib ſie als ein Kleinod werth halten, und von ihrem Ge⸗ 


bet und Wandel im Chriſtenthum nicht geringen Vortheil haben. 
Unter der Erzehlung ihrer Seelen⸗ Umſtaͤnde fiel mir die Predigt des 


ſel. Herrn Prof. Franckens, erſtes Koͤſtritziſches Denckmaal ein, wel⸗ 


ches ich ihnen allen zu lehnen verſprach, und daraus ſie hoffentlich 


für ihren Kummer und Anliegen feinen Unterricht und Aufmunterung 

bekommen werden. feen: Me 

Den 23ten. Unter den Kindern, die taͤglich von 2. bis 3. Uhr 

Nachmittags zum heiligen Abendmahl præparirt werden, finden 

ſich einige, die dem Evangelio gehorfam werden, r 
ö FR er⸗ 


} 


0 Diarium. | 2255 
Hertzen Platz laſſen wollen. Wir gedencken einige davon das naͤch⸗Anno 1738 
ſte mal, welches auf den grünen Donnerſtag ſeyn wird, der Gemei⸗ Mart. 
ne vorzustellen, zu confirmiren, und das erſte mal zum Tiſch des 
Herrn gehen zu laſſen, wo ſie noch ferner uns und andern zuverlaͤßi⸗ 
ge Proben eines geänderten Sinnes geben. 
Seit dem der Knabe Zettler beym Rupr. Steiner unter Auf 
ſicht iſt, iſt er ordentlicher und dem Wort des HErrn gehorſamer 
worden, daß man alſo wohl ſiehet, was anhaltende hertzliche Ek - 
mahnungen und gut Exempel fuͤr Eindruck geben. 127 mu 
Bey Gelegenheit des 25. Capitels im 3. B. Moſ. das in der 
Abend⸗Betſtunde zu betrachten folget, iſt den Zuhoͤrern unter andern 
gezeiget worden, was für ein gnaͤdiges Auſſehen GOtt auf die Ar» 
men habe, die er von den Reichen nicht gern wolle unterdruͤcken laſ⸗ 
ſen, um des willen er nicht nur die Erlaſſung der Schulden und der 
Knechtſchaft, ſondern auch die Wiedererſtattung des aus bitterer Ar⸗ 
muth verſetzten oder verkauften Landes weis lich und ernſtlich verordnet 
habe. Denn wenn die Reichen im Volck haͤtten einkaufen und beha 
ten doͤrfen, wie fie gewolt; fo wuͤrde es endlich fo weit gekommen 
ſeyn, daß mancher Armer aus Noth aus dem Lande ziehen und ſich 
alſo von der Ubung des rechten oͤffentlichen Gottesdienſtes, zu groſſer 
8 eh feiner Seelen, hätte entfernen muͤſen. Dabey hatte ich 
Gelegenheit von der guten Abſicht unſerer dandes⸗Obrigkeit, der Her⸗ 
ren Truſtees, etwas zu ſagen, welche bey der Verordnung, daß 
niemand ſein Land verkaufen dürfe, hauptſaͤchlich auf die Armen im 
Lande ſehen, die ſonſt bald verdrenget werden wuͤrden; wie ich mich 
denn hiebey nicht nur auf die Erfahrung in Teutſchland, ſondern 
auch in dem benachbarten Puris burg beziehen konte. Die Herren 
Truſtees wollen, wie ich ſie aufs neue mit den eigenen Worten des 
Herrn Cauſton aus ſeinem letztern Brief verſichern konte, keinen 
fleißigen redlichen Arbeiter fallen oder ſincken laſſen, ſondern nach 
Vermoͤgen beyſtehen, daher keiner durch Armuth bewogen werden 
darf, ſein Land und die darauf gethane Arbeit zu verkaufen. Unor⸗ 
dentlichen, leichtſinnigen, liederlichen beuten ſtund es im alten Teſta⸗ 
en wich nicht freun ae a ee team 


| Den 
u 


ii 


2256 Diarium. 
Anno 1738. Den 24ten. Der liebe Gott hat ſeit einiger Zeit dem Weibe 
Mart. N. viel Gnade zur Bekehrung verliehen, ſo daß wir uns, die wir ih⸗ 
ren vorigen Zuſtand wiſſen, hertzlich daruͤber freuen. Sie erzehlte 
mir heute eins und das andere von ihrem Seelen⸗Zuſtande, daraus 
ich ihr Wachsthum im Guten gar deutlich abnehmen konte. Sie 
verſicherte mich abermal, wie ſie wol ſonſt ſchon gethan, daß dieſe 
unſere Wuͤſten eine Gelegenheit zu ihrer Errettung durch GOttes 
Erbarmung worden, wozu es nicht wuͤrde gekommen ſeyn, wenn 
fie an ihrem vorigen Orte in Teutſchland geblieben waͤre. Sie wun⸗ 
derte ſich Über ihre vorige Blindheit, da ſie z. E es ihrem Manne 
verdacht, wenn er ſie zur Liebe der er rare —— 
BVoͤſen mit Gutem ermahnet, welches fie für unnoͤthig und unmöglich 
gehalten. II. fie hätte ſich in N. darein nicht finden koͤnnen, wenn 
andere ſich aus einem Bibliſchen Spruch etwas gemacht, und einige 
Erbauung darin gefunden haben, ihr hingegen ſey es ſo geringe und 
leicht als ein Menſchen⸗Wort geweſen; ietzo aber laſſe fie GOtt die 
Kraft feines Worts, Geſetzes und Evangelii wohl fuͤhlen. 
| Den 25ten. Eine Salgburgerin wuſte GOtt nicht genug zu 
dancken, daß er ihr zum Leſen lernen feinen Segen gegeben, welches 
ihr zur Erbauung fo groſſen Vortheil bringe. Eben dergleichen hörte 
ich vor wenig Tagen von einer andern, die auch wol dem, der ihr 
zum Leſen einige Anleitung gegeben, zur Vergeltung ſeiner Muͤhe et- 
was ſchencken wolte, wenn es nur angenommen wuͤrde. Die vor⸗ 
gedachte Saltzburgerin ruͤhmte ihre Nachbarin, daß ſie oft zu ihr kaͤ⸗ 
me, und ihr mit erbaulichem Geſpraͤch aus GOttes Wort, wie auch 
mit Singen und Beten, ſehr nüglich waͤre. Ihr Gemuͤth waͤre zu 
dieſer Paßions⸗Zeit unter der Arbeit immer mit dem leidenden Hey⸗ 
land und ſeiner Liebe beſchaͤftiget. Von dieſem Weibe mag man 
wohl ſagen, daß Demuth und Einfalt ihr Hertze regiret, und ſie zu 
der Weisheit, die himmliſch iſt, fuͤhret. Sie haͤlt ſich wol fuͤr das 
unnuͤtzeſte Menſch und ſchnoͤdeſte Ereatur auf der Welt, und GOtt 
thue doch ihr Unwuͤrdigen ſo viel Gutes, und laſſe fie zu feiner Er⸗ 
kentniß immer beſſer gelangen. 
Den 26ten. Das Buͤchlein, Lehre vom Anfang chriſt⸗ 
lichen Lebens, iſt in einiger Saltzburger Haͤnden, das 8 der 
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ee Darum 3 ar 
: Derr Sen, Licſſperger zum 3 m en 
die es 155 t Andacht Aion 7 viel Se Man DIT: et ey 3 Be 4 7 
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in was ern unſere Zuhörer ihre Erbauung ft 
den ee ne Im immer e eee 22 0 die 


darin befindl wohl zu Nutze. hen horte ich, 
daß eine Familie N Hinder in der Hütte hatte, ane : 
| r aſt ze. Die Kinder, 
‚font ng 5 ; 
- Due Bisinden Sad gelehrt, um die Wette zu lieh en und zu loben, 
5 End „ wie vernehme, zuſammen gegangen ſind. 
| * das Lied, das einige ohne Anſtoß auswendig koͤn⸗ 
u r eee mein Hertze ſucht ꝛc. redete mit ihnen über das 
ſchene erhalten der Kinder Matth. 21, 15. zu ihrer Nachfolge, 
betete mit ihnen, und gab ihnen den Seufzer mit nach Haufe: Laß 
8 e ee ein Bienelein auf deinen Roſen⸗ Wunden ſeyn ac. | 
Den arten, N. mittelfter Sohn iftbisher auch in der Zube⸗ | 
| En Dr Tree 2 ER und NE: hin⸗ 
en, wann man ihn laſſen konte. Die groſſe Leichtſinnigkei, 
; — eee eee iſt, hat ihn an der rechten 
ehmun Kor a7 — — 


ak e 
0 — 2 — men 128 0 d 20 „ A die, 
N 8 ren: wollen 
nr So Si: Ju u x blau 


2258 Diarium: 


* 1738; . auch für andere ein ſchr n ſchr feiner und e und wech! Ünterriht gegeben ‚gegeben 
r. wird 3 
Heute habe ich ben lezten Reiß von den 20. Fa die die 
Saltzburger von Herrn Montaigues Plantation 2 8e aus⸗ | 
getheilet. So viel Reiß iſt — N nie an unſerm Ort geweſen, als 
letzt iſt, ob er gleich in der letzten Ernte nicht gerathen. Und fo fehlt 
es auch niemanden an Korn, Bohnen und Fleiſch, welches ja wol | 
ein offenbaser Segen des erm it, 1 enen, die verſtändig | 
find, wohl erkannt wird. 27 5 | 
Den 28ten. Wit haben endlich einen fanften Has dabey an⸗ 
haltenden Regen von geſtern her bekommen, der dem Lande zum 
Korn Pflangen ſehr nöthig gethan hat, als woran die Leute durch die | 
lange angehaltene Kaͤlte und Duͤrre bisher gehindert worden. 7 
iſt noch nichts verſaͤumet, denn auf gutem Erdreich wird bis in den 
Maͤy gepflantzet, und iſt nicht zu ſpaͤte, wo die Witterung favor- 
firt. Die Potatoes, die es genug in die Erde geleget worden, 
haben, wie vernehme, keinen Schaden von dem deten Froſt ge⸗ 
mommen. Dei 
Den 29ten. Ott kam dieſen Morgen zu mir, und geigte an, 
daß er dismal nicht zum heiligen Abendmahl gehen koͤnne, er wolle 
ſich vorher beſſer zubereiten. Er hatte bey Rieſer geſtern Abend in 
dem Buͤchlein: Noͤthige Pruͤfung fein ſelbſt 2c. leſen hoͤren, und mag 
ihm daraus ſeine Untreue und Undanckbarkeit, die er ſeit dem erſten 
Gebrauch des heiligen Abendmahls bewieſen, wol noch mehr offen- 
bar worden ſeyn. Er bat ſich gedachtes Büchlein auch aus, worin 
sch on aber dismal nicht dienen konte, weil wirt nur doch einmal 7 
a 


Eine berheyrathete Weibs- Perſon erzehlte mir, daß ihr Mann 
etliche mal ſehr unruhig und unwillig worden ſey/ weil ihm von mei⸗ 
nem lieben Collegen fo wol bey feiner Acker⸗Arbeit als in feiner Huͤt⸗ 
te geſaget worden, daß ſein Zuſtand noch nicht tauge, und es ihm 
noch an der wahren Bekehrung fehle; ſie haͤtte ihn aber aufs Gebet 
gewieſen, und mit Ermahnen und Vorſtellen angehalten, daß er 
endlich erkannt hat, es ſey mit ſolchen Erinnerungen nicht böfe, ſon⸗ 
dern herzlich gut gemeint, | eg er en 


* Et 


Fr 
in der Huͤtte, wo ſonſt der G 


Wahlgehen, den erſten Theild eſſelben ſe 
0 Dieſes Büchlein hat uns zur Pre Berefigung: in der theu⸗ 


Darin 2259 


— ̃ — 5 
5 un Wiſſen umd o Leſen doch unglaubig / und verrathe Anno’ 5 

ſich fein unglaubiges Creatur⸗liebiges Hertz vielmal, wovon fie mir n. 
einige beſondere Umſtände eröffnete. Dieſe Nachricht dient mir da- 


zu, deſto mehr an ihm auf alle Weiſe zu arbeiten. 


„Inder befondern Zubereitung zun heifigen Abendmahl wunden 
Hriſt am Creutz: Vater, vergib ihnen ꝛc. 
tt wie gleich nachher erfuhr, einen Segen 


bie e erſten Worte C. 
betrachtet, wodurch GOtt, 
gefch: et hatte. Denn es kam ein rechtſchaffener junger Mann zu 


mir, und eroͤffnete mir Gewiſſens halber etwas von einem andern, 
von dem er etwas geſehen und gehoͤrt, Darüber er ihn ſchon ſelbſt ge⸗ 


ſtraft, aber ! nicht ausgerichtet hatte, was er gewuͤnſchet; 


glei that, und GOtt Lob! es hatte eine ſehr gute Wirckung, in⸗ 


b dem das Vergehen nicht nur erkannt und bereuet wurde, ſondern er 
= Te mit Hand und Mund, mit vieler Bewe⸗ | 


ende kanten wir ger gahlreich im Wayſenhauſe zum Gebet 


den mein enen bien beſſere — 1 haben, als 
Gottesdienſt gehalten wird. l 
den letzten 925 aus dem ſchon gedachten Büchlein: : Noͤthige Pruͤ⸗ 


fung ſein ſelbſt ꝛc. vor, 79 — ich in den Morgen⸗Betſtunden den 


rn und andern, die aus dem Waͤyſen —— heiligen Abend⸗ 


ren Lehre vom rechten Gebrauch des heiligen Abendmahls viel Nutzen 


afft. Die Uünſrigen vernehmen daraus, das, was fie von uns 


aus GOttes Wort hören, (ey auch die wohlgegründete Lehre ander 


rer und ſonderlich des theuren Knechts CHriſti, des ſel. Prof. Fran⸗ 


s, welches gegen unſere Verleumder eine ſchoͤne Verantwor⸗ 


iſt. 5 
Den Zoten. Heute gingen 56. Perſonen aus unfrr Gemei⸗ — 
ne zum heiligen Abendmahl,, dazu auch der Schuhmacher Reck und 


| 2 Samilien oder 4. Perſonen von den Knechten der Truſtees aus Alt / 
Ebene zer kamen. Von den Kindern, welche Sea us Pre: 
4, 7 ee wurden a nemlich e ; 
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doch mit ihm reden moͤchte welches ich auch 


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Nutze gemacht hatte. 


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fen, nachdem fie vorher genugſamen Unterricht emp 
nige gewiſſe Merckmaale der an ihnen arbeitenden Gnade GOttes, 


2260 Diarium. 


Anno 138. Unſeltin, Cath. Holgerin und Suſanna Haberfehnerin nachgehal⸗ 
Mare tenem öffentlichen Examine über die heutige Epiſtel 1 Cor. en 


fegg. vor der Gemeine confirmirt, und denn mit zum Tiſch des 
Herrn gelaſſen. Wir glauben, es fen die Gemeine fo wol durch 
ihr Exempel und gutes Verhalten, als auch aus der gantzen Hand⸗ 


lung, die mit ihnen vorgenommen iſt, erbauet worden. Zettler 


und mein Engliſcher Knabe Biſchoff, den ich angenommen, waren 


auch unter denen, die bisher zubereitet wurden; weil aber der erſte 
ſchon in Teutſchland etliche mal zum heiligen Abendmahl geweſen, 
und dieſer in der Engliſchen Kirche getauft und auferzogen iſt: fo 
wurden fie beyde ohne ſolche Confirmations » Handlung hinzugelaf⸗ 


der ſie auch Platz gegeben, ſpuͤren laſſen. Gedachter Engliſcher 


Knabe redet Teutſch, kan auch in teutſchen Büchern gut leſen, und 


hält ſich gern und fleißig zu unſerm Gottesdienſt. GO de laſſe ſich 
alles zu feinem Segen empfohlen ſeyn?2? 
In der heutigen Abend ⸗Betſtunde haben wir das letzte Capitel 
aus dem 3. Buch Moſis zu Ende gebracht, und werden alſo nach 


dem Feſt G. G. das 4. Buch anfangen. "GOTT ſey für alen 


meg geber Er laſſe uns feinen Sohn mit allem ſeinem 
dienſt und erworbenen Gütern recht vor die Augen gemahlet und in 


Beyſtand und Segen, fo er hiezu bisher" gnaͤdiglch verliehen de⸗ 


die Hertzen geſchrieben ſeyn als der uns bisher faft auf allen Blaͤt⸗ 
tern in dem betrachteten 3. Buch Moſis vorgeſtellet worden, daß es 
alſo wohl eingetroffen, was er felber gefager: Moſes hat von mir 


geſchrieben ꝛc. it. Suchet in der Schrift ꝛc. und fie iſt, die 
den mir zeu get: dn eee ee een 
Noth, und bezeugte, daß ihn zwar eine groſſe Armuth druͤcke; das 
aberſey ihm nut geringegegen feines geitlich Elend. Ich befellete 


n auf heute zu mir, da er mir naͤher erzehlete, wie uͤbel es ihm mit 


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iner Kinder ⸗Zucht gehe, und was er daher für Hinderniſſe in feiner 
lm Der Altefte Knabe feines Weibes iſt voller Liſt 


und Bosheit, und durch keine Zucht von ihm oder emen Abe in | 


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noch fehlet, und And indem Norfagzu ſtehen vorgibt, ſich grund» 
x 8 rn wenden. Ich ſagte ihm, wenn es mit ihm und ſei⸗ 

nem Weibe be ſer r ftünde, r ” 1 85 b sau mit der RUE 


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N Dieſe Ei Freytag hab wir) wiel, ehe 
| het, ER n Feyertag mit Haltung des öffentlichen 
Gottesdienſtes Bond er mittag zugebracht, und Abends hiel⸗ 
ten wir mit der Gemeine eine Jetſtunde im Waͤyſenhauſe. GOTT 
ſey für allen Segen, den er uns in dieſer Paßions⸗Zeit aus den 
Betrachtung des Leidens und Sterbens unſers Erloͤſers 5 
8 e eee und ſonderlich eee nt Bere 
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N 33 bernehmen auch, daß auf E. H Bitten die Herten Truſtees 
nicht abgeneigt ſind, wo nicht einen völligen Transport, 
doch wenigſtens einige Handwercker und Saltzburgerin⸗ 
nen freyledigen Standes aufzunehmen, und hieher zu ſenden. 
Zeichen gleich die dazu alluvirte 100. Pfund Sterl. bey weitem nicht 
zu, ſo zeiget doch der liebe GOtt eine ſchoͤne Hoffnung, daß er das 
übrige zu dieſem wichtigen Werck erforderliche auch leicht thun koͤnne 
und werde. Die Unſrigen aber follen hieraus erkennen, was 5 
eine groſſe Wohlthat es iſt, daß unſre und ihre liebe‘ 
der vorigen Zeit fo willig als vermoͤgend geweſen, ihrer Were 
mal aufzunehmen, und in gantzen Transporten mit ſehr groſſen Un» 
koſten herzuſchicken, und eine ziemliche Zeit frey zu erhalten: wel⸗ 
ches im Anfang, und fonderlich zur Zeit der Prüfung viel zu wenig; 
nun aber durch GOttes Gnade beſſer erkannt wird, da A immer 
heſſer l kommen, und ihr 155 Brodt bey aller Gewiſ⸗ 
ſens ⸗ und aͤuſſerlichen Freyheit effen koͤnnen. Es iR unfängft im 
(Namen der gangen Gemeine an Se. Epeelleng, den. Herrn "Be. 
9 e⸗ 


DEN —— da an ©) 
— 


Briefe der Prediger in Ebentẽger. 2263 


. 3 - a: 2 — . — _ 
Oglethorpe, und zu gleicher Zeit von uns an die Herren Truſtess 
geſchrieben, und um die Aufnehmung eines neuen Transports, und 
zwar ſolcher Leute gebeten worden, die in dem Brief der Gemeine an 


E. H. mit Namen genennet ſind, oder von ihnen ſelbſt als Leute, die 


ſich qu unſerer Gemeine ſchicken, erkannt und recommendirt werden 
ö Vielleicht hat ſolche ſchriftliche Bitte durch den Segen 
inigen Effect. Herr Oglethorpe hat muͤndlich ſeine Bereit ⸗ 


moͤchten. 
willigkeit hiezu gegen mich bezeuget, und da er den Unterſcheid zwi⸗ 


| ſchen unfern und andern Arbeitern im Lande wohl ſiehet, ſo wird er 
wol die Herren Truſtees aus eigner Erfahrung verſichern daß die 
auf die Salgburger gewandte Unkoſten nicht vergeblich angewandt 


oder verloren find. Unſre liebe Zuhörer werden des Landes immer 
gewohnter, und ſind daher in dieſem Jahr viel geſunder als in dem 

erſten und andern Jahr in Neu⸗EbenEzer. Ihre Geſundheit und 
Kraͤfte, die ſie als eine edle Gabe vom HErrn erbeten und annehmen, 


wenden ſie nach ihrem Beruf treulich an, und ſcheuen keine Arbeit. 


Anfaͤnger in einem üngebaueten wilden Lande muͤſſen ſichs laſſen ſauer 


werden, ihre Nahrung zu bekommen: und das thun ſie redlich, ſon⸗ 
derlich ſeit dem ſie eigenthümlich ein ſolch Land bekommen haben, das 


ihnen unter dem Segen Gottes ihre ſaure Arbeit belohnet. Und 
hat es gleich auch in dieſem Jahr an mancherley bungen nicht gefeh⸗ 
let, ſo iſt doch alles viel ertraͤglicher geweſen als in der vorigen Zeit, 
und iederman hat die Hoffnung zu GOtt, es werde unter ſeinem Bey⸗ 
fand. von Zeit zu Zeit beſſer werden, zumal wenn er die Frucht im 


Felde, die dismal ein uͤberaus fehönes Anſehen hat, ſolte gerathen 
laſſen. Das meiſte wird in dieſem Jahr noch auf den alten Feldern 


um die Stadt herum gebauet, und ſind in dieſem Jahr nicht mehr 
als drey gantze Familien und drey eintzelne Männer auf die Planta⸗ 
tionen am Haberkorniſchen Fluß gezogen, die ihr Land bey der Stadt 
andern uͤberlaſſen, und dort allein ihre Arbeit haben. Dieſe kom⸗ 


men entweder Sonnabends oder am Sonntage gantz früh herein, 


den Predigten beyzuwohnen, in der Woche aber koͤnnen fie die 
Betſtunden, die ietzt über die Hiſtorien des Buchs der Richter ger 


halten werden, nicht genieſſen. Nach der Ernte fangen mehrere 


Familien ihre Haushaltung auf denen an einander liegenden Plan⸗ 
$ationen am Haberkorniſchen Fluſſe an, und wird denn alsbald zur 


Kirche 


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haben, iſt offenbar. Gott Lob dafür! Doch iſt unſt 85 ; 
auch einem Acker gleich, darauf ſich nicht nur guter — a 1 


fen find ietzt in allen zwölfe, nemlich vier Knaben und acht Maͤgd⸗ 
lein. Doch befinden ſich zwey Maͤgdlein auf ihrer Anverwandten 
Begehren bey zwey frommen Familien, und werden ſie zum Guten 
angehalten, und genieſſen etwas zur Beyhuͤlfe aus dem Waͤyſen⸗ 
hauſe. Auſſer dem haben wir noch zwey alte Witwen, einen alten 
Mann und Weib, einen halb tauben Saltzburger zum Knecht, und 
den Schneider Chriſt, einen getauften Juden. Endlich iſt noch 
der Oeconomus, feine Frau und zwey kleine Kinder, auch iſt ein 
Engliſcher Knabe zur Hut beym Vieh des Waͤyſenhauſes und der 
Gemeine beſtellet. Gott werde gefürchtet, geliebet und gelobet 
im Waͤyſenhauſe, das iſt bey allem Mangel deſſelben beſtes Capi⸗ 
tal. Wir gruͤſſen fie alle tauſendfach mit den Worten Pfalm 


925 13216, A 
Johann Martin Boltius. 
ae Chriſtian Gronau. 
U.Extra& 


3 as 2265 
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Extract Schreibens des Herrn B 
n den Herrn krot. Francken in Halle 


Blͤriefe der prediger in Eben zer. 


25 


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adden an 

a e rot. Francken in 

e em aus Eben zer, vom 14. Mai. 1739. tun (den 
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Handen kommen. Weil wir nun darin abermals vers 
iedene herrliche Zeugniſſe von der recht vaͤterlichen Gewogenheit 
gegen uns f 
den serbundenfien, Dan ab, und wünschen gan Hergen Der 
lliebreiche GOtt wolle E. H. für alle uns bisher erwieſene reelle Liebe 


und geiſtliche und leibliche Wohlthaten mit tauſendfachem Segen 


croͤnen, und Ihnen Gutes und Barmhertzigkeit nachfolgen laſſen 


Ihr Lebenlang/ und in die ſelige Ewigkeit hinein. Ihre paͤterliche 


Zuſchrift und lei bliche Wohlthaten ſchaffen durch die Gnade Got⸗ 
kes viel Nutzen bey uns und unſern Zuhoͤrern, und werden Sie davon 
einmal eine gute Frucht wiederfinden in jener Ernte der ſeligen 

Ewigkeit. So bald die im Briefe und beygelegter Speeitiearion ge⸗ 
meldete Wohlthaten an Leinwand, Artzeney und Buͤchern wer⸗ 


den angekommen ſeyn, werden wir von dem Empfang derſelben ſo 


des Herrn Boltzit 


f Re A ane n in a9 306 76h 5 
. H. angenehme Zuschrift vom 2 5. Aug. des vorigen Jahres iſt 
uns den 5. dieſes Monats: über Charles ⸗Tomn richtig zu 


und unſere liebe Gemeine antreffen: ſo ſtatten wir dafur 


gleich Nachricht ertheilen. E. H. thun dadurch unſern lieben 


Salczburgern einen ſonderbaren Gefallen, daß Sie ihnen die in 
Ihre Hande gelegte Wohlthaten an Leinwand zukommen laſſen, 
als welche ſie vor andern ſehr noͤthig brauchen, und viele unter ihnen 


den lieben Gott ſchon voraus für dieſe ſeine vaͤterliche Fuͤrſorge ge⸗ 


lobet haben, da ihnen ſchon neulichſt aus dem vormals empfangenen 
Briefe von der zu hoffenden Leinwand Nachricht ertheilet worden. 
Der liebe Gott vergelte unſerm werthen Herrn Prof. und andern 


ſieeben Wohlthätern dieſe und andere Gaben reichlich an Seele und 
Leib, gls wodurch uns ietzt abermal bey unſerm Mangel im Waͤy⸗ 


ſenhauſe und in der Gemeine piel Huͤlfe geſchehen. Die Verſor⸗ 
Ne der Hirten, dazu die Gemeine wegen Armuth das wenigſte 
beytragen kan, erfordert viel, zumal da Fleiſch und einige andere 


Americ. IV. Sort. Mm mmm mmm Dinge 


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2266 Briefe der Prediger in EbensEser, 
Dinge in dieſem Jahr ziemlich rar und theuer geweſen. Auch haben 
ſich die Leute im Waͤyſenhauſe vermehret, und alſo auch —— 8 
gaben erfordert, E. He waden aus dem pinie erkennen, wie 

chlecht bisher meine Wohnung, wie baufaͤllig meine Geſundheit, 
und wie noͤthig daher der Bau eines Hauſes zu meinem Gebrauch 
geweſen, zumal da ich in der Hüfte fo viel Hinderniſſe im Amte ge⸗ 


habt, daß es nicht zu ſagen iſt. Nun iſt es durch GOttes Segen 


fo weit gekommen, daß ich ſchon im neuerbauten Haufe wohne, 
und ſind die Zimmerleute, ſo viel ſie wegen der Arbeit im Felde koͤn⸗ 
nen, fleißig dran, es voͤllig auszubauen. Es wird ein ſtarckes, 
dauerhaftes und zugleich bequemes Haus, welches, wie mich die 
Zimmerleute verſichert haben, etliche hundert Jahre wird koͤnnen ge⸗ 
braucht werden; indem es ſo gebauet iſt, daß der Regen ihm nicht 
Schaden thun und an die Bande ſchlagen kan. Es hat zwey Stu⸗ 
ben und zwey Kammern, die Kuͤche mitten im Hauſe, und unter 
dem Dache auch zwey gute wohlverwahrte Kammern. Wir hatten 
mit den Zimmerleuten den Uberſchlag gemacht, daß ſich die Unko⸗ 
ſten nicht über SO Pf. Sterl. belaufen würden: es kommt aber ietzt 
freylich höher, und würde ich, wenn ichs vorher haͤtte wiſſen ſollen, 
den Bau gar nicht angefangen haben. Der liebe Gott wolle hel⸗ 
fen, und etwas dazu beſcheren! Da das Holtz beſchlagen, und 
alles zum Aufrichten des Hauſes zubereitet war, wolte ich, da mir 
die Koſten zu hoch zu kommen ſchienen, den Bau liegen laſſen; es 
wurde mir aber von guten Freunden und von den Gliedern der Ge⸗ 
meine ſelbſt widerrathen: wie mir denn darauf ein ieder auſſer den 
zwey Tagen, die mir ſchon von iedem bey der Arbeit geſchencket mar 
ren, noch einen Tag umſonſt geholfen hat, mir die Koſten zu er⸗ 
leichtern. Ob nun wol dis Haus viel koſtet, ſo iſt es doch ein dau⸗ 
erhaft Haus, und wird lange nach meinem Abſchiede von einem 
ordentlichen Lehrer der Saltzburger bewohnet werden koͤnnen. Bey 
dieſer Gelegenheit haben abermal die Glieder der Gemeine vieles 
verdienet, welches ihnen bey ihrer Armuth ſehr wohl zu flatten 
kommt. Das Store⸗Haus in Savannah gibt mir für die Baus 
leute Credit an Proviſion, Handwerckzeug, und was ſie etwa an 
Geldes ſtatt begehren, bis mich der liebe GOtt in den Stand ſetzet 
es wieder zu bezahlen. Zehen Pfund haben die Herren Truſtees 
75 zum 


dum Bau des Hauſes geſchencket, welche für die aus dem Store⸗ 
3 ufegenommene Dinge abgerechnet werden. Des He 
if nicht zu kurtz; er kan helfen. In unſerm Waͤyſenh 


Bͤceieſe der prediger in ebene. 2267 


der Gemeine gehet alles GOtt Lob! in guter Ordnung 


fort, und 


werden E. H. aus dem ietzt abermal abgeſchickten Diario manche 


Specialia erſehen. Mehrere arme Kinder ins Waͤyſenhaus aufzu⸗ 


nehmen, hatten wir zwar Gelegenheit, aber zur Zeit kein Vermoͤ⸗ 


gen, welches uns der liebe GOtt leicht wird geben koͤnnen, wenn 
er das Werck will erweitert haben. Er lehre uns in allen, un R 


alſo auch hierin, thun nach feinem Wohlgefallen! 


Die Nachricht aus Preuſſen von den geiſtlichen und leiblichen 
Umſtaͤnden der Saltzburger daſelbſt iſt uns allen ſehr angenehm ge⸗ 


er weſen. Sehr erfreulich wird es uns ſeyn 5 wenn uns Fünftig eini ge 
Specialia von der Erweckung unter ihnen werden koͤnnen mitgethei⸗ 


let werden. Wir machen uns gern alles zu Nutz, was zur Er⸗ 
bauung unſerer Gemeine etwas beytragen kan. Exempel und ſon⸗ 
derlich erbauliche Nachrichten von ihren Landesleuten geben unter 
göttlichen Segen einen groſſen Eindruck. Die Fortſetzungen des 
Beytrages zum Bau des Reichs GOttes, die uns unter andern 


Wohlthaten mitgeſchicket werden, werden auch wieder bey uns, 


unſerer Gemeine, und Kindern mit GOttes Hülfe guten Nutzen 
ſchaffen; und ſagen wir dafuͤr, wie fuͤr andere Wohlthaten, hertzlich 
Danck. Mein lieber College Herr Gronau iſt mit den lieben Ser 
nigen wohl auf, und arbeitet an der Gemeine in groſſer Treue und 
Segen. Wir ſtehen im HErrn als Einer im Bunde. Es thut 
uns ſehr wohl, daß wir ietzt wieder nahe beyſammen ſind. Meine 
Gehuͤlfin, die oft kranck iſt, grüffet nebſt mir, meinem Herrn Col⸗ 
legen, ſeiner Frau, und allen redlichen Gliedern, alle unſere lieben 


und theuren Wohlthaͤter hertzlich. Hiemit verharre 
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Errn Hand 


e 5 5 dum Gebet und biebe ergebenſter r | 
Johann Martin Boſtzius. 


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2268 Briefe der Prediger in Eben zer. 
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Extract Schreibens der beyden Prediger 
Herrn Volt und Herrn Gronau, aneinen 
aus Eben Ezer, vom Sten Mah. ſt. vet. BEE IE. 

2 a 5680 CC RT Br ann 
Um Preiſe unſers ofen und herrlichen Heylandes muͤſſen wir 
bekennen, daß ſein Werck, Seelen zur ſeligen Ewigkeit durch 

ſein Wort und heilige Sacramente zuzubereiten, unter uns 

noch fortgehet, und zeiget uns der barmhertzige GOtt noch immer 
Fruͤchte von dem ausgeſtreueten Samen feines. Worts. Wir be⸗ 
helfen uns noch immer in unſerer alten Hütte, darinnen auch der 
DEr fein Wort und Sacramente eben ſo wohl ſegnet, und unſer zu 
ihm gerichtetes gemeinſchaftliches Gebet um CHriſti willen annimmt 
und erhoͤret, als wenn wir in einer ordentlichen Kirche zuſammen 
Samen. Inzwiſchen werden wir es fur eine liebe Wohlthat Gottes 
achten, wenn er uns einmal ſo viel Vermoͤgen ſchenckt, ein ordent⸗ 
lich Haus zu unſerer öffentlichen Verſammlung zu bauen. Der 
HeErr, der weiſe himmliſche Vater, der alles fein zu feiner und rech⸗ 
ten Zeit thut, hat uns ſchon etwas zu dieſem Zweck zugedacht, wel 
ches er uns zu der Zeit, die er ſelbſt beſtimmt, wircklich beſcheren 
wird. Zum privat. Gebet und geiſtlichen Unterredungen mit unſern 
lieben Zuhörern find wir den Winter hindurch theils im Wäyſen⸗ 
hauſe, theils in unſern Wohnungen zuſammen gekommen, welches 
der liebe GOtt noch immer an uns und den Unſtigen geſegnet dat. = 
Von dieſem Lande und unferer Nachbarſchaft wiſſen wir eben 
nichts ſonderliches zu berichten. Man beſorgt ietzt wegen des Arie», 
ges mit den Spaniern nichts, und ſollen alle neu⸗ angelegte veſte 


Oerter und Schantzen mit dem Regimente des Herrn General Ogle⸗ 
thorpe ſehr gut beſetzt ſeyn. In der vor einiger Zeit anſcheinenden 
Kriegs⸗Gefahr war dis unſer Loſungs und zugleich Sieges⸗Wort: 
Hier iſt Immanı El; und GOtt Lob! unſer Vertrauen auf ſeine be⸗ 
ſchuͤtzende Gnade hat uns nicht fehl geſchlagen. Wie wir aus den 
Briefen unſerer Vaͤter und Freunde aus Europa erkennen, u 

hnen 


n * ee 5 


199 0 . Kt ae f 85 10 8 1 8 je 
1 855 liebe U r Ahre e 
und da auch in dieſein Jahre di zue im Felde fehe ſchoͤn ji 
15 Aten ee guten Ernte. . an ni „bee ihnen unter 


Bene 90 e | leichter! 


Sao 
9 5 won ne urn er 
nieſſe wigt) te Fre 
as eulen ie ſie denn deshalb s wol an den Here 


Sen. Urlsperger in Augſpurg, als auch an den Herrn General Ogle⸗ 


= thotpe einen eigenen: 3 ſchreiben laf an Alle fromme Glieder 


Se unfere dee e Wäyſendaus, und 

„Schul Ki ten ke fir alle Ihre Liebe und 

kt verh fen baren Omen, schung. 

| W 0 wol 10 Johann Martin Boltzius. 

eee hn en 115 1225 4 1 De Ehtifliah‘ en a 
Ir... 


ee a nt 171 IR ande 
a. 
— 115 995 17 


Fee dene 


Sg des i Her e Gronau 10 eine 
er een Saltzburger i in Preuſſen, 7280 
3 aus Eben Ser, vom Alen! Mas 1739. 1957 5 | 


n dem Seren Sen berglich geliebter Sreund. . 
Ch dancke Ihm, daß Er einem ſeiner Lands Leute in Ebenen 
„einige Nachricht gegeben von dem, was der HErr an Ihm 
WM und andern Saltzburgern in Preuſſen bisher gethan hat. Es 
hat mir der liebe G Ott, ſeit dem ieh mit einem Transport Salgbur⸗ 
5 Bu e Mae und von da nach Koͤnigeberg gegangen bin, 
Mm m mm m mm 3 e 


rn I > — T» . u. . 3 


2270 Briefe der Prediger in Ebenckzer. 
eine groſſe Liebe zu ihnen gegeben, und freue mich daher herslich, wenn 
ich etwas Gutes von denſelben vernehme. 8 rufe 3 
Anſehung aller der Guͤte, ſo den Dr e aus 
Saltzburg und in der folgenden Zeit dem Leibe und ſonderlich der See ⸗ 
len nach erzeiget hat, eben das zu, was borten Moſes in ſeinem Iten 
Buch Cap. 7, 9. 10. zu den Kindern Iſrael ſagte: So ſolt du nun 
wiſſen, daß der HErr dein GOtt ein BOtt iſt, ein treuer GOtt, 
der Bund und Barmhertzigkeit haͤlt denen, die ihn lieben und ſeine 
Gebote halten, in tauſend Glied; und vergilt denen, die ihn he 


52 


Paſt. Breuer bitte von mir und meinem lieben Collegen, dem Herrn 

Boltzio, hertzlich zu gruͤſen. Der liebe Gott mache uns und Ihn 

recht ſtarck durch feine Gnade in CHriſto FE! Hiemit ſey Er denn 

nebſt feinen anvertraueten Laͤmmern dem HErrn ZEfu in feine 95 — | 
1 IN Hin! 2 en⸗ 


— 
2 TR * 2 — 1 I en af — 8 en * m Tr > 5 


a Briefe der Prediger in Eben E zer. 2271 


9 


. > en m > 
den⸗Arme empfohlen, der da ſpricht: Joh. 10, 27.30, Meine 


jafehören meine Stimme, und ich kenne ſſe, und ſie folgen mir: 

| 2 ihnen das 2 Leben; und fie werden nimmermehr 
. 
Der Vater, der ſie mir gegeben hat, iſt gröfler denn alles, und nie⸗ 

mand kan ſie aus meines Vaters Hand reiſſen. Ich und der Vater 


ſern lieben Sanftleben mit ſechs andern Perfonen , welche 
Dein Dero Schreiben an den Herrn Hof⸗Prediger Ziegenha⸗ 
gen benamt ſind, an unſerm Ort zu ſehen, woruͤber auf ihrer und un⸗ 
ſerer Seite viel Lob Gottes entſtand. Was ihnen der liebe und 
fromme Gott für eine glückliche See⸗Reiſe gegeben, werden E. H. 


theils aus unſerm beygeſchloſſenen Diario, theils aus ſeinem eigenen 


Auſſatz erkennen. Gelobet ſey der HErr, der E. H. geſtaͤrcket hat, 
auch dieſes Liebes ⸗Werck zu verrichten, und fuͤr die Herſendung die⸗ 
ſer uns ſo lieben und noͤthigen Perſonen zu ſorgen. Sein Name fey 
demuͤthig (wird auch unter uns demuͤthig und von Hertzen) gelobet, 
daß er nicht nur fo viel Mittel beſcheret hat, als auf dieſen kleinen 
Drans port zu wenden noͤthig geweſen, ſondern, daß er auch ſo wol 


aus dem theuren H. Haufe, als anders woher, einen ſchoͤnen Segen 


an Buͤchern, zur Kleidung gehoͤrigen Sachen und Schauriſchen 
Balſam fuͤr uns, unfere Gemeine, Schule enn, 


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Hande gelegt, welcher nun nebſt den andern Gaben die ſchoeu 

| Halle nach Hamburg geſchickt find mit Verlan 
gen erwartet wird. Hoffentlich werden in demſelben ⸗Verſchlag, den 
Sauftleben in ee eee, Briefe von unſern 
Vaͤtern und Nane die allemal von uns und der Gemeine 
tit vielem Vergnügen und vieler Förderung in dem angefangenen 
Lauf des Chriſtenthums geleſen werden. Gelobet ſen GDOtt in Eri 
ſto/ daß er den Sanftleben durch ſeinen Geiſt geſtaͤrcket hat, aller 
Orten, woſer hingekommen, eing lend ſeyn. Ittzp iſt er 
uns noch viel lieber, da er ſein Wort red Ko „ und wieder 
zu uns gekommen, auch die eint Wee nadẽ nicht verfchüfs 
tet hat, ſondern wol, pie auch der werth, / | 
gen agen an ihm wahrgenommen, in der einmal empfangenen Gnade 


ird zu tra⸗ 
em Gnaden⸗ 


Fuͤr den 


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den ſie ſich alle unter uns ſo wohl 
bringen, ſo werd 
gerin hat im Sch 


wird ein | 


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> Briefe der — in Ebene.. 2273 


Sanft g e Fan 2 ; | 
ſchwach an Gemuͤths⸗ ten und etwas verdrußſich zu ſeyn. Wir 
dachten fie bis g uf ihre 6 ung im $ Weft e ] le 


j ehmen, Dieunsbiohere rgemangelt, d daher 


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und Abends, hun muͤſſe 1, deſſen er ſi 


fer ſondern im. Nannen de 
dach rau mit ihren eigenen beyden kleinen und andern Kin⸗ 
Mn wie auch mit Kochen und Verſorgung der Patienten, deren 
. zu dieser Fieber⸗Zeit Se fi 0 55 volle 1 hat: Si 3 aber 
hiezu nicht geneigt zu ſenn, ob es wol ihr groſſer Nutze Önte. 
gn und barmherzige Gott hat uns zu deer gelle unſer 


IE 


Fee ſehr vielen men auch 2 Dienſte Ban au 
orgens 


urn a dam . 


Waͤhſenhaus von den Herren Truſters, der hochloͤblichen Societaͤt 


und andern Goͤnnern, einen ſolchen Segen beſcheret, daß wir uns 
über feine gut ige Vorſorge nicht gnug verwundern koͤnnen. Nun 


mieden Bit, er 2 — uff und: im Verkrauen, 55 GOttes 8 


gemachte 
bet, wir per | 
andern redlichen Selen überfätsenglich in n Freuden. Die Kinder 
und Erwachſene ſind mit Kleidern zur Nothdurft verſorgt; an den 
ien Gaben, die in etlichen Kiſten an uns unterweges ſind, ſoll 
nach Verordnung der Wohlthaͤter das Wayſenhaus auch Theil 
nehmen. Die Frucht im Felde, auch fürs Waͤyſenhaus, ſteht ſehr 
) aber wir uns ſchon ohne ſonderliche Ausgaben eine Zeitl Piel 
elfen werden. Wer weiß, woher uns der weiſe und guͤtige G 
mittlerweil etwas zuwirft? Wie bisher die empfangene Gelder fürs 
Waͤyſenhaus und fuͤr die Gemeine angewendet worden, werden 
E. H. nebſt andern unſern werthen 
Supi Rechnung erſehen. Der treue Gott hat bisher in 
dem Eben Ezeriſchen Acker einen ſchoͤnen Samen und Segen ausge⸗ 
ſtreuet, er laſſe ihn doch um ſeiner Barmhertzigkeit willen viele Fruͤchte 
——— ſeines Reichs bringen. 


Auen um Yu BR daß ſie noch ferner durch feine Gnade an 
nd Jungen möchte erreicht werden, wovon E. H. fpecialia 
* I. Sortſ. nn ann nn erſe⸗ 


Superioribus aus der dem Diario 


Er ſey gelobet, daß an ver⸗ 
nen Seelen die Abſicht dieſer Gaben hes erreicht iſt, theils 


„ 


zn 


+ 


2274 Briefe der Prediger in Eben R zer. 

erſehen werden. Diejenigen Briefe, welche nach Vermuthung 
des Sanftlebens in der Kiſte noch zurück ſeyn ſollen, koͤnnen wir dis⸗ 
mal nicht beantworten: inzwiſchen erſuchen wir unſern wertheſten 
Hrn. Senior, alle unfere Freunde und Wohlthaͤter aufs zaͤrtlichſte 

zu gruͤſſen, und Ihnen alles Heyl in Chriſto, dem Heöfbeäihen . 
anzuwuͤnſchen. Wir empfehlen ſchließlich Sie, Ihr gantzes wer⸗ 
thes von GOtt in Chriſto geliebtes Haus und alle unſere lebe Wohl⸗ 
thaͤter in die Gnaden ⸗Arme des Hn. JEſu mit Seele und Leib, und 
verharren mit allem kindlichen Reſpeet 


uunſers im Sderrn ſehr werten Serrn Seniors 
Johann Martin Bolzius 
2 ma 5 Iſrael Chriſtian Gronau. 
CCC enen 
P. S. Meine Ehe- Gehuͤlfin hat durch Sanftleben, weiß nicht, 
von welchem Woylthaͤter, ein Lieg ⸗Bettlein 1 
fur wir beyde verbundenſten Danck abſtatten. Auch dancken 


wir für die Nachricht von unſern Bluts ⸗Freunden im Saltz ⸗ 
burgiſchen. Gott helfe ihnen aus der Finſterniß zum Licht? 


Schreiben des Hrn. Boltzii an den obge⸗ 
dachten Wohlthaͤter in Teutſchland 

Mer von zten Jul. 739 dir 
| mein in dem SErrn JE ſu theurer und werthe⸗ r- 
. ſter Herr R. U ae wer 

Hre gedoppelte Zuſchrift vom 25. Dec. des vorigen, und vom 

FAR. 25: Jan. dieſes Jahres iſt uns im Monat Junio theils kurtz 
vor der Ankunft unſers Sanftleben, theils mit ihm zu un⸗ 
fern groſſen Vergnügen und zu nicht geringer Erbauung dererjeni⸗ 
er Kt namen ‚or gen 


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en Seelen, die mit uns nach der Krone ringen, überliefert worden. 
Selobet ſey der HErr, der uns von vielen Orten her noͤtyiget und 


durch Seile der Liebe ziehet, unſere Zeit und Kräfte gantz zu feinen 


* 


Ehren zuzubringen, und mit unſerm herrlichen und Gnaden⸗ vollen 
Erloͤſer durch den Glauben immer bekannter zu werden. Es iſt dis 


eine theure Wohlthat, daß uns, wie in der vorigen Zeit, alſo auch das 
letzte mal, mancherley erbauliche Nachrichten aus dem Reiche Got ⸗ 

tes zu Geſicht kommen ſind, welche der liebreiche Gott an uns und 
unſern lieben Zuhoͤrern mit vielem Segen begleitet. Er erhalte ſein 
Werck an Ihren und andern Orten, und vermehre es zu vieler See⸗ 


len Errettung, daß nur JEſus, der allerliebſte JEſus, mit allen 


feinen Schaͤtzen groß und herrlich, und fein groſſer Name für alle 
uns Suͤndern erwieſene unausſprechliche Liebe in die Ewigkeiten 


der Ewigkeiten hinein gelobet werde. Ein kleiner Anfang hiezu iſt 
auch (feinem Namen ſey Ehre dafuͤr) an unſerm Ort gemacht, und 
hoffen wir, der treue Heyland werde auch diejenigen, die bisher uns 


ter vielen Überzeugungen und guten Vorſaͤtzen hingegangen ſind, 


von allen Hinderniſſen los machen und völlig zu ſich ziehen, daß fie 


alsdann durch den Glauben elwas ſeyn zum Lobe ſeiner Herrlichkeit, 
und als lebendige Exempel ſeiner Barmhertzigkeit auch andern, die 
ſich das Chriſtentzum als beſchwerlich und unmöglich vorſtellen vor 


geſtellet werden koͤnnen. Fuͤr die erbauliche Nachrichten aus dem 


Reich G Oltes zu W. und an andern Orten find wir Ihnen ſehr ver⸗ 


bunden. Ich wünſchte nur, Ihnen wieder etwas zur Erbauung von 


unſerm Ort zuuͤberſchreiben. Amts wegen muͤſſen wir die interiora 


und exteriora unſerer Gemeine von Zeit zu geit an unſere liebe Vaͤ⸗ 


ter, die wir in dem HErrn als unſere Vorgeſetzte anzuſehen haben, 


berichten. Faͤnde nun der liebe Hr. Prof. Francke in unſern Diarlis 


etwas, das Ihnen zur Fuͤrbitte und Lobe unſers Erbarmers einige 
Materie fuppeditiren konte, ſo wird Ers Ihnen wol zukommen laſ⸗ 


ſen, als darum ich Ihn auch dismal erſuche. In Ihren Händen 


wird alles wohl verwahret ſeyn, und der HErr hat Ihnen Weis ⸗ 


heit gegeben, es fo anzuwenden, daß nur der HErr IEſus verherr⸗ 
lichet werde. Von Neu⸗England bekommen wir immediate keine 


Nachricht, und weiß ich weiter nichts, als was in dem gedruckten 


Bericht, den der theure Hr. Abt Steinmetz ins Teutſche hberfeget, 


Nun nun nn 2 „„ 


Briefe der Prediger in Eben zer. 22275 


4. 


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dieſet 
vannah, welches die Haupt⸗ Stadt dieſes Landes iſt, finden 
een 


Unter den teütſchen Dienſtboten der Engländer finden ſich auch etli⸗ 
che Roͤmiſch⸗Eatholiſcher Religion; wie ſich denn im 9 e 


Briefe der prediger in ben Eger: 2277 


Fiche deuten ſcchen Diefonf nach den Sund Geccken desde 
des nicht ſolten geduldet werden. Man iſt den Spaniern ſehr nahe, 
um welcher gefährlichen Nachbarſchaſt willen man hie Mohren⸗Scla⸗ 
ven und Römiſch + Catholiſche nicht aufkommen laſſen will. Ubri- 
gens werden alle Serten und allerley Art Leute geduldet, und ihnen 
alle Freyheit,, gleich andern Engländern, verſtattet. So gar die 
Aiden, deren eben verſchieden Familien im Lande find, genen 
alle Privilegia, gleich andern Coloniſten. Einige heiſſen ſich Spa⸗ 


niſcheund Portugiefifehe, einige aber teutſche Inden, die hochtentſch 
reden, und ſich don den andern im Gottesdienſt, auch ziemlich im 
auſſerlichen Ulmgange trennen, weil es die erſten in Speiſen und an⸗ 
de e 5 


vn jůdiſchen Ceremonien ſo genau nicht nehmen. Sie haben noch 
keine Synagoge, woran ſie ſelber ſchuld ſind, indem eine Partey 


die andere daran hindert. Die teutſchen Juͤden meynen berechtiget 


brauch derſelben Theil nehmen laſſen, worein aber die 


E Ei eine Synagoge bauen zu laſſen, und wollen den Spani⸗ 
en am Ge | me | 6 
icht eonſentiren, ſondern wollen den Vorzug haben. Sie 


leztern nicht eonſentiren, ſondern wo rer 
haben ſich zwar bey den Herren Trustees, als unſerer Landes⸗Obrig⸗ 


keit, verbindlich gemachet, das Land zu bauen; es ſtehet ihnen aber 
ſolche Arbeit nicht an;: daher ſich einige aufs handeln legen, andere 
aber, die dazu kein Vermoͤgen haben, ſind gar ſchlecht dran. Ein 
alter Jude iſt von den Herren Truſtees zum Medico beſtellet, wel 
cher ziemlich gut lateiniſch und zugleich Portugieſiſch redet, feinear- 
tem medicam aber wol ſchlecht verſtehen mag. Die Indianer le⸗ 


ben eigentlich nicht unter den Europaͤern, ſondern haben ihre Huͤt⸗ 


ten in abgeſonderten Gegenden gebauet. Jemehr das Land an der 


Ste- Küſte mit weiſſen deuten beſetzet wird? ie weiter gehen ſie ich 


ins Land zurück nach Mitternacht zu, wo ſie ordentlich beyſammen 
wohnen, auf die Jagd gehen, ihre Haufe: oder Felle den Enge 
laͤndern, die ſich des Handels wegen unter ihnen aufhalten, verkau⸗ 
fen, auch einiges Korn, Bohnen und Potatoes (eine Art ſuͤſſer 
Wuttzeln) / auch Tabac pflantzen, Schweine und Hühner ziehen ꝛc. 
Die Leute, ſo mit ihnen und unter ihnen leben und handeln, leben 
ohne Gott und in allen Suͤnden, und geben den Indianern ſelbſt 
Gelegenheit zu allerley Laſtern. Hätte einer den Beruf und die 
. Nnn nun nn 3 Qua⸗ 


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2278 Briefe der Prediger in Eben zer. | 
Qualitäten von GOtt, ihre Sprache zu lernen, und ſich gantz zu 
ihrem Dienſte zu widmen; ſo moͤchte es wol nicht ohne allen Segen 
ſeyn. Es gehoͤret aber ein gantzer Mann dazu, der alle ſeine Zeit 
darauf wenden muß, verſchiedene Indianiſche Sprachen zu , 
weil nicht Eine allein geredet wird. Auch muͤſte er gantz unter ih⸗ 
nen wohnen, und ſich durch Wort und Wandel bey ihnen in Cre⸗ 
dit und einiges Anſehen bringen, daß ſie erſt ein Vertrauen zu ihm 
faßten, (wobey es bey ihrer ſehr argwoͤhniſchen Art ſchwer hergehet) 
da er denn wol mit Gottes Huͤlfe und Beyſtand bey den Kindern et- 
was ausrichten moͤchte. Unſer Waͤyſenhaus iſt auch mit fuͤr die 
heydniſchen Kinder, die wir ietzt wieder gantz nacket und wild vor 
unſern Augen herumgehen ſehen, erbauet, und ſolte es uns wol ei⸗ 

ne ungemeine Freude ſeyn, wenn wir auch nur ein einiges Kind in 
unſere Pflege und Unterricht bekommen koͤnten. Wo uns Herr 
Oglethorpe, der unter den Indianern in der Naͤhe und Ferne in 
groſſem Anſehen ſtehet, nicht dazu behuͤlflich ſeyn kan, moͤchte wou 
unſer Bemühen zur Zeit vergeblich ſeyn. Vor ein paar Jahren war 
ein Engliſcher Mißionarius im Lande, der auch der Creeck⸗India⸗ 

ner Sprache ſchon gelernet hatte. Weil er aber etwas reelles bey 
dieſem höchft blinden und verkehrten Volcke auszurichten, unuͤber⸗ 
windliche Schwierigkeiten antraf, ſo ging er nach London wieder 
zuruͤck. Er war ein redlicher gottesfuͤrchtiger Mann. Ihre Ber 
ehrungen haben wir theils zum Beſten des Waͤyſenhauſes, theils für 
N die Nothdurft der Gemeine angewandt. Der HErr erquicke Sie 
i N dafuͤr. Er laͤßt uns ſeinen Segen im Geiſtlichen und Leiblichen ſpuͤ⸗ 
72 . ren. Hallelujah! Mein treuer und redlicher Mitarbeiter, Herr 
N Gronau, gruͤſſet mit mir Sie, den werthen Hn. Palt. N. und alle 

| Knechte und Kinder GOttes an Ihrem lieben Orte. Immanuel; 
nobiscum Deus. ö 1 e RE 


Johann Martin Bolgius, 


VII. 


Briefe der prediger in Ebene zer. 2279 


Schreiben des Hr. Boltzii an den Can 


PUR PREISER ert 0 Aten Jul. 1739. BR: 
In Ihrem und unſerm Immanuel theureſter und 
e wertheſter Bruder, on) 
ore mir ſchr angenehme Zuſchrift vom roten Febr. dieſes Jah⸗ 
es iſt mir durch unſern geliebten Sanktleben nach feiner 
glücklichen Ankunft in Eben&ser zu Ende des Juni wohl 
überliefert, und bin ich und andere Seelen, die wir vor GOtt in 
Chriſto als Einer im Bunde ſtehen, durch Ihren bruͤderlichen und 
ſiebreichen Zuruf und uͤberſchriebene Aufmunterung gar ſonderbar 
erquicket worden. Der. HErrvergelte Ihnen und andern Brüdern 
Ihre aufrichtige Liebe, die Sie uns auf dieſe Weiſe, wie auch 
| 5 1 5 herzliches und eifriges Andencken vor dem HErrn in 
Cbhriſtiicher Fürbitte ermeifen , reichlich in Snaden, und faffe Sie 
und Ihre werthe Mitarbeiter, am Geiſt und Leibe geſtaͤrcket, dem 
HErrn JEſu, unſerm allertheureſten Seelen⸗Freunde und Blut⸗ 
rautigam, zur Ehre, und vielen Seelen aus Juden und Chriſten 
zum Heyl viel Qutes ausrichten; welches uns kuͤnftig zu erfahren 
| zu groſſem Vergnügen, Erbauung und Lobe Ihres und unſers Er⸗ 
barmers gereichen oll. Wie uns denn Die. kürtzlich beſchriebene 
Nachricht von dem Segen, fo Ihnen der HErr Jeſus unter dem 
blinden und verkehrten Juden⸗Geſchlecht noch immer verleihet, eine 
neue Materie zum Lobe S Ottes und zur demuͤthigen Fuͤrbitte fir das 
Werck des HEren, ſo Sie unter ſeiner guten Hand treiben, geben 
ſoll. Er ſelbſt, der treue Heyland, mache Sie und uns fertig zu al 
em guten Weick, und fehaffe in und durch uns, was vor ihm ge⸗ 
fällig iſt. Wir find doch nur bloß um deswillen in die Welt geſe⸗ 
bet, daß wir etwas werden und ſehn ſumdobe der Herrichteit Got 
les, und daß wir nicht nur für uns unſere Seele ſuchen zu retten, ſon⸗ 
dern auch andern beförderlich ſeyn zu ihrem ewigen Heyl in Chriſto, 
Den allgemeinen Heplande. Das iſt ſchon der Beruf eines jeden 
gemeinen Chriſten, daß er guch, wo möglich , andere mitbringe 
N eee 


— 


2290 Briefe der prediger in Eben k zer 


vor den Thron des Lammes; was wird nicht von denen erfordert die 


eigentlich um deswillen Theologiam ſtudiret haben, und in die 


1 Seelen arbeiten, von erfahrnen und von Gott geſalb⸗ 
ten und gelehrten Lehrern eingeleitet worden? Deren Amt und 
Werck, ja deren Speife ſoll es ſeyn, dem HErrn JEſu Seelen zu 
werben und fie auf alle Weiſe zu noͤthigen, zu perfügdiren und zu 


locken, daß fie auch an die groſſe und reiche Gnaden ⸗Tafel GOt⸗ 


tes kommen, weil fuͤr einen ieden armen Sünder der ſich will hel⸗ 
fen laſſen, noch Raum da iſt. O der HErr JEſus ſtehe Ihnen, 


wie er verheiſſen hat, in Ihrem wichtigen Amte bey, daß Sie viele 


Seelen, die ihm fo viel gekoſtet haben, helfen aufwecken, und unter 


feine ausgebreitete Gnaden ⸗Fluͤgel verſammlen: Dieſe werden ein 


mal nach aller ſauren Arbeit, Kampf und Widerwaͤrtigkeit ihre 
Freude und Krone ſeyn am Dage ſeiner herrlichen Erſcheinun 
Die Zeit ift kurtz; darum laßt uns auf ſeyn, da der HErr au 15 
daß keiner aus unſrer Schuld verſaͤumet werde. Von dem Zuſtan⸗ 

| 255 


de der Juden in Savannah habe Ihnen, geliebter Bruder, den 
Febr. ſt. v. des vorigen Jahres einige Nachricht überfchrieben, wel, 
che Ihnen wol wird zu Haͤnden kommen ſeyn. Gott erbarme fic 


| ſich 
der elenden verkehrten Leute, und zeige uns Gelegenheit und 9 


etwas zu ihrem Heyl an ihnen zu thun. Sie ſind durch etwas, 
einmal in London gedrucket worden, ſehr wider uns eingenommen: 
Ubrigens geben wir ihnen mit unſern Saltzburgern, ſo ofte wir nac 
Savannah kommen, ein gut Exempel; wie ſie denn mit uns un 
den Unſrigen lieber als mit andern zu thun haben moͤgen, weil ihnen 
im Handel Wort gehalten und baar Geld gezahlet wird. ö 


wuͤrdiget uns Unwuͤrdige ſeines Segens in der Gemeine und Wie 


ſenhauſe zu mancher Seelen Errettung. Mein lieber Collega, 
Herr Gronau, gruͤſſet mit mir e e 
Collegen, und aufrichtige Seelen mit vielen Segens⸗Wuͤnſchen. 
Hiemit verbleibe e 
meines im SErrn werthgeſchaͤtzten Bruders 


iu Gebet und gebe verbundener 


Jaohann Martin Bolzius⸗ 


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pre © und aus ſeiner groſſen Erfa kung 5 — 
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ich wohl, und muß es zum Lobe Gottes rüh⸗ 

2 daß ich din nen dagen bir bisherigen Fuͤhrung meiſſes 
Amts auf mancherley Weiſe zum Beſten meiner lichen 5 
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282 Beefe der prediger in Ebensee 


ſpuͤre. O es iſt was groffes, wenn eir ein Studioſus Theolc Theologie gie nicht 


ee e e au dl 


Predigten d t ſey gobet f r ute, ſo er one 
und vielen 5 nd ichd die luge und treue erwa 15 5 er 


ſtes erzeiget hat. Er ruͤſte EH. mit vieler Kraft W und 


des Leibes aus. Er beſchere nach ſeiner Guͤte d Freundlichkeit 
noch ferner auf d ſttuͤt und im Waͤyſenhauſe ſolehe Arbe 
ter „die Ihnen zur Etleichterung und uickung gereichen. We 
Kat tech lh ; e Gage ee der Be wie 
keit reichlich genug vergolten werden. De neige a 
Freuen i im, are e e al 


einung 
59 W Der, li ee 
. as: 


Sn pin gen liebe 
im ping h . Der chene On | 5 5 
allem, was der HERR an und unter und thüt / gar hertzli 
Theil, „ und wendet die Nachrichten von Eben Ezer, wie andere fe 
. ſehr weislich zu dem rechten Ztpeck an. „Könte demßel⸗ 
2 eo ge e mes he age 
chte es uten Nutzen haben. Der theure Mann 
uns von denn, was GOtt in ſeine Hände geleget, ſchon manches 


Gute tuflieffen laſſen; wie wir denn auch durch Sanftleben die as 


Fth lr. bavon in Ihrem Briefe Ewehnung eee 


> unſerg auſes empfangen haben Mik den en Nuhr de 
| Alte des ac laber gehenden, iſt in ne eine kleine Iꝛ⸗ 


erung vorgegangen, welches wir heute erſt inne worden, wovon aber 
en „Prediger Ziegenhagen ſoll Nachricht gegeben werden. 
Daß der Segensreiche gnaͤdige GOtt eee auch 
von Londen aus eine groſſe Woh Wah ſſen, wodurch die 
lden. deſſelben haben kunnen ae re werden E. H. 

che g ite RN aue dem Dial, rang aus de beßgeleh. 


4 1 9 388 900 8 Am ten 


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Briöfebeeprebigekinibendies 2283. 
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ten Rechnung erſehen. Ach dancket alle GOtt, der groſſe Dinge 
thut e Enden der Erden, re 0 in 1 Werden 


BES 1 DR 


— mel in en 0 1 5 ler u 


Mutter, wie auch der aan Schweighoferin t Troſf, 


und ſoll uns dazu diene ae der an unſern Laͤmmern fortzuar⸗ 
beiten, und uns den h nicht nehmen zu u ff aſſen, wenn man gleich 


nicht allemal ben Effect des Worts und der guten Vorſtellungen 
i nn e de ze 155 aſchte. Seiko 0 e Die 


e Gute; 


ee an Dis 


. der e * 3 e eren wer⸗ 
de künftig mit GOttes Huͤlfe melden. Jetzo thue weiter nichts hin 


zu, als daß mein lieber im HErrn verbundener Bruder und Colle⸗ 

i en Gronau, mit mir, unſern Gehuͤlfinnen, und der ganzen 

Gemeine, allen Segen des Eten S. H. und allen unſern Goͤn⸗ 

nern und Freunden anwünſchen : wie wir denn auch nach unſerer 

t und kindlichen Liebe fortfahren werden, Ihrer und aller un⸗ 

ſerer lieben Wohlthaͤter in unſerm armen Gebet vor der hrone 

Gottes zu gedencken z worze Sine tüchtig mac 5 wolle 

en ene 5 N . a . 12 0 5 

eee ene e i aeg jebe verbun 

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1284 Briefe der Prediger in Eben tzer. 

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e In d ep Errn vielgeliebter Sreun 
Einen Brief vom 27. Januariidieſes Jahrs haben wir 

N sunfern Schuhmacher, den lieben Ulich, wohl erhalten, 


een 

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SO und daraus mit vielem Vergnügen , Erbauung und zum 


Lobe Gottes erſehen, daß der liebreiche und gnaͤdige Vater im 
Himmel auch an Seiner Seele groſſe Barmhertzigkeit gethan, daruͤ⸗ 

ber Er feinen Anbetens⸗ windigen Namen billig hochpreiſet. Alle 
Wohlthaten des HErrn, die er uns auch im Natur ⸗Neiche erzei⸗ 
get, ſind danckens werth, und hat ſich ein ieder derſelben vor GOtt 
und Menſchen gantz unwerth zu achten; was wollen wir aber dazu 
ſagen, daß uns der groſſe und herrliche Gott fein einiges allerlieb⸗ 

ſtes Schooß⸗ Kind, den Glanz feiner Herrlichkeit und dag Ebenbiſo 
feines Wesens um Hobenprieſter, Propheten, Gnaden König; 
zu allem, wozu wir ihn nur noͤthig haben, und durch den Glauben 
brauchen wollen, geſchenckt hat? deſſen Werck und allerliebſtes 
Werek es nun, da er uns alle durch ſeinen Verſoͤhnungs ⸗Tod und 
Blutvergieſſen völlig ausgeſoͤhnt, unſere Schulden bezahlet und Le⸗ 
ben und volle Gnuͤge erworben hat, iſt und bleibet und bleiben wird, 
die Suͤnder ſelig zu machen, und ſie zum Genuß aller ſeiner Guͤter 
in Zeit und Ewigkeit zu bringen. Wird dis dem Hertzen recht op 
fenbar, ſo heißts in Wahrheit: Was iſt der Menſch, daß du ſein 


gedenckeſt, und des Menſchen Kind, daß du dich fein fo annimmſt d 


oder: Ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die 
du an deinem Knecht gethan haſt. Ich gäbe: dir wohl tauſend 
Welten, die treue Liebe zu vergelten. Laßt uns nun dieſe Kunſt 
noch beſſer lernen, uns nut recht klein und aller Gnade unwerth, 
. ene ee N⸗ 
Al Ä 


— 54 8442 Pa 
8 9 BUS BOX 


Briese der bender inen — 


hingegen Chriſtum und ſeine allen Suͤndern ofenfehende Gnade Gnade 
\ und aller Ehre ih 150 wuͤrdig achten. Das wird uns 
res Hiilfe dor mar en 0 e 
hrlichen Abwegen bewahren. ir erſehen z au 
Sei e, daß Ergen e 
zu Ney weſches . ch e 
| Werckzeuge, dem liebe 1. Be di Tran geprüft und uͤber⸗ 


neu Bot 1 ie 1 as vor Een 1 > 


1 wir 2 5 100 Pchehen zur 
0 den wol nahe werther Mitarbeiter im geiſtlichen 

i HeErrn, Herr Gronau, an welchen Seine Briefe 
us 5 8 59 getweſen, gruͤſſet mit mir Ihn und alle Redliche, 
W merckwürdigen © orten des Heblandes Ahe 12 27 35: 6 
An 2 Theſſ. 5,4 %. Hiemit verhante 


; Weines a dem De Breiten 


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Johann Martin Bolzzus. 


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2285 Briefe der 


Saleburger in Ebentkzer⸗ 


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Dererbeyden Hm Prediger ihrer Ehe⸗Ge⸗ 

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hllfinnen Schreiben an Matthia 


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RER moſern, 70 her Fair 
IT sale datt tot VOR 
10 ri 40 n seen Jul 1739. ao 
Do 11 7 1 278 
Ir haben durch den Hn. Sen. Uelſperger in einem Schrei. 
Ss ben Nachricht bekommen, daß Ihr mit Eurem Weſbe und 
einem Sohn aus dem Salsburgifchen nach vielem erlitteer 
nen Elende heraus . „und Euch bishero in Augſpureg 
suche, um dec de e Derfrgngge 
funden habt. Zugleich haben wir vernommen, daß unfer alter Ba⸗ 
ter, Peter Kroher, noch lebe, und daß auch unſere hinte 5 
ſchwiſter noch am Leben ſeyn ſollen, die min nebſt Euren indern 
unter der Aufſicht und Verſorgung unſers Catholiſchen Y ters le ⸗ 
ben. Wir ſagen dem lieben G Ott viel tauſend, kauſendmal 2 ick, 
daß er uns aus der Finſterniß errettet, und zum Licht des reinen und 
lautern Evangelii, und an einen ſolchen Ort gebracht hat, wo wir 
durch ſeine groſſe Barmhertzigkeit Gelegenheit gnug haben, uns z 
ſeligen Ewigkeit ſo, wie es von uns in der Heil. Schrift erfordert 
wird, zuzubereiten. Lieber Matthias, was iſt das für eine theure 
Wohlthat unſers HErrn, daß Ihr nach Augſpurg gekommen ſeyd! 
Da habt Ihr gleichfalls Gelegenheit genug, zur Erkenntniß der 
Wahrheit zu kommen, da werdet Ihr aus der Bibel wohl hoͤren, 
und es ſelbſt leſen koͤnnen, daß das aͤuſſerliche Ausgehen und das 
aͤuſſerliche Erkenntniß und Bekenntniß zu der wahren Evangeliſchen 
Lehre keinen Menſchen ſelig mache; ſondern wir werden nur deſto 
groͤſſete Verdammniß einpfangen, wo wir eine ſolche Seligkeit nicht 
achten, nur Hoͤrer des Worts und nicht Thaͤter ſeyn. Der Knecht, 
der ſeines Herrn Willen weiß, und hat ſich nicht bereitet, 
auch nicht nach ſeinem Willen gethan, wird viel Streiche leiden 
muͤſſen. Denn welchem viel gegeben iſt, (es iſt aber uns und 
Euch und andern Saltzburgern nun viel gegeben) von dem wird man 
am juͤngſten Gericht viel fordern. Nehmt daher alle gute 1 55 
ung 


Si iemand in &hrifo , 
gangen, ſiehe, es iſt alles 
worden, daß viele 


Schweſtern, genieſſen 
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ter hieher zu kommen. Sagt ihnen den Spruch: Was hilft es 
8 Menſchen, wenn er auch die gantze Welt gewoͤnne, und 


r. geholfen haben wenn ſte im Pabſtthum mit geheu⸗ 


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2288 f Briefe der Solgdurger in Ebenckzer. 


fer wünſc che oe wollen. n. Wit wünfeer wünſchen ihm, zur ihm, zur Vergeltung für Feind 
und ehmals erwieſene Häterfiche Liebe, die wa und ge 


kentniß Ju Chriſti, den uns der himmliſche Vater zu jene 
fand und Seligmacher gegeben Wer an ihn glaubet, d re 
lig, wer aber 99 25 t glaubet, und ſich nicht aufrichtig an ihn, der da 
iſt der Weg, die Wahrheit und das Leben, allein haͤlt, der kommt 
nicht zum Vater. Das ſaget Gott in ſeinem Worte, und das gilt 
mehr, als alle Menſchen⸗Gebote und Lehre. 
Kan 0 er ee und wuͤnſchen Euch ales Oyfefü 
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| „Catharina und Herbede, on 
x vs des Peter Krohers leibliche 
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hann Steiner, 1 Aden gun 


J Jun uin 
ute ng vom Jahr 3739 505000 
men in an min Delhi geliebter 11 — 


29 Johann S teiner, 104 u I N Bra gefefen 


a Babumınids besfiähgefeäukt: de ich Euren Brief 
5 und gute Nachri richt gefunden habe, s 
Saltzburgern in in druff auch wohl geht, abſonderli 
fie zum Worte Gottes eine groſſe Liebe haben, welches a ar. 

EbenEzer eine groſſe Freude iſt; und wuͤnſchen ja wohl von Hertz 
daß das Wort Gottes ſo wol unter uns, als auch unter ihnen rei 
lich wohnete, wie Paulus zun Coloſſern am 3. im 16. Vers 
ſchreibet:! Laſſet das Wort GGttes reichlich unter RER 
nen in aller Weis heit, lehret und vermahnet euch 

Pfahnen und Lobgeſängen und geiſtlichen Baier lle 


Kies 


Briese einiger Salgburger — 2289 
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Ben wie e e kein gehe 1 5 leib⸗ 
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enn vir hoͤren, Daß viel, Ja ich wünsche, alle ſich dem 


Valera deere Se der da Buſs thut. te und 3 
Gee 2. — en mie ehe denn 


1% und Euer 83 — Gott hr 3 — b im 
„Herzen, und huͤte dich, daß du in keine uͤnde will 
een — . kn Si de wi geſt und thuſt | 
€ rer ee une Bee ob nicht ihr Bruder, Bor 
l e ger in Preuſſen zu nden i und € 
5 eee ms 5 fr ihr i 
f Simon Steiner 


5 Amer. Soef us Popp ppb pp XII. 


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a 2290 Briefe einiger Salgburg 
NI 19: 


Contad Helds Schreiben an feinen 
Sohn, Andreas Held, Weber ⸗Geſt rn | 
AR Amt Stein, im Durlachiſchen, . — 


* berichte Dir hiemit, daß uns der liebe und freundliche Ott 


er in Eben Ezer. 1 


— 2 —— 


* 


geſund uͤber die groſſe See geführt, und am Ende des Oetobris 
vorigen Jahrs glücklich nach Georgien gebracht. Wir wur⸗ 
den zuerſt in Savannah, als der Hauptſtadt dieſer Prosii d 
geſetzt, und daſelbſt einem Englaͤnder als Knechte verkauft, nach 
flieſſung aber dreyer Monate brachte uns der liebe GOtt nach Eben⸗ 
Eter zu den Saltzburgern, alwo ich und die Mutter im We uſe 
arbeiten, der Bruder aber iſt als Knecht bey einem e | 
burger, und die Schweſter bey einem ihrer Lehrer im Dienſte. 
unſere Zeit zu Ende, ſo wird uns, wenn wir uns wohl und Chriſtlich 
ein Jahr Lebens ⸗Mittel nebſt Vieh und Dandmerts:geug, "Sehe 
haben wir keinen Mangel, es fehlet uns an nichts, weder im eil. 
noch im Geiſtlichen. Wir wuͤnſchen Dir öfters den Reiß, der hier 
von dDiſch weggetragen wird. Der Reiß wird hier gar reich lich ge⸗ 
pflantzet, und iſt alſo wohlfeil. Solte der liebe GOtt Dein Getnuͤth 
lencken, auch hieher zu reiſen, fo ſolte es uns ſehr lieb ſenn. Wit 
ſchlieſſen Dich täglich in unſer Gebet ein, und bitten den lieben GOtt, 
er wolle Dir ſelbſt Luſt geben, zu uns zu reiſen, wenn er es Dir nuͤtz⸗ 
lich zu ſeyn erkennt. I e Luſt zu kommen, ſo darſſt Dunichts 
mitbringen, als deine Kleider, Du brauchſt Dir keinen Brief von der 
Herrſchaft geben 3 laſſen, es iſt genug, wenn Du einen Paß bey dir 
haſt. Kommſt Du nach Rotterdam, ſo kanſt Du Dir etwas Brand⸗ 
wein, auf die See mitzunehmen, kaufen, in Teutſchland brauchſt 
Du nicht dergleichen Dir anzuſchaffen. In Rotterdam kanſt Du 
fragen nach dem Poſt⸗Schiff, welches nach Londen gehet, hier kommſt 
Du gar wohlfeil hinuͤber. In Londen muſt Du zuſehen, daß Du ſo 
lange Arbeit bekommſt, bis ein Schiff nach Georgien gehet. Haſt Du 


nicht 


Briefee einiger Salgbuegeti in Ebrnkzer. 2281 


gage —.— „ ſo ſch = ce —.— — e ar 
magſt Du nach Augſpurg an er ſchicken, der 
5 winden ſo gut En ihn Mt Sehe nach Eben zer ſen⸗ 
— alten Menſch kommt hier gar gut zu rechte, iſt feine Zeit 1125 
er 7 0 und kan in kurzer geit durch den Segen Gottes 
f ede rodt zu eſſen im Stande iſt. 
1155 A nde! Kein Menſch ae die de 


n vor len undim 8 zu Arch 5 Die e wird 
| Dire an keinem Guten fehlen, Du wirſt einmal mit Freuden ſterben, 

und wir werden uns, e nicht geſchehen, dort vor dem 
HE Ottes in Freuden wiederſehen. Nun hiemit empfehle ich 

Dich der Gnade GOttes, und verbleibe nebſt begihen 05 von 

Deiner Mutter, Bruder und Schweſter . mar 2 


F. 5 Mer die gantze A ena Gebhard ift void g 455 . * % 
Stadt, Friderike, gekommen. Künfkler ift hier in an. f us 
dr 10 7 das kleine Kind iſt auf der See geſtorben, von den | N 
andern wiſſen wir nichts. 105 naar ge Töchter 295 ; Zn 
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Anno 1739. SCI En sten la al am Dittiooc), trafen fir unfere Rei 
an. tes Namen an, und ste AR 


2292 Beiſe⸗ Diarium. 


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Erkract aus dem von George Sanftle⸗ 
ben aufgeſetzten und von Zeit zu Zeit eingeſchick⸗ 
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„SDttes Ne und zwar zu Mittag. An 
Sm 1 uns 95 5910 aß rr viel 15 
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Hein SOft in der Hoͤh ſey Ehr und Danck für feine Snadeac. ABo- . 
bey uns Fonbexlich des Wert e des erſten Verſes ſehr eindruͤ Fr | 
waren: Darum, doß.nin umd nimmermebe uns are Kan 
kein Schade. Und fo brachten wir denn die Zeit des erſten Tages 
THU und Beten und erbaulichen Difcurfen im Segen zu 
Es war wol ein böfer Weg; doch hat uns der HErr fo gnadigli 
geholfen, daß uns kein Leid widerfahren, ſondern wir geſund u 
wohl in unſer erſtes Nacht ⸗Qugrtier kommen konten, nemlich nach 
Sermetzhofen. Der liebe Gott fügte es hier, daß wir in ein 
Zimmer allein kommen konten, dahero wir auch deſto 1 
unſerm 


Ae vi ; 15 75 Gute mit einander zu reden und uns in 
ermuntern. M ned, 

So Den 29ſten, am Donnerſtag. Des Morgens früh ſa 

ai JRR en vorher durch Gebet und Singen err 5 

in Wir fuhren n | 

fo zeigte uns G Ott eine kleine Prüfung, ob wir nicht wider ihn 1 

ren wuͤrden. Denn der Weg war ſo boͤſe, daß nicht allein ein Pferd 


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dencken dieſer Worte ſtaͤrcken konten: Iſt Gott für und mit 
uns, wer mag wider uns ſeyn? Endlich gings ein wenig beſſer, 
daß wir wieder auf den Wagen ſteigen konten. Da lobten und 


danckten wir GOtt und ſtimmten das Lied an: Solt ich meinem: 


Gott nicht fingen? ſolt ich ihm nicht danckbar ſeyn de. und: Wer 
nur den lieben GOtt laßt walten ꝛc. it. Auf meinen lieben GOtt 
trau ich in Angſt und Noth ꝛc. dadurch wir uns denn erquickten und 


ermunterten, und im Glauben und Vertrauen auf den lebendigen 


Gott geſtaͤrcket wurden. Hierauf zeigte uns der liebe GOtt noch 
was groͤſſers, denn es fiel unſer Wagen bis an die Achſen in den 
Moraſt, alſo, daß man ihn mit zwantzig Roß, welche man vorge - 
ſpannet hatte, nach langer Zeit kaum herausziehen konte, dahero 


wir auch ſo gleich von dem Wagen herab ſteigen muſten. Doch 


half der liebe GOtt auch daraus wieder gnaͤdiglich. Daruber lobten 
wir Gott und wurden im Glauben geſtärcket. Der Weg war 
aber doch ſo ſchlimm, daß wir mit d igen das Nacht ⸗Quar⸗ 
tier nicht erreichen konten. Und weil es ſchon Nacht worden, mu⸗ 
ſten wir unſere noͤthigſten Sachen zu uns nehmen und mit denſelben 
noch eine viertel Stunde weit bis nach Obermergen gehen, wo wir 

dieſe Nacht blieben. 5 e 5 ; 


Den zoſten. Freytag. Des Morgens reiſeten wir wieder mit 


Singen und Beten in GOttes Namen aus. Auf dem Wege ſun⸗ 
gen wir das Lied: Ich danck dir ſchon durch deinen Sohn ꝛc. und: 
Was Gott thut, das iſt wohl gethan ꝛc. ſchlugen hierauf in dem 
Graf Henckeliſchen Schatz⸗Kaͤſtlein den Spruch auf: Ich will 


dich nicht verlaſſen noch verſaͤumen ꝛc. dadurch wir ſehr geſtaͤr⸗ 


cket worden. Wir betrachteten hierauf mit einander die Hiſtorie 
von Jacob, wie er auf einem Stein geſchlaffen und die Himmels⸗ 


Leiter geſehen, ingleichen auch die wunderbaren Wege, die GOtt 


mit Joſeph gegangen, und auch noch mit den Seinigen gehet; als⸗ 


denn ſungen wir das died: Warum betruͤbſt du dich mein Hertz e. 
Nach dieſem nahmen wir die Hiſtorie von Moſe vor, und erweckten 
uns durch deren Erzehlung und Betrachtung. Da hierauf eine Per⸗ 


fon unter uns ſehr begierig war von dem Leiden und Sterben unſers 
* . Ppp ppp pp3 Hez⸗ 


Reiſe⸗Diarium: 2253. 


Doch gab der diebe G St uns Gnade, daß wir bey allen diefen Um» Anno 1739 
ſtaͤnden den Muth nicht ſincken lieſſen, ſondern uns durch das An⸗ lan, 


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2294 Keiſe⸗Diarium. 


Heylandes JEſu CHriſti etwas zu hören, ſo redeten wir aucß 
davon unter einander mit vieler Erweckung. Und ſo kamen wir 
denn gluͤcklich und vergnuͤgt in unſer drittes Nacht⸗Quartier, nem⸗ 
lich nach Noͤrdlingen. Wir konten hier wieder allein in einem 
Zimmer ſeyn, und alſo unſer Gebet und Danckſagung fur ſo viele 
uns erzeigte Wohlthaten in der Stille und Ruhe verrichten. 

Den 3 iſten. Am Sonnabend früh, da wir unſer Gebet zu 

Gott gethan und uns ihm anbefohlen hatten war uns noch einige 
Zeit übrig, ehe unſere Fuhr⸗veute abfuhren; dahero laſen wir 
noch mit einander das 2. Capitel der Epiſtel Pauli an die Epheſer, da⸗ 
bey uns denn ſonderlich der 4. 5. und 6. Vers zu einer groſſendlufſmun⸗ 
terung gedienet hat, daß wir auch unſere Straſſe frolich ziehen 
konten. Wir ſungen einige ſchoͤne Lieder, unter andern auch: 
Laſſet uns den HErren preiſen und vermehren feinen Ruhm ꝛc. 
wodurch wir alle gantz beſonders erwecket und ermuntert worden. 
Nach dem Mittags ⸗Eſſen lobten und danckten wir dem lieben GOtt 
mit Freuden fuͤr die vielen Wohlthaten, die er wieder an uns erwies 
fen, und ſungen das Lied: Nun laßt uns Gott den HErren ꝛc. und 
laſen die 3 1. Betrachtung aus dem Amadeus Creutzberg unter vieler 
Erbauung. Wir ſtimmten noch das Lied an: Eins iſt Noth, ach 
Herr, dis Eine lehre mich erkennen wohl ꝛe. Hierauf langten wir 
endlich in unſer viertes Nacht⸗Quartier an, nemlich zu Duͤnckel⸗ 
ſpiel. Nachdem wir zu Abends mit einander gegeſſen hatten, nah⸗ 

men wir das morgende Evangelium vom viererley Acker vor uns, und 
betrachteten es mit einander in aller Einfalt. „ se 

Den 1 ſten, als am Sonntag. Des Morgens reiſeten wir von 

Duͤnckelſpiel aus, und da uns hier die Zeit zum Morgen ⸗Gebet u 
kurtz worden, verrichteten wir ſolches auf unſerm Wagen, wobey 
uns der liebe GOtt viele Gnade ſchenckete. Wir ſungen hierauf 
einige Lieder und nahmen eine Betrachtung aus dem Creutzberg vor, 

wodurch wir zum Lobe GOttes ermuntert wurden aus Pf. 34. Ich 

will den Errn loben allezeit, fein Lob ſoll immer dar in 

meinem Munde ſeyn. Wir preiſeten hier den HErrn fuͤr ſeine 

groſſe Huͤlfe und Beyſtand, ſo er uns bisher in ſo manchen Umſtaͤn, 

den unſerer Reiſe erwieſen, daß es dem böſen Feind nicht gelungen, 

uns zu ſchaden oder zu verderben. } abe 
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Reiſe⸗Diarium. 


8 


2295 


1 -Den aten. Montag. Wir reiſeten im Namen Gottes mit Anno 1739. 
dancken und loben, ſingen und beten aus. Wir ſungen unter an⸗ 
dern auch das Lied: Danck ſey Gott in der Hoͤhe in dieſer Mor⸗ 
gen ⸗Stund ꝛc. Wobey uns ſonderlich dieſe Worte erwecklich wa⸗ 
ten: Wir ſind die zarten Reben, der Weinſtock ſelbſt biſt du, 
daran wir wachſen und kleben, und bringen §rucht da zu. 

Wir blieben bey dieſen Worten etwas ſtehen, und ſtellten nach den⸗ 
ſelben eine kleine Prufung bey uns an. Der Weg war noch immer 
ſehr boͤſe, dahero es auch geſchah, daß uns unvermuthet der Wa⸗ 
gen mitten im Waſſer ſtehen blieb. Doch als man die Pferde von 
dem vordern Wagen nahm und unſerm Wagen vorſpannete, 


half uns der liebe Vater auch wieder aus dieſer Prüfung gnaͤdiglich. 
Wir lobten und preiſeten ihn dafür mit dem Geſang: Lobe den 


K 


den maͤchtigen König der Ehren ꝛc. und: Sey Lob und 


| = hr dem höchften Gut ꝛc. Weil eine Weibs⸗Perſon unter ung et 
was unpaß war, ſo verurſachte ſolches auch bey uns zuweilen manche 


rge und Bekuͤmmerniß. Doch wir wurfſen unſer Anliegen auf 


unſern GOtt, und dieſer half uns auch in allen unſern 


Unmſtänden. Ehe wirs uns verſahen, war der vordere Wagen wegen 
des ſo ſehr ſchlimmen Weges umgefallen, welchen man mit 9. Roß 


wieder aufziehen muſte; und gleich darauf nur etliche Schritte davon 
iel der Wagen auch auf die andere Seite, daß die Fuhrleute lange 
Zeit zubringen muſten, ehe fie ihn aufbrachten. Es war ein kurtz 
Stuͤck Weges vor unſerm ſechſten Nacht⸗ Quartier. Das Dorf 
hieß Lindlein. Nun der dreyeinige GOtt und liebe himmlische 
Vater ſey gelobet fuͤr die viele Wohlthat und Gnade, die er uns an 


dieſem Tag erzeiget hat, von nun an bis in Ewigkeit? 
Dien 3ten. Dienſtags. Weil wir hier eine ſehr unruhige Her⸗ 
berge hatten, fo konten wir unſer Morgen Gebet nicht recht mit 


Andacht, Ruhe und Frieden vor GOtt bringen. Doch thaten wirs, 
ſo gut wir konten, und ſo viel uns GOtt Gnade dazu gab, ermunter⸗ 
ten uns aber deſto mehr auf unſerm Wagen mit ſingen und beten. 
Mit vorgedachter unpaͤßlichen Perſon wurde es, Gott ſey gedan⸗ 
cket und gelobet, auch wiederum beſſer, nac | 
von einem uns vorgeſchriebenen und mitgegebenen Pulver eingege⸗ 


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chdem wir ihr einige mal 


ben, wodurch die gehabte Hitze wich und ihre Schmertzen gelindert 
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2296 Reiſe⸗ Diarium. 


Anno 1739. wurden. Der H Err ſey auch für dieſe erwieſene Wohlchat gelobel. | 


Febr. 


Wir ſungen einige Lieder und nahmen eine Creutzbergiſche Betrach⸗ 
tung vor uns zu unſerer Erweckung. Hierauf kamen wir in ein 
Dorf, da wir auch wieder eine Staͤrckung des Leibes zu uns nahmen, 
aſſen und truncken ein wenig, und preiſeten G Ott für feine uns erzeigte 
Wohlthat, und ſungen mit einander das Lied: Nun lob, meine 
Seele, den HErren ꝛc. Durch das ıfle Capitel Johannis, wel⸗ 
ches wir laſen und betrachteten, wurden wir nicht wenig ermuntert 
und erwecket. Unſer ſiebentes Pacht» Quartier war Serbersho⸗ 
fen. Wir konten hier in einem beſondern Zimmer in der Stille 
beyſammen ſeyn und Gott fuͤr ſeine Gnade, die er uns geſchencket hat⸗ 


te, loben und preiſen. Nun er wird ſich auch unſer noch ferner an⸗ 


nehmen um unſers Heylandes JEſu CHriſti willen, und uns leiten 
nach ſeinem Willen. Er ſpricht ja zu uns: Ich will dich nicht 
verlaſſen noch verſaͤumen; ich din bey euch alle Tage, bis 
an der Welt Ende ꝛc. Wir ſind nun in zwey Tagen nur neun 
Stunden wegen des gar boͤſen Weges gefahren, daß alſo unſere Reife 
ſich vermuthlich noch lange verziehen moͤchte. Doch wollen wir uns 
Gott befehlen und auf ihn hoffen, er wirds wohl machen; was Et 
thut, iſt wohl gethan. Wir befehlen auch unſere Wohlthaͤter in den 
Schu des Allerhoͤchſten. ene ahnen 
Dien 4ten. Mittwoch. Des Morgens ſatzten wir uns wieder 
auf unfern Wagen in Gottes Namen. Es regnete zwar, doch 
waren wir getroſt und verrichteten unſer Gebet zu GOkt, und be⸗ 
fahlen uns dem lieben GOtt, daß er auch dieſen Tag mit feiner Gna⸗ 
de über uns wolle walten, ſungen darauf das Lied: HErr IEſu 
CHriſt, dich zu uns wend ꝛc. auch: Gott des Himmels und der Er⸗ 


den ꝛc. und noch einige andere. Der HErr gab auch dieſen Tag 


uns Gnade auf unſerer Reiſe, es wurde der Weg immer beſſer als 
an den vorigen Tagen, da wir nur allezeit bis vier oder funf Stun⸗ 
den fahren konten. Wir ſtaͤrckten uns dieſen Vormittag noch mit 
einem und dem andern herrlichen Spruͤchlein aus denen uns mitge⸗ 
gebenen Graf-Henckeliſchen Schatz⸗Kaͤſtlein. Nachmittage nah⸗ 
men wir das 2. Capitel des Evangelii Johannis vor, und ſtellten un⸗ 
ſere einfältige Betrachtung darüber an. Es war uns das gantze 

Capitel ſehr erwecklich, beſonders aber auch der 14.1 5. und A: 

| Wir 


5 Keiſe⸗Diarium 2297 


— — kd. 


Wir kamen endlich nach Siſchersheim an der Taube, als unſerm An 
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Deen 6ten kamen wir nach Miltenberg am Mayn. Wie 
wir jenſeit der Stadt kamen, konten wir nicht durchs Waſſer, wegen 


Groͤſſe des Mayns. Man wolte uͤber die Aecker fahren, aber der 


| Wagen verſanck bis an die Achſen, weil das Erdreich keinen veſten 


Grund hatte. Weil die Fuhrleute alſo nicht durchkommen konten, 


ppannten ſie hinten an den Wagen 20. Roß, wodurch fie den Wa⸗ 
2 t groſſer Mühe wieder zuruͤck auf die Bruͤcke brachten, und 
i daſelbſt uber Nacht zu bleiben, wir aber nah ⸗ 

e Madratzen oder Decken, gingen damit in die Stadt, 


gen mit groſſer 


nd übernachteten daſelbſt. Des Morgens gingen zwey Fuhr⸗ 


Khechte hinaus zum Waſſer, da fahen fie, daß es wegen Tiefe des 
Waſſers nicht möglich war durchzukommen. Daher fanden wir 


für gut, ein Schiff zu miethen und damit folgends nach Franckfurt 
zu gehen, dahero dingten wir einen Schiffmann und wurden mit 


ihm eins um 4. Gal. Wir kamen auch mit dieſem Schiff. 
den gten morgens um 9. Uhr gluͤcklich und wohl in Sranckfurt 


an. Wir begaben uns ſo gleich zu denen Herren, an welche wir recom- 
mendiret waren, welche uns auch fehr viel Liebe erwieſen, und uns mit 


bern uns herglich geliebet, und recht liebrei 


— 


Americ. IV. Sortſ. 


th und That an die Hand gingen. Sonderlich hat Herr N. ſich uns 


ſer ſehr liebreich angenommen in Franckfurt; er hat ſich recht vaͤterlich 


no 1739. 


Febr. 


Gt und auch Geld wit aaf den Weg gegeben, Der liebe Gott 


Fa erzeiget, als wenn wir ſeine Kinder geweſen waͤren. Er 


wolle es ihm vergelten, und ihn, wie auch alle andere liebe Wohlthaͤ. 
ter, dafür tauſendfach ſegnen. Wir haben hier manche rechtſchaffene 
Seelen ſprechen und uns mit ihnen erbauen und erwecken koͤnnen. 


Auch haben wir keine Gelegenheit verſaͤumet, Gott zu dienen, zu 


ihm zu beten, und uns durch ſein Wort zu ſtaͤrcken. 
Dien gten Abends waren der Herr Wiedeman und ſein lieber 

Collega Herr Manitius, welche von Halle aus unter die Juden ge 
ſchickt ſeyn, bey uns, durch welche wir ſehr geſtärcket wurden. 


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hertzlich erfreuet, etwas von den Herren Predigern und unſerer Ge, 
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empfangen, auch ſich 


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2298 Reiſe⸗Diarium. 


Anno 139. Meinein Eben zer zu hören. Nach vielen erbaufichen Geſprcchen g 


Febr. 


Gnade Gottes 


lieſſen fie uns wieder mit vielen Segens⸗Wuͤnſchen na | er: 
er 57 1 5 Sc von den nende 
b iſt auch mit einem Schiffmann accordiret dem wir bis 
Ele e eee n de eee eee 
5 en Iten reiſeten wir im Namen Gottes auf unſerm gemie⸗ 
theten Schiff zu Mittag um 2. Uhr von Franckfurt a. ee | 
ſey Demüthiglich geprieſen für alle uns daſelbſt erwieſene viele? zohl⸗ 
that. Dieſen Tag kamen wir bis auf Sochſt, und blieben daſelbſt 
über Nacht. Wir hatten aber eine uͤble Herberge, denn wir konten 
nicht ſchlafen vor dem groſſen Lermen, den die Schiffer mit den deuten 
hatten. Da gilts Wachen, da gilts Beten. Es war gber gut, 
daß wir nieht lange da blieben. Denn zu Mitternacht nach 12. Uhr 
gingen wie wieder zu Schiff und führen von Zöchft ab, kamen 
auch früh Morgens um 4. Uhr in Maynt gluͤcklich an. Wir mu⸗ 
ften dieſen gantzen Tag hier verweilen, bis Abends um 4. Uhr, weil 
der Schiffmann fo viel zu verrichten hatte. Dieſen Abend kamen 
wir noch bis Elfeld, da wir über Nacht blieben. Des Morgens 
früh, da es noch dunckel war, gingen wir wieder in unſer Schiff, 
verrichteten daſelbſt unfer Morgen⸗Gebet, ſungen einige Lieder, und 
90 d 55 Be a ene de von Gottes Wort, de 
h die Schiff⸗Leute gantz ſtille waren; denn es aefieli dohl und 
„Den 21ſten entſtund auf dem Waſſer ein ſolcher ſtarcker 
Wind, daß er auch das Schiff zweymal herum HA er] 
uns der liebe GOtt bewahret vor Ungluͤck, und ſind wir durch die 
e den 2aften glücklich und wohl auf Cölln gekommen. Dem 
HeErrn ſey dafuͤr Lob und Danck geſagt. Der lebe Vater im Him⸗ 
mel hat uns hier durch eine gute recommendation von Franckfurk aus 
wieder einen Mann gezeiget, der ſich unſer recht treulich hat ange, 


Von Coͤlln bis Roterdam haben wir dem Schiffmann 60. Fl. geben 

müffen. Es iſt ſehr theuer zehren, daher wir auch 1 N.. 

wieder 30. Fl. aufnehmen muͤſſen. Wir werden unſere Reiſe den 
SL 24ſten 


nommen, und uns mit Rath und That an die Hand gegangen. 


* 


— 


Ta 4 


Reiſe⸗Diarium. 


Vor Coͤlln an bis nach London hatten wir eine ſehr muͤhſame 


Reiſe. Doch aber vertraueten wir Gott, und gedachten fleißig 
an den Spruch, den der liebe Herr S. uns guf unſere Reiſe mit⸗ 
gegeben: Ich will dich nicht verlaſſen noch verſaͤumen. 


Dien aten Marti, Montags. Ehe wir auf das Schiff nach 


London gingen, muſten wir noch 8 Holl. Gulden und etliche Stuͤber 
geben, daß man unſere Sachen wieder von Roterdam weg und auf 
das andere Schiff bringen durfte. r 

Dien qten ſchifften wir in GOttes Namen ab. 


Dien dten kamen wir nach Heelvoot-Sluys. Da muſten wir 


liegen bleiben bis auf den Aten, weil der Wind contrair war, 


und wir alſo nicht in die See laufen konten. Wir aber uͤberlieſ⸗ 


ſens GOtt und hielten geduldig aus. In der Nacht darauf, als 


wir bey Heelvoot-Sluys angekommen waren, erhub ſich ein groſſer 


ſtarcker Wind, welcher den folgenden Tag noch gröfler und ſtaͤrcker 
wurde, alſo, daß man zwey Ancker werfen muſte, weil der Wind 
und die Wellen fo ſtarck an das Schiff ſchlugen, und groſſe Gefahr 


& . war, welche ſich auch gegen Abend noch mehr zeigte: 
da 


Wind und Wellen immer ſtaͤrcker wurden, und durch ihre Ge⸗ 


walt einen Ancker abriſſen. Ach da ſchwebte uͤber uns Gnade und 
Zorn. Denn unſer Leben war dem Tode ſehr nahe; da wurde unſer 
Glaube auf die Probe gefuͤhret, welcher ſich noch ſehr ſchwach bewie⸗ 


ſen. Denn es war eine groſſe Gefahr vorhanden. Wir gedachten 


immer, der Wind und die Wellen wuͤrden den andern Ancker auch 
folgends abreiſſen, und uns an das Land werfen, daß wir alle wuͤr⸗ 
den umkommen muͤſſen. Aber da hat es auch geheiſſen: Wenn die 
Noth am groͤßten, iſt uns GOtt am allernaͤchſten. Denn der liebe 


himmliſche Vater erzeigte uns bald darauf feine Gnade und Barm⸗ 


ſhertzigkeit, daß ſich die groſſe Gewalt des Windes und der Wellen 


legen muſte. Meine liebe Reiſe⸗Gefaͤhrten haben von der ſtarcken 
Bewegung des Schiffes alle die See⸗Kranckheit bekommen, ich aber 


bin, Gott ſey gedancket / allein uͤberblieben, daß ich ihnen konte 


© 
Si 


oaften in GOttes Namen wiederum antreten. Der HErr gebe Anno 1739. 
noch weiter Gluck und Segen dazu, und laſſe feine Gnade auch fer⸗ Febr. 
nner uͤber uns walten. en, Bau won BR I 


ag aaa q 2 mit 


N 4 
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2300. | Reiſe⸗Diarium. 


9 1739 mit Rath und That an die Hand gehen. Die Schiffleute waren 


uns zum Theil auch ſehr gewogen, und ſtunden in guter Hoffnung, 
5 En von hier wegzugehen, weil der Wind ſich etwas beſſer 
Knlie ß. Eng Gen 
Den raten, als am Sonnabend, konten wir durch Gottes 
Huͤlfe wircklich von Heelvoot· Suys abfahren. Wir konnen es 
wohl mit Wahrheit ſagen, daß der liebe GOtt uns bisher auf un⸗ 
ſerer Reiſe viele Gnade und Liebe erzeiget hat; und er wird es auch 
noch ferner thun aus lauter Erbarmen und Gnade, wenn wir ihm 
nur vertrauen und mit feinen Fuͤhrungen und Wegen zufrieden ſind, 
dabey es ohne Pruͤfung nicht abgehet. Die See⸗Kranckheit griff 
meine liebe Reiſe⸗Gefaͤhrten zum zweyten mal heftig an, aber meiner 
gar der liebe GOtt wiederum gnaͤdig verſchonet, daß ich ihnen doch 
konte zu Huͤlfe kommen, ſie aufmuntern und troͤſten, es werde ni 


lange wahren, und es geſchah auch alfo, wie ich geſagt hatte. Des 


Morgens kamen wir in die Revier von England. Es verzog ſich 
aber noch ſehr lange, bis wir gantz nach London kamen, daß uns auch 
der Vorrath, den wir hatten ausging, und wir in anderthalb Ta⸗ 
mn. 19 1 hatten. Doch half uns der liebe GOtt endlich 
gli da wir 1 r 8 s a N 
10 den 19ten an den verlangten Ort, nemlich zu London, gluͤck. 
lich ankamen. Da zeigte uns der liebe Vater im Himmel gleich 
einen Mann, dem wandte er ſein Hertz, daß er uns Brodt in der 
Stadt holen muſte, und wir unſer Hertz wieder ſtaͤreken und erfreu⸗ 
en konten. Da wir denn den lieben Gott über feine Güte und 
gnaͤdige Vorſorge gelobet, und uns dabey unſerer Unwuͤrdigkeſt 
erinnert. Ich aber machte mich im Namen Gottes geſchickt und 
ging nach Kenſington zu dem Herrn Hof⸗Prediger Ziegenhagen, und 
meldete uns an. Der wurde uͤber unſere Ankunft ſehr erfreuet, 


und ſagte: mich hat ſehr nach euch verlanget, und bin etwas bekuͤm⸗ 


mert geweſen, daß ihr ſo lange unter Weges geweſen ſeyd. Ich 
blieb dieſelbige Nacht in ſeinem Hauſe, weil es zu weit war, wieder 
auf das Schiff zu gehen. Des Morgens ſchickte der Herr Hof⸗ 
Prediger den lieben Herrn Berein mit mir zu dem Herrn Secrerario 


F 4 1 


der Herren Teuſtees, Namens Verelſt, damit Anſtalt gemacht 


wuͤrde, 


| Keiſe⸗Diariunm. 5 2301 


[2 


ar 


| würde, die Leute von dem Schiff zu bringen. Er war auch gleie Anno 173. 
bereit, ſchickte einen mit uns auf das Zoll⸗Haus, die Sachen richtig Mart. 


u machen; es geſchah aber nicht, weil man verlangte, er ſolte ſel⸗ 


ber kommen. Nach I. Uhr kam der Herr Secretarius auch ſelber, es 


war aber ſchon zu ſpaͤt. Daher ging er zum Herrn Capitain, ſich 


ee, das j da er dann vernommen, daß meine liebe 
R. iſe Ode FR en 


Reiſe⸗ Gefährten ſchon bey einem teutſchen Mann in der Stadt tod» 
ren. Denn ſo bald dieſer vom Capitain Nachricht erhalten, daß 


Len keurſche Leute auf ſeinem Schiffe haͤte „ nahm er ein Boot undd 


holete ſie ab. Sie hatten aber ſehr nach mir verlangt, da ich nicht 
wiederkommen war; haben auch die letzte Nacht auf dem Schiff we⸗ 
nig Ruhe gehabt vor den Viſitatoren, die ſich den vorigen Tag eid» 
gefunden hatten; dahero wir uns alle hertzlich erfrenet, da wir 

jeherigen Unruhe kamen. Der liebe G Ott hat uns bisher 
wird auch weiter helfen, des dancken wir ihm nun von 


Hertze , und laſſen ihn ferner walten. 


. 
N. 


Ben Deng rſten beſachte uns der Herr Hof, Prediger Ziegenhagen. 


Er gad ſich unfert wegen groſſe Mühe, und ermahnete uns hert 
lich. % det uns auch bon eb chen Gabenetwas mitgerhilt, und 
uns ſehr viel Liebe erzeiget. Der liebe GOtt wolle es ihm wieder 
tauſendfaͤltig erſetzen und ihn Dafür ſegnen. Er erfreuete uns auch 
mit dem Gruß, den uns der liebe Herr S. aus hertzlicher Liebe ge⸗ 


gen uns zugeſchickt hatte. Wir dancken hertzlich dafür, und find 


berzeuget, daß der liebe Heyland nicht das geringſte wird unbeloh⸗ 
net ſeyn laſſen. Der liebe GOtt walte über uns alle, und bringe uns 
zusammen in der Ewigkeit, da wollen wir mit einander frölich ar 
ſtimmen und ſingen: Heilig „heilig, heilig G Otte und dem Lamme, 
das ſich hat erwuͤrgen laſſen fuͤr uns. In London haben wir ſehr 
Ser und Wohlthaten genoſſen. Get wolle die lieben Wohl⸗ 


er dafür reichlich ſegnen nach Leib und Seele. 
Den 23ſten Apr. ſind wir glücklich in die See gelaufen mit 
einem Weſt⸗Wind, und befahlen uns dem lieben GOtt in ſeine 
Gnade, Allmacht und Barmhertzigke ikke. 
Dien aſten. In der Nacht hatten wirgroſſen Sturm, daß 


wir den 25ſten und 26ſten far keine Segel haben fuͤhren koͤnnen. 


Dag gag gag Da 


Apr. 


— 


2302 Keiſe⸗Diarium. 


| * 1739. Da erhuben ſich die Wellen wie hohe Berge, und das Meer und der 


Maj. 


Dien ten war es wieder gantz ſtille. 


und war ſehr gewaltig. 


Wind wütete und tobele fo ſehr, daß der Capitain genöthiget wat 
wieder auf die funfsig Meilen zuruͤck in den Hafen zu gehen; da haben 
wir anderthalb Tage gelegen. alt. e e e 
Den 27ſten gab uns Gott guten Wind, daher gingen wir 
uche a 2 Bis Kan fig BIST 1 Tele 41 deer dan 
der Wind wieder von Suͤden, der ann en e e 
den ten Maj. Dieſes war ein ſch zer und gantz ſtiller Tag. 
Abends um 10. Uhr kam der Wind vom Mittag, der war ſehr gut 
für uns; ich freuete mich hertzlich Darüber, und wuͤnſchte bald nach 
Eben zer zu kommen. 


Den gten kam der Wind Nord, Oſt, der war ſehr gewaltig. 
Das Schiff iſt gelaufen 8. bis 10. Meilen. Die Weibs⸗Leute ma, 
ren ſehr kranck von der Bewegung des Schiffes. Weil aber doch der 
Wind für uns ſehr gut war, ſo danckten wir GOtt hertzlich für die 

Wohlthat, die er uns dadurch erwieſen. 7 
Deen ↄten um 12. Uhr kam der Wind von Weſten, der gantz 
contrair war. Aber der liebe GOtt erzeigte uns wieder eine neue 
Wohlthat, nemlich der Capitain ſchickte 
den 10ten einen Knaben zu mir vor das Bette, und ließ mir 
ſagen: er wolte uns alle Morgen gutes Waſſer zum Thee⸗trincken, 
auch Mehl zu Suppen geben; denn er ſahe, daß die Weibs⸗Perſonen 
ſehr ſchwach und kraͤncklich waren. Die Gnade und Liebe JEſu 


CHriſti walte ferner uͤber uns. 


Den ııten, um 12. Uhr ging der Wind weiter gegen Norden, 
Dien 1a2ten wurde die Waſſermaͤnnin ſehr ſchwach, auch die 
andern befunden ſich noch nicht beſſer. Wir überlaffen uns aber vöͤl⸗ 
lig der Treue unſers GOttes und glauben gewiß, er wird uns nicht 
mehr auflegen, als wir ertragen koͤnnen. Er pruͤfet nur unfere Ge⸗ 
duld; alles, was uns begegnet, muß uns zum Beſten dienen, und naͤ⸗ 
her zu der Quelle, JEſu CHriſto, hinziehen. 2 


Den 


Den 21ſten hat uns Gott eine groſſe 


er Den Iten war ein r ee der Wind war vor Anno 1739. 


contrair. Die v vorgedachte Perſon ſtund auf von dem Bette, und ge⸗ 
dachte ein wenig friſche Luft zu ſchoͤpfen, aber ſie konte es nicht er⸗ 
tragen, man muſte ſie gleich wieder zu Bette bringen. Es griff fie 


5 mit einem Froſt und groſſer Hitze an. Sie begehrete von 
der Gertraud, ihr was vorzuleſen. ara wurde ihr auch aus 


Arnds Paradies⸗Gaͤrtlein das Gebet p. 184. und ſo dann p. 188. 
vorgeleſen. Wir ſtunden dabey in guter Hoffnung, der liebe GOtt 
ren dieſes mal helfen; hilft er nicht in ieder Su, ſo hilft er 
doch, wenns noͤthig iſt. 

Den 1yten. Machts um Aber Uhr Würbeden Wind et⸗ 


was beſſer und ging gantz ſtille fort. Man ſpannte daher Segel, ſo 
\ ee an! Das Schiff ging die Stunde drey Meilen. Ben 


Waſſermaͤnnin hielt das Fieber noch immer ann 
gl 1 20ſten ging das 3 noch eee baten 
auch, auſſer der vorgedachten Per e 14 75 erh}: 
ruͤſu 


daß ich und die bey mir waren, vor Angſt und Schrecken gezittert 
57 Zu Mittag ohngefaͤhr um ein Uhr wolten zwey von den 
| Weibs Vd mit uns reiſen, Nudeln kochen. Wegen der 
groſſen Bewegung des Schiffes verſchuttet eine das Fett aus der 
Baar u wehe welches ſo gleich in das Feuer gefallen dadurch ein ſo 
groſſes Feuer aufgegangen daß 015 die gantze Küche in Flammen 
waͤre geſetzet worden. Die zwey Weibs⸗Perſonen wuſten vor 
Schrecken nicht, was ſie thun ſolten; dahero der Capitain ſelbſt die 
eine, nemlich die Eggerin, weggezogen, damit fie ſich nicht daben 
naoch dazu verbrennen moͤchte. Weil nun darüber im Schiff vie 
Lermen und Springen entſtund, wolte die Berenbergerin ge⸗ 
ſchwind von der Decke durchs Loch ins Schiff ſteigen. In dem groſ⸗ 
ſen Schrecken aber verſahe ſie es, daß ſie mit dem Kopf zuerſt hinunter 
ſtuͤrtzte, daruͤber fie gantz von ſich ſelbſt kam und ſprachios wurde. 
Weil aber niemand von ihr 3 auch ſie nicht fallen ſehen, konte 
ihr auch niemand gleich zu Huͤlfe kommen. Sie war in der Angſt 
in ein finſteres Loch am Schiff gekrochen; da haben wir ſie allenthal⸗ 
ben geſucht, bi wir ſie endlich in einem N Winckel gefunden. 


* 24 5 Sie 


zugeſchicket, 


Maj. 


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230 Beiſe⸗ Diarium. Er 


Ano 1739. Sie ſahe Speech aus und konte Jarnidhereben;biabea SEIT um 


Maj. 


ein lihr, da ſtund ich auf und fragte, ob es etwas beſſer waͤre da 

hat fie mir mit lallendems Munde geantwortet, darüber wurde ifo 
freudig, daß ich GOtt hertzlich danckete fur die Liebe, Gnade und 

Barmhertzigkeit, ſo er ihr und uns erwieſen, W 
Zungen wieder los g. chatten Denn wir wuſten Fein 
was wir dafür brauchen ſolten. Ich aber dachte an den 
ſchen Balſam, V bali ich hr gland diese 
ſchaͤdigten Theile damit beſtreichen, und gab ihr auch davon etwas 
ein, weil ich in dem Recept fahe, daß er auf „ 
braucht werden. Die Schmertzen wurden auch hierauf Er 
den 23ſten etwas gelinder. Doch W 80 20 280. 
den 24ſten wurden fie. noch heftiger und ſo Bro, ß e vor 
ekrochen. Da wir nun 


. —— auf dem 3 hin und her g 


Iun. 


keinen Rath noch Mittel dafuͤr finden konten, au 


fer Vermoͤgen 
nicht e ae ie, isn. — 2 


himmliſche r da geſagt hat: Ich bin dein He 
fer; E doch 
greifen In dieſen unſern kuͤmmerlichen Umſtaͤnden g Damen 
an das Baum⸗Oel, e ee Hier⸗ 
auf wurde es nach und nach immer beſſer. Der treue Artzt ſey daffke 
demuthiglich geprieſen von nun an bis in Ewigkeit. Ich ſehnte mich 
e ene ee wege, lange. : 
Den ten Tun. war es gantz ſtille, aber nicht lange. 
Den 1 i ten ohngefaͤhr um zwwoͤlf Uhr begegnete uns anne Abe 
adiſche una s Kt waren viel . Leute. Der Wind 
en — — ir ne fe * 3 41 > lin 
Den Kater er Wind conte um 
wen 


| Bbufene ſie das Bley ‚ und gedachten Grund zu l 


n — 


keinen finden. | 
Den Leiten war der Wind ſchr heftig, 5 at mis ben der acht 
von real Uhr an bis fruͤh um ſieben keinen Segel haben führen kon 


hat gewaltig geregnet und iſt ein Sturm nach dem andern 


Nemeth doch durch die Gnade und Barmhertzigkeit G Ottes find 
wir noch immer erhalten worden, daß uns 4 2 uͤbels ER 
Ns 


* e XK — 77 97 nn Pe Wo 


Reife: Diörium: 5 230575 | 
tamen. . = liebe SSt ſey auch fuͤr diet Toßſchat gelobet und RE 1733. 
Iun. 


geprieſen. 
0 Den 18ten bis toten ohngefähe um acht uhr war der Wind 
noch immer contrair; ev drehete ſich aber bald nach Norden, da war 
8 konten ſo gewaltig, „ un wir bey der Nacht nur einen Segel führen 5 
nten. 

Den 20ſten um bier Uhr ſpannten ſie noch einen Segel von den 
groſſen auf, und wurfen das Bley aufs neue, da fanden ſie Grund. 
Wir aber freueten uns herzlich, und lobeten Gott, daß es bald ein 
Ende nehmen wide | 

Den 2aſten kamen wir in Gottes Namen und durch eine 
Barmhertzigkeit und Gnade alle frölich und geſund an das ſchon lang 
gewuͤnſchte Land, und zwar nach Carlſtadt, da uns Gott wieder 
viele Liebe und Wohlthat genieſſen lieſſe. Wir lobeten ihn dahero 
mit . und dancketen ſeinen Namen, daß er bisher ſo 
viel Barmhertzigkeit an uns gethan ( Ania au a und unverletzt 
ans Land kommen laſſenn | 

Den 25ſten gingen wir wieder iu Schiff, 5 um 1115 Savannah 
u fahren. Es wurden einige von den Weibs⸗Perſonen etwas 
e doch beſſerte es ſich, GOtt Lob, nach dem Gebrauch des 

Schauer⸗Balſams bald wieder. Wir haben bis nach Savannah 
eine ſehr unbequeme Reiſe gehabt, weilen es it regnete, und wir 
daher auch ſehr naß wurden. 

Den 1 Iten Iul. kamen wir Abends bey Savannah an; wir Lul. 
blieben aber die Nacht uber auf dem Schiff. he 

Den Taten, als am Sonntag, gingen wir in die Stadt, um 
ſo lange da zu bleiben, bis wir vo de wuͤrden, denn 
wir hatten ihnen ſchon durch eine elegenheit von Port⸗Royal Nach⸗ 

richt von unſerer Ankunft gegeben. Wir genoſſen auch hier in Sa⸗ 
vannah viele Liebe. In der Nacht kam der liebe Herr Gronau in ei» 
nem Boote von Eben Ezer hier an, und empfing uns ſehr freundlich 
und hertzlich, und wir bewillkommten ihn auch mit vielen Freuden. 
Er machte fo gleich Anſtalt uns hinauf nach EbenEzer zu bringen. 
Es kamen ihm auch bald noch zwey Boote von EbenEzer nach, uns 
darinnen er en. 


rn 8 an Nrr err rr Den 


2 N 57 


Anno 1739. 
Iul. 


2 Reiſe⸗Diarium. 


— — —— — ———5ßv— — — nn ne. 
Den ißten kamen wir endlich in dem lieben Eben k zer, e 

uns ſo lange verlanget hatte, glücklich und wohl an. Wir ſprachen 
gleich zuerſt in des Herrn Boltzii Haus ein, da wir denn mit einander 
den HErrn hertzlich lobeten und preiſeten für ſeine uns erwieſene groſſe 
Gnade, daß er uns alle bis hieher geſund und wohl gebracht hat. 
Wir ſtimmten mit einander ein herrliches Lob⸗Lied an, und beteten 
ſodann mit einander hertzlich, und lobeten GoOtt. Hierauf wurde 
uns eine Mahlzeit zubereitet, die wir denn froͤlich und vergnügt un⸗ 
ter vielem Lob und Danck unſers treuen GOttes genoſſen haben. 
Die lieben Eben Ezerer kamen auch mit Freuden herzu, und fanden 
die mitgereiſeten Weibes⸗Perſonen bald ihre Freunde und: n 
wandte darunter, welche ſie zu ſich nahmen. 9 I 


Nun der Name des HERAN, 12 175 treuen 
SGdttes, ſey gelobet und gebenedeyet, wa 
an bis in En, Amen! 


Zuverlaͤßige N ae 


ie "don en bey nein ere den we 
Meß 1739. aut eden und über . 5 
Bi e e e ee 
* sc 1 90 . e Br 1 er 
S x iſt einmal verlange wo e daß wie in Briefen oder im 
ur SH > jarıd von unſern noch enden Zuhoͤrern eine Nachricht 
“ inſchicken ſolten. at bei; da wir eis 
nen neuen Transport hoffen, infonderheit. moͤchte erfordert wer⸗ 
den, wie viel Einwohner zu Eben Ezer noch am Leben ſind, ſo haben 
ietzt dem Diario einen Catalogum ſo wol der noch lebenden 
als verſtorbenen Perſonen aus A unſrer Gemeine beyfuͤgen wollen. 
Es fehlen noch viel, wenn die Zahl von 300 Saltzburgern, welche 
* N Sola e ſchlüßig geweſen, f voll! wer 
en ſoll. 


1 Einwerng. von Ebenczer ‚welche 100 Abſendung die⸗ 
5 ſer Nachricht S am Leben geweſen. 


* Stael Chriſtian Gronau. 
* 5 Catharina, feine Gehülfin. | 
Johann Martin Bolzius. J Hanna Eliſabetha, Doͤchterl. 
g Gertraud, feine Gehuͤlfnn. a 8 Monaten, 

; Samuel geberecht, Soͤhnleinſ, 
* von 2 u. riet. Jahren. Ke verwitw. Mt zam 
\ merin, ſein B eib. 


Rrrrrrrra „ e 


2865 erte Transport. 


v 38 De e) 


Thomas Gſchwandel. | Thomas Pichler. 
Sibylla, verwitw. Reſchin, 14 Margaretha, ſein Weib. 
4. ein Weib.“ Maria, Toͤchterl. von 4 Jahr. 
Margaretha, Toͤchterl. von /. Stephan Rottenberger. 
„e Jahren. ig Catharina, fein Weib. 
Leonhard Raune... Susanna, Doͤchterl. von g. 
Maria Magdalena, fein W. 


Matthias, Sohn von 14 J.“ A 0 einer. 
Maria, Tochter von ? Jahr. 16. Agatha ſein Weib. 
Seorg Schweiger. Ruprecht, Söhnl. 9. 4 Jahr. 
6. Eva Regina, fein Weib. Ruprecht Ste ner. 

Catharina, Toͤcht. v. 6 Woch. ry. Maria, ſein Weib. 
Margaretha, Schweighofeß Chriſtian, Soͤhnl. atehalb J. 
rin, Witwe.“ ] Ruprecht Eiſchberger. 
7. Maria, Tochter von 13 $ahr.]ı8. Maria, ſein Weib. 
| Thomas, Sohn von n Jahr. Catharina, Toͤchterl. v. 2 u. 
Urſula, Tochter von 7 Jahr halben Jahre. 
8. Martin Hertzog. 10 Matthias Brandner. 


2. Ohriſtian Leimberger. 9.“ Maria, ſein Weitd. 


0. Simon Reiter. Maria, Töchter. von 4 J. 
Margaretha Huberin, Waͤy⸗ 20 Veit gemmenhofer. 
. „ ſen⸗Maͤgdlein. I Maria, fein Weib. 
Chriſtoph Ortmann, Schul⸗ | Bartholomäus Rieſer. 
Au, meifter.) Maria, fein Weib. 
1 Juliana, feine Frau. 21.) Michael, Sohn von 18 Jahr- 
110 f 2 Balthaſar von 16 Jahr. 
8. (Georg : von z Jahren. 
Zweyter Transport. Veit Landfelder. 
2. Simon Steiner. 22. Urſula, fein Weib. 
Gertraud, ſein Weib. Agatha Tochter von 7 Jahr. 
Ruprecht Kalcher. Hans Maurer. 
Margaretha, fein Weib. eee e 
13. Urſula, Doͤchterl. „ Elſabetha, Soc von ru. 
3 Urſu 5 99 807 N EN I Viertel Jahren. 
Maria, Toͤchterl. von Monn. 
Ma a, T ch 195 te 1 24. Tho⸗ 


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5 Suſanna, Toͤchterl. 50659. 
| Johann Ludwig, Sohn. von 
en | 4 Mon. 


Doteth. Hense, ag 


31. Bar 0 us Zant. 
733. Ge e 8 
33. Jacob Schartner. 90 
34. Georg Bruckner. Er 
35 5 eo N 


von 16 Jahren. 


Jr von 16 J. 

5 Maria Ehriftina, „Tochter 

von 14 
12 I 


Johannes, Soͤhnl. von s. J. 


7905 1 | | Nrr serie 3 0 an 


EUR Mar e cen, von 
| 2 


on. 


* Maria Friederica, Tochter . 
|3obann Friedrich, „Sohn 


Fey Seo), Sohn 5 | 
james, „Sohn von 10 J. 


1 


wr 
— 7. 


( 02310 W 
1 Friedrich Müller. ao, Jo Stan a 
| ‚Adam 1 0 Juin 


m. 


| 
3 
Jahren. 3 Martin Lackner. 17 


fee 1 5 1 5 155 Wag 
1 Dazu, ode 5 5 1 180 
* siehe beth, Rh Höhn Jahr. 64. Matthias Zettler, 
N 


na, Docht erl. * Joſeph L e . 7 | 
"13 Ka on 6 J. 56. Gottlieb Chriſt. 
Dar en 0e 5 „Johann Metter. „ | 
03 JE Be 58. Kan ledig. | 
»/6 HA la, Siu . 
„ 40 Maria Mangan, So | See 
. 7 15 i von 59 3 8 Fahe ein, 
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Jogan 1 ein eule gucke, , als Knecht des 


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Hunz, eb tſcher Leute, 6 Maͤgdlein und eine alte Wit⸗ N 
15 un Jam iR * als e Dienſtboten zur Bemeine 3 
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a meine in re von unſerer Ankunft ze. nn 
Bet bis auf ietzige Zeit. e age a 
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* 25. Anna Regina Zwiflerin 44 
Ri im Jahr 734 426. Joh. Jac Heſfenſtein Be, 
70 rig Haberfehnerin 40 


5 435 1 5 * 128, Dil, diedelſperger 48 
r 27 ps. Adam iedelſperger nahe N 
be e in Jahr nn 
8 e Reiterin He 1 4 6⸗. Andr. Lorent Arnsdorf 60 
7. Matthias Braun betger 2 3, Paul Semmenhofer zt 
8. Hans Gru 


ber 2 7 45» Pr 2223 Joh. Simon Miller 18 K 


3. Ba 
4. Lorentz 


33. Sufanna Holtzerin 48» _ 
im Jahr 1733. 4. Anna Maria Rieſerin as - 
9. Chriſtian Steiner 30 im Jahr 1738. = 


- 30. Sebaſtian Glantz ‚4° 


1. Margaretha Bi AN sn 30 
1 . 2 
33 Nuprecht Se N 
14. Johann Ma 55 Kinder, 
ss. Hans Moßh 5 2 
16. Simon R | 
17. Burbara Kro in 15 Jahr. h 
18, Chriſtian Se a, 
39: Sabina Grit % 3. Marg. e erin 9 Woch. e 1 
Paul Schweig har 4 Raid Huhn Jahr. 3 > MR 
. Indreas Bauer 8 . andel 2 Stund. n 2 f 
22. Frantz Haberfehner en 0 6. „ Geosg veiger etliche t. 105 90 
23. Thomas Oſſenecker 30 7. Maria Schoppache n mr. is 2 
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8. Maria Eiſchbergerin ] ſtarben 19. Adam Lemmen 0 ö 

2. Socher Eichberger bald 20. Cathar. rome ch. 
hach der Taufe.“ F 

10. Agatha Steinerin Z Wochen. im Jahr 37. 

Joh. Georgdemmenhofer 2 M. 


11. Rupr. Nottenberger 10 Tage. 
12, Wolfgang Rottenberger 13 T. 28. Anna Eliſab. Ernſlin EM. 
e , 23. Margar. Cronbergerin 4 T. 
im Jahr 736. .. Jh enen 6 W. 

a 1 BE 70 25. * ac. h ni jer 
3. Jb. cab Schmidt 2 Hehn e Har de der . 
14::Margar. Steinen el St 7, Marin Sh deigerin 3 Tage. 
1j. Matthias Steiner 1 Tag. ee AAN Wer 
16. Anna Cathar. Oſſeneckerin io. im Jahr 8. 0 


3 Peter Gruber 916 V. 5 5 Tage. 


0 


17, Sohann Hidelſerger 2 W. 55. Maria Steinen Tah. 

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16. Cathar. Minden 5 W880. Maria Flöreln 10 Wochen. 
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